{"id":71609,"date":"2019-06-15T00:24:27","date_gmt":"2019-06-14T22:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=71609"},"modified":"2019-06-15T00:24:27","modified_gmt":"2019-06-14T22:24:27","slug":"dann-schlaf-auch-du","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=71609","title":{"rendered":"Dann schlaf auch du"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das, 2017, als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/15\/von-frankfurt\/\">Frankreich das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war<\/a>, in aller Munde war und das, glaube ich, auf einen wahren Fall basiert.<\/p>\n<p>Hat ja doch in Amerika, glaube ich, ein \u00fcberfordertes Au Pair- M\u00e4dchen einmal ihre Gastkinder umgebracht und Leila Slimanis Debut, mit dem sie den Prix Goncourt gewonnen hat, besch\u00e4ftigt sich damit und zeichnet auf diese Art und Weise haarscharf die franz\u00f6sischen Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Vor dem Buch habe ich ja die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/03\/03\/das-leben-des-vernon-subutex-iii\/\">&#8220;Subutexs-Trilogie&#8221;<\/a> gelesen, die das noch st\u00e4rker aufzeigt und Leila Slimani ist eine franz\u00f6sisch markkoanische Autorin, die 1981 in Rabbat geboren wurde, in Marakko aufwuchs, auf einer franhz\u00f6sischen Eliteuniversit\u00e4t sutdierte und jetzt in Paris mit ihren zwei Kindern lebt.<\/p>\n<p>Das Buch, habe ich\u00a0 bei &#8220;Amazon&#8221; gelesen, nimmt die Spannung gleich vorweg, denn auf der ersten Seite erf\u00e4hrt man gleich, was geschehen ist.<\/p>\n<p>&#8220;Das Baby ist tot.&#8221;, lautet der erste Satz und, ich denke, schon das erste Kapitel, gibt eine haarscharfe Schilderung der franz\u00f6sischen Verh\u00e4ltnisse mit all ihren Problemen.<\/p>\n<p>Dann wird es ein wenig verworrener und widerspr\u00fcchiger, als die Portraits von Myriam, Paul und vor allem Louise, dem wunderbaren und doch so widerspr\u00fcchigen Kinderm\u00f6dchen, der wei\u00dfen Nanny oder Nounou,\u00a0 wie sie genannt wird, die am Anfang des Buches an Mary Poppins erinnert.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, nicht ganz am Anfang, denn da erf\u00e4hrt man was geschehen ist. Die Kinder, der kleine Adam und die etwas \u00e4ltere Mila tot. Der Bub ist gleich gestorben. Mila hat sich gewehrt. Das Kinderm\u00e4dchen hat versucht, sich umzubringen, was aber nicht gelungen ist. Die Mutter, Myriam eine erfolgreiche Rechtsanw\u00e4ltin, ist geschockt und weinend in ihr Zimmer gefl\u00fcchtet und mu\u00df von den \u00c4rzten niedergespritzt werden.<\/p>\n<p>Dann erf\u00e4hrt man, da\u00df Myriam, die glaube ich, wie die Autorin, eine marokkanische Herkunft hat, die aber nicht n\u00e4her ausgef\u00fchrt wird, mit Mila ein paar Wochen vor ihrer letzten Jurapr\u00fcfung schwanger wurde. Paul begann da gerade eine Karriere als Musikproduzent. Myriam scheint keine Eltern zu haben, Pauls Eltern lassen aus und ziehen sich lieber auf Land und auf Reisen, als zu ihren Enkelkindern zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Zuerst geht aber Myriam ohnehin in ihrer Mutterrolle auf und damit sie noch l\u00e4nger daheim bleiben kann, schummelt sie auch ein bi\u00dfchen mit der Verh\u00fctung, so da\u00df sie wieder schwanger wird.<\/p>\n<p>Dann wird es ihr doch zuviel. Die Decke f\u00e4llt ihr auf den Kopf. Mila ist auch noch ein eher schwieriges, schreiendes Kind, das ununderbrochen Karusell fahren will und so findet ein fr\u00fcherer Studienkollege, die abgehetzte Myriam vor dem Karussel und bietet ihr an, in seine Rechtsanwaltkanzlei einzutreten.<\/p>\n<p>Paul murrt zwar, da\u00df, das, was sie da verdient, f\u00fcr die Nanny aufgehen w\u00fcrde. Aber die mu\u00df her, denn sie verdienen zuviel, um einen staatlichen Kindergartenplatz zu bekommen. Zu wenig eigentlich sich eine Nanny leisten zu k\u00f6nnen. Miriam geht aber doch in eine Agentur, h\u00e4ngt dann \u00fcberall Zettel auf und das Paar nimmt sich\u00a0 einen Tag Zeit, die Bewerberinnen zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Da bleibt dann nur Louise \u00fcber, denn Myiriam will keine, die mit den Kindern Arabisch spricht und auch keine, die Schwierigkeiten mit ihren Papieren hat. Alles soll legal sein und Louise, eine etwa f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Frau, deren Mann gestorben und deren Tochter verschwunden ist, erweist sich auch gleich, als Wohlt\u00e4terin.<\/p>\n<p>Sie kocht und putzt, schickt das Paar am Abend ins Restaurant, um sich zu entspannen, kocht f\u00fcr die Freunde der Familie, alle sind happy und Paul und Myriam bem\u00fchen sich sehr, Louise nicht zu kr\u00e4nken, sie nicht auszun\u00fctzen und die sozialen Unterschiede nicht merken zu lassen.<\/p>\n<p>Die bilden sich allm\u00e4hlich heraus. Zuerst kommt ein Kapitel, in dem Stephanie, Louises Tochter vorgestellt wird, die mit den Tageskindern der Mutter aufgewachsen ist und als sie einmal von deren Arbeitgebern in den Urlaub mitgenommen wurde, durfte sie sich nicht r\u00fchren und sich nicht bemerkbar machen.<\/p>\n<p>Louise wird aber von Myriam und Paul in den Urlaub nach Griechenland mitgenommen, die freut\u00a0 sich sehr, herrscht die Kinder aber das erste Mal an, als Mila ins Wasser will, sie aber nicht schwimmen kann.<\/p>\n<p>Das ist noch nicht so das Problem, Schwimmfl\u00fcgerl werden besorgt, aber einmal, als Paul nach Hause kommt, ist die kleine Mila sehr geschminkt da herrscht der Vater, die Nanny an und sagt, das darf nicht sein.<\/p>\n<p>Eine Nachbarin, die die Polizei gerufen hat, erz\u00e4hlt der, Louise h\u00e4tte sie, weil sie sich in finanziellen N\u00f6ten befand, um einen Zweitjob gebeten und Paul mu\u00df noch einmal mit Louise sprechen, weil sich das Finanzamt gemeldet hat, Louise soll ihre Sachen in Ordnung bringen, aber die verbrennt nur die unge\u00f6ffneten Briefe und hat auch Schwierigkeiten mit ihrem Untermietzimmer, wo die Dusche verschimmelt ist und der Vermieter sie hinaushaben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Deshalb bleibt sie auch, als Myriam und Paul sie beim n\u00e4chsten Urlaub nicht mehr mitnehmen, heimlich in deren Wohnung, ladet dorthin auch eine andere Nanny ein, aber sonst hat sie mit diesen nicht viel Kontakt und Paul und Myriam \u00fcberlegen schon, da\u00df sie, wenn Adam auch in den Kindergarten kommt, Louise dann nicht mehr brauchen.<\/p>\n<p>Das darf nicht sein, denkt die, denn wo soll sie dann hin und versucht Myriam ein drittes Kind einzureden, aber die tr\u00e4umt davon, als Partnerin in die Kanzlei einzusteigen und sch\u00fcttelt den Kopf.<\/p>\n<p>Da gibt es eine bizarre Szene, wo Louise, damit Paul und Myriam\u00a0 im Bett zueinanderfinden, mit den Kindern nachts auf ihre Kosten essen geht, ihnen beim Chinesen ein W\u00fcrstchen aufzwingt, daf\u00fcr ihr letztes Geld ausgibt und die Kleinen dann durch das n\u00e4chtliche Paris zerrt.<\/p>\n<p>Louise kann nichts wegwerfen, so hebt sie alles auf, Myriam verbietet ihr aber, den Kindern abgelaufene Sachen zum Essen zu geben. So schmei\u00dft sie ein H\u00fchnchen in den M\u00fcll, findet dann am Abend, als sie m\u00fcde von der Kanzlei heimkommt, das Gerippe am Tisch und Louise hat die Kinder gezwungen, das H\u00fchnchen zu essen, was die ihr dann auch br\u00fchwarm erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>So werden nach und nach die Klassenunterschiede aufgedeckt. Louise blieb f\u00fcr mich dennoch ziemlich widerspr\u00fcchlich und das Buch hat bei &#8220;Amazon&#8221;, sowohl, ein als auch f\u00fcnf Sterne-Rezensionen bekommen.<\/p>\n<p>Die Ein-Sterner mokieren sich \u00fcber die einfache Sprache und, da\u00df sie nach dem ersten Kapitel schon alles wissen. Gut der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/12\/28\/das-leben-des-vernon-subutex-i\/\">&#8220;Subutex&#8221;<\/a> war komplizierter und ein ziemlich genaues Bild der heutigen franz\u00f6sischen Gesellschaft mit all ihren Problemen, hat mir das Buch trotz all seiner Widerspr\u00fcche\u00a0 gegeben.<\/p>\n<p>Leila Slimani lese ich bei den Blogs, hat gerade ihr zweites Buch herausgebracht, wo es, glaube ich, um eine moderne &#8220;Madame Bovary&#8221; geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das, 2017, als Frankreich das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war, in aller Munde war und das, glaube ich, auf einen wahren Fall basiert. 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