{"id":7302,"date":"2011-06-11T12:51:24","date_gmt":"2011-06-11T10:51:24","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7302"},"modified":"2011-06-11T12:51:24","modified_gmt":"2011-06-11T10:51:24","slug":"pepsi-im-waschsalon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7302","title":{"rendered":"Pepsi im Waschsalon"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich ist Edda Helmkes &#8220;Pepsi im Waschsalon&#8221; ein sehr b\u00f6ses Buch, obwohl es vodergr\u00fcndig sehr leicht vom Alltag im Berliner Kiez plaudert. Es d\u00fcrfte Ende der Neunzigerjahre, also noch nicht allzu lang nach der Wende spielen und irgendwo um den Weddingplatz, keine Ahnung wo das ist, Berlin ist ja sehr gro\u00df und ich war schon lang nicht mehr dort. Es ist auch noch erstaunlich aktuell, nur das Jugendamt sekkiert vielleicht nicht mehr so.<br \/>\nJedenfalls geht um die Bewohner eines abgewohnten Miethauses, das modernisiert und die Mieter damit hinausgeworfen werden sollen und der Titel ist auch eine Mogelpackung, wie das auf Berlinerisch wahrscheinlich so hei\u00dft, denn Itha Rossmann geht mit ihrer Tochter Pepita genannt Pepsi nur einmal, ziemlich am Anfang des Buches dorthin, wo sie auch eine interesante Bekanntschaft macht. Denn die Waschmaschine ist kaputt, am Schlu\u00df des Buches erfahren wir auch warum, da die kleine Pepsi, wahrscheinlich so zwischen drei und vier Jahre alt, wenn ihr langweilig ist und Mama und der neue Freund noch im Bett liegen, die L\u00f6ffel in die Maschine steckt, die dann die Schwarzmonteure  herausholen umd zweihundertf\u00fcnfzig Mark von Itha daf\u00fcr verlangen, die die alleinerziehende Mutter, die in einem Cafe am Weddingplatz jobt und von der F\u00fcrsorge drangsaliert wird, nicht bezahlen kann. Am Beginn passiert noch etwas anderes, n\u00e4mlich ein Rentner wird samt Hund in der Nachbarwohnung tot aufgefunden, so tritt der Polizist Ralf Schubert auf den Plan und l\u00e4utet an Ithas T\u00fcr, die f\u00fcr die kleine Pepsi gerade Cornflakes macht und die andere Nachbarin, die Cognac trinkende Wilma wird nerv\u00f6s dar\u00fcber. Pepsi ist die Tochter des schwarzen Musikers Normann, der Itha aber verlassen hat und Ithas Mutter ist auch gerade nach Mallorca ausger\u00fcckt, wor\u00fcber sich die Rentnerin Wilma etwas wundert, die hat einen Sohn vom Rentner Kleber, n\u00e4mlich den erfolgreichen Anwalt Wolfi Kr\u00f6ger, dem auch das Cin-Cin geh\u00f6rt, in dem Itha als Serviererin angestellt wird, der schwule Marokkaner Jussuff, der mit dem Architekten und Freizeithaarschneider ebenfalls in Ithas Mietshaus wohnt, hat ihr das vermittelt und Itha wartet schon lange auf einen Platz im Montessori Kinderladen f\u00fcr Pepsi, w\u00e4hrend der Sohn des Lehrers, der auch in dem Haus wohnt, schon viel fr\u00fcher einen bekommen hat.<br \/>\nItha hat zwei Freundinnen, Pille und Elke, Pille ist die Frau des Lehrers Ekki, ja diese Abk\u00fcrzungen und war Psychologin in Bogota, jetzt hat sie zwei Kinder und macht einen Deutschkurs, w\u00e4hrend ihr Mann aufs Land ziehen will, aber in dem Haus das er f\u00fcr sie gefunden hat, haben Neonazis einmal eine F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige an einen Baum gefesselt und gefoltert, jetzt will Pille, die eigentelich Pilar Lopez hei\u00dft, dort nicht mehr hin, kann das ihrem Ekki aber nicht kommunizieren und die dritte Freundin Elke ist mit Mann und Kind l\u00e4ngst  an den Stadtrand \u00fcbersiedelt, jetzt will sie wieder in den Beruf zur\u00fcck, bekommt aber keine Teilzeitstelle und schlecht ist ihr auch dauernd.<br \/>\nItha bekommt schlie\u00dflich doch einen Platz in der Kindergruppe und mu\u00df Pepsi daf\u00fcr einkleiden, sie ist eigentlich Schneiderin, deshalb hat sie sich auch einen tollten Patchworkmantel gen\u00e4ht, f\u00fcr die dazu passenden Str\u00fcmpfe hat sie aber kein Geld, so findet sie der Kaufhausdetektiv in ihrer Tasche, der Polizist Schubert, der eigentlich eine Freundin namens Doro hat, mit der er gerade zusammengezogen ist, mu\u00df einschreiten und so wird f\u00fcr Itha ein P\u00e4ckchen mit diesen Str\u00fcmpfen im Cin-Cin abgegeben. Itha hat auch den achtundzwanzigsten Geburtstag und  die Freunde planen eine \u00dcberraschungsparty, die Betreuerin vom Jugendamt und Schubert tauchen mit Blumen auf, das Fest wird aber gest\u00f6rt, weil Elke pl\u00f6tzlich verschwunden ist. Am Schlu\u00df wird alles gut, die Paare wechseln ein paarmal ihre Beziehungen und H\u00e4user, Schubert entpuppt sich als begnadeter Privatdetektiv, besonders mit Unterst\u00fctzung  seiner Ex-Freundin Doro, Elke wird  bei Ithas Mutter gefunden und ein paar die Frau ermutigende Floskeln gibt es auch immer wieder.<br \/>\n&#8220;Leider mu\u00df ich in die Kanzlei, meine Damen&#8221;, sagte Wolfi und hob bedauernd die H\u00e4nde. &#8220;Sonst w\u00fcrde ich euch zum Kaffee einladen.&#8221;<br \/>\n&#8220;Das kriegen wir schon alleine hin!&#8221;, sagte Wilma. &#8220;Sei mal sch\u00f6n flei\u00dfig,du.&#8221; Seite 299<br \/>\nEdda Helmke wurde 1964 in Bad Marienfelde geboren und lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Bei Piper sind vor der mir vorliegenden 1999 Ausgabe zwei Romane &#8220;Bitte keine Umst\u00e4nde&#8221; und &#8220;Am Anfang war die Windel&#8221; erschienen. F\u00fcr ihre Erz\u00e4hlung &#8220;Pepsi im Waschsalon&#8221;, die dem Buch zugrunde liegt, wurde sie 1997 mit dem Walter-Serner-Preis ausgezeichnet. Mir war die Autorin v\u00f6llig unbekannt und wem es interessiert, wie ich zu meinen B\u00fcchern komme, ich gehe vorwiegend nach den Autorennamen und die kenne ich ja meistens, weil ich viel zu Lesungen gehe. Hier war es das Cover und der Malik-Verlag der mich neugierig machte, so da\u00df ich es mir das Buch in den Zwischenzeiten zwischen Weihnachten und Neujahr, als ich auf Mayor <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/28\/auf-den-spuren-mayor-bronsteins\/\">Bronsteins Spuren<\/a> zur Ingrid nach Dornbach ging, aus dem B\u00fccherschrank in der Zieglergasse zog und an diesem Abend dort \u00fcberhaupt sehr f\u00fcndig war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich ist Edda Helmkes &#8220;Pepsi im Waschsalon&#8221; ein sehr b\u00f6ses Buch, obwohl es vodergr\u00fcndig sehr leicht vom Alltag im Berliner Kiez plaudert. 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