{"id":6992,"date":"2011-05-16T00:04:54","date_gmt":"2011-05-15T22:04:54","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6992"},"modified":"2011-05-16T00:04:54","modified_gmt":"2011-05-15T22:04:54","slug":"mondscheintarif","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6992","title":{"rendered":"Mondscheintarif"},"content":{"rendered":"<p>Das n\u00e4chste Chick Lit aus dem Schrank, Ildiko von K\u00fcrthys &#8220;Mondscheintarif&#8221;, das mir einen verl\u00e4ngerten Sonntagvormittag in der Badewanne bescherte, erf\u00fcllt sein Klischee schon auf den ersten Blicken.<br \/>\nDas Titelbild halb rosa und blau, Meer mit rosa Himmel und einem halben Sonnen- bzw Mondscheibe in der Mitte. Im Buch gibt es, wahrscheinlich f\u00fcr die Analphabeten, viele rosa-graue Bilder, der Epilator ist  zu sehen, auf einer Seite bin ich richtig erschrocken, da schminkt in der Buchmitte, die Protagonistin auf zwei kleinen Bildchen ihre Lippen rosa vor dem Spiegel. Das Buch entnahm ich dem Impresso, ist eine eine einmalige Sonderausgabe vom Juli 2005 und m\u00f6glicherweise ein Preisausschreiben, sind doch immer ein paar Worte rosa angestrichen. Nur so eine Idee von mir, weil ich sonst keine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die rosa Strichchen h\u00e4tte, die angestrichenen Worte haben mir aber keinen Sinn ergaben.<br \/>\n&#8220;Happy birthday, Tante Hilde&#8221;, steht noch vor der ersten Seite rosa, was ebenfalls nicht erkl\u00e4rt wird, dann beginnts auf Seite sieben mit zwei F\u00fc\u00dfen.<br \/>\n&#8220;Der Fu\u00df ist eine weitgehend unerschlossene  weibliche Problemzone&#8230; So k\u00f6nnte ein Artikel in einer Frauenzeitschrift anfangen. &#8230; Ich hei\u00dfe Cora H\u00fcbsch!&#8221;<br \/>\nLos gehts an einem Samstagnachmittag um 17.17 und  schlie\u00dft um 00.01. Dazwischen erz\u00e4hlt die dreiunddrei\u00dfigj\u00e4hrige Cora, eine Fotografin, die M\u00f6bel f\u00fcr einen Katalog fotografiert, ihre Geschichte, bzw. wei\u00df sie nicht, wie sie sich verhalten soll.<br \/>\nSamstagnachmittag und sie hat noch kein Date. Interessant herauszubekommen, wie sie es schafft auf ihrem Balkon bis 00.01 angerufen zu werden. Sie erwartet aber etwas Bestimmtes, n\u00e4mlich den Anruf von Dr. med  Daniel Hofmann und den lernte sie vor drei Wochen und drei Tagen vor der T\u00fcre einer Damentoilette kennen, als sie mit ihrer sch\u00f6nen und erfolgreichen Freundin Jo als Beiwerk bei einem Filmempfang war und sich  w\u00e4hrend  die Preistr\u00e4ger vorgestellt wurden, langweilte. So ist sie zwischendurch an dem schon vorbereiteten Buffet vorbei, aufs Klo gegangen und wollte, als sie von der Klofrau erfuhr, da\u00df sie nicht mitessen darf, einen Teller mit Hummern und Austern f\u00fcr sie holen. Nur landete sie mit dem vollen Teller sinnigerweise auf Dr. Hofmanns Brust, wurde von seiner sch\u00f6nen Begleiterin, einer Schauspielsch\u00fclerin namens Ute oder Carmen, angeschrieen und mit Klage bedroht. Als sie sich am n\u00e4chsten Morgen besch\u00e4mt krankschreiben lassen will und deshalb zu ihrem Allgemeinmediziner geht, ist Dr. Hofmann sein Vertreter, der ihr Einlagen verordnet. Sie schreibt ihm ihre Telefonnummer auf den Rezeptblock &#8220;Rufen Sie mich an, wenn Sie auch meine guten Seiten kennenlernen wollen!&#8221;, bl\u00f6derweise hat sie aber Jos Telefonnummer erwischt, Handies hat es, als der Roman geschrieben wurde, offenbar noch nicht gegeben, nur Anrufbeantworter, so sitzt Cora wartend vor dem ihren, bis Jo anruft und erz\u00e4hlt, &#8220;Stell dir vor, da ist mir etwas Seltsames passiert!&#8221;<br \/>\nCora schafft es auch Dr. Hofmann mit der richtigen Verz\u00f6gerung zur\u00fcckzurufen. Sie hat da einen Hausfreund, der sie ber\u00e4t, wie lange man einen Mann warten lassen mu\u00df, geht mit epilierten Beinen und dem richtigen Minikleid mit ihm essen. Daf\u00fcr hat sie beim Italiener ein Katzentischchen bekommen, wie gut, da\u00df Dr. Hofmann dort Stammgast ist, f\u00fcr den  der sch\u00f6ne Tisch, den sie eigentlich wollte, bereitsteht. Sie hat auch Karteik\u00e4rtchen mit den richtigen Gespr\u00e4chsthemen in der Handtasche, dann fahren sie mit getrennten Taxis nach Hause. Dr. Hofmann hat sie aber ein paar Tage sp\u00e4ter in seine Wohnung eingeladen. Mit Schluckauf kommt sie dort an, der erst vergeht, als er meint, da\u00df er ohnehin zu einem Patienten mu\u00df, das nennt sich nach Viktor Frankl paradoxe Intention und wirkt so gut, da\u00df Cora, wenn sie wollte, in seinem Schlafzimmer landen h\u00e4tte k\u00f6nnen, aber eine gute Frau macht sich rar und trifft sich erst ein paar Tage sp\u00e4ter,  bei einem Fest eines Sch\u00f6nheitschirurgen, mit ihm, der selbst nicht so sch\u00f6n, aber reich und erfolgreich ist, so da\u00df sich auch in seinem Nobelschuppen das Buffet biegt. Die Beiden fahren aber in Dr. Hofmanns Wohnung und haben sch\u00f6nen Sex  und nun die Frage an Big Jim, den harmlosen Freund Coras, wie lange soll sie warten, darf sie oder mu\u00df er anrufen, damit sie sich nichts vergibt? So vergehen die Stunden an diesem Samstagabend. Cora macht sich sch\u00f6n, spricht mit der Nachbarin, die zum zweiten Mal schwanger wird und in Coras Wohnung, die sch\u00f6ne Vase aus China zerbricht, weil ihr R\u00fcdiger nicht begeistert darauf reagierte. Die Traumfrau Jo kocht Spaghetti und bringt eine Flasche Champus mit und als Cora doch anruft, ist Dr. Hofmann nicht zu Hause. Was tut man in diesen F\u00e4llen? Den Christbaum, der noch von Weihnachten am Balkon liegt, ohne Schuhe im Park entsorgen, bl\u00f6d nur, da\u00df Cora dort ihren Daniel mit Ute  Koszlowski oder Carmen H\u00e4ndchen haltend trifft.<br \/>\nAch du liebe Schei\u00dfe, vorher hat sie Jo oder Jim noch gestanden, da\u00df sie von Daniel gern &#8220;Meine Liebste!&#8221;, genannt werden will, nur die M\u00e4nner sind so einfallslos, aber jetzt ist ohnehin alles aus und Cora H\u00fcbsch die &#8220;d\u00e4mmlichste, unattraktivste, d\u00fcmmste Nu\u00df und Kuh!&#8221;, die sich nur noch in den klassischen Trennungsphasen \u00fcben kann. Oder nicht, denn auf dem Heimweg mu\u00df sie beim Italiener vorbei, wo alle P\u00e4rchen  H\u00e4ndchen halten und Wei\u00dfwein trinken. Da trifft sie Ute, trinkt mit ihr ein Mineralwasser, um von ihr zu erfahren, da\u00df sie lesbisch ist und nur mit Daniel ausgeht, damit ihre Karriere als Schauspielerin nicht gef\u00e4hrdet ist.<br \/>\nIn Wahrheit ist Daniel  schwer in Cora verliebt, das hat er Ute gerade im Park erz\u00e4hlt und auch, wie sehr es ihm imponierte, da\u00df Cora, am letzten Montag oder war es Mittwoch, nicht mit ihm ins Bett gegangen ist.<br \/>\n&#8220;Wow!&#8221; und nun nichts als zum Telefon! Wem wunderts, da\u00df sich um 00.01 Dr. Hofmann meldet und &#8220;Na endlich, Cora, meine Liebste!&#8221;, sagt.<br \/>\nIldiko von K\u00fcrthy wurde 1968 in Aachen geboren, lebt in Hamburg,  ist oder war Redakteurin beim Stern und alle ihre B\u00fccher wurden Bestseller.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das n\u00e4chste Chick Lit aus dem Schrank, Ildiko von K\u00fcrthys &#8220;Mondscheintarif&#8221;, das mir einen verl\u00e4ngerten Sonntagvormittag in der Badewanne bescherte, erf\u00fcllt sein Klischee schon auf den ersten Blicken. 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