{"id":7541,"date":"2011-07-01T16:06:59","date_gmt":"2011-07-01T14:06:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7541"},"modified":"2011-07-01T16:06:59","modified_gmt":"2011-07-01T14:06:59","slug":"die-ruckkehr-des-tanzlehrers","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7541","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr des Tanzlehrers"},"content":{"rendered":"<p>Wieder ein Sommerkrimi und wieder ein Fund aus dem offenen B\u00fccherschrank, ein Henning Mankell aus dem Jahr zweitausend, erfolgreich verfilmt, so da\u00df ich ihn vor einigen Jahren in Harland im Fernsehen gesehen habe, trotzdem war das Lesen fast ein Aha-Erlebnis und ich habe auch meine eigene Henning Mankell Geschichte, habe ich ihn doch durch die Libro Bestseller Aktion, die es 1998 oder 1999 so gab, entdeckt und mir da  &#8220;Die f\u00fcnfte Frau&#8221; und &#8220;Die falsche F\u00e4hrte&#8221; geholt und war als eine, die Krimis ja ganz gern mag, von dem typischen Henning Mankell Stil begeistert. Denn er ist, w\u00fcrde ich sagen, einer, der \u00e4hnlich, wie Eva Rossmann sein eigenes Krimischema hat und nat\u00fcrlich den Kommissar Wallander, der da hoch oben in Schweden, wo ich vor zwanzig Jahren, das letzte Mal ein paar Tage war, ermittelt und es beginnt immer mit einer sehr fesselnden Beschreibung eines Einzelt\u00e4ters, meist eines Traumatisierten, der sein Trauma durch eine grausliche Gewalttat loszuwerden versucht, die die Kommissare langsam und bed\u00e4chtig aufkl\u00e4ren und wir erfahren viel von den Ungerechtigkeiten des Lebens, haben ein spannendes Leseerlebnis und der 1948 geborene Schwede hatte damit gro\u00dfen Erfolg.<br \/>\nAlfred hat die Krimis, glaube ich, alle seiner Mutter zu Weihnachten und zum Geburtstag gekauft, so bin ich mit einem davon einmal w\u00e4hrend einer Sommerfrische nach Wilhelmsburg gefahren und habe auf fast jeder Bank angehalten und einen anderen habe ich in der Buchhandlung in Bruneck durchbl\u00e4ttert oder schnell gelesen, w\u00e4hrend der Alfred mit der Anna schifahren war.<br \/>\nHenning Mankell hat sich dann von seinen Wallanders, glaube ich, auch distanziert, in Afrika ein Theater geleitet und ein paar andere sozialkritische Romane geschrieben, die nicht so ein Erfolg geworden sind. &#8220;Die rote Antilope&#8221; und &#8220;Tea-Bag&#8221; habe ich, glaube ich, zum Geburtstag bekommen und schnell gelesen, so da\u00df ich nicht mehr sagen k\u00f6nnte, worum es darin ging und einmal war ich bei einer Mankell-Lesung im Jugendstiltheater am Steinhof. Der letzte Wallander ist, glaube ich, nach einer Pause vor einem Jahr erschienen, wo sich der Kommissar ein bi\u00dfchen mit dem Scheitern und dem \u00c4lterwerden besch\u00e4ftigt und das hat  der Kritik nicht so gut gefallen.<br \/>\nJetzt habe ich also &#8220;Die R\u00fcckkehr des Tanzlehrers&#8221; gelesen, der einmal nicht  Kurt Wallander, sondern den siebenunddrei\u00dfigj\u00e4hrigen an Krebs erkrankten Stefan Lindman zum Ermittler hat, trotzdem glaube ich dasselbe Schema, des sehr umfangreichen Buches, das mich zwei Vormittage in der Badewanne verbringen lie\u00df, erkannt zu haben und es hat auch ein sehr wichtiges Thema, n\u00e4mlich die Aufarbeitung des Holocausts in Schweden.<br \/>\nSo beginnt es 1945 mit einem Prolog, wo ein Pilot einen schweigenden Mann mit einem Koffer von England nach Deutschland fliegt, es stellt sich heraus, das ist ein Henker und er hatte die Aufgabe einige Naziverbrecher hinzurichten, ein paar der gr\u00f6\u00dften hat er aber nicht erwischt. So geht es  im ersten Teil wieder in die Abgeschiedenheit Schwedens. Da kann ein ehemaliger Polizist nicht schlafen, weil ihn die Alptr\u00e4ume verfolgen, Mankell beschreibt das gro\u00dfartig, so steht er auf, legt Puzzles, tanzt mit einer Puppe Tango, bis er bemerkt, da\u00df sein Hund vergiftet, die Fenster zerschossen und Tr\u00e4nengas hineingeworfen wird,  er mu\u00df hinaus, wird schlie\u00dflich zu Tod gepeitscht und mu\u00df dann noch eine letzte Runde Tango tanzen, so da\u00df die Polizisten \u00fcber seine Blutspuren r\u00e4tseln.<br \/>\nInzwischen erf\u00e4hrt Stephan Lindman von seiner Krebsdiagnose, hat Todesangst und liest in der Zeitung von dem Mord an Herbert Molin, der einmal sein Vorgesetzter war. Er ist krankgeschrieben, so f\u00e4hrt er, w\u00e4hrend er auf die Behandlung wartet, nicht nach Mallorca, sondern nach H\u00e4rjedalen, wo der Mord geschehen ist und r\u00fchrt sich aus seiner Todesangst auch nicht bei seiner Freundin Elena. Er quartiert sich in einem Hotel ein und ger\u00e4t ohne es zu wollen, immer tiefer in die Sache, Inspektor Guiseppe Larsson l\u00e4\u00dft ihn auch mitarbeiten und gibt ihn bereitwillig \u00fcber den Fall Auskunft. Zweimal bricht er unerlaubterweise in fremde Wohnungen ein und findet da das erste Mal eine alte Naziuniform, das zweite Mal die Liste einer Nazivereinigung, die sich  &#8220;Schwedens Wohl&#8221; nennt und entdeckt, da\u00df da auch sein Vater Einzahler war. Inzwischen wird auch der Nachbar des EX-Polizisten, ein Musiker ermordet und wir erfahren, wieder typisch von Mankell auch gleich, wer der M\u00f6rder Molins war, n\u00e4mlich Aaaron Silberstein, der Sohn des Tanzlehrers aus Berlin, von dem wir inzwischen wissen, da\u00df Herbert Molin, der fr\u00fcher anders hie\u00df, sich freiwillig zur Waffen SS meldete, obwohl er das als Schweden gar nicht mu\u00dfte und seine Urlaube immer in Berlin verbrachte, um bei Papa Silberstein, der irgendwie von G\u00f6ring gesch\u00fctzt wurde, Tanzunterricht zu nehmen, einmal hat er ihn aber ermordet und der Sohn hat sich Rache geschworen. So kommt er als alter Mann aus Argentinien, wo er inzwischen lebt, nach Schweden, um Molin bestialisch hinzurichten, er will dann nach Argentinien zu seiner Frau zur\u00fcck, erf\u00e4hrt aber von dem Mord an den Nachbarn und da er den nicht begangen hat, kommt er wieder zur\u00fcck. Inzwischen ermittelt Stefan Lindman immer tiefer, vermeidet Elena anzurufen und verliebt sich in Herbert Molins Tochter, die im Nebenzimmer wohnt, nur entdeckt er auf ihren Computer eines Tages auch ein Hakenkreuz und, da\u00df es in Schweden eine gar nicht so kleine Gruppe ewig Gestriger oder junger Alte gibt, wissen wir inzwischen auch. Am Ende entkommt Aaron Silberstein, Stefan Lindmans Krebs wird geheilt, er fliegt mit Elena nach England, wo es noch ein weiteres St\u00fcck aufzukl\u00e4ren gibt und Veronica Molin wird von einem der Polizisten durch einen Querschl\u00e4ger irrt\u00fcmlicherweise erschossen, was diesen eine Fr\u00fchpension beschwert. So weit die Mankellsche Bearbeitung des Thema Holocaust. Das Thema Gewalt aber wird thematisiert und auch die Frage, ob man sie wirklich weitergeben mu\u00df? Aber wenn Aaron Silberstein um seinen Vater zu r\u00e4chen nicht selber zum ziemlich bestialischen M\u00f6rder geworden w\u00e4re, h\u00e4tten wir keinen  Krimi zu lesen. Das hat mir nicht so ganz gefallen, allerdings lohnt es sich schon ein bi\u00dfchen dar\u00fcber nachzudenken, wie Gewalt aufh\u00f6ren kann und spannend geschrieben war die &#8220;R\u00fcckkehr des Tanzlehrers&#8221; allemal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder ein Sommerkrimi und wieder ein Fund aus dem offenen B\u00fccherschrank, ein Henning Mankell aus dem Jahr zweitausend, erfolgreich verfilmt, so da\u00df ich ihn vor einigen Jahren in Harland im Fernsehen gesehen habe, trotzdem war das Lesen fast ein Aha-Erlebnis &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7541\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-7541","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7541","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7541"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7541\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7541"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7541"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7541"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}