{"id":7202,"date":"2011-06-03T20:54:29","date_gmt":"2011-06-03T18:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7202"},"modified":"2011-06-03T20:54:29","modified_gmt":"2011-06-03T18:54:29","slug":"alles-uber-sally","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7202","title":{"rendered":"Alles \u00fcber Sally"},"content":{"rendered":"<p>Vom Literaturquiz losgerissen, wo ohnehin nichts weitergeht, habe ich jetzt Arno Geigers im Vorjahr erschienenen Roman &#8220;Alles \u00fcber Sally&#8221; ausgelesen, \u00fcber den ich schon einiges geh\u00f6rt hatte, denn er wurde ja 2010 in Leipzig prominent vorgestellt und ich bin mindestens ein paar Minuten vor dem blauen Sofa dabeigesessen, dann war ich bei einer sehr vollen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/19\/arno-geiger-lesung\/\">Lesung in der Alten Schmiede<\/a>, eines der letzten Male im Parterresaal und habe dann noch die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/08\/sommer-in-wien\/\">Sommerlesung im Museumsquartier<\/a> geh\u00f6rt. Interessant, wie man sich bei einem Buch versch\u00e4tzen kann, wenn man nur Lesungen daraus oder Diskussionen dar\u00fcber h\u00f6rt.<br \/>\nDenn es war ein bi\u00dfchen anders, als ich es mir vorstellte und wu\u00dfte nat\u00fcrlich, es geht um eine Frau \u00fcber F\u00fcnfzig, dar\u00fcber hat Arno Geiger am blauem Sofa sehr viel gesprochen, da\u00df heute eine Frau \u00fcber F\u00fcnfzig alle Chancen hat, w\u00e4hrend sie vor f\u00fcnfzig Jahren eine alte Frau gewesen ist, wom\u00f6glich mit schwarzen Kleid und Kopftuch, die das Leben hinter sich hatte und, da\u00df es um einen Englandurlaub geht, wu\u00dfte ich auch, aber das war nur der Ausgangspunkt. Es beginnt in einem Hotelzimmer in England, wo die Englischlehrerin Sally und der Museumskustode Alfred, knapp sechzig, Urlaub machen. Alfred liegt mit St\u00fctzstrumpf am Sofa und tr\u00e4gt in sein Tagebuch ein und Sally, die eigentlich das Grab Sylvia Plaths suchen wollte, \u00e4rgert sich \u00fcber seine Tr\u00e4gheit. Sally ist halbe Engl\u00e4nderin, kennt aber ihren Vater, einen Engl\u00e4nder nicht, die Mutter Risa war in England Hausm\u00e4dchen, hat ihr Kind nach Wien zu den Gro\u00dfeltern zur\u00fcckgeschickt und lebt jetzt in einem englischen Altersheim, Alzheimer hat sie h\u00f6chstwahrscheinlich auch, deshalb auch der Englandaufenthalt. Das Paar mu\u00df ihn aber ohnehin abbrechen, denn in ihrem Haus, das wahrscheinlich in Hernals oder W\u00e4hring liegt, wurde eingebrochen, das Freundespaar Erik und Nadja rufen an und teilen das mit, Sally und Alfred fliegen zur\u00fcck und Alfred wird durch den Einbruch, der in dem Buch, der &#8220;Besuch&#8221; genannt wird, noch mehr gebrochen, es wurde n\u00e4mlich ziemlich herumgew\u00fctet, der burgenl\u00e4ndische Kirschensirup ausgeleert und Alfreds Truhe, in der er seine Tageb\u00fccher und Plattensammlung aufbewahrte, aufgebrochen und in die Tageb\u00fccher hineingeschmiert.<br \/>\nDie aktive Sally, die ihren Mann immer schon mal betrog und das jetzt auch mit dem Ministeriumsbeamten Erik tut, h\u00e4lt das nicht aus, obwohl sie ihren Alfred liebt, sie leidet aber unter seinem sich gehen lassen, so t\u00e4uscht sie Eink\u00e4ufe vor, trifft Erik, geht mit ihm zuerst in ein Hotel, dann an die Alte Donau baden, denn sie ist ja eine sehr aktive Frau, die den Rest des Sommers dann dazu ben\u00fctzt, das Haus wieder instandzusetzen, w\u00e4hrend Alfred im S\u00fctzstrumpf am Sofa liegt und vor sich hinleidet.<br \/>\nDas Paar hat drei Kinder Alice, Emma, und Gustav, die M\u00e4dchen sind im Studentenalter, Gustav geht noch zur Schule und sie haben sich vor drei\u00dfig Jahre in Kairo kennengelernt, wo Sally als Sekret\u00e4rin am Kulturinstitut arbeitete, Alfred f\u00fcr die Wiener Museen, die \u00e4gyptischen Sch\u00e4tze zusammenkaufte und dabei offenbar sehr erfolgreich war. Es gibt ein Kapitel, das im R\u00fcckblick diese Zeit schildert, dann gibt es noch einen Kollegen Sallys, der ihre Schildkr\u00f6ten mit Futter versorgt, aber ein Gerichtsverfahren wegen sexuellen \u00dcbergriff an einer Sch\u00fclerin hat und sich am Ende erh\u00e4ngt und Erik verl\u00e4\u00dft sowohl Nadja als auch Sally, um sein Gl\u00fcck bei einer j\u00fcngeren blonden Russin zu suchen, das er h\u00f6chstwahrscheinlich nicht findet. Am Ende bricht sich Alfred noch den Kn\u00f6chel, so da\u00df er den S\u00fctzstrumpf mit dem Gipfs wechseln mu\u00df, den Sally offenbar attraktiver findet und Alfred, der Sally nie betrogen hat und sie immer liebte, verzeiht ihr und sie findet wieder zu ihm zur\u00fcck, so da\u00df die Geschichte in dem Niemandsland zwischen Weihnachten und Neujahr vor dem Fernseher bei einer langweiligen Jahresr\u00fcckschau endet, wie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/19\/arno-geiger-lesung\/\">Kurt Neumann in der Alten <\/a>Schmiede sagte, wie ich gerade im Literaturgefl\u00fcster nachgelesen habe. Leselustfrust hat das Buch im offenen B\u00fccherschrank gefunden und auf Seite 59 abgebrochen, ich habe es durch meines Alfreds bibliophiler WU-Kollegin bekommen und bin weniger streng, bzw. eigentlich ein Arno Geiger Fan, den ich ja, als er noch sehr jung und literarisch unbedarft war, 1996 das erste Mal beim Bachmannpreis in Klagenfurt lesen h\u00f6rte, er ist damals nur Martina Schmidt vom Deutike Verlag aufgefallen, hat aber trotzdem seine Karriere damit begonnen und mich hat die Geschichte von der &#8220;K\u00e4the&#8221; sehr beeindruckt, weil ich dachte, so \u00e4hnlich schreibe ich auch. Jetzt denke ich das wieder und Detail am Rande, die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/30\/vorschau-absturzgefahr\/\">&#8220;Absturzgefahr&#8221;<\/a> handelt auch von einer Lehrerin, die den f\u00fcnfzigsten Geburtstag feiert, aber die ist geschieden und laut Aussage ihrer Tochter Fritzi sexuell verklemmt und es ist wahrscheinlich auch sprachlich nicht so sch\u00f6n geschrieben. Trotzdem glaube ich zu verstehen, warum leselustfrust, das Buch langweilig gefunden hat, weil es meiner Meinung nach, \u00e4hnlich wie der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/18\/das-leben-der-wunsche\/\">Glavinic<\/a> und auch meine Texte h\u00f6chstwahrscheinlich an der Oberfl\u00e4che blieibt und leicht locker plaudernd von den Vorstellungen, die sich der 1968 geborenene Arno Geiger von Frauen \u00fcber F\u00fcnfzig macht und dabei ein bi\u00dfchen einen altmodischen Romanstil zitiert, der vielleicht an Fontane erinnern k\u00f6nnte, aber den, gebe ich zu, habe ich nicht sehr gelesen und mein Romanstil ist ja auch ein bi\u00dfchen altmodisch, wie mir immer gesagt wird und die &#8220;K\u00e4the&#8221; in Klagenfurt damals war es vielleicht auch. Interessant also, da\u00df Arno Geiger, der inzwischen als gro\u00dfer Schriftsteller gilt, den ersten dBp mit einem Text \u00fcbrigens, der in Klagenfurt auch nicht sehr aufgefallen ist, gewonnen hat und von dem jeder annahm, da\u00df er heuer den Leipziger Buchpreis bekommen wird, damit so erfolgreich wurde und, um noch einmal zu Thomas Glavinic zur\u00fcckzukommen, dessen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/18\/das-leben-der-wunsche\/\">&#8220;Leben der W\u00fcnsche&#8221;<\/a>, ja auch von Alfreds bibliophiler WU-Kollegin stammt, das ich  ebenfalls eher leicht und locker dahingeplaudert empfunden habe und die Verst\u00f6rung, von denen die anderen sprachen, <a href=\"http:\/\/kontext.myblog.de\/\">Sarah Wipauer z.B<\/a>, nicht nachvollziehen konnte, da hat <a href=\"http:\/\/leselustfrust.wordpress.com\/2009\/08\/18\/thomas-glavinic-das-leben-der-wunsche\/\">Leselustfrust<\/a>, glaube ich, mit Franz Kafka verglichen, interessant, wie unterschiedlich man B\u00fccher empfinden kann. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Literaturquiz losgerissen, wo ohnehin nichts weitergeht, habe ich jetzt Arno Geigers im Vorjahr erschienenen Roman &#8220;Alles \u00fcber Sally&#8221; ausgelesen, \u00fcber den ich schon einiges geh\u00f6rt hatte, denn er wurde ja 2010 in Leipzig prominent vorgestellt und ich bin mindestens &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7202\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-7202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7202"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7202\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}