{"id":7753,"date":"2011-07-09T14:53:41","date_gmt":"2011-07-09T12:53:41","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7753"},"modified":"2011-07-09T14:53:41","modified_gmt":"2011-07-09T12:53:41","slug":"samstaglesung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7753","title":{"rendered":"Klagenfurter-Samstaglesung"},"content":{"rendered":"<p>An diesem wundersch\u00f6nen Sommersamstag ging es auf dem Harlander Balkon weiter mit dem f\u00fcnfunddrei\u00dfigsten Bachmannwettbewerb und dem letzten Lesetag. Vier Autoren, drei M\u00e4nner und eine Frau waren noch an der Reihe und sinnigerweise habe ich mir ihre die Portraits schon gestern, als ich von der Hauptstadtfestsuche zur\u00fcckgekommen bin, nochmals angeschaut und  mich  \u00fcber die vielen Tiere darin gewundert, Thomas Klupp mag die Eseln im G\u00f6rlitzerpark, Leif Randt Pelikane. Der in der Schweiz lebende Michel Bozikovic gibt sich dem Segeln und dem Kampfsport hin und au\u00dferdem im Herbst seinen Debutroman bei Klett-Kotta mit dem Namen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/06\/drift\/\">&#8220;Drift&#8221;<\/a> heraus. Da fehlte dann noch die 1973 in Jena geborene und in Heidelberg lebende Anne Richter, die viel mit dem Zug f\u00e4hrt, weil sie auch unterrichtet.<br \/>\nBegonnen hat es  diesmal schon vor zehn mit dem 1983 geborenen Leif Randt und seinen Romanausschnitt &#8220;Schimmernder Dunst \u00fcber Cobycounty&#8221; was eine Satire auf dem Kultur oder Literaturbetrieb zu sein scheint und von einem Jungen und seiner Mutter in Cobycounty, ist das in Amerika und einem Hotel, das dem Lebensgef\u00e4hrten der Mutter geh\u00f6rt,handelt. Es wird auch j\u00e4hrlich zum Valentinstag ein Film \u00fcber den &#8220;Schimmernden Dunst \u00fcber Cobycouty&#8221; gezeigt und der Held v\u00f6gelt und k\u00fcsst v\u00f6llig asexuell seine Freundin Carla. Au\u00dferdem hat er noch eine Literaturagentur, die, wie ich den Twittertweeds entnahm mit Leipzig zu vergleichen ist.  Leif Randt hat, wie ich seinem Lebenslauf entnehme, auch noch in Hildesheim studiert, das l\u00f6ste in der Jury nat\u00fcrlich Diskussionen aus. Dann folgte Anne Richters feiner leiser Text &#8220;Geschwister&#8221;, der wieder in einem ehemaligen DDR-Dorf spielt, wo Ruth zu dem Begr\u00e4bnis ihres Onkels kommt, von dessen Krebs erz\u00e4hlt, den Konflikt des Vaters mit dem Onkel erw\u00e4hnt, die verschwundene Mutter und den f\u00fcrsorglichen Bruder andeutet, der ihr Brot bringt, als er sie beim Tischtennisspielen verletzt, der Onkel ist jetzt gestorben, die Glash\u00fctten und die Porzellanmanufakturen der Gegend schon l\u00e4nger und Ruth, die das Dorf verlassen hat, wird auch nicht zur\u00fcckkommen, um den Vater zu pflegen. Der Jury war das nat\u00fcrlich zu leise und zu unspekul\u00e4r.<br \/>\n&#8220;Das haben wir schon alles hundertmal geh\u00f6rt, schon wieder ein Text, der mit einem Begr\u00e4bnis beginnt!&#8221;, u.s.w.u.s.f.<br \/>\nDazwischen kam die Mittagspause, in Klagenfurt zeigte Cecile Schortmann im Garten einen Film, in dem die ebenfalls in der DDR geborene und in der Schweiz lebende  Sybille Berg einen Tessiner Berg besteigt und \u00fcber ihre Ansichten redet.<br \/>\nAlfred kochte Pute mit Kohlrabi und rief sowohl Doris Kloimstein, als auch Robert Eglhofer an, um sie zu fragen, ob sie morgen zum Grillen kommen wollen? Ruth und Robert werden das tun, mit Doris Kloimstein habe ich mich f\u00fcr den \u00fcbern\u00e4chsten Mittwoch am St. P\u00f6ltner Rathausplatz verabredet. Zum Hauptstadtfest wollen alle beide nicht und in Klagenfurt hat Michel Bozikovic zu lesen begonnen, der offenbar trotz seines Namens in der Schweiz geboren ist und in seinem Text &#8220;Wespe&#8221; wiedermal die Jury spaltete. Beziehungsweise kannte die sich nicht aus, wie sie ihn verstehen soll. Das habe ich durch die verschiedenen Telefonate auch nicht ganz getan, aber erkl\u00e4rt bekommen, da\u00df da ein Kriegsteilnehmer oder Kriegsfl\u00fcchtling mit einem gestohlenen Auto auf dem Weg zu seinem Selbstmord ist, von einer Wespe aber daran gehindert wird.<br \/>\nVielleicht erz\u00e4hlt das Buch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/06\/drift\/\">&#8220;Drift&#8221;<\/a> mehr davon, aber das habe ich schon im Dezember 2009 gelesen. Ich glaube, kurz vor oder nach Thomas Klupps Debutroman <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/08\/paradiso\/\">&#8220;Paradiso&#8221;<\/a> und, da\u00df der als ein  m\u00f6glicher Favorit gehandelt wurde, war klar. Ein  junger Mann, der seinen Text im Sinne der <a href=\"http:\/\/riesenmaschine.de\/\">Riesenmaschine<\/a> und der Schreibschulen konstruieren wird, habe ich gedacht und bin jetzt am \u00dcberlegen, ob ich demn\u00e4chst nicht f\u00fcr ihn <a href=\"http:\/\/bachmannpreis.eu\/de\/information\/3491\">stimmen <\/a>soll, obwohl ich das eigentlich f\u00fcr Julya Rabinowich  wollte, deren Selbstbewu\u00dftsein mir ja sehr sympathisch ist und die mich auch immer freundlich gr\u00fc\u00dft und mit mir redet, wenn sie mich sieht, aber die ersten S\u00e4tze von &#8220;9to5 Hardcore&#8221;: &#8220;Ich kann nicht behaupten, in den letzen Monaten eine besondere Haltung der Onlinepornographie gegen\u00fcber entwickelt zu haben&#8221;, haben mich aufhorchen lassen. Nat\u00fcrlich ist der Text wahrscheinlich auf seine Wettbewerbstauglichkeit konstruiert, das aber meines Erachtens nach so genial, da\u00df ich ihn f\u00fcr den besten halte, obwohl die Jury nicht einmal dieser Meinung war und mir nicht klar ist, ob er morgen gewinnen wird oder vielleicht doch Maya Haderlap, was mich f\u00fcr ihren leisen stillen Text nur freuen w\u00fcrde. Aber Thomas Klupp hat die Satire auf die Spitze getrieben und, da\u00df ich f\u00fcr einen Text stimme, der von einem m\u00e4nnlichen Prekariatsarbeiter, der sein Geld als wissenschaftliche Hilfskraft damit verdient, da\u00df er sich bei Frau Professor Faulstich als Lustprobant zur Verf\u00fcgung stellt und dabei seine Kollegin Uschi Seidel ausstechen mu\u00df, weil es bald statt zwei halber Stellen nur mehr eine geben wird, h\u00e4tte ich als Feministin, die ja alles auf seine Frauenfeindlichkeit untersucht, nicht gedacht. Aber das ist es ja, der Text ist nicht frauenfeindlich, sondern spielt gekonnt mit allem, auch mit einer Literaturjury, obwohl der ja der Text gar nicht so gut gefallen hat und von Erm\u00fcdung sprach.<br \/>\nMal sehen, wie es weitergeht, ich bin gespannt auf morgen, warte jetzt, da\u00df ich abstimmen kann, werde dann mit dem Rad noch einmal nach St. P\u00f6lten und zum Landhaus fahren, denn da gibts den zweiten Tag das Fest zum f\u00fcnfundzwanzigsten Hauptstadtjubil\u00e4um und man kann sich bis sechs das Landesmuseum, den ORF und das Festspielhaus anssehen und die Jazz Gitti singt irgendwann einmal auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An diesem wundersch\u00f6nen Sommersamstag ging es auf dem Harlander Balkon weiter mit dem f\u00fcnfunddrei\u00dfigsten Bachmannwettbewerb und dem letzten Lesetag. 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