{"id":69444,"date":"2019-03-23T00:00:53","date_gmt":"2019-03-22T23:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=69444"},"modified":"2019-03-23T00:00:53","modified_gmt":"2019-03-22T23:00:53","slug":"ich-bin-oezlem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=69444","title":{"rendered":"Ich bin \u00d6zlem"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt noch ein\u00a0 Buch aus dem &#8220;Verbrecher-Verlag&#8221; und zwar eines mit einem brandtaktuellen Thema, besch\u00e4ftigt sich doch die 1972 in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd geborene Dilek G\u00fcng\u00f6r, von der ich mir nicht sicher bin, ob ich ihren 2007 erschienenen Roman &#8220;Das Geheimnis meiner t\u00fcrkischen Gro\u00dfmutter&#8221;, in meinen B\u00fccherbergen habe oder nicht,\u00a0 in Zeiten der politischen Korrektheit und der Frage, der Verletzung der Gef\u00fchle, w\u00e4hrend auf der patriotischen Seite, die Ausl\u00e4nder beschimpft und als Gewaltt\u00e4ter dargestellt werden, mit den Frage der Identit\u00e4t, des Fremdseins und, ob man jetzt T\u00fcrkin ist, wenn man in Deutschland geboren wurde, aber \u00d6zlem hei\u00dft, etcetera.<\/p>\n<p>Ich bin gar nicht so sicher, ob das einhundertsechzig Seiten Buch, als Roman zu benennen ist. Ich w\u00fcrde es fast als einen erz\u00e4hlenden Personal-Essay bezeichnen, denn es behandelt\u00a0 nur eine sehr kurze Zeitspanne und da eigentlich mit R\u00fcckerinnerungen, die oben erw\u00e4hnten Fragen.<\/p>\n<p>Da ist also \u00d6zlem, wie ihre Autorin in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd aufgewachsen, jetzt in Berlin lebend, Tochter von t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Eltern, die als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind und jetzt Migranten hei\u00dfen. Sie ist Ende drei\u00dfig und hat,\u00a0 das ist vielleicht etwas ungew\u00f6hnlich, vielleicht auch konstruiert einen deutschen Mann und zwei Kinder Emilia und Jakob, die, glaube ich, nicht T\u00fcrkisch sprechen und es beginnt mit einer Einladung zum Abendessen.<\/p>\n<p>Im Beschreibungstext steht noch etwas, das \u00d6zlem, sich st\u00e4ndig mit &#8220;Ich bin \u00d6zlem!&#8221; und &#8220;Meine Eltern stammen aus der T\u00fcrkei&#8221; vorstellt.<\/p>\n<p>Zu Beginn steht sie aber in der K\u00fcche, macht Linsensuppe f\u00fcr ihre zwei Freundinnen Eva und Johanna und ihre Ehem\u00e4nner, die zum Essen kommen und \u00fcberlegt dabei, da\u00df das t\u00fcrkische Essen sehr \u00fcppig ist und ihr ihre Mutter, das Kochen beigebracht hat, w\u00e4hrend das bei ihren deutschen Freundinnen nicht so wichtig war.<\/p>\n<p>Sie hat die Realschule besucht, w\u00e4hrend ihre Freundinnen aufs Gymnasium abwanderten, ist dann aber\u00a0 Sprachlehrerin geworden. Malen wollte sie auch, hat das aber aufgegeben und jetzt l\u00f6chern sie ihre Freundinnen, da\u00df sie mit ihnen mit in den Urlaub nach Griechenland fahren soll, was sie eigentlich nicht so will.<\/p>\n<p>Dann f\u00e4hrt sie aber doch ein Wochenende mit den Freunden und den Kindern, ihr Mann ist nicht dabei, nach Usedom und dort zerstreitet sie sich mit ihnen an der Frage, ob die &#8220;Karlsplatz-Schule&#8221; eine schlechte Schule ist, weil die Kinder dort nur T\u00fcrkisch und Arabisch sprechen.<\/p>\n<p>Sie zerstreitet sich nicht nur, sie bricht dar\u00fcber fast zusammen, obwohl sie ihre Tochter auch nicht in eine solche Schule gegeben hat.<\/p>\n<p>Ein interessantes Buch in Zeiten, wie diesen, wo man nicht mehr Fragen\u00a0 oder soll, woher jemand kommt, weil das vielleicht rassistisch ist.<\/p>\n<p>Obwohl\u00a0 eigentlich nur so Kommunikation entsteht und man dar\u00fcber diskutieren k\u00f6nnte, w\u00e4hrend der andere vielleicht genervt ist, diese Frage zum hunderttausensten Mal, in Zeiten der AFD der Pegida-M\u00e4rsche, beantworten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re es, denke ich, sehr wichtig diese Frage selbstbewu\u00dft mit einem &#8220;So ist es, ich spreche zwei Sprachen und habe zwei Identit\u00e4ten, na und?&#8221;, zu beantworten.<\/p>\n<blockquote><p>Oder nat\u00fcrlich nicht, wie Dilek G\u00fcng\u00f6r\u00a0 an ihrer Protagonistin eindr\u00fccklich beschreibt, die sich mit ihrer Doppelidentit\u00e4t zurechtfinden mu\u00df und ich\u00a0 denke mir, da\u00df die Empfindlichkeit, auch ein Pferdefu\u00df sein k\u00f6nnte und es Rauhbeine wahrscheinlich leichter haben.<\/p>\n<p>Was aber sicher\u00a0 nicht so einfach ist, eine dicke Haut zu bekommen, wenn man von Kindheit an Au\u00dfenseiter war.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein interessantes Buch, das nicht nur dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/02\/15\/gottes-kind\/#comments\">Uli<\/a> sehr zu empfehlen w\u00e4re und \u00fcber man sicher viel diskutieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt noch ein\u00a0 Buch aus dem &#8220;Verbrecher-Verlag&#8221; und zwar eines mit einem brandtaktuellen Thema, besch\u00e4ftigt sich doch die 1972 in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd geborene Dilek G\u00fcng\u00f6r, von der ich mir nicht sicher bin, ob ich ihren 2007 erschienenen Roman &#8220;Das &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=69444\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1529,2175,2714,4608,5994,6018],"class_list":["post-69444","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-dilek-guenguer","tag-fremdsein","tag-identitaet","tag-politische-korrektheit","tag-verbrecher-verlag","tag-verletzung-der-gefuehle"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69444"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69444\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}