{"id":7180,"date":"2011-05-30T22:54:25","date_gmt":"2011-05-30T20:54:25","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7180"},"modified":"2011-05-30T22:54:25","modified_gmt":"2011-05-30T20:54:25","slug":"reise-in-die-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7180","title":{"rendered":"Reise in die Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p>Das gabs heute in der Alten Schmiede und in der Galerie Splitter, n\u00e4mlich Wiederbegegnungen mit Gerald Bisinger und Elfriede Gerstl, die einmal ein Ehepaar waren und beide haben mich irgendwie gemocht. Ich behaupte ja immer, da\u00df der 1936 geborene Gerald Bisinger ein Fan von mir war, gut das ist ein bi\u00dfchen \u00fcbertrieben, aber er brachte meine Vampirgeschichte einmal in den ORF und in die Rampe und ich habe den Dichter mit seinen einzigartigen Gedichten &#8220;Ich sitze im Zug nach Bratislava, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August&#8221; und das in hunderttausend Variationen auch sehr gemocht. Neben mir liegen die beiden Droschl B\u00e4nde &#8220;Ein alter Dichter&#8221; und &#8220;Dieser Tratsch&#8221;, aus den B\u00fcchert\u00fcrmen der Literatur im M\u00e4rz, vielleicht hat Alfred mir auch eines einmal gekauft, als wir bei einer Lesung waren und dann gabs 1999 diese Preisverleihung zum W\u00fcrdigungspreis, wo ich noch eingeladen wurde. Alle waren schwarz angezogen ich auch, schwarze Hose, schwarzer Pulli, wie bei Vernissagen und Literaturveranstaltungen \u00fcblich, trotzdem war so eine komische Stimmung und den Preistr\u00e4ger habe ich auch nicht gesehen. Dann trat Ministerialrat Unger an das Podium und erkl\u00e4rte, da\u00df der Preis posthum an die Witwe vergeben w\u00fcrde, weil sich das der Preistr\u00e4ger gew\u00fcnscht h\u00e4tte und bei der Lyrik im M\u00e4rz danach las Gerald Kofler oder war es jemand anderer, eines der Gedichte zum Thema &#8220;Allerheiligen&#8221; oder so.<br \/>\n &#8220;Sitze beim Ottakringer Friedhof, trinke ein Glas Rotwein und \u00fcberlege, werde ich ich in m\u00e4chsten Jahr innerhalb oder au\u00dferhalb des Grabes&#8221;.<br \/>\nIch war bei der Beerdigung am Ottakringer Friedhof und im Jahr 2000 hat Maximillian Droschl, das war in der Zeit, wo die schwarz-blau Proteste besonders intensiv waren, zum ersten Todentag wahrscheinlich, zu einem Friedhofsbesuch und dann in die Zehnermarie zum Heurigen eingeladen. Ich bin irgendwie zu sp\u00e4t gekommen, also nur zum Glas Rotwein und zum Heurigenbuffet, nachher hatte ich auch die erste Widerstandslesung vers\u00e4umt bzw. mich niemand dazu eingeladen und heute gabs eine &#8221; Stunde der literarischen Erleuchtung&#8221; in der Alten Schmiede und in dieser stellte Marie Therese Kerschbaumer unter dem Motto &#8220;Zwiesprache im Sch\u00f6nen&#8221;, den 1977 erschienenen Gedichtband &#8220;Poema ex Ponto&#8221; -&#8220;Publius Ovidius Naso&#8221; im Schmiedesaal vor, hinter ihr hing das von Eva Maria Geisler, die inzwischen auch schon gestorben ist, gemalte Portrait mit der Krone und der karierten Jacke und August Bisinger der Sohn, der in der Alten Schmiede, die Tonanlage betreut und den Autoren das Glas Wasser richtet, hatte Werke seines Vaters f\u00fcr einen B\u00fcchertisch zusammengestellt und da gab es wahre Gustost\u00fcckerln.<br \/>\nAlte Herbstpressausgabe und andere Unikate und das typische Alte Schmiede Stammpublikum, die Wiener Dichteriege, die immer weniger wird, gab es auch, Lisa Spalt, Elfriede Czurda, Julian Schutting, Gerhard Jaschke, Hannelore Kofler  Elisabeth W\u00e4ger-H\u00e4usle, Herbert W. Wimmer,  Wolfgang Helmharth u.u.u.<br \/>\nZu Marie Therese Kerschbaumer habe ich auch meine Beziehung, habe ich sie ja <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/03\/10\/frauentag-und-frauenlesungsvorbereitungstreffen\/\">Ende der Siebzigerjahre im Arbeitskreis schreibender Frauen <\/a>kennengelernt, den sie irgendwie betreute und durch den ich in den Literaturbetrieb hineingekommen bin, f\u00fcr mich war das damals sowas wie die Gruppe 47 und als ich 1987 in die GAV aufgenommen wurde, habe ich sie, glaube ich beim NIG getroffen und da hat sie mich mit &#8220;Jetzt bist du eine von uns begr\u00fc\u00dft&#8221;, sp\u00e4ter hatte ich mit ihr Schwierigkeiten, denn als  ich die Frauenlesung in St. P\u00f6lten machte und sie dazu einlud, habe ich geh\u00f6rt, da\u00df es ihr gar nicht so recht war und mich und die anderen, die dort gelesen haben, Elfriede Haslehner, Ruth Asp\u00f6ck, Hilde Langthaler, als schreibende Hausfrauen bezeichnet hat, mit denen sie nicht verwechselt werden will, sie war dann aber sehr ger\u00fchrt, als nach der Lesung ein alter Mann auf sie zu kam und sich von ihr ihre B\u00fccher signieren lie\u00df, dann habe ich sie 1998 noch einmal in die Frauenlesung, die ich damals in der Alten Schmiede machte &#8220;Die mittleren Jahre oder fast ein Altweibersommer&#8221;, einladen wollten, aber da gabs vorher bei den IG Autoren Schwierigkeiten mit dem Staatssekret\u00e4r Wittmann, der die Autoren irgendwohin einlud oder nicht einlud, wor\u00fcber sie sich sehr emp\u00f6rte, da habe ich sie angesprochen, weil ich dachte, es geht ihr nicht gut, sie hat sich provoziert gef\u00fchlt, es gab ein hin und her, das bumms in einer Ohrfeige endete, nun ja, inzwischen geht es wieder und ich mag sie eigentlich sehr gern und habe auch einiges von ihr gelesen. Den Band aus diesem \u00d6sterreich Koffer, den ich  einmal in der Buchlandung gefunden habe, im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/16\/marie-therese-kerschbaumer\/\">Literaturgefl\u00fcster <\/a>zu besprechen, bin ich ja irgendwie gescheitert und als in Frankfurt, der vorletzte dbp, nicht, wie ich mir sicher war, an Herta M\u00fcller vergeben wurde, hat sie in der Alten Schmiede ihre <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/13\/alte-schmiede-und-deutscher-buchpreis\/\">&#8220;Gespr\u00e4che im Tusculum&#8221;<\/a> vorgestellt.Jetzt hat sie Gerald Bisinger die Ehre gegeben und aus dem 1975 geschriebenen Gedichtband gelesen, der mit einem lateinischen Zitat beginnt und dem Dichter Ovid gewidmet sind. Gerald Bisinger hat damals, wahrscheinlich mit Elfriede Gerstl in Berlin gelebt und den Sommer  am Schwarzen Meer verbracht und so lauten die Gedichte mit den elf Verszeilen auch &#8220;Sitze in Konstanza, trinke ein Glas Bier, denke an Ovid, hinter mir liegt eine Moschee&#8221; u. so. w. u. so. f.<br \/>\nIch fl\u00fcstere das jetzt so prosaisch realistisch, es k\u00f6nnte auch ein wenig schnoddering klingen, Marie Therese Kerschbaumer hat es viel poetischer ausgedurckt und auch das Versma\u00df erkl\u00e4rt und die lateinischen Zitate \u00fcbersetzt, die Geschichte der R\u00f6mer erkl\u00e4rt und erz\u00e4hlt, da\u00df sich Gerald Bisinger damals das Buch eines rum\u00e4nischen Dichters namens Ion Minulescu kaufte und mit einem anderen Dichter, der sp\u00e4ter Kulturminister war und  den H\u00f6lderlin Preis bekommen hat, am Pr\u00e4sidentenpalast vorbei spazierengegangen ist.<br \/>\nEine sehr beeindruckende Lesung, die nur sehr kurz war, um sechs hat sie begonnen, um sieben war sie schon vorbei, die Autoren sind noch irgendwohin, wahrscheinlich in Cafe Engl\u00e4nder gegangen, ich bin ein bi\u00dfchen herumgestanden, denn ich wollte ja in die Galerie Splitter zur Finissage von Renald Deppes &#8220;Spiel(t)r\u00e4ume&#8221;, die Vernissage habe ich ja ziemlich vers\u00e4umt, weil ich in der Alten Schmiede bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/29\/grundbuch-die-tante-jolesch\/\">&#8220;Tante Jolesch&#8221;<\/a> war, diesmal hatte ich aber viel Zeit,  so bin ich ein bi\u00dfchen in der Innenstadt herumgewandelt, habe Sabine Gruber und Walter Famler in Richtung Sch\u00f6nlaterngasse durch den Heiligenkreuzerhof gehen sehen und bin ein bi\u00dfchen vor der Kirche Maria am Gestande &#8220;Heute&#8221; und &#8220;\u00d6sterreich&#8221; lesend gesessen, einer der jungen M\u00e4nner, die den B\u00fcchertisch in der Alten Schmiede betreuen ist gr\u00fc\u00dfend an mir vorbeigegangen und als ich in die Salvatorgasse zur\u00fcckkam, ist gerade Christian Katt auf mich zugekommen. Drinnen war es bald sehr voll und der andere harte Kern der Literatur ist zu der Finissage gekommen, seltsamerweise gab es keine \u00dcberschneidungen und seltsamerweise habe ich auch Herbert J. Wimmer nicht gesehen, aber Eva Dite, Andrea Pauli vom Lesetheater, einen der Stammk\u00e4ufer der Galerie Lindner, Angelika Kaufmann etc.<br \/>\nRenald Deppe spielte Klarinette, eine junge Dame sang und sprach Gerstl Texte und wurde von Fransika Fleischanderl, Laura und Agnes Deppe begleitet und f\u00fcr nachher hatte Moritz Deppe ein paar Tr\u00fcffel Variationen vorbereitet, denn einer der Gerstl Texte hat  vom Schokolade essen gehandelt, ein anderer von der Sprache,  &#8220;Odysseus du Arsch&#8221; ist auch vorgekommen und Renald Deppe hat immer wieder an die Elfriede Gerstl erinnert.<br \/>\n&#8220;Frau Gerstl nicht vergessen!&#8221;, hat er gerufen, aber das wird man in Wien ohnehin nicht so schnell, ich jedenfalls nicht, denn sie war ja eine, die  sehr freundlich zu mir war und als ich damals bei diesem Wespennest Event keine Eiladung hatte, weil ich nicht zu den hundert Auserw\u00e4hlten geh\u00f6rte, hat sie mich einfach mitgenommen und mich deshalb sogar angerufen und einmal, ich glaube, das war 1999, als sie den Trakl und den Friedpreis bekommen hat, hat sie auch auf meinem Geburtstagsfest gelesen. Vor zwei Jahren ist sie<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/09\/osterferien-und-gerstl-nachruf\/\"> gestorben<\/a>, auch auf ihren <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/21\/gerstl-begrabnis\/\">Begr\u00e4bnis<\/a> war ich.  Einige ihrer B\u00fccher  habe ich gelesen und einige habe ich auch mit ihr getauscht, bzw. hat sie mir eines zum Geburtstag geschenkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gabs heute in der Alten Schmiede und in der Galerie Splitter, n\u00e4mlich Wiederbegegnungen mit Gerald Bisinger und Elfriede Gerstl, die einmal ein Ehepaar waren und beide haben mich irgendwie gemocht. 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