{"id":7371,"date":"2011-06-17T00:17:48","date_gmt":"2011-06-16T22:17:48","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7371"},"modified":"2011-06-17T00:17:48","modified_gmt":"2011-06-16T22:17:48","slug":"ein-grieche-in-der-alten-schmiede","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7371","title":{"rendered":"Ein Grieche in der Alten Schmiede"},"content":{"rendered":"<p>Oder auch nicht, denn Aris Fioretos wurde ja 1960 in G\u00f6teborg als Sohn eines griechischen Vaters und einer \u00f6sterreichischen Mutter geboren, studierte  vergleichende Literaturwissenschaft, lebt in Stockholm und  Berlin und hat 2009 den Roman &#8220;Der letzte Grieche&#8221; geschrieben, der jetzt bei Hanser herausgekommen ist. Ich kenne den Namen glaube ich von meinen Buchmessensurfings bzw. einem Interview mit Dennis Scheck, das Buch ist,  glaube ich, auch hoch oben auf der Bestsellerliste gestanden und dann habe ich vor einigen Wochen in der Sendung Ex Libris von ihm geh\u00f6rt, da er auch die &#8220;Nelly Sachs Werkausgabe&#8221; herausgegeben hat, die wurde am Mittwoch in der schwedischen Botschaft vorgestellt und  h\u00e4tte mich auch sehr interessiert, habe mich aber f\u00fcr Otto Kernberg und das Sigmund Freud Museum entschieden und bin daf\u00fcr am Donnerstag besonders rechtzeitig in die Alte Schmiede gegangen, weil ich dachte, wenn ein schwedischer Bestsellerautor in Wien zu h\u00f6ren ist, ist es sicher voll.<br \/>\nMitnichten, zehn vor sieben bin ich in einem leeren Saal bzw. vor dem B\u00fcchertisch gestanden, sagte mir doch Petra Me\u00dfner auf meine Frage, wo denn die Leute w\u00e4ren &#8220;Dann k\u00f6nnen Sie in Ruhe schm\u00f6kern!&#8221;, was ich auch tat und da hat mich vor allem, der von Aris Fioretos herausgegebene Bildband \u00fcber Nelly Sachs interessiert, ein sch\u00f6nes Buch, das ich mir zum Geburtstag schenken lassen k\u00f6nnte und dann gab es noch zwei B\u00e4nde Werkausgaben. Die 1891 in Berlin geborene Nelly Sachs, die mit ihrer Mutter gerade noch nach Stockholm fl\u00fcchten konnte, 1966 den Nobelpreis bekam und 1970 starb, war, wie ich einigen Ex Libris oder Tonspursendungen im letzten Jahr entnahm offenbar genauso traumatisiert, wie Paul Celan und einen Briefwechsel zwischen den beiden gibt es auch.<br \/>\nInteressant, da\u00df das ein Exilgrieche, der perfekt Deutsch spricht, herausgibt und den Autor in einer Zeit kennenzulernen, wo Griechenland ja in aller Munde ist, ist ebenfalls sehr spannend und ein Buch das &#8220;Der letzte Grieche&#8221;, hei\u00dft, nat\u00fcrlich auch.<br \/>\nEs sind dann doch ein paar Leute in die Alte Schmiede gekommen, darunter Sabine Gruber, die \u00f6fter zu Literaturveranstaltungen geht, Walter Famler ist auch im Publikum gesessen und Kurt Neumann hat wieder eingeleitet. Er tut das ja immer sehr umfassend, es ist aber auch ein umfassender Roman, der in den Jahren zwischen 1967 und 1969 spielt und dann wieder in einer Zeitspanne von hundertzwanzig Jahren. Der letzte Grieche ist jedenfalls 1967 ein vierundzwanzigj\u00e4hriger junger Mann, Analphabet, Linksh\u00e4nder und Plattfu\u00dfbesitzer, Aris Fioretos macht es seinem Helden nicht sehr leicht und der steht pl\u00f6tzlich in einem schwedischen Spital, wo der einzige Grieche des Ortes Arzt ist, das d\u00fcrften autobiografische Elemente sein und Aris Fioretos der Arztsohn, der als Sechsj\u00e4hriger einen solchen Besuch in der Praxis seines Vaters erlebte. Es gibt noch einen Gegenspieler namens Kostas, das ist der erste Grieche und der schreibt eine Enzyklop\u00e4die \u00fcber die Auslandsgriechen und in diese kommt Janis als der letzte hinein. Kostas hat eine Schwester mit der Janis in Griechenland eine Zeitlang in die Schule ging und die sich in ihn verliebte, aber der Gastarbeiter, der in den Sechzigerjahren nach Schweden kam, heiratet das schwedische Kinderm\u00e4dchen, das sich allerdings emanzipieren will, was der Macho nicht versteht, so da\u00df er ein Loch ins  Pr\u00e4servativ sticht und eine eine wundersch\u00f6ne Tochter wird geboren, mit der er offenbar am Schlu\u00df des Buches nach Griechenland fl\u00fcchtet oder dorthin fl\u00fcchten will, w\u00e4hrend das Kinderm\u00e4dchen zu Kostas geht. Das Ganze ist sehr kompliziert aufgebaut, erkl\u00e4rte Kurt Neumann und besteht aus verschiedenen Stilmitteln, so gibt es auch Listen und Essays. Eine solche las Aris Fioretos vor und dann noch die fulminante Stelle, in der die Schwester dem Bruder die hundert Arten erkl\u00e4rt, warum sie Janis liebt, wegen dem Gr\u00fcbchen auf der Wange, seinem Hemd, seinem L\u00e4cheln, weil er sie besuchte oder nicht etc, aber deshalb, weil er sie liebte nicht.<br \/>\nDie griechische Geschichte von der ich nicht viel wei\u00df, spielt auch eine Rolle, die Gro\u00dfm\u00fctter der beiden Helden sind 1922 aus Smyrna gefl\u00fcchtet und einen griechischen Milit\u00e4rputsch gab es 1967 auch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder auch nicht, denn Aris Fioretos wurde ja 1960 in G\u00f6teborg als Sohn eines griechischen Vaters und einer \u00f6sterreichischen Mutter geboren, studierte vergleichende Literaturwissenschaft, lebt in Stockholm und Berlin und hat 2009 den Roman &#8220;Der letzte Grieche&#8221; geschrieben, der jetzt &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7371\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-7371","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7371"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7371\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}