{"id":70735,"date":"2019-05-07T23:04:34","date_gmt":"2019-05-07T21:04:34","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=70735"},"modified":"2019-05-07T23:04:34","modified_gmt":"2019-05-07T21:04:34","slug":"friederike-manner-romanbericht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=70735","title":{"rendered":"Friederike Manners Romanbericht"},"content":{"rendered":"<p>Heute fiel die Auswahl wieder schwer, denn drei sehr sehr interessante Veranstaltungen, wo ich eigentlich zu jeder gern gegangen w\u00e4re. So sprach <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/01\/21\/andreas-tieferbacher-im-lesetheater\/\">Helmut Rizy im &#8220;Republikanischen Club&#8221;,<\/a> wo ich ja n\u00e4chste Woche die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_unsichtbare_frau.html\">&#8220;Unsichtbare Frau&#8221;<\/a> vorstellen werde, \u00fcber Primo Levi, in der &#8220;AS&#8221; wurde in der Grundbuchreihe Reinhard Federmanns &#8220;Himmelreich der L\u00fcgner&#8221; vorgestellt und in der &#8220;Gesellschaft f\u00fcr Literatur&#8221; wo ich jetzt schon sehr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/03\/16\/veranstaltungslos\/\">lange nicht war<\/a>, Friederike Manners &#8220;Die dunklen Jahre&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Friederike Manner, who is she?&#8221;, werden meine Leser vielleicht fragen. Noch nie etwas geh\u00f6rt von der 1904 in Wien geborenen, die sich dort 1956 das Leben genommen hat. Das gilt aber wieder nicht f\u00fcr mich und vielleicht auch nicht f\u00fcr die, die regelm\u00e4\u00dfig die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">B\u00fccherschr\u00e4nke<\/a> freqentieren. Lag doch dort vor einiger Zeit ein kleines buntes B\u00fcchlein aus einem &#8220;Forum-Verlag&#8221; &#8220;Lesen aber was?&#8221;, 1955 erschienen und da mich B\u00fccher \u00fcber B\u00fccher ja sehr interessieren, habe ich begierig danach gegriffen. Es auch auf meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> gesetzt,\u00a0 inzwischen von dort wieder\u00a0 hinuntergenommen.<\/p>\n<p>Der Name hat sich aber eingepr\u00e4gt und auch das Bild von der verh\u00e4rmt aussehenden Autorin mit Brille, ist sehr pr\u00e4gnat.<\/p>\n<p>Sie w\u00e4re Lektorin, w\u00fcrde Rezensionen schreiben, weil sie leben mu\u00df, steht am Buchr\u00fccken, w\u00fcrde am liebsten aber schreiben und hat 1948 unter dem Pseudonym Martha Florian, den Roman &#8220;Die dunklen Jahre&#8221; herausgebracht\u00a0 und mit dem nie davon geh\u00f6rt, habe ich wohl ein wenig \u00fcbertrieben.<\/p>\n<p>Denn wenn man ins Netz geht, findet man schon einige Rezensionen \u00fcber den seit 1948 erstmals bei &#8220;Atelier&#8221; neuaufgelegten Roman und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/14\/abschied-von-sidonie\/\">Erich Hackl, <\/a>der gemeinsam mit der Herausgeberin Evelyne-Polt Heinzl, das Buch vorstellte, hat im &#8220;Standard&#8221; auch einen recht langen Artikel dar\u00fcber geschrieben. Denn die 1904 geborene, die als Lektorin arbeitete, Gedichte herausgegeben hat und mit dem j\u00fcdischen Arzt Hans Brauchbar, von dem sie sich eigentlich scheiden lassen wollte, verheiratet war, hat in dem Buch \u00fcber ihr eigenes Leben geschrieben.<\/p>\n<p>Romanbericht, keine Autobiografie sagten die Herausgeber. Der Unterschied ist mir nicht ganz klar. Aber ich ja keine Literaturwissenschaftlerin. Jedenfalls wird das Leben und die Fluchtgeschichte ziemlich eins zu eins nacherz\u00e4hlt, wenn auch die Protagonisten Ernst und Klara hei\u00dfen. Das Buch 1934 beginnt und 1945 endet und das Paar mit den beiden Kindern 1928 und 1930 geboren, 1938 fl\u00fcchten. Klara oder Friederike bringen die Kinder in die Schweiz, der Vater geht nach Belgrad, die Mutter kommt zuerst in die Schweiz nach und geht sp\u00e4ter, als sie aus der Schweiz, weil mittellos ausgewiesen wird, auch nach Jugolsawien. Der Mann wird ermordet.<\/p>\n<p>Friederike Manner kommt 1045 wieder nach Wien schreibt dort Rezensionen und auch das Buch &#8220;Lesen aber was?&#8221; und bringt sich 1956 um, weil sie in diesem Nachkriegs\u00f6sterreich nicht mehr leben will.<\/p>\n<p>Evelyne Polt-Heinzl diskutierte mit Usula Ebel, die Rezensionsgeschichte. Sie hat das Buch, das es nur in einer Literaturhausausgabe und nicht mehr antiquarisch gab, schon lange gelesen. dann gabs\u00a0 eine Enquette dazu und jetzt ist es neu erschienen. Der Enkel, der Chirurg in Chicago ist und nicht mehr Deutsch spricht, hat sich bei ihr gemeldet und will jetzt das Buch auf Englisch herausbringen, da\u00df er es lesen kann und\u00a0 Ursula Scheidl hat zwei Stellen daraus vorgetrgen, die zeigten, wie schonungslos offen Friederike Manner, die &#8220;dunklenJahre&#8221; beschreibt.<\/p>\n<p>Es ist auch von Selbstmord die Rede und ich habe mich gewundert, da\u00df sie so offen dar\u00fcber schrieb. Das Buch ist aber unter einem Pseudonym erschienen und Evelye Polt-Heinzl erkl\u00e4rte auch, was ich sehr interessant fand, wie schonungslos offen Friederike Manner auch mit den Rezensionen umgegangen ist. Die Kriegsgegner lobte, die Mitl\u00e4ufer und Reichsschriftkammerpr\u00e4sidenten aber anprangerte.<\/p>\n<p>Es gibt in den verschienene Archiven und Bibliotheken Briefe an Hermann Hesse und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/30\/karl-kraus-und-die-frauen\/\">Karl Kraus<\/a>, denen Friederike Manner ihre Gedichte schickte. Sie hat auch welche an Josef Weinheber geschickt, der ja ein \u00fcberzeugter Nazi war, dem sie auch gefallen haben und Evelyne Polt-Heinzl erw\u00e4hnte auch den in den F\u00fcnzigerjahren erschienenen Lesef\u00fchrer und meinte, da\u00df es, wenn auch kleingedruckt und auf schlechten Papier, interessant zu lesen w\u00e4re und ebenfalls interessant, da\u00df au\u00dfer mir noch zwei andere Besucher, das B\u00fcchlein mithatten. Darunter ein Herr, der erz\u00e4hlte, da\u00df er in den F\u00fcnfzigerjahren Lehrling in der Buchhandlung Frick war, in dessen Haus sich auch der &#8220;Forum Verlag&#8221; befand und er daher Friederike Manner \u00f6fter hinaufgehen gesehen hat.<\/p>\n<p>Der &#8220;Atelier Verlag&#8221; \u00fcberlegt auch die Herausgabe des Lesef\u00fchrers, aber da habe ich, dank dem B\u00fccherschrank ja das Original zu lesen und nochmals interessant, wer sich im Publikum befand. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/06\/im-verborgenen\/\">Ljuba Arnautovic<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/12\/die-weissen\/\">Luis Stabauer,<\/a> die ja \u00fcber \u00e4hnliche Themen schreiben und<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/03\/09\/ein-schraeger-blick-auf-nuernberg\/\"> Margit Heumann<\/a>, die ich auch vorigen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/05\/02\/das-wunderbare-und-das-monstroese\/\">Donnerstag in der &#8220;AS&#8221;<\/a> getroffen habe. Da habe ich noch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/05\/05\/im-leben-mehr-glueck\/\">Erich Hackls &#8220;Im Leben mehr Gl\u00fcck&#8221;<\/a> gelesen, ein Buch mit Reden und Schriften, in das auch die Schrift \u00fcber Friederike Manners &#8220;Das dunkle Leben&#8221; sehr gut passen w\u00fcrde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute fiel die Auswahl wieder schwer, denn drei sehr sehr interessante Veranstaltungen, wo ich eigentlich zu jeder gern gegangen w\u00e4re. 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