{"id":69980,"date":"2019-04-12T00:04:21","date_gmt":"2019-04-11T22:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=69980"},"modified":"2019-04-12T00:04:21","modified_gmt":"2019-04-11T22:04:21","slug":"lidschlag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=69980","title":{"rendered":"Lidschlag"},"content":{"rendered":"<p>Noch ein Buch der kleinen feinen &#8220;Wagenbach-Salto-Reihe&#8221; mit wieder einer mir bisher unbekannten Autorin, n\u00e4mlich\u00a0 der 1975 in Buenos Aires geborenen Kunstkritikerin und Kuratorin Maria Gainza, deren Debut\u00a0 &#8220;Lidschlag&#8221;, gleich in\u00a0 zehn Sprachen \u00fcbersetzt wurde und\u00a0 der Band &#8220;Lidschlag&#8221; beinhaltet elf Skizzen, w\u00fcrde ich sagen, die alle von einer Kunsthistorikerin namens Maria handeln, die in Buenos Aires mit prek\u00e4ren Jobs lebt und da beispielsweise interessierte Touristen durch Privatsammlungen f\u00fchrt, wie man in dem ersten Text &#8220;Dreuz Hirsch&#8221; erfahren kann.<\/p>\n<p>Und Alfred Hirsch ist ein 1810 in Paris geborener und 1860 dort verstorbener Maler, mir ebenfalls bisher unbekannt und so gleite ich wieder durch ein Buch in dem es um Bilder und Museeumsbesuche geht.<\/p>\n<p>Da hat ja <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/30\/die-vier-weltteile\/\">Hanno Millesi k\u00fcrzlich durch das kunsthistorische Museum<\/a> gef\u00fchrt und durch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/03\/19\/mascha-und-margarita\/\">Roberts Gabe<\/a>, die er mir ins<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/03\/11\/a-bgestuerzt\/\"> Landesklinikum St. P\u00f6lten<\/a> brachte, bin ich ja vor kurzen auch durch die Kunst des Malers Velasques und seine Prinzessisnnenbilder gewandert.<\/p>\n<p>Der zweite Text ist dem 1902 verstorbenen Fotografen und Maler Candido Lopez gewidmet, der im Paragayischen Krieg einen Arm verloren hat. Die schwangere Erz\u00e4hlerin f\u00e4hrt, um der Hitze der Stadt zu entgehen, in das Museum, das seine Bilder ausstellt, um dort zu erfahren, da\u00df die immer noch restauriert werden. Eine Rahmenhandlung, um den Bruder der ersten Frau ihres Mannes, Charly, der im Urwald eine Farm bewirtschaften will, gibt es auch.<\/p>\n<p>In &#8220;Ruinenromantik&#8221; geht es um den 1808 verstorbenen Maler Hubert Robert, w\u00e4hrend Maria Gainza in &#8220;Die sch\u00f6ne Zuflucht&#8221;, die Erinnerung an ihre Freundin Alexa, die in Angola als Journalistin arbeitet, sowie einen Roman schreibt, mit der sie als Kind mit ihrem Vater einen Tiermaler besuchte,\u00a0 dem der Vater\u00a0 ein Katzenbild abkaufte, mit der Biografie des\u00a0 1968 in Z\u00fcrich verstorbenen\u00a0 japanisch-franz\u00f6sischen Maler Tsuguharu Foujita, der sich mit einer Katze portraitierte, verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Geschichte f\u00e4hrt sie mit Freunden ans Meer, bleibt dort im Auto sitzen, passt auf das Gep\u00e4ck und die Musikanlage auf. H\u00f6rt die &#8220;Doors&#8221;, dreht sich piniennadeld\u00fcnne Joints und denkt an das\u00a0 Bild &#8220;St\u00fcrmische See&#8221; oder\u00a0 &#8220;Mer orageuse&#8221; von Gustave Courbet.<\/p>\n<p>Dann kommt Maria Gainza von einer japanischen Keramikkugel, die sie im B\u00fccherregal ihrer Freundin Amalia entdeckt zu Henri Toulouse Lautrec und erz\u00e4hlt auch ein bi\u00dfchen von ihrer ungl\u00fccklichen Kindheit und der schlechten Beziehung, die sie zu ihrer Familie hatte.<\/p>\n<p>Danach begibt sie sich wegen zuckender Augenlider zum Arzt und blickt w\u00e4hrend sie im Wartezimmer sitzt auf ein Poster des lettischen Farbfeldmalers Mark Rothko und macht hier ihre kunstgeschichtlichen Verkn\u00fcpfungen, bis ihr der Arzt verk\u00fcndet, da\u00df sie eine harmlose Augenentz\u00fcndung hat.<\/p>\n<p>Eine Geschichte hadelt vom katalanischen Maler Josep Maria Sert von der sich ihr Onkel Marion das Boudoir seines Palais einrichten lie\u00df.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Geschichte soll sie, da Jurymitglied, zu einer Sitzung nach Genf fliegen, was aber durch ihre Flugangst verhindert wird, die Verkn\u00fcpfung zur bildenden Kunst passiert hier durch den autodidaktischen Maler Henri Rousseau, der offenbar auch einmal eine Ballonfahrt machte.<\/p>\n<p>In den letzten beiden Geschichten geht es, um den argentinischen Maler Augusto Schiavoni und den Renaissancemaler El Greco und wieder verkn\u00fcpft Maria Gainza, die Biografien- mit ihrer Familiengeschichte, was beim Lesen manchmal etwas anstrengend ist, den vielen Verkn\u00fcpfungen\u00a0 zu folgen und zu verstehen.<\/p>\n<p>Aber sicher\u00a0 interessant, die pers\u00f6nliche Geschichte\u00a0 mit den verschiedenen K\u00fcnstlerbiografien zu verkn\u00fcpfen und so\u00a0 sehr\u00a0 literarisch eine neue Art der Kunstvermittlung zu kreieren.<\/p>\n<p>&#8220;Ein verf\u00fchrerisch kluges Debut \u00fcber eine Frau, die durch Bilder und fesselnde K\u00fcnstlergeschichten auf ihr Leben, ihre Familie und Freunde schaut. H\u00f6chst originell, bestechend sch\u00f6n, ein Buch das man genie\u00dfen soll&#8221; hat der &#8220;Guardian&#8221;\u00a0 geschrieben und am Buchr\u00fccken steht sogar:\u00a0 &#8220;Blicke, Bilder und Geschichten: ein Buch in dem sich Kunst und Leben auf einzigartige Weise verweben &#8211; verf\u00fchrerisch gut erz\u00e4hlt von einer argentinischen Exzentrikerin.&#8221;<\/p>\n<p>Das Letztere w\u00fcrde ich weglassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ein Buch der kleinen feinen &#8220;Wagenbach-Salto-Reihe&#8221; mit wieder einer mir bisher unbekannten Autorin, n\u00e4mlich\u00a0 der 1975 in Buenos Aires geborenen Kunstkritikerin und Kuratorin Maria Gainza, deren Debut\u00a0 &#8220;Lidschlag&#8221;, gleich in\u00a0 zehn Sprachen \u00fcbersetzt wurde und\u00a0 der Band &#8220;Lidschlag&#8221; beinhaltet &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=69980\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[389,3357,3856,6100],"class_list":["post-69980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-argentinien","tag-kunst","tag-maria-gainza","tag-wagenbach"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=69980"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/69980\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=69980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=69980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=69980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}