{"id":72164,"date":"2019-06-29T00:18:39","date_gmt":"2019-06-28T22:18:39","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=72164"},"modified":"2019-06-29T00:18:39","modified_gmt":"2019-06-28T22:18:39","slug":"man-darf-nicht-leben-wie-man-will","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=72164","title":{"rendered":"Man darf nicht leben wie man will"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/06\/26\/zwei-jahre-nacht\/\">Buch zwei<\/a> von den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/06\/13\/lese-auslese-mit-erdbeerbowle\/\">Empfehlungen der letzten Lese.Auslese<\/a>, die Gerhard Fritsch-Tageb\u00fccher zwischen 1957 und 1964 geschrieben hat und die jetzt im &#8220;Residenz-Verlag&#8221; von Klaus Kastberger und Stefan Alker-Windbichler herausgegeben hat und habe mich, weil ich mich ja f\u00fcr die \u00f6sterreichische Nachkriegsliteratur interessiere, auch ein bi\u00dfchen mit dem Dichter, der 1924 in Wien geboren wurde und sich 1969 dort das Leben nahm, besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, ich bin bei einer oder zwei Lesetheaterauff\u00fchrungen gewesen und habe mir einmal bei &#8220;Libro&#8221; im Abverkauf &#8220;Katzenmusik&#8221; gekauft und gelesen,<\/p>\n<p>Sonst habe ich gewu\u00dft, da\u00df er bei den st\u00e4dtischen B\u00fcchereien, als Bibliothekar gearbeitet hat, sein Sohn in der Sch\u00f6nlaterngasse neben der &#8220;AS&#8221; ein Antiquariat besitzt und glaube ich auch &#8220;Literatur und Kritik&#8221;, eine Zeitlang herausgegeben hat und auch sonst im Kulturbetrieb der f\u00fcnfziger und sechziger Jahre sehr t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Da\u00df er gerne Frauenkleider getragen hat und sich mit solchen an seine Werke setzte, habe ich nicht gewu\u00dft.<\/p>\n<p>Klaus Kastberger hat das nun in seinem Vorwort enth\u00fcllt und auch sonst ein bi\u00dfchen in die Biografie des Autors, der dreimal verheiratet war und auch mehrere Kinder hatte, eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Titel d\u00fcrfte auch auf die transsexuellen Vorliebe zur\u00fcckzuf\u00fchren sein und Gerhard Fritsch hat sich auch in seinen Werken \u00f6fter mit diesem Thema besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>In den Tageb\u00fcchern werden die K\u00fcnster dieser Zeit, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/29\/hans-weigel-symposium\/\">Hans Weigel,<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/24\/erinnerungen-an-hermann-hakel-und-jochen-jungs-reime\/\"> Hermann Hakel,<\/a> der sein Werk auch sehr ger\u00fcgt hat, Rudolf Felmayer, etcetera, sehr erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>E<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/16\/recherchetag-und-bernhard-fritsch-briefwechsel\/\">inen Briefwechsel mit Thomas Bernhard hat es auch gegeben, da war ich, glaube ich, auch mal bei einer Veranstaltung<\/a> und, da\u00df das Buch sehr viele Infos \u00fcber das Wiener Leben der Sechziger- und f\u00fcnfzigerjahre gibt, wurde in der &#8220;Gesellschaft f\u00fcr Literatur&#8221; auch erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Nach dem Vorwort von Klaus Kastberger, beginnt es mit den Tageb\u00fcchern, die in einigen Heften niedergeschrieben wurden, beginnend mit dem Juni 1957 bis zu Heft IV im Mai 1964.<\/p>\n<p>Im Anhang gibt es\u00a0 sehr genaue und ausf\u00fchrliche Kommentare von Stefan Alker-Windbichler, der Tag f\u00fcr Tag \u00fcber die erw\u00e4hnten Personen, Cafeh\u00e4user und Orte Auskunft gibt, so da\u00df man sehr genau in das Leben in Wien oder die K\u00e4rntnersommerfrische, in die er sich mit Frau und Kind etcetera, begab, bekommt, wobei man nat\u00fcrlich wieder die Frage stellen kann, wie weit es die \u00d6ffentlichkeit angeht, in welcher Kleidung Gerhard Fritsch seine Romane &#8220;Moos auf Steine&#8221; oder &#8220;Fasching&#8221; schrieb und, wie er den Busen von Sofia Loren nannte?<\/p>\n<p>Man kann jetzt aber nachlesen, wann und wo sich Fritsch seine BHs und Frauenkleider kaufte, seine Frau Annemarie wu\u00dfte, um seine Leidenschaften und dann geht es hinein in die Reisen nach Salzburg, ins Burgenland und nach Venedig mit seiner Lryriker und B\u00fcchereikollegin <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/09\/lyrik-von-christine-busta\/\">Christine Busta<\/a>, mit der er gemeinsam die Lyrikstipendien gewinnt und beklagt, da\u00df da die Frauen wie Christine Busta, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/05\/08\/christine-lavant-ausstellung\/\">Christine Lavant<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/08\/podium-portrait\/\">Doris M\u00fchringer<\/a> vor ihm gereiht wurden, der Busta und der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/27\/wie-punktlich-die-verzweiflung-ist\/\"> Lavant<\/a> g\u00f6nnt er das, w\u00e4hrend er bei der M\u00fchringer nicht so sicher ist, wie ihm auch ein Text von Walter Buchebner nicht gefiel.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/28\/zum-zweiten-mal-wildganspreis\/\"> Anton Wildgans<\/a> Frau Lilly hielt Vortr\u00e4ge \u00fcber ihren Mann Anton oder Toni, was ihm auch nicht so gefiel, ansonsten klagt er \u00fcber seine Wohnung, in der er seine B\u00fccher nicht so richtig aufstellen und auch seine Schriftstellerkollegen nicht empfangen kann.<\/p>\n<p>Er kommt in eine bessere Gehaltsgruppe, mu\u00df daf\u00fcr aber die sogenannte B-Pr\u00fcfung machen, wo er einige Kurse schw\u00e4nzt und daf\u00fcr ger\u00fcgt wird und so beklagt er auch, da\u00df er nebenbei arbeiten mu\u00df und nichtnur als Schriftsteller t\u00e4tig sein kann.<\/p>\n<p>Politisch kommt 1956 die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/06\/die-kinder-des-genossen-rakosi\/\">Ungarnkrise<\/a> und die Fl\u00fcchtlinge \u00fcber den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/09\/um-den-neusiedlersee\/\">Neusiedlersee<\/a>, den Austritt aus der KP\u00d6,\u00a0 Fritsch wendet sich\u00a0 vom Sozialismus ab und dem Katholizismus zu.<\/p>\n<p>In Heft II, im J\u00e4nner 1959, beginnt Fritsch seine Sachen aus der damaligen Hautb\u00fccherei in der Schmidgasse im achten Bezirk, in die ich auch noch \u00f6fter gegangen bin, auszur\u00e4umen und in die freie Schriftstellerschaft hin\u00fcberzuwechseln.<\/p>\n<p>Seine Ehe mit Annemarie wird in dieser Zeit auch geschieden und eine B\u00e4rbl geheiratet. Mit dem Sohn Michael geht er aber ins historische Museum der Stadt oder Wien Museum, wie es, glaube ich, jetzt hei\u00dft und schaut sich das Grillparzerzimmer an, das es jetzt im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/19\/eroffnung-des-literaturmuseums\/\">Literaturmuseum<\/a> gibt.<\/p>\n<p>Reisen beispielsweise nach Kroatien, werden weiter gemacht und Vortr\u00e4ge gehalten.<\/p>\n<p>1961, das ist dann wahrscheinlich schon in Heft III bekommt Ivo Andric, den Nobelpreis und Fritsch bedauert, da\u00df den nicht Miroslav Krleza erh\u00e4lt, dessen Werke er bearbeitet.<\/p>\n<p>Der Papst stirbt dann in Heft IV oder am 3. 7. 1963 an einem Krebsleiden. Schriftstellerkollegen, wie Reinhard Federmann oder Hermann Friedl von dem ich mir auch ein paar Romane aus den Libro-Abverkaufskisten gezogen habe, wie auch die junge <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/11\/barbara-frischmuths-neuauflage\/\">Barbara Frischmuth<\/a>, deren siebenundzwanzigsten Geburtstagsfest er besucht, werden weiter getroffen.<\/p>\n<p>In der Mitte des Buches gibt es einen umfangreichen Bildteil, wo man sich Gerhard Fritsch, seine Frauen, Kinder und sonstige Verwandte, aber auch die Cover seiner B\u00fccher und ein paar handgeschriebene Tagebuchseiten ansehen kann und man hat ein sehr informatives Buch gelesen, das ich denen, die sich f\u00fcr die \u00f6sterreichische Nachkriegsliteratur interessiert, abgesehen von der Vorliebe von Frauenkleidern, bei der ich nach, wie vor skeptisch bin, ob man das wissen mu\u00df, wenn man sich f\u00fcr Literatur interessiert, sehr empfehlen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch zwei von den Empfehlungen der letzten Lese.Auslese, die Gerhard Fritsch-Tageb\u00fccher zwischen 1957 und 1964 geschrieben hat und die jetzt im &#8220;Residenz-Verlag&#8221; von Klaus Kastberger und Stefan Alker-Windbichler herausgegeben hat und habe mich, weil ich mich ja f\u00fcr die \u00f6sterreichische &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=72164\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2323,5654,6229],"class_list":["post-72164","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-gerhard-fritsch","tag-tagebuecher","tag-wien-der-fuenfziger-und-sechziger-jahre"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=72164"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/72164\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=72164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=72164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=72164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}