{"id":7737,"date":"2011-07-08T15:54:21","date_gmt":"2011-07-08T13:54:21","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7737"},"modified":"2011-07-08T15:54:21","modified_gmt":"2011-07-08T13:54:21","slug":"freitaglesung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7737","title":{"rendered":"Klagenfurter-Freitaglesung"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Klagenfurter <a href=\"http:\/\/bachmannpreis.eu\/de\/information\/3606\">Bootsfahrten<\/a> und <a href=\"http:\/\/bachmannpreis.eu\/de\/information\/3590\">Empf\u00e4ngen<\/a>, die ja h\u00f6chstwahrscheinlich den eigentlich Reiz dieser Veranstaltung ausmachen, ist es heute mit den \u00d6sterreicherinnen weitergegangen. Aber halt, zuerst hat der in Berlin lebende, 1957 geborene, Linus Reichlin mit seinem Text &#8220;Ein Arzt im Krieg&#8221; die gro\u00dfe Welt und die Konfliktherde nach Klagenfurt gebracht. Linus Reichlin, der in seinem Portrait mit einem Boot am Wasser f\u00e4hrt, ist ein Krimiautor und der Text, der wieder eine Traumatisierung schildert, spricht die Psychologin nat\u00fcrlich an. Das hatten wir zwar schon am Donnerstag, die Traumatisierungen im Kleinen und der Familie, die Frau, der der Geliebte wegstirbt und den Sohn, der die Mutter verliert, jetzt liegt da einer in Afghanistan auf der Stra\u00dfe, sieht eine Sandale, murmelt st\u00e4ndig &#8220;Ich bin Arzt&#8221;, erinnert sich an eine Bombe, die explodierte und an eine Frau, die er m\u00f6glicherweise erscho\u00dfen hat.<br \/>\n&#8220;Ist das Kolportage oder nicht?&#8221;, fragte sp\u00e4ter die Jury &#8220;und darf solche sein?&#8221;<br \/>\nIch fand es interessant von den Konflikten dieser Welt zu erfahren und konnte mir die Gehirnersch\u00fctterung bzw. das Entstehen oder auch die Verhinderung einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung gut vorstellen und es ging  auch gleich weiter mit dem Krieg, entf\u00fchrte uns die Lyrikerin Maja Haderlap doch gleich weiter zu den K\u00e4rntner Partisanen und erz\u00e4hlte in sehr sch\u00f6nen Bildern und eindringlichen Worten von einem Wald, einem Vater,  einer Tochter und, wie das damals war, wo die, die ihren Hof nicht gleich verlassen wollten, vor Ort erscho\u00dfen wurden und den Erinnerungen des Kindes, f\u00fcr das das Wort &#8220;Dachau&#8221; zun\u00e4chst einmal etwas Normales war. Im Portrait h\u00f6rte man, da\u00df Maja Haderlap lange brauchte diese Erinnerungen, die jetzt in einem Roman erscheinen werden, aufzuschreiben. Die Jury lobte die sch\u00f6nen Bilder und das <a href=\"http:\/\/www.literaturcafe.de\/bachmannpreis-2011-twitter-literaturcafe\/\">literaturcafe.de <\/a>twitterte &#8220;wenn  nichts besseres mehr kommt, war das definitiv die Preistr\u00e4gerin&#8221;.<br \/>\nIch habe nichts dagegen, bin ich ja f\u00fcr \u00d6sterreicherinnen f\u00fcr den Bachmannpreis, ob es sich f\u00fcr die erste Reihe ausgeht, wird sich weisen, hat ja Thomas Klupp noch nicht gelesen und mit Julya Rabinowich wartete auch eine Anw\u00e4rterin, obwohl die Jury mit ihrer ihrer aggressiven Frauengestalt nicht sehr viel anfangen konnte. Der Aufstieg der 1970, in Petersburg geborenen Autorin, den ich in den letzten Jahren hautnahm miterleben konnte, ist sehr interessant, begann er doch, wie auch bei einigen anderen, mit Christa Stippingers Exilpreis-Werkstatt, zumindestens kenne ich sie von dort her. 2008 ist das Buch &#8220;Spaltkopf&#8221; dort erschienen, das dann eine Verlagspr\u00e4mie bekam und pl\u00f6tzlich \u00fcberall gelobt wurde. In Rauris hat sie, glaube ich, damit gewonnen, bei der<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/13\/art-magareten\/\"> Margaretner-Art<\/a> daraus gelesen und bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; zog es ein Stadtrat pl\u00f6tzlich auch aus der Tasche und empfahl es zu lesen, jetzt ist noch ihre &#8220;Herznovelle&#8221; erschienen und kleines Detail am Rand, w\u00e4hrend des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/25\/bachmannpreislesungen-mit-zitronenkuchen\/\">Bachmannpreises vor zwei Jahren<\/a>, bin ich in die Hauptb\u00fccherei zu einer Lesung einer anderen Exilpreisteilnehmerin gegangen,  habe dort  Julya Rabinowich getroffen und \u00fcber ihr Selbstbewu\u00dftsein sehr gestaunt und das hatte sie auch bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/20\/dritter-messetag-und-was-frauen-schreiben\/\">letzten Buch-Wien<\/a>, als sie Otto Brusatti in den Klassik Treffpunkt brachte und den sie, glaube ich, mit ihren Musikgeschmack verwirrte. Jetzt hat sie ihr Selbstbewu\u00dftsein auch durch ihre Analyse der Gruppendynamik der Jury, wie ich in einem Interview h\u00f6rte, unter Berweis gestellt. Am Montag h\u00f6rte ich in einem anderen Interview von einem globalisierten Roman, an dem sie gerade arbeitet und daraus war wahrscheinlich auch der Text &#8220;Erdfresserin&#8221;, der mit &#8220;In Leos Wohnung war es sehr hei\u00df&#8221;, begann und eine auf dem ersten Blick vielleicht nicht sehr sympathische Frau schildert, die aber sehr offen ist und in dieser schonungslosen Offenheit von sich und diesen Leo, den sie pflegt, liebt oder betreut und von dem sie auch einiges, wie seine Briefe oder Familie fernh\u00e4lt, es geht auch um ihren Sohn und ihre Mutter und die Jury interpretierte, da\u00df es sich dabei um eine osteurop\u00e4ische Pflegerin handelt, die sich prostituieren mu\u00df.  Nun ja, ein starker Ton und eine starke Sprache. Das literaturcafe mokierte sich \u00fcber ihre Frisur und ob sie damit in die erste Reihe kommt, wird sich weisen. Dann gab es einen Film in dem Katja Gasser Peter Turrini interviewte und am Nachmittag noch zwei starke Stimmen von zwei jungen, mir bisher unbekannten Autoren. Die erste war die 1980 geborene, in Berlin lebende Autorin Nina Bu\u00dfmann, die in ihrem Portrait einen Vortrag \u00fcber Biber hielt und dann in &#8220;Gro\u00dfe Ferien&#8221; sehr pr\u00e4zise und genau von einem alten Lehrer erz\u00e4hlte, der im Garten Unkraut j\u00e4tet.<br \/>\n&#8220;Ist er auch zwangsneurotisch?&#8221;, wird die Jury sp\u00e4ter fragen, das wieder zur\u00fccknehmen und stattdessen wissen wollen, ob Herr Professor Schramm vielleicht schwul war und, wie sein Verh\u00e4ltnis zu dem Sch\u00fcler Waidschmidt aussah, der mit ihm spielte, ein Pornoheft auftauchen lie\u00df und gegen den er dann die Hand erhob oder auch nicht. Wird vieles ja nur angedeutet und bleibt im Vagen. Der Text und die genaue Sprache der jungen Autorin, der  mir ebenfalls gefiel, wurde aber sehr gelobt und auch Steffen Popps  &#8220;Spur einer Dorfgeschichte&#8221;, 1978 in Greifswald geboren, gab viele R\u00e4tsel auf. Drei Persoenen durchstreiften da ein Dorf in der ehemaligen DDR und &#8220;lie\u00dfen den Leser&#8221; denken, wie die Jury postiv anmerkte. Das literaturcafe , dessen Tweeds ich zwischendurch verfolgte, verriet indessen, da\u00df sich der Autor, das Tischtuch seines Hotels, um den Hals gebunden hat. Er verzichtete auch auf ein Video und verwies stattdessen auf ein Filmchen, wo ein Sessel hin- und hergesto\u00dfen wird, ein Gef\u00fchl, das ich bei meinem Schreiben ebenfalls gut kenne. Das wars vom zweiten Bachmannlesetag. Cecile Schortmann, die im Garten zu Mittag und am Schlu\u00df immer interviewt, sprach noch kurz mit dem slowenischen \u00dcbersetzer und Dichter Fabjan Hafner und w\u00fcnschte einen sch\u00f6nen Nachmittag am W\u00f6rthersee, den kann ich mir nicht geben, daf\u00fcr werde ich mit dem Rad nach St. P\u00f6lten fahren, mal sehen, vielleicht gibt es da das Hauptstadtfest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Klagenfurter Bootsfahrten und Empf\u00e4ngen, die ja h\u00f6chstwahrscheinlich den eigentlich Reiz dieser Veranstaltung ausmachen, ist es heute mit den \u00d6sterreicherinnen weitergegangen. 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