{"id":72743,"date":"2019-07-21T00:40:03","date_gmt":"2019-07-20T22:40:03","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=72743"},"modified":"2019-07-21T00:40:03","modified_gmt":"2019-07-20T22:40:03","slug":"consummatus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=72743","title":{"rendered":"Consummatus"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen dem Neuerscheinungslesen jetzt schnell noch ein altes Buchpreisbuch eingeschoben, denn das stand ja auf meiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/leseliste\/\">2019 Backliste<\/a> und, da\u00df ich vielleicht<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\"> die alten Buchpreisb\u00fccher<\/a>, die sich inzwischen angesammelt haben,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/06\/23\/das-fuenfte-buchpreisbloggen\/\"> lesen will<\/a>, das habe ich mir ja auch vorgenommen. Sibylle Lewitscharoff &#8220;Consummatus&#8221;, ein Longlistbuch von 2006 und ich wei\u00df jetzt gar nicht so genau, ob es aus den Schr\u00e4nken oder einer Abverkaufskiste stammt, war doch eine &#8220;Morawa-Rechnung&#8221; zwischen den Seiten eingeklemmt, ich dachte aber, ich h\u00e4tte es aus dem Schrank.<\/p>\n<p>Von der 1954 in Stuttgart geborenen Sibylle Lewitscharoff, die 2013 den &#8220;B\u00fcchner-Preis&#8221; bekommen hat, habe ich schon einiges gelesen und kennen tue ich sie, glaube ich, seit ihrem &#8220;Bachmannpreislesen&#8221;,1998.<\/p>\n<p>&#8220;Montgomery&#8221; habe ich von den B\u00fcchert\u00fcrmen der &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221;, das habe ich gelesen und, glaube ich, nicht sehr verstanden, denn Sibylle Lewitscharoff ist ja eine sehr komplizierte Schriftstellerin, die kunstvoll mit der Sprache spielt und dabei auch manchmal \u00fcbertreibt oder sie da mit den &#8220;halben Kindern&#8221; oder den &#8220;Selbstm\u00f6rdern&#8221; auch manchmal \u00fcbers Ziel hinausschie\u00dft.<\/p>\n<p>In dem vorliegenden Buch gibt es auch so eine Stelle:<\/p>\n<p>&#8220;Man sollte die Str\u00e4flinge wieder in Ketten schlie\u00dfen, um ihnen wieder die W\u00fcrde zur\u00fcckzugeben&#8221;, hei\u00dft es da doch auf Seite vierundf\u00fcnzig und da k\u00f6nnte ich genauso\u00a0 ein Fragezeichen machen, wie ich auch eines ans Ende des Buches gesetzt habe.<\/p>\n<p>Aber wieder sch\u00f6n der Reihe nach, damit ich nicht zu<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/23\/unverstaendlich-schreiben\/\"> unverst\u00e4ndlich<\/a> bin.<\/p>\n<p>Sibyille Lewitscharoff die&#8221; B\u00fcchner-Preistr\u00e4gerin&#8221; und &#8220;Preistr\u00e4gerin des Leipziger Buchpreises&#8221;, stand auch noch 2015 und 2011 a<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">uf der deutschen Buchpreisliste<\/a>, beide B\u00fccher habe ich gelesen<\/p>\n<p>Aus <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/30\/blumenberg\/\">&#8220;Blumenberg&#8221;<\/a> stammt der Satz mit den Selbstm\u00f6rdern, auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/21\/buch-wien-eroffnung\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> hat sie glaube ich laut verkundet, da\u00df sie &#8220;Amazon&#8221; nicht mag.<\/p>\n<p>Gut, da ist sie nicht allein und das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/23\/das-pfingstwunder\/\">&#8220;Pfingstwunder&#8221;<\/a> hat mir sehr gut gefallen. Bei diesem Buch bin ich mir nicht so sicher, da w\u00fcrde ich zu dem Fragezeichen auch hinzusetzen &#8220;Was soll denn das, da ist die Phantasie doch zu weit durchgegangen und was w\u00e4re, wenn ich das geschrieben h\u00e4tte?&#8221;<\/p>\n<p>Dabei habe ich doch B\u00fccher die im <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_beruehrungen.html\">Himmel<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_unsichtbare_frau.html\">spielen<\/a> und die Toten mit ihren Anverwandten reden, aber Sibillye Lewitscharoffs &#8220;Consummatus&#8221;, das nicht, wie ich annahm, vomKonsumieren kommt, sondern &#8220;Vollendet&#8221; hei\u00dft spielt an einem Vormittag in einem Stuttgarter Cafe, wo ein Gymnasiallehrer sitzt, weiche Eier und Croissants verzeht, unz\u00e4hlige Tassen Kaffee konsumiert und sich au\u00dferdem noch mit Wodka betrinkt.<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4lt er einen Monolog auf seine Toten, das hei\u00dft eigentlich ist das ein Dialog, denn die Toten, seine Eltern, seine Geliebte, Andy Warhol und<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/05\/morrisons-versteck\/\"> Jim Morrison<\/a> sind auch in dem Cafe und reden munter zur\u00fcck und damit man das in dem Buch auch gleich bemerkt, sind diese Stellen unterschiedlich stark ausgedruckt.<\/p>\n<p>&#8220;Falls es Sie interessiert, was uns nach dem Tod erwartet und was Jim Morrison und Andy Warhol heute so treiben, kommen Sie um diesen Roman nicht herum. Und falls es Sie nicht interessiert, dann sind Sie wahrscheinlich schon tot und haben es nur noch nicht gemerkt&#8221;, hat der Literaturkritiker Denis Scheck auf das Buch schreiben lassen.<\/p>\n<p>Und das klingt genauso gut, wie manche sch\u00f6ne S\u00e4tze in dem Buch, stimmt aber nicht, da\u00df das darin vorkommt oder wir haben <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/28\/archipel\/\">schon wieder<\/a> zwei verschiedene B\u00fccher gelesen.<\/p>\n<p>Es geht um Gott und die Welt und vieles andere in dem Buch, dazwischen wird mit der Kellnerin gesch\u00e4kert und dann geht es, ich mu\u00df noch erw\u00e4hnen, da\u00df der Handlungszeitraum mit dritter April datiert ist, in den Schnee hinaus.<\/p>\n<p>der Betrunkene tappt sich durch die verschneite Landschaft und damit man das optisch gut erkennt, sind Schneeflocken in dem Buch eingezeichnet. Das war f\u00fcr mich ein bi\u00dfchen schwer zu lesen und ich habe nicht sehr viel verstanden, als ich aber schon dachte &#8220;Aha, das ist die Vollendeung, er bleibt im Schnee liegen und geht heim zu seinen V\u00e4tern!&#8221;, kommt das Kapitel null zwei, da mu\u00df ich noch eine besondereheit erw\u00e4hnen, die Kapitel\u00fcberschriften bestehen aus einem Quadarat, wo die Zahlen ein bis sechzehn durcheinander gew\u00fcrfelt sind und das jeweilige Kapitel\u00a0 schwach ausgedruckt ist, zwei Nullkapitel gibt es auch, am Anfang und am Ende und bei diesem Kapitel hat Sibylle Lewitscharoff geschrieben: &#8220;Die Geschichte des Mannes, der seine Toten immer um sich hat, endet fr\u00f6hlich. Wer will, kann ihm jetzt dabei zusehen, wie er die Stufen zu seinem geliebten Weinhaus hinaufsteigt, wie er nach Altherrenart ablegt und mit steifen Fingern nach dem Aufh\u00e4nger sucht, um den Mantel am Garderobehaken zu versorgen, wie er sich noch einmal mit der Hand \u00fcber den beperlten\u00a0 Stoff streicht, aus der Tasche ein Tuch zieht und sich das Gesicht damit abtupft, wie er sich nach dem Jenseitsberater im Eck umsieht, der ihm ein Bier zum Wohl entgegenhebt, wie pl\u00f6tzlich Leben in ihm kommt, er sich die H\u00e4nde reibt und vergn\u00fcgt nach der Kellnerin umdreht, die ein Schatz ist.&#8221;<\/p>\n<p>Nun ja, k\u00f6nnte ich da sagen, das ist halt die gro\u00dfe Literatur und Sibylle hat es sicher Spa\u00df gemacht mit der Sprache zu spielen und vielleicht auch die Leser ein bi\u00dfchen zum Narren zu halten. Das Meine ist es nicht gerade, ich mag es ja nicht so abgehoben und bleibe realistischer, auch wenn meine Geschichten im Himmel spielen.<\/p>\n<p>Trotzdem bin ich nicht emp\u00f6rt, schreie nicht &#8220;Pfui!&#8221;, habe nur ein paar Mal den Kopf gesch\u00fcttelt, ein Fragezeichen gesetzt und eigentlich bin ich stolz, da\u00df ich mich in Sibylle Lewitscharoff schon so gut eingelesen habe, denn von &#8220;Mongomery&#8221; habe ich ja nicht soviel mitbekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen dem Neuerscheinungslesen jetzt schnell noch ein altes Buchpreisbuch eingeschoben, denn das stand ja auf meiner 2019 Backliste und, da\u00df ich vielleicht die alten Buchpreisb\u00fccher, die sich inzwischen angesammelt haben, lesen will, das habe ich mir ja auch vorgenommen. 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