{"id":7721,"date":"2011-07-07T16:08:18","date_gmt":"2011-07-07T14:08:18","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7721"},"modified":"2011-07-07T16:08:18","modified_gmt":"2011-07-07T14:08:18","slug":"donnerstag-in-harland-und-in-klagenfurt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7721","title":{"rendered":"Donnerstag in Harland und in Klagenfurt"},"content":{"rendered":"<p>Den heurigen &#8220;Tage der deutschsprachigen Literatur&#8221; in aller Ruhe und ungest\u00f6rt zu genie\u00dfen, habe ich mir vorgenommen. Mitnichten, so einfach ist das offenbar nicht. Bin ich doch am Morgen sehr fr\u00fch aufgewacht und  wie geplant mit le Clezios &#8220;W\u00fcste&#8221;, das ich ja besprechen will, in die Badewanne gegangen. Zu fr\u00fch vielleicht, denn ich hatte mir aus Wien einen Leiner Gutschein f\u00fcr ein gr\u00fcnes T- Shirt mitgenommen und dachte, das l\u00f6se ich jetzt nicht ein, weil ich erst am Abend Rad fahre. Dann habe ich mich doch darauf gesetzt und es war auch alles bestens. Die Morgenstimmung in St. P\u00f6lten, die Kinder und die Erwachsenen mit den R\u00fchreiern vor dem Cafe Schubert, sehr beschaulich, gepflegte Frauen gingen mit Einkaufsk\u00f6rben zum Wochenmarkt und ich habe, glaube ich, auch Alfred Komarek gegr\u00fc\u00dft, der Leiner war auch fr\u00fcher offen, als ich dachte, so da\u00df ich p\u00fcnktlich um zehn zur\u00fcck war, das Kaffeeh\u00e4ferl auf die Terrasse stellte und nach dem livestream suchte. Den ich nicht fand, um halb elf war er noch nicht da, so habe ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/06\/klagenfurt-eroffnung-2011\/\">Sara Wipauers lieben Kommentar<\/a> gelesen und mir \u00fcberlegt, wie ich mir den Medien Player installieren k\u00f6nnte, das hat mir aber schon der Alfred am Wochenende getan. Es wurde immer sp\u00e4ter, ich schaute mir stattdessen das Videoportrait von Gunther Geltinger, der als erster lesen sollte nochmals an, holte mir dann seinen Text, einen ungenannten Romanauszug und dachte &#8220;Gut, dann gebe ich mir das halt zeitversetzt!&#8221;<br \/>\nHabe den Text gelesen, der mir in seinen Metaphernreichtum sehr gefallen hat &#8220;Wenn der Schnee kommt, wird die Stille zur Bewegung&#8221;<br \/>\nEin bi\u00dfchen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/05\/funfter-schreibetag-und-mayrocker-lesung\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, f\u00fcr die Psychologin gab es auch etwas zu finden, beschrieb da doch ein ein Sonn die Tablettenabh\u00e4ngigkeit seiner Mutter und mu\u00dfte miterleben, wie diese,  Marga genannt, nach ihrem Selbstmord oder war es doch was anderes, von Sanit\u00e4tern abtransportiert wurde. Es wird gekotzt und gespukt dabei, der Sohn kommt zu der Tante und das Ganze war in seiner Grausamkeit sehr sch\u00f6n erz\u00e4hlt. Inzwischen kam der livestream auf die Bachmannseite und ich h\u00f6rte Gunther Geltinger lesen, was er ein wenig holprig tat und die Diskussion dar\u00fcber, die eigentlich sehr lehrreich war. Die Metaphernvielfalt wurde analysiert und von den K\u00f6rpers\u00e4ften in Norddeutschland gesprochen. Man kam aber schon darauf, da\u00df das eine sehr leise und sehr sch\u00f6n erz\u00e4hlte Mutter Sohn Geschichte war, die der Psychologin, die das weniger literarisch, \u00f6fter in ihrer Praxis h\u00f6rt, sehr gut gefiel. Danach kam der Jurist Maximilian Steinbeis, der sich mit dem Verfassungsrecht besch\u00e4ftigte und mit &#8220;Pascolini&#8221; offenbar einen Bestseller und eine Provinzgroteske geschrieben hat, was f\u00fcr das Bachmannlesen schon mal ungew\u00f6hnlich ist. Das war dann auch der erste Satz von &#8220;Einen Schatz vergraben&#8221;, einen Text zur Ratgeberliteratur, wie, das sp\u00e4ter Daniela Strigl nannte, der &#8220;Willkommen. Bitte pr\u00e4gen Sie sich diese Informationen sehr sorgf\u00e4ltig ein!&#8221;, lautete und mich an die inzwischen abgesetzte &#8220;Welt Ahoi&#8221;-Satiresendung von \u00d61 erinnerte. Denn da sprach ein Consoulter dessen Gesch\u00e4ft es ist, den Krisengebeutelten Anleitungen zu geben, wie sie ihr Geld vor der Wirtschaftskrise retten k\u00f6nnen und sehr viel daf\u00fcr bezahlen, da\u00df sie es von der Bank abheben, in Gold umsetzen und in einem neugekauften Grundst\u00fcck vergraben. Das Ganze ist ein Monolog in  einer sehr beklemmenden Sprache, die ich beim Bachmannpreis nicht erwartet h\u00e4tte, aber hat nicht Stephan Eibl Erzberg, als ich ihm am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/06\/12\/pfingstprogramm\/\">Pfingstsonntag am Judenplatz<\/a> traf, etwas sehr \u00c4hnliches gesagt.<br \/>\n&#8220;Die Eisenerzer verstehen nicht, da\u00df sie ihr Geld in Gold anlegen sollen, sie lassen es am Sparbuch liegen und werden es verlieren!&#8221;<br \/>\nEtwas also, was uns in Wirtschaftskrisenzeiten betrifft, also machte Maximilian Steinbeis eine beklemmende Satire, ein mephistopehlisches M\u00e4rchen oder etwas anderes daraus? Die Juroren waren sich nicht einig und sprachen von der billigen Pointe, die mich nicht vom Sessel gerissen hat, denn auch mir war nicht klar, wieso ich einen zweiten Mann dazu brauche, wenn ich mein Gold im Garten vergrabe, was ich sicher nicht tue und unter den Kopfpolster lege ich es mir ebenfalls nicht. Maxmilian Steinbeis Pointe war, da\u00df ich einen Helfer anheuern und den dann erschlagen mu\u00df, damit er mich nicht verr\u00e4t oder das Gold klaut und dadurch schuldig werde oder dem Teufelskreis nicht entkomme. F\u00fcr mich war schon der erste Satz beklemmend genug und ich dachte &#8220;Toll, mal sehen, was die Juroren dazu sagen, denn als sehr literarisch gilt das wahrscheinlich nicht!&#8221;<br \/>\nDanach kam Daniel Wisser, den ich vom Amerlinghaus und einer fr\u00f6hlichen Wohnzimmerlesung kannte. Der hatte schon einmal ein experimentelles Videoportrait, da kochte ich mir mein Mittagessen und h\u00f6rte seinem Text &#8220;Standby&#8221; zu, der in der Passivform von einem Mann zwischen zwei Frauen erz\u00e4hlt, vom Sterben spricht und  seinen Vater im Altersheim besucht. Da ich fr\u00fcher auch die Passivform verwendet habe, war ich auf die Diskussion gespannt, die auch kam. Die Sprache und die falschen Konjunktive des Kleinb\u00fcrgers wurden bem\u00e4ngelt. Wilhelm Genazino und Michel Houellebecq entdeckt und sogar der Satz &#8220;Thomas Bernhard ist es nicht!&#8221; zitiert, der am Nachmittag nochmals kam. Inzwischen ging auch Klagenfurt in die  Mittagspause, das hei\u00dft, ein Film von Monika Maron &#8220;R\u00fcckkehr nach Bitterfeld&#8221; wurde gezeigt und noch kurz den Klagenfurter Stadtschreiber und Vorjahrsgewinner Peter Wawerzinek und Joseph Winkler interviewt. Joseph Winkler zitierte wieder, was er offenbar \u00f6fter tut, Peter Handke und erw\u00e4hnte das Ringen des Schriftsteller um die Sprache. Dann war die Pause aus und es ging weiter mit Anna Maria Pra\u00dflers Text &#8220;Das Andere&#8221;, der ebenfalls bei der Jury durchgerasselt zu sein scheint.<br \/>\nJa, ja, ein sch\u00f6ner leiser Text, der mit sanfter Sprachgewalt von einer Frau erz\u00e4hlt, die \u00fcber den Tod eine ganze Disseration verfasst, aber erst zu weinen beginnt, als ihr Geliebter Bj\u00f6rn an Krebs verstirbt und drei Wochen sp\u00e4ter mit dem Vorsatz nach Augsburg fliegt, dort nur das Barocktheater, aber nicht sein Grab zu besuchen. Da hat es die Psychologin offenbar leichter, was der Autorin h\u00f6chstwahrscheinlich nicht viel hilft und am Schlu\u00df kam mit Antonia Baum, eine 1984 geborene junge Frau, die mit ihrer Sprachgewalt wieder an Thomas Bernhard erinnerte. Hat sie ihn jetzt imitiert oder parodiert? Sie erz\u00e4hlte jedenfalls in einem ebenfalls sehr gro\u00dfen Methaphernreichtum in Maximilian Steinbeis Manier vom Elend der jungen Frauen heute, die nicht wissen, was sie studieren sollen, weil die Lehrer beim Wort Theaterwissenschaft nur lachen, erw\u00e4hnte  das Drama der Scheidungskinder und was es bedeutet in einer Ikea Wohnung aufzuwachsen. Mir waren die &#8220;Dorfhaltestellenbriefkasten&#8221;, die &#8220;Psychologentochterweise&#8221;, das stickige Frauenwohnzimmer mit geh\u00e4ckelten L\u00fcgen&#8221;, etc schon fast ein bi\u00dfchen zu viel, dachte mir aber, da\u00df die Juroren darauf sicher abfahren werden und habe mich get\u00e4uscht dabei.<br \/>\nDas wars f\u00fcr den Donnerstag. Es kam noch kurz Clemens J. Setz, der auf dem Weg in die Schweiz ist und erz\u00e4hlte, da\u00df er sein Bachmannlesen vor drei Jahren, glaube ich, sehr lustig gefunden hat und denke mir, da\u00df ich f\u00fcnf interessante Texte mit viel Psychologie, Weltangst und Metaphernreichtum geh\u00f6rt habe. Die von Gu\u00fcnther Geltinger und Anna Maria Pra\u00dfler haben mir bis jetzt am besten gefallen und jetzt werde ich wieder ein bi\u00dfchen Radfahren und im Le Clezio weiterlesen.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den heurigen &#8220;Tage der deutschsprachigen Literatur&#8221; in aller Ruhe und ungest\u00f6rt zu genie\u00dfen, habe ich mir vorgenommen. Mitnichten, so einfach ist das offenbar nicht. Bin ich doch am Morgen sehr fr\u00fch aufgewacht und wie geplant mit le Clezios &#8220;W\u00fcste&#8221;, das &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7721\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-7721","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7721","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7721"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7721\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7721"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7721"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7721"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}