{"id":70220,"date":"2019-04-20T00:47:20","date_gmt":"2019-04-19T22:47:20","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=70220"},"modified":"2019-04-20T00:47:20","modified_gmt":"2019-04-19T22:47:20","slug":"tunnel-ueber-der-spree","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=70220","title":{"rendered":"Tunnel \u00fcber der Spree"},"content":{"rendered":"<p>Der 1944 in Wetzlar geborene Schriftsteller, Essayist und Reporter, wie in &#8220;Wikipedia&#8221; steht, feierte am dreizehnten April seinen f\u00fcnfundsiebzigsten Geburtstag. Zu diesem Zweck gab die &#8220;Frankfurter Verlagsanstalt&#8221; einen Sammelband mit dem Untertitel &#8220;Traumpfade der Literatur&#8221; heraus, wo es, wie man sagen k\u00f6nnte, auf eine Reise durch die literarische Vergangenheit des Autors geht und in sieben oder acht Abschnitte, kurze Portrait seiner Weggef\u00e4hrten, Erinnerungen an Begegnungen in deren Wohnungen oder auf Kongressen, aber auch skurille Geschichten, um Dichterpers\u00f6lnlichkeiten oder die Aufarbeitung ihrer Themen geboten werden.<\/p>\n<p>So beginnt es schon bei &#8220;Wer lacht hier, hat gelacht&#8221;, eine Reminiszenz, wie darunter steht, mit &#8220;Das schallende Gel\u00e4chter von Walter H\u00f6llerer, das wiehernde Gel\u00e4cherter von Hubert Fichte,\u00a0 das b\u00e4rbei\u00dfige L\u00e4cheln von Uwe Johnson, \u00fcber Peter Weiss, zu Siegfried Unseld, dem das Buch auch gewidmet ist, und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Jetzt wei\u00df man schon, wer Hans Christoph Buchs Weggef\u00e4hrten sind, der glaube ich, auch bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/14\/die-gruppe-47\/\">&#8220;Gruppe 47&#8221;<\/a> war und im ersten richtigen Abschnitt, geht es dann haupts\u00e4chlich in die Sechzigerjahre und nach &#8220;WestOstBerlin&#8221;, denn im Zweiteren hat er Wolf Biermann vor seiner Ausb\u00fcrgering \u00f6fter besucht, h\u00f6rte zu, als der auf seiner Gitarre das &#8220;Stasilied&#8221; probte: &#8220;Menschlich f\u00fchl ich mich verbunden mit den armen Stasi-Hunden&#8221;, als es an der T\u00fcr l\u00e4utete, ein solcher Einla\u00df begehrte und gem\u00fctlich &#8220;Hallo Wolf,\u00a0 Ich m\u00f6chte wissen, wer dieser, wie hei\u00dft er doch gleich &#8211; dieser Che Guevara, von dem neuerdings so viel jeredet wird, wer det eigentlich war?&#8221;, fragte und von Biermann dann\u00a0 ein Lied \u00fcber den Commatadore gesungen bekam und aufgekl\u00e4rt wurde.<\/p>\n<p>G\u00fcnter Grass kommt in den sp\u00e4teren Abschnitten nat\u00fcrlich auch vor, \u00fcber den \u00e4u\u00dfert Buch sich sehr kritisch, meint, da\u00df ihm &#8220;Ein weites Feld&#8221;, das Buch das er nach der Wende geschrieben hat, nicht gefallen hat, w\u00e4hrend man das \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/26\/grimms-worter\/\">&#8220;Grimm&#8221;<\/a> mehr Beachtung schenken sollte. Er erinnert sich an Siegfrief Unseld, besucht auch Marcel Reich-Ranicky in seiner Wohnung und schreibt \u00fcber Martin Walser, den er am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/14\/mit-martin-walser-unterwegs-am-bodensee\/\">Bodensee<\/a> besucht.<\/p>\n<p>In den &#8220;Literaturgeschichten&#8221; gibt es dann eigene Texte \u00fcber die Literaten und deren Werke, so eine \u00fcber &#8220;Peter Schlemihils letzte Reise&#8221;, eine \u00fcber &#8220;Schillers Sch\u00e4del&#8221; und ebenfalls sehr ber\u00fchrend, wenn er in den Leib des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/11\/kafka-wege-um-das-sanatorium-hoffmann\/\">tuberkulosekranken Franz Kafka<\/a> schl\u00fcpft und ihn einen Brief an ein kleines M\u00e4dchen schreiben l\u00e4\u00dft, das seine Puppe verloren hat.<\/p>\n<p>In &#8220;Bagatellen zum Massaker&#8221; besch\u00e4ftigt er sich mit der ber\u00fchmten Frage, ob Schriftsteller eine gr\u00f6\u00dfere moralische Verantwortung h\u00e4tten, als die &#8220;normalen\u00a0 Menschen&#8221; und beantwortet sie mit Beispielen von sowetischen oder auch Nazi-Schriftsteller, die andere denunziiert und verraten haben und sich daf\u00fcr sch\u00f6ne Villen und H\u00e4user bauten.<\/p>\n<p>In &#8220;Spiel mir das Lied vom Tod&#8221; geht es nicht nur um <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/30\/herzzeit\/\">Paul Celan<\/a> und seine ber\u00fchmte Todesfuge. Hans Christoph Buch spannt hier den Bogen weiter \u00fcber Goethe und Richard Wagner, bis zu dem, der sich in Ostdeutschland umbrachte, weil er seinen Betrieb wegen den Supermarktketten nicht mehr aufrechterhalten konnte.<\/p>\n<p>Dann wird ein Besuch bei G\u00fcnter Grass versichert, zu dem der Autor, wie schon geschrieben, ein eher distanziertes Verh\u00e4ltnis hatte, der ihm aber bei einem Besuch im M\u00e4rz 2012, fragte, &#8220;ob wir eine Neuauflage von 1968 brauchen w\u00fcrden.&#8221;und der, wie ich gerade feststellte, am gleichen Tag, n\u00e4mlich am 13. April 2015 gestorben ist, an dem Hans Christoph Buch Geburtstag hat.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Teil, &#8220;Blick zur\u00fcck nach vorn&#8221;, geht es zun\u00e4chst um einen anderen Buch-Vertrauten,\u00a0 n\u00e4mlich um den in der DDR geborenen Gert Losch\u00fctz, der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/20\/die-deutsche-longlist-etwas-verspaetet\/\">2018 auf der dBp-Longlist<\/a> gestanden ist und von dem ich das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/03\/ein-schoenes-paar\/\">nominierte Buch gelesen habe<\/a>.<\/p>\n<p>Dann wird aus dem Briefwechsel zitiert, den Hans Christoph Buch in den Sechzigerjahren mit den 1979 verstorbenen Nikolas Born f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Nach Kapiteln \u00fcber Reinhard Lettau und den mir v\u00f6llig unbekannten Gerd-Peter Eigner, geht es dann zum &#8220;Schlu\u00dfwort in eigener Sache&#8221; und zu den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/03\/01\/identitaetsfragen\/\">Identit\u00e4tsfragen<\/a>, den ber\u00fchmten: &#8220;Wer man ist, woher man kommt und wohin man geht?&#8221;, die ja keiner wirklich beantworten kann.<\/p>\n<p>Hans Christoph Buch, hatte aber eine haitische Gro\u00dfmutter, weshalb sich sein Vater mit dem Ariernachweis schwer tat, war Reiseschriftsteller, schrieb Kriegsreportagen, wurde, wie er im letzten Text einer Rede anl\u00e4\u00dflich einer Preisverleihung schreibt, vom Literaturbetrieb nicht oder zu wenig anerkannt. War wahrscheinlich auch das, was man einen &#8220;Achtundsechziger&#8221; nennt, ein links denkender Schriftsteller, der mit den gleichgesinnten Intellektuellen seiner Zeit befreundet war und ich, die ich mich ja f\u00fcr jede Art des Literaturbetriebs interessiere, weil oder weil ich ja auch au\u00dferhalb stehe, habe wieder ein sehr interessantes Buch gelesen, bin eingetaucht in die Welt des literarischen Deutschlands der Neunzehnsechzigerjahre und ich liebe ja solche B\u00fccher, habe unl\u00e4ngst von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/01\/was-dann-nachher-so-schoen-fliegt\/\">Hilmar Klute<\/a> ein \u00c4hnliches gelesen und<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/08\/zu-doris-kloimstein-ins-cafe-schubert\/\"> Doris Kloimstein<\/a> hat mit zwei Pen- Kollegen ja vor kurzem auch eines \u00fcber den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/03\/15\/nennen-wir-ihn-rumpelstilzchen\/\">\u00f6sterreichischen Literaturbetrieb herausgegeben.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 1944 in Wetzlar geborene Schriftsteller, Essayist und Reporter, wie in &#8220;Wikipedia&#8221; steht, feierte am dreizehnten April seinen f\u00fcnfundsiebzigsten Geburtstag. 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