{"id":71540,"date":"2019-06-09T00:29:21","date_gmt":"2019-06-08T22:29:21","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=71540"},"modified":"2019-06-09T00:29:21","modified_gmt":"2019-06-08T22:29:21","slug":"der-truebe-morgen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=71540","title":{"rendered":"Der tr\u00fcbe Morgen"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt nach den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/06\/04\/die-schwestern\/\">&#8220;Schwestern&#8221;<\/a>, gleich Teil drei von Alexej Tolstois Trilogie &#8220;Der Leidenweg&#8221; \u00fcber die russische Revolution, denn den zweiten Teil habe ich ausgelassen, obwohl ich ihn mir von Stephan Teichgr\u00e4ber ausborgen h\u00e4tte k\u00f6nnen, denn der hat ja\u00a0 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/14\/revolutionsworkshop-mit-antiquariatsbesuch\/\">im November in dem Antiquariat<\/a> in der Margaretenstra\u00dfe alle drei B\u00e4nde f\u00fcr das &#8220;Doml&#8221;, beziehungsweise seinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/04\/vom-revolutionsworkshop-zur-privatsammlung\/\">&#8220;Revolutionsworkshop&#8221;<\/a> gekauft.<\/p>\n<p>Aber damals war ich noch so mit meinen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/leseliste\/\">Rezensionsexemplaren<\/a> besch\u00e4ftigt und hatte wahrscheinlich weder die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">deutschen<\/a> noch die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/\"> \u00f6sterreichischen Buchpreisb\u00fccher<\/a> alle gelesen, so da\u00df ich gar nicht daran dachte, mich an die mehrfach umgeschrieben und dem sozialistischen Realismus angepassten B\u00fccher des 1945 verstorbenen Alexejs Tolstois zu machen.<\/p>\n<p>Aber es kommt ja immer anders als man denkt, die Rezensionsexemplare sind ausgelesen, jetzt k\u00f6nnte ich mich an meine Backlist machen, wo\u00a0 noch einiges wartet, aber da bin ich vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/05\/20\/theodor-kramer-fest\/\">&#8220;Theodor Kramer-Sommerfest&#8221;<\/a> nach Hause gefahren,\u00a0 am &#8220;Wortschatz&#8221; vorbeigekommen und da lag der &#8220;Tr\u00fcbe Morgen&#8221; diesmal nicht in der sch\u00f6nen Ausgabe, die Stephan Teichgr\u00e4ber, um zwanzig Euro erstanden hat, sondern in einer schon recht vergilbten &#8220;Globus-Ausgabe&#8221; aus dem Jahr 1984, die vierte durchgesehene Ausgabe, aus dem &#8220;Ragusa Verlag in Moskau&#8221;, die in der UDSSR gedruckt wurde.<\/p>\n<p>Das sieht man dem Papier auch an. Die \u00dcbersetzung stammt wieder von Maximilian Schick, der, wie ich &#8220;Wikipedia&#8221; entnehme, 1884 in Moskau geboren und dort 1968 gestorben ist. Von 1882- bis 1907 lebte er in\u00a0\u00a0 Berlin, wo er auch studierte und war au\u00dfer als \u00dcbersetzer auch als Balletkritiker t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Da\u00df ich den zweiten Teil, &#8220;Das Jahr Achtzehn&#8221; ausgelassen habe, k\u00f6nnte man bereuen, denn ich habe mich, da in dem Buch keine Inhaltsangabe und auch keine Notizen zum Autor, noch ein Vorwort oder ein Nachwort enthalten ist, mit dem Lesen, beziehungsweise den L\u00fccken recht schwer getan.<\/p>\n<p>Teil eins endet mit der Revolution und dem Sturz des Zaren. Teil drei spielt, glaube ich, von 1919 bis 1920 und schildert haupts\u00e4chlich Kampfhandlungen, die sich bis in die Ukraine ziehen. Die Rote Armee und die Bolschewiken m\u00fc\u00dfen gegen die &#8220;Wei\u00dfen&#8221; und die &#8220;Kosaken&#8221; k\u00e4mpfen und da br\u00e4uchte man wahrscheinlich ein historisches Vorwissen, um die Abl\u00e4ufe zu verstehen und dann habe ich ja, nat\u00fcrlich selbstgewollt, eine L\u00fccke, was mit den Schwestern im Jahr 1918 passiert ist, was man leider auch nicht in &#8220;Wikipedia&#8221; nachlesen kann, denn offensichtlich haben sich die Paare getrennt.<\/p>\n<p>Darja ist mit einem ehemaligen Popen in einem Dorf unterwegs. Ihr Mann Iwan Iljitsch Telegen kommandiert ein Matrosenregiment, wo es auch eine K\u00f6chin namens Anissja, eine ehemalige B\u00e4uerin gibt, die durch die Kosaken oder die &#8220;Wei\u00dfen&#8221; ihren Mann und ihre zwei Kinder verloren hat.<\/p>\n<p>Katjas zweiter Mann Wadim Petrowitsch ist auf der Suche nach ihr und erf\u00e4hrt in einem Restaurant von einem deutschen\u00a0 Offizier, da\u00df sie noch am Leben ist.<\/p>\n<p>Sie ist inzwischen als Lehrerin in der\u00a0 Ukraine t\u00e4tig, mu\u00df von dort aber nach Moskau fl\u00fcchten, siedelt sich in ihrer ehemaligen Wohnung, die inzwischen von einem\u00a0 Genossen Maslov bev\u00f6lkert ist, der sie fragt, ob sie nicht wisse, &#8220;da\u00df man in Moskau des Hungers stirbt!&#8221;, sie dann aber doch in ihrem ehemaligen Zimmer wohnen l\u00e4\u00dft, sie aber sexuell bedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>So da\u00df es gut ist, da\u00df sie zuletzt doch zu ihrem Wadim Petrowitsch und nat\u00fcrlich auch zu Telegin und ihrer Schwester findet, am Ende, das ist dann schon im kalten Winter 1920, begeben sie sich alle zu einem Vortrag in ein Theater, wo auch der Genosse Lenin anwesend ist und das Buch schlie\u00dft mit den dramaischen S\u00e4tzen:<\/p>\n<p>&#8220;Der W\u00fcrfel ist gefallen!&#8221;, sprach der Mann an der Karte, auf den Stock wie auf eine Lanze gest\u00fctzt. &#8220;Wir k\u00e4mpfen auf den Barrikaden f\u00fcr unser und der Welt Recht, ein f\u00fcr allemal der Ausbeutung des Menschens durch den Menschen ein Ende zu machen.&#8221;<\/p>\n<p>Die Leserin wei\u00df im Sommer 2019, da\u00df das nicht gelungen ist und kann noch hinzuf\u00fcgen, da\u00df &#8220;22. Juni 1941&#8221;, darunter steht.<\/p>\n<p>Unter den &#8220;Schwestern&#8221; in der sch\u00f6nen Moskauer Ausgabe ist &#8220;1921&#8221; gestanden, so da\u00df man raten kann, ob es sich bei Band drei schon \u00fcber eine \u00fcberarbeitete Ausgabe handelt, w\u00e4hrend der erste noch eine Fr\u00fchform ist, das Buch ist aber in den F\u00fcnfzigzerjahren erschienen.<\/p>\n<p>Anmerken kann ich auch noch, da\u00df es einige sehr beeindruckende Stellen gibt, wie beispielsweise die, wo der Kommandant den ehemaligen Popen in eines der D\u00f6rfchen schickt. Denn es naht ein christliches Fest, die sind zwar jetzt abgeschafft, die Bauern aber noch immer gl\u00e4ubig und sie brauchen auch die Feste, um ihre Jungfrauen zu verheiraten und die Kinder zu taufen. Vorher liefern sie kein Getreide ab. So kommt der Pope und traut und die M\u00e4dchen haben sich auch alle mit kostbaren Kleidern herausgeputzt, die sie wohl vorher den B\u00fcrgerlichen oder dem Adel entwendet haben.<\/p>\n<p>Eine zweite ist dann die, wo die Truppe um Telegen Schillers &#8220;R\u00e4uber&#8221; mit Anissja als &#8220;Amalie&#8221; und dem Popen als &#8220;Franz&#8221; auff\u00fchrt.<\/p>\n<p>B\u00fccher spielen in Tolstois Trilogie, beziehungsweise den zwei Teilen, die ich gelesen habe, auch eine gro\u00dfe Rolle und ein spannendes Detail ist da, da\u00df sich der Genosse Maslow mit dem &#8220;utopischen Sozialismus&#8221; besch\u00e4ftigt und Katja seine B\u00fccher zeigt, wo ich mich frage, ob eines davon, vielleicht Samatjatins &#8220;Wir&#8221; ist, mit dem wir uns bei Stephan Teichgr\u00e4bers <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/07\/utopia-workshop-und-lim\/\">&#8220;Utopieworkshop&#8221;<\/a> ein wenig besch\u00e4ftigt haben, aber das war damals vielleicht noch nicht erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt nach den &#8220;Schwestern&#8221;, gleich Teil drei von Alexej Tolstois Trilogie &#8220;Der Leidenweg&#8221; \u00fcber die russische Revolution, denn den zweiten Teil habe ich ausgelassen, obwohl ich ihn mir von Stephan Teichgr\u00e4ber ausborgen h\u00e4tte k\u00f6nnen, denn der hat ja\u00a0 im &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=71540\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[144,192,4835,4968,5850],"class_list":["post-71540","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-alexej-toistoi","tag-alte-buecher","tag-revolutionsliteratur","tag-russland","tag-trilogie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71540","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=71540"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/71540\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=71540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=71540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=71540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}