{"id":73771,"date":"2019-08-31T00:40:52","date_gmt":"2019-08-30T22:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=73771"},"modified":"2019-08-31T00:40:52","modified_gmt":"2019-08-30T22:40:52","slug":"das-letzte-rote-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=73771","title":{"rendered":"Das letzte rote Jahr"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder eine \u00f6sterreichische Neuerscheinung oder ein bei FVA erschienes\u00a0 Buch das mir gut gefallen hat, der 1981 in Zilina geborenen Susanne Gregor, die 1990 mit ihrer Familie nach \u00d6sterreich gezogen ist und bei der &#8220;Edition Exil&#8221; ihren ersten Roman <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/11\/kein-eigener-ort\/\">&#8220;Kein eigener Ort&#8221;<\/a> herausgebracht hat, obwohl sie bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/10\/susanne-gregor-und-mareicke-fallwickl-im-literaturhaus\/\">Lesung im vorigen Jahr im Literaturhaus<\/a> ja, glaube ich, sagte, da\u00df sie nicht so gerne solche schreiben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jetzt ist der neue Roman bei FVA\u00a0 vielleicht durch Mareike Fallwickls Hilfe, die damals auch gelesen hat, erschienen und ich mu\u00df sagen, er gefi\u00e4lltmir sehr und war f\u00fcr mich eine postivie \u00dcberraschung, denn &#8220;Kein eigener Ort&#8221; hat mir nicht so gefallen.<\/p>\n<p>Sie ist dann bald zu &#8220;Droschl&#8221; gewechselt, wurde vom<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/06\/auftritte-iii\/\"> Literaturhaus als Jungautorin<\/a> pr\u00e4sentiert, ihren Roman &#8220;Terretorien&#8221;, der schon bei &#8220;Droschl&#8221; erschienen ist, habe ich noch nicht gelesen, wohl aber bei einem der Literaturhaus-Flohm\u00e4rkte gekauft und nun habe ich ein sehr interessantes Buch gelesen, das das letzte Jahr in der Tschechoslowakei vor dem Weggang in den Westen und den Fall der Mauer schildert.<\/p>\n<p>Misa, Rita und Slavka sind drei Freundinnen oder eigentlich drei vierzehnj\u00e4hrige M\u00e4dchen, also etwas \u00e4lter, als es Susanne Greogor 1989 war, die in der Klein oder Gro\u00dfstadt Zilina, an der wir immer vor\u00fcberfuhren, wenn wir in die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/08\/12\/zum-funften-mal-hohe-tatra\/\">hohe Tatra<\/a> wollten, leben.<\/p>\n<p>Die Ich-Erz\u00e4hlerin Misa mit ihren Eltern und ihrem achtzehnj\u00e4hrigen Bruder Alan in der Mitte des Hauses, darunter Slavka mit ihrer Mutter, denn ihr Vater ist einmal von einer Reise nach Stockholm nicht mehr zur\u00fcckgekommen, dar\u00fcber Rita mit ihren \u00c4rzteeltern und dem kleinen BruderMarcel, der immer am Hosenzipfel der Mutter h\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Die Eltern treffen sich Abends immer beim Wein in Misas Wohnung, die drei Freundinnen verbringen die Zeit abwechselnd miteinander und besuchen die selbe Klasse und in diesem Jahr, wo sie auch aufs Gymnasium wechseln, werden sie sowohl erwachsen, als auch ihre Freundschaft und das sozialistische System in dem sie aufgewachsen sind, zerbricht und das alles erz\u00e4hlt Susanne Gregor durchaus spannend, wenn das Buch auch zum Teil das die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/09\/skizze-eines-sommers\/\">&#8220;Skizze eines Sommers&#8221;<\/a> von Andre Kubizek erinnert, der ja etwas \u00c4hnliches schildert, einen Jahrhundertsommer in der DDR, w\u00e4hrend das Regime bald zerbricht.<\/p>\n<p>Aber so rosig ist es in Misas Leben, die gerne B\u00fccher liest, was ihr Vater, der in einer Elketrofirma arbeitet und daher \u00f6fter Auslandsreisen nach \u00d6sterreich machen darf, gar nicht, der Bruder kapselt sich ab, der Vater will da\u00df sie mehr Sport betreibt und auch die Freundin Rita, die eine \u00fcberzeugte Pionierin ist, w\u00e4hrend ihre und auch die anderen Eltern l\u00e4ngst nicht mehr so \u00fcberzeugt von dem Regime sind, kapselt sich ab und geht ihre eigene Wege, was sie zuerst des Nachts in Alans Zimmer f\u00fchrt und als Misas Eltern das erfahren, in eine Katastrophe ende, denn er ist achtzehn, sie vierzehn, also ist es eigentlich verboten, was sie machen und Slavka trainiert eifrig f\u00fcr den Sportkader, ist in ihrem Geschichtslehrer verliebt, ansonsten schminkt sie sich und zieht sich westlich an.<\/p>\n<p>Ihre Karriere wird vor Schluschlu\u00df bei einer Sportauff\u00fchrung unterbrochen, als sie sich den Kn\u00f6chel bricht und den Sommer liegend mit Gips im Bett verbringen mu\u00df.<\/p>\n<p>Ritas Eltern wollen auch nach Ungarn, von den Ver\u00e4nderungen dort, da\u00df da die Grenzen ge\u00f6ffent wurden und die DDR-B\u00fcrger von dort in den Westen verschwinden, erfahren die M\u00e4dchen durch erlauschte Gespr\u00e4che ihrer Lehrer oder aus dem Radio.<\/p>\n<p>Ritas Vater Michal will von einem Kongre\u00df in Ungarn nicht mehr zur\u00fcckkommen. Er will aber auch Abteilungsleiter in seinem Krankenhaus werden, um nicht immer Nachtschichten schieben zu m\u00fcssen. Trinkt aber so viel,\u00a0 da\u00df beides nicht klappt und die Katastrophe herannaht, als eines Tages Alan und Rita verschwunden sind, was von ihrem Familien erst einen Tag sp\u00e4ter bemerkt wird und es noch etwas l\u00e4nger dauert, bis ein Brief von Rita aus Hamburg kommt.<\/p>\n<p>Das Leben geht aber weiter, Weihnachten wird im Haushalt von Misa, einen Brand hat es vorher auch gegeben, etwas chaotisch gefeiert, da\u00df der Weihnachtsbaum fehlt, fiel auch erst sp\u00e4ter auf. Daf\u00fcr \u00fcberraschte aber der Vater, der die Tochter schon vorher zum Deutschstudum verpflichtet hat, da\u00df sie ab Februar nach \u00d6sterreich ziehen werden und das neue Leben\u00a0 im westlichen Kapitalismus beginnt.<\/p>\n<p>Das Buch beginnt mit einem Prolog, da ist die Ich-Erz\u00e4hlerin, glaube ich, in Wien und schon Schriftstellerin, kellnert aber nebenbei und sieht im Fernsehen pl\u00f6tzlich Rita, so da\u00df sie sich an das letzte roteJahr in Zilina erinnert und die Geschichte zu erz\u00e4hlen beginnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder eine \u00f6sterreichische Neuerscheinung oder ein bei FVA erschienes\u00a0 Buch das mir gut gefallen hat, der 1981 in Zilina geborenen Susanne Gregor, die 1990 mit ihrer Familie nach \u00d6sterreich gezogen ist und bei der &#8220;Edition Exil&#8221; ihren ersten &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=73771\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2206,5621,5862,6170],"class_list":["post-73771","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-fva","tag-susanne-gregor","tag-tschechoslowakei","tag-wendejahr-1989"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=73771"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/73771\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=73771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=73771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=73771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}