{"id":770,"date":"2009-01-24T11:18:28","date_gmt":"2009-01-24T10:18:28","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=770"},"modified":"2009-01-24T11:18:28","modified_gmt":"2009-01-24T10:18:28","slug":"zweierlei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=770","title":{"rendered":"Zweierlei"},"content":{"rendered":"<p>Im Literaturhaus gab es gestern gleich zwei Veranstaltungen zu bewundern, die  gut zusammenpassten, obwohl  sie auf den ersten Blick  gegens\u00e4tzlich schienen.<br \/>\nN\u00e4mlich die 2. \u00d6-Slam-Sieger-Sause bei der die Sieger der zweiten \u00f6sterreichischen Poetry Slam Meisterschaft, moderiert von Markus K\u00f6hle und Mieze Medusa, sozusagen die Stars der \u00f6sterreichischen  Poetry Slam Szene, vorgestellt wurden.<\/p>\n<div id=\"attachment_776\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/20090123-2248211.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-776\" src=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/20090123-2248211.jpg?w=225\" alt=\"Pizzera, Abermann, Monet, K\u00f6hle\" title=\"20090123-2248211\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"size-medium wp-image-776\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-776\" class=\"wp-caption-text\">Pizzera, Abermann, Monet, K\u00f6hle<\/p><\/div>\n<p>Ich kenne Markus K\u00f6hle und Mieze Medusa von diversen Veranstaltungen und Poetry Slam, seit vor jetzt wahrscheinlich schon zehn Jahren der Droschl Verlag im Cafe Stein einen solchen veranstalte, mich aber nie mitlesen lies, ich habe mich nur einmal f\u00fcr die Jury gemeldet (dabei auch noch die Bewertungskriterien verwechselt, nachzulesen in meinem ersten Digi Buch &#8220;Wiener Verh\u00e4ltnisse&#8221;), Katrin Resetarits, Philip Scheiner und Nikolaus Scheibner haben dort gelesen bzw. gewonnen und dann gabs einen Poetry Slam im Schikaneder Kino, wo ich mich nicht hingehen traute (den gibts glaube ich, immer noch).<br \/>\nMarkus K\u00f6hles Texte lernte ich durch die GAV Neuaufnahmen Jury kennen und konnte ihn sp\u00e4ter, nachdem er, glaube ich, den Poetry-Slam im Radio Kulturhaus gewonnen hat, bei einer Rund um die Burg Veranstaltung,  erleben, wo er mich mit seiner Performance  sehr beeindruckte.<br \/>\nAlfred hat mir einmal zum Geburtstag ein Buch mit Poetry Slam Texten (Rotbuch 2002\/03) geschenkt und so wurde mir diese Literaturform aus Amerika, die ihre eigenen Regeln hat, so darf, glaube ich, an sich jeder, der sich anmeldet und eventuell ein Preisgeld zahlt, f\u00fcnf Minuten lesen und das Publikum johlt, schreit oder pfeift und bestimmt auf diese Art und Weise den Sieger, vertraut und wenn ich inzwischen dort auch nicht mehr lesen w\u00fcrde, die Selbstdarstellung liegt mir wohl wirklich nicht, zumindestens nicht auf diese Art und Weise, finde ich es doch sehr interessant, wie mich die Literatur bekannterweise ja \u00fcberhaupt sehr interessiert.<br \/>\nEs ist auch eine Literatur f\u00fcr junge Leute, die drei Sieger sind leider wieder alle M\u00e4nner, Stefan Abermann aus Innsbruck, 1983, Rene Monet, Linz und Paul Pizzera Graz, 1988 geboren, von Rene Monet steht kein Geburtsdatum im Programm, er d\u00fcrfte aber etwas \u00e4lter sein, k\u00f6nnen wirklich viel, wird  ja auch die Selbstdarstellung  mitverlangt und so werden die  kurzen Texte regelrecht performiert und das Publikum pfeift und schreit und interessant f\u00fcr Silvia Bartl, das Literaturhaus war sehr voll, zwar 99% mit Leuten, die ich dort noch nie gesehen habe.<br \/>\nEine spannende experimentelle Form der Literatur, zum Teil auch mit sehr kritischen sozial bezogenen Themen und da komme ich zu der zweiten Veranstaltung, n\u00e4mlich der Ausstellung &#8220;Jandl trifft Junge&#8221;, wo es um die vier Kinderb\u00fccher  geht, die von Norman Junge zu Jandl Gedichten illustriert wurden.<br \/>\nDas f\u00fcr mich Beindruckenste waren Buch und Gedicht &#8220;f\u00fcnfter sein&#8221;, wo f\u00fcnf ramponierte Spielzeuge in einem Wartezimmer sitzen, hineinhumpeln und nachher wieder neu und gl\u00e4nzend  herauskommen. Ich kann wirklich sehr empfehlen sich die Austellung anzusehen und ich denke, das das, was Jandl in den Sechzigerjahren mit seinen Gedichten machte, sicher mit dem Poetry Slam zu vergleichen ist.<br \/>\nRene Monet hat sich in seinen Texten \u00fcbrigens auch auf Jandl bezogen und so war der gestrige Abend eine spannende Zusammenstellung und  gut f\u00fcr mich, denn ich bin wieder einmal sehr niedergeschlagen hingegangen (ich kann es nicht), obwohl man ja im Literaturhaus auch nicht so oft aufgebaut wird, f\u00fchle ich mich dort meist sehr ignoriert, aber gestern hat mich  eine Frau angesprochen mit der ich mich dann lang \u00fcber ihren Literaturbegriff unterhalten habe, der sich von meinen unterscheidet, habe ich ja einen  breiten und bin da sehr tolerant, offen und neugierig,  verlange nicht, da\u00df ich unterhalten werde und wenn einer vor Aufregung stottert, renne ich auch nicht  gleich emp\u00f6rt hinaus.<br \/>\nDie Journalistin, die Germanistik studierte, einen Roman \u00fcber Syliva Plath schreibt und auf ihrer Homepage &#8220;Wir haben gesehen, wie die Besten unserer Generationen bei Dichterlesungen an Langeweile zugrunde gingen, Dichtung ist keine Geheimgesellschaft &#8230;&#8221;, <a href=\"http:\/\/www.poetry.or.at\">www.poetry.or.at<\/a>, fordert, vertrat n\u00e4mlich genau den Ansatz der Eventkultur, den ja auch das Literaturhaus ein bi\u00dfchen zu gehen versucht, den ich aber f\u00fcr gef\u00e4hrlich halte und ich denke auch nicht, da\u00df ein Autor unbedingt Sprechunterricht nehmen mu\u00df, weil  das Publikum einen Qualit\u00e4tsanspruch hat.<br \/>\nThomas Bernhard und Ernst Jandl haben das auf ihre Art und Weise zwar sicher auch getan, h\u00e4tten es aber abgestritten, da\u00df man das tun mu\u00df und so denke ich noch immer, ganz so gl\u00e4nzend toll und aufpoliert braucht die Literatur nicht sein, (wer bitte, will ein modischer Autor sein?), obwohl  mir der  Abend sehr gefallen hat und ich mit zwanzig sicher nicht das konnte, was die drei jungen M\u00e4nner konnten.<br \/>\nIch denke aber, da\u00df Poetry Slam ein Teil der Literatur und es gut und wichtig ist, da\u00df es auch noch anderes gibt und alles sollte man auch im Literaturhaus und an den anderen Veranstaltungsorten  h\u00f6ren k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd das f\u00fchrt zu der Diskussion am Donnerstag mit Gerhard Ruiss, dem Interessenvertreter der IG Autoren \u00fcber die Ver\u00e4nderungen in der Literatur seit 1968, haargenau weist sie daraufhin und so kann ich nur hoffen, da\u00df der neoliberale Literaturbetrieb bald vor\u00fcber geht, der Poetry Slam mag bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Literaturhaus gab es gestern gleich zwei Veranstaltungen zu bewundern, die gut zusammenpassten, obwohl sie auf den ersten Blick gegens\u00e4tzlich schienen. 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