{"id":732,"date":"2009-01-14T20:57:06","date_gmt":"2009-01-14T19:57:06","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=732"},"modified":"2009-01-14T20:57:06","modified_gmt":"2009-01-14T19:57:06","slug":"studien-im-schnee","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=732","title":{"rendered":"Studien im Schnee"},"content":{"rendered":"<p>Heute bin ich zu Studienzwecken zum Otto Wagner Krankenhaus hinaufgegangen.<br \/>\nDie, die das noch nicht von mir wissen, ich bin neben meinem Hang zum B\u00fcchertauschen auch eine begnadete Flaneurin und renne stundenlang in Wien herum.<br \/>\nDenn das Gehen ist ein meditativer Akt und man sieht viel dabei, das sich vielleicht f\u00fcr eine Szene brauchen l\u00e4\u00dft.<br \/>\nAuf den Steinhof bin ich extra hinauf, denn das mache ich immer zu Beginn einer neuen Arbeit.<br \/>\nHerumgehen, alles anschauen,  Eindr\u00fccke sortieren.<br \/>\nUnd da ich heute keine Stunden hatte, habe ich mir den Tag daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt.<br \/>\nNur am Morgen begann es zu schneien und im Radio warnten sie vor Glatteis. Eine Glatteisphobikerin bin ich ein auch bi\u00dfchen, es war  aber nicht so arg, nur ein bi\u00dfchen na\u00df und sch\u00f6n durch den Schnee zu gehen, obwohl der Roman ja nicht nur im Winter spielt.<br \/>\nZuerst bin ich zu Thalia auf die Mariahilferstra\u00dfe und habe mir  Jenny Erpenbecks &#8220;Heimsuchung&#8221; angeschaut, weil das Buch ja auch von einem Haus und \u00fcber die Generationen handelt. Da hat mich die Form interessiert, weil ich mir bei meiner ja nicht sicher war, obwohl ich damit schon ein bi\u00dfchen weitergekommen bin.<br \/>\nDann bin ich in zur Confiserie &#8220;Hussel&#8221; weiter bzw. zur\u00fcckgegangen, weil ich mir in St. P\u00f6lten vor zwei Wochen von dort einen Kalender holte und auf dem Kalender gibt es Monat f\u00fcr Monat einen Gutschein, im J\u00e4nner einen f\u00fcr einen sogenannten Jubil\u00e4umsriegel, den ich mir gleich einl\u00f6ste, um einen s\u00fc\u00dfen Vorrat f\u00fcr meinen Studientag zu haben, Mandarinen hatte ich mir auch eingesteckt und von Spar hatte ich einen anderen Gutschein, n\u00e4mlich f\u00fcr ein Schnitzel um vier Euro, und so habe ich, bevor ich auf die Baumgartner H\u00f6he hinaufgegangen bin, einen Umweg in die Sandleitengasse eingelegt und bei Interspar ein Schweizer Schnitzel gegessen und dann hinauf ins  Psychiatrische Krankenhaus und das war eine sehr sch\u00f6ne Erfahrung durch den unber\u00fchrten Schnee zu stapfen und mir die zum Teil renovierten rot-wei\u00dfen Backsteinpavillons mit den gro\u00dfen Glasveranden anzusehen, die Kirche und das Jugendstiltheater, es gibt auch immer wieder Hinweistafeln mit historischen Daten und eine sehr interessante Ausstellung des Dokumentationsarchivs des \u00f6sterreichischen  Widerstandes, die ich f\u00fcr mein Textvorhaben gut gebrauchen konnte.<br \/>\nBei der Kirche waren Amerikaner mit dicken Winterm\u00fctzen, die durch das Eingangsgitter schauten und ansonsten M\u00fctter, die mit ihren Kindern rodeln gingen und die \u00fcblichen Zigarettenschnorrer und eine Frau, die mich nach dem &#8220;Rosenpavillon&#8221; fragte.<br \/>\nFast zwei Stunden bin ich durch den Schnee marschiert und dann zur\u00fcck \u00fcber die Thaliastra\u00dfe, um mir am Schumeierplatz den Albert Sever Saal anzusehen, weil ich den vielleicht auch brauchen kann.<br \/>\nAnsonsten gibt es zu berichten, da\u00df ich zwar noch immer ein wenig ratlos bin, aber schon ein bi\u00dfchen weitergeschrieben habe.<br \/>\nUnd mich auch f\u00fcr  Kapitel entschieden habe.<br \/>\nIch bin jetzt beim zweiten Kapitel und habe mir gestern ein paar B\u00fccher herausgesucht, die mir vielleicht weiterhelfen, bzw. mich in Stimmung bringen k\u00f6nnen.<br \/>\nSo z.B.  Sofie Lazarsfeld &#8220;Wie die Frau den Mann erlebt&#8221;, ein uraltes aus dem Jahr 1931, Erbst\u00fcck aus der Bibliothek meiner Eltern.  Es war sehr interessant darin zu bl\u00e4ttern und zu sehen, welche Stellen meine 1915 geborene und 1991 verstorbene Mutter angestrichen und mit &#8220;sehr gut&#8221; bezeichnet hat.<br \/>\nWas die Schreibweise betrifft, kann ich mich nicht ganz dem Nanowrimo Schreibstil anschlie\u00dfen, die empfehlen den ersten Ansatz ohne Korrekturen und Verbesserungen erst einmal herunterzuschreiben. Ich gehe  schon immer das vorher Geschriebene durch, um daran anzuschlie\u00dfen.<br \/>\nObwohl bei dem Jahrhundertthema, das ich mir ausgesucht habe, zuerst sicher das Materialsammeln das Wichtigste ist, danach kann ich mich an die Szenen- und Dialogarbeit machen.<br \/>\nKurz vor sechs war ich,  ersch\u00f6pft, wahrscheinlich aber schon zufrieden zur\u00fcck.<br \/>\nWenn ich eine Stunde l\u00e4nger gebraucht h\u00e4tte, w\u00e4re ich ins Literaturhaus gegangen, denn da gibts gerade eine der monatlichen Lesungen des \u00f6sterreichischen Schriftstellerverbandes und da liest unter anderen Erika Kronabitter, die liebe Kollegin, die mir  die Mittleren II &#8211; Lesung in Vorarlberg vermittelt hat und die hat mich vorgestern aus dem Zug dazu eingeladen, da ich aber keine Stunde warten wollte, bin ich nach Haus gegangen und mache mich an die Romanarbeit, bzw. an das Literaturgefl\u00fcster und Judith Gruber-Rizy liest am 26. J\u00e4nner  aus ihrem Roman &#8220;Einm\u00fcndung&#8221; in der alten Schmiede, wie sie mir vorhin mailte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute bin ich zu Studienzwecken zum Otto Wagner Krankenhaus hinaufgegangen. Die, die das noch nicht von mir wissen, ich bin neben meinem Hang zum B\u00fcchertauschen auch eine begnadete Flaneurin und renne stundenlang in Wien herum. 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