{"id":69168,"date":"2019-03-10T00:11:26","date_gmt":"2019-03-09T23:11:26","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=69168"},"modified":"2019-03-10T00:11:26","modified_gmt":"2019-03-09T23:11:26","slug":"mendelssohn-auf-dem-dach","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=69168","title":{"rendered":"Mendelssohn auf dem Dach"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt das zweite Buch das nach Leipzig mitnehmen habe wollen, denn die Tschechei ist da ja das Gastland und der 1900 in Prag geborene und 1959 dort verstorbene Jiri Weil ist ja ein Tscheche und sein 1960 in Prag posthum erschienener Roman, der 1992 bei &#8220;Rowohlt&#8221; auf Deutsch herausgekommen ist und jetzt bei &#8220;Wagenbuch&#8221; wiederaufgelegt wurde, ist eine Rarit\u00e4t, erz\u00e4hlt es doch die Okkupation der Nazis in Tschechien und es beginnt h\u00f6chst satirisch bis es dann im Untergang endet.<\/p>\n<p>Denn Reinhard Heydrich, der 1942 in Prag bei einem Attentat umkam, ist dort Reichsprotektor und au\u00dferdem ist er ein musikliebender Mann. So geht er abends in das Konzerthaus, das ihm zu Ehren Don Giovanni spielt und als er beim Weggehen auf das Dach schaut, entdeckt er eine Mendellsohn-Staue und f\u00e4ngt zu toben an.<\/p>\n<p>Der Jude mu\u00df weg. Also schickt er einen Magistratsbeamten mit zwei Gehilfen dorthin, um die Statue entfernen zu lassen, nur stehen keine Namen auf den B\u00fcsten. So kommt der Beamte auf die Idee das Wissen anzuwenden, was er bei seinen Schulungen lernten.<\/p>\n<p>Der mit der gr\u00f6\u00dften Nase mu\u00df der Jude sein. Nur leider ist das Richard Wagner, den sogar er erkennt und nun ist Rat teuer und man wei\u00df auch nicht so recht, wen man um Hilfe holen soll, weil ja alle vor der Gestapo Angst haben, die sehr brutal zu reagieren pflegt.<\/p>\n<p>Das geschieht schlie\u00dflich doch. Die richtige B\u00fcste wird heruntergeholt und versteckt, bis der Spuk vorbei ist und der zieht sich nur langsam voran. Die Juden m\u00fcssen ein Museum mit gestohlener Raubkunst anlegen. Der ehemalige Pf\u00f6rtner der j\u00fcdischen Gemeide mu\u00df die geraubten M\u00f6bel schleppen und ein Jude stirbt zu erst einmal im normalen, dann im j\u00fcdischen Spital in das er todkrank \u00fcberstellt wird.<\/p>\n<p>Die Statuenmetapher wurde hier gew\u00e4hlt und so erstarr sein Herz zu Stein. Er soll aber f\u00fcr die beiden versteckten Kinder Adela und Greta seiner verstorbenen Schwester sorgen, das besorgt ein Freund f\u00fcr ihn, bis die Pflegeeltern weggeholt werden, die ver\u00e4ngstigen Kinder sich auf die Stra\u00dfe begeben und dann von der Gestapo zu Tode gepr\u00fcgelt werden, dabei in ihrer Angst ein Lied singen, aber die, die sie versteckt haben, nicht verraten.<\/p>\n<p>Inzwischen werden die Juden abgeholt und entweder, wenn sie priveligiert sind, in die Festungshaft nach <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/08\/musik-in-theresienstadt\/\">Theresienstadt<\/a> oder gleich in den Osten gebracht, wo sie das Ger\u00fccht \u00e4ngstigt, da\u00df sie dort in den &#8220;Schornstein gejagt&#8221; werden.<\/p>\n<p>Sowohl satirisch, als auch scharf pointiert, zeichnet Jiri Weil, der 1933 als \u00fcberzeugter Kommunist in den Osten ging, zwei Jahre sp\u00e4ter in die Heimat zur\u00fcckkehrte und die NS-Zeit nur \u00fcberleben konnte, weil er seinen Selbstmord vort\u00e4uschte, das Bild von der besetzen Stadt und der Judenvernichtung dort.<\/p>\n<p>In der Nachkriegszeit hat er im j\u00fcdischen Museum in Prag gearbeitet und dort auch, wie im Anhang steht, Klaus Wagenbach kennengelernt, dessen Verlag jetzt seinen, glaube ich, dritten Roman nochmals auflegte, den ich sehr empfehlen kann, weil er alle, die das vielleicht vergessen haben oder nicht h\u00f6ren wollen, sehr eindringlich vor Augen f\u00fchren kann, wie es damals war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt das zweite Buch das nach Leipzig mitnehmen habe wollen, denn die Tschechei ist da ja das Gastland und der 1900 in Prag geborene und 1959 dort verstorbene Jiri Weil ist ja ein Tscheche und sein 1960 in Prag &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=69168\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[23,2662,5860,6100],"class_list":["post-69168","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-jiri-weil","tag-holocaust","tag-tschechische-literatur","tag-wagenbach"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69168"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69168\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}