{"id":7124,"date":"2011-05-26T15:02:06","date_gmt":"2011-05-26T13:02:06","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7124"},"modified":"2011-05-26T15:02:06","modified_gmt":"2011-05-26T13:02:06","slug":"fruhling-in-der-via-condotti","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7124","title":{"rendered":"Fr\u00fchling in der Via Condotti"},"content":{"rendered":"<p>In Gustav Ernsts  1987 im ber\u00fchmten Europaverlag erschienen Roman &#8220;Fr\u00fchling in der Via Condotti&#8221; geht es ebenfalls um<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/11\/beste-beziehungen\/\"> beste Beziehungen<\/a>.<br \/>\nEin Ernstsches Dauerthema offenbar, denn Marianne und Walter Guschelbauer machen sich auf, ihren zwanzigsten Hochzeitstag in Rom zu feiern, bzw. dort wieder zu erleben, was sie bei ihrer Hochzeitsreise  gesehen haben. So nehmen sie den Zug und als der im Bahnhof Termini einf\u00e4hrt, &#8220;begann  Marianne  Guschelbauer ihren Mann dazu zu \u00fcberreden, die Extrawurst aufzuessen.&#8221;<br \/>\nDamit sind wir gleich drinn im Geschehen, denn diese Marianne hat Z\u00fcge der Lisa aus den &#8220;Besten Beziehungen&#8221;, allerdings ist er auch nicht so ohne, denn Taxifahren l\u00e4\u00dft er sie auch nicht gleich und es kommt auch sehr oft zum Streit zwischen beiden, die zwanzig oder f\u00fcnfundzwanzig Jahre verheiratet sind und auch eine Menge Probleme haben.<br \/>\nSo gibt es einen psychotischen Sohn namens Ernsti und Schwierigkeiten mit dem Arbeitsplatz Walters gibt es auch, er ist nicht so bef\u00f6rdert worden, wie er es wollte und Angst um diesen hat er auch. Ansonsten ist der Dreher ein Rapidfan und m\u00f6chte wissen, wie das Fu\u00dfballspiel, das er vers\u00e4umte ausgegangen ist, so sucht er in Rom die Kioske nach einer Kronenzeitung ab und hat auch ihre Ansichten, nur, da\u00df die Krone gegen Hainburg ist kann er nicht verstehen, denn &#8220;Wir brauchen ein Kraftwerk und die reden vom Sumpf, den man retten soll, die Trotteln.&#8221;<br \/>\nAuch sonst wird man gelegentlich mit l\u00e4ngst verschwundenen Politikern, wie z.B. der ehemaligen U.S Botschafterin Helene von Damm konfrontiert. Walter zitiert \u00f6fter Kreisky und hat, wie erw\u00e4hnt, sehr handfeste Ansichtren.<br \/>\n&#8220;Wenn einer nicht arbeiten kann, sagt Walter Guschelbauer, dann mu\u00df er es im Kopf haben, oder er will nicht, oder er sitzt im Rollstuhl&#8221;<br \/>\nTrotzdem haben Walter und Marianne Ideale und die sind, da\u00df sie ihre Hochzeitsreise, bzw. den Beginn ihrer Liebe nacherleben wollten. So rennen sie, nachdem sie sich in der Pension Positano einquartiert haben, es gibt zu Mariannes Leidwesen kein Klo und Bad im Zimmer, mit dem Stadtplan herum und suchen den Weg, wo sie damals gl\u00fccklich waren und finden ihn nat\u00fcrlich nicht.<br \/>\nSie grasen aber alle Touristenattraktionen ab, Walter r\u00e4t Marianne genau auf ihre Handtasche aufzupassen, damit sie ihr nicht von einem Mofadieb entrissen wird, er sucht an den St\u00e4nden nach der Kronenzeitung und findet, wieder typisch Ernst, so manchen Porno, w\u00e4hrend sich Marianne in die &#8220;Neue Post&#8221; vertieft. Sie gehen, wie wohl alle \u00d6sterreicher, bei ihren ersten italienischen Restaurantbesuchen zu fr\u00fch essen, Marianne wird von einem Italiener angemacht, w\u00e4hrend Walter \u00fcber ihren dicken Arsch schimpft, sie trinken auch viel zu viele Grappas, so da\u00df sie betrunken in ihre Pension zur\u00fcckkommen und der unfreundliche Sohn der Wirtin ihnen aufsperren mu\u00df.<br \/>\nIm zweiten Kapitel geht es weiter, mit der Suche nach der sch\u00f6nen Vergangenheit. Sie streiten wieder und werfen sich ihre Verfehlungen vor, schlie\u00dflich trennen sie sich, weil sich Marianne Schuhe kaufen will, w\u00e4hrend der offenbar gef\u00fchlvollere Walter, immer noch &#8220;das Denkmal unserer Liebe sucht&#8221;.<br \/>\nSo  gibt Walter im Cafe de Paris zwei jungen M\u00e4dchen einen Sprachkurs, wie man auf wieviel Arten man &#8220;Schwanz&#8221; und &#8220;pudern&#8221; sagen kann (nachzulesen auf Seite 83) und erkl\u00e4rt ihnen was &#8220;Arschficken&#8221; ist. Nachdem sie von zwei jungen M\u00e4nner abgeholt werden, bleibt er zuerst allein, sp\u00e4ter wird von einer aschblonden gleichaltrigen Engl\u00e4nderin, die ihn an die Frau seines Arztes erinnernt, angesprochen, w\u00e4hrend Marianne  ihre Schuhe in der Via Condotti kaufen will, aber von einem glut\u00e4ugigen Italiener namens Mauro zum Essen eingeladen wird und die Nacht in seinem Auto verbringt, bzw mit ihm v\u00f6gelt. Walter versucht das auch mit Mrs White, verl\u00e4\u00dft sie schlie\u00dflich aber, denn &#8220;Du bist mir zu d\u00fcnn, schrie er und schlug ihr die H\u00e4nde weg, du bist mir zu alt&#8221;, um schlie\u00dflich von drei Ragazzi, die seine Brieftasche mit den 13.000 Lira, die er noch hat, rauben, mit dem Messer verletzt zu werden.<br \/>\nSo trifft sich das Ehepaar vor der Pension wieder. Marianne stellt Walter Mauro als ihren Bruder vor, der bringt ihn in die Ambulanz und das Paar schlie\u00dflich zum Bahnhof, wo sie einen Tag fr\u00fcher als geplant nach Hause fahren. Marianne k\u00fc\u00dft Mauro zum Abschied und blickt dann in ihre &#8220;Neue Post&#8221;. Walter hat die Kronenzeitung wieder nicht bekommen und &#8220;als sie in Blogna sind, regnete es.&#8221;<br \/>\nInteressant in dem alten Buch, von einer l\u00e4ngst vergangenen Zeit zu lesen und trotzdem so viel Bekanntes zu finden. Die selben Ansichten, die selben Themen, wenn man es mit dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/11\/beste-beziehungen\/\">neuen Roman<\/a> vergleicht, wird man vieles wieder finden, bzw. bemerken, da\u00df Gustav Ernst schon 1987 meisterhaft verstanden hat, vom Leben der kleinen Leute  zu schreiben. Er tat es auch damals aus der m\u00e4nnlichen Sicht, mit einer kr\u00e4ftigen Sprache und sehr viel Sex und Realismus, die Frauen kommen aber gar nicht so schlecht bei ihm weg und \u00fcber das Leben hat man auch damals viel erfahren.<br \/>\nIch glaube, ich war, als das Buch vorgestellt wurde, bei einer Lesung in der Alten Schmiede und habe es jetzt kurz <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/28\/auf-den-spuren-mayor-bronsteins\/\">nach Weihnachten<\/a> im offenen B\u00fccherschrank gefunden, &#8220;Johann Koplenig &#8211; Parteischule der KP\u00d6&#8221; steht auf dem Pickerl und dem Stempel im und am Buch und das ist wohl der Name der Schule, da der kommunistische Politiker, schon 1968 gestorben ist. Das habe ich Gustav Ernst wahrscheinlich bei dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/22\/die-praxis-des-schreibens\/\">Sprachkunst Symposium <\/a> erz\u00e4hlt und inzwischen auch, da\u00df ich die<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/09\/die-enten-die-frauen-und-die-wahrheit\/\"> &#8220;Besten Beziehungen&#8221; <\/a>gelesen habe. Jetzt habe ich noch &#8220;Herzgruft&#8221;, ebenfalls aus dem Europaverlag, das ich mir einmal in der Buchlandung Landstra\u00dfe, als die kurz wiederbelebt wurde, kaufte, ungelesen in den Regalen, da das aber ein Drama ist, werde ich es wahrscheinlich  so schnell nicht lesen.<br \/>\nUnd zu m\u00e4keln habe ich am Stil des Sprachkunstlehrers nat\u00fcrlich auch. Zwei Stellen gibt es, da scheint mir das &#8220;Show not tell!&#8221;, nicht ganz so gut gelungen, sondern zu sehr beschreibend zu sein.<br \/>\n &#8220;Man sah sie vor dem Koffer-Standl \u00fcber die Preise reden&#8221;, auf Seite 63 beispielsweise. Aber sonst ist es ein hervorragend geschriebenes realistisches Buch, dessen Lekt\u00fcre ich wirklich nur empfehlen kann. Das Problem wird nur sein, es zu bekommen, also in den B\u00fccherschr\u00e4nken schauen oder sich auf die &#8220;Besten Beziehungen&#8221; verlegen, die es ja noch  gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Gustav Ernsts 1987 im ber\u00fchmten Europaverlag erschienen Roman &#8220;Fr\u00fchling in der Via Condotti&#8221; geht es ebenfalls um beste Beziehungen. Ein Ernstsches Dauerthema offenbar, denn Marianne und Walter Guschelbauer machen sich auf, ihren zwanzigsten Hochzeitstag in Rom zu feiern, bzw. &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7124\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-7124","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7124","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7124"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7124\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7124"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7124"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7124"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}