{"id":7768,"date":"2011-07-11T00:12:52","date_gmt":"2011-07-10T22:12:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7768"},"modified":"2011-07-11T00:12:52","modified_gmt":"2011-07-10T22:12:52","slug":"wuste","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7768","title":{"rendered":"W\u00fcste"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;W\u00fcste&#8221; ist ein Roman von J.M.G.Le Clezio, dem Nobelpreistr\u00e4ger von 2008, den ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/09\/preisverleihungen\/\">damals im Oktober<\/a> nicht gekannt habe, inzwischen habe ich das zweite Buch von ihm gelesen.<br \/>\nSeinen eher experimentellen Roman <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/25\/das-protokoll\/\">&#8220;Das Protokoll&#8221;<\/a>, habe ich vor einem Jahr in einer freien Entnahmkiste gefunden, als das Wien-Souvenier Gesch\u00e4ft in der Kettenbr\u00fcckengasse geschlossen wurde.<br \/>\n&#8220;W\u00fcste&#8221; gab es zu <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/01\/jahresanfangsflusterei\/\">Jahresende, bzw. Jahresanfang<\/a> in der Thalia-Abverkaufskiste in der St. P\u00f6ltner Kremsergasse und es scheint ein etwas typischer Le Clezio-Roman zu sein und ist auf jeden Fall sehr poetisch. Zwei Handlungsstr\u00e4nge sind ineinander geflochten. Da zieht einmal im Winter 1909-1910 eine Karawane durch die W\u00fcste. Wir begegnen dem jungen Nour, lesen sch\u00f6ne Landschaftsbeschreibungen, erfahren vom Hunger und dem Sterben und auch einigen kriegerischen Handlungen.<br \/>\nDie zweite Handlung spielt Jahrzehnte sp\u00e4ter. Wir lernen die junge Lalla kennen, die von einem ber\u00fchmten W\u00fcstenstamm abstammt, in der Cite bei einer Tante lebt, nachdem ihre Mutter gestorben ist, aber sehr naturverbunden ist. Sie geht ans Meer, l\u00e4\u00dft sich vom alten Fischer Naman und ihrer Tante Geschichten von ihrer Herkunft und von einem geheimnisvollen blauen Mann erz\u00e4hlen, geht auch zu dem Hirten Hartani, der zwar nicht taub ist, aber die Menschensprache nicht spricht und nach der Tante und deren S\u00f6hne kein guter Umgang f\u00fcr Lalla ist, der ihr aber das Licht in den Grotten und andere Natursch\u00f6nheiten zeigt.<br \/>\nIn der Cite ist man sehr arm, es gibt aber sch\u00f6ne Stunden im Badehaus und bei den Festen nach dem Fasten, wo ein Hammel geschlachtet wird und die Tante Mehlkrapfen b\u00e4ckt und obwohl das Ganze weitab von jeder Zivilisation zu spielen scheint, gibt es doch Micky Mouse Hefte, die die S\u00f6hne der Tante, der Analphabetin Lalla manchmal zeigen, sie trinkt auch gelegentlich ein Fanta und der Fischer Naman, der einst in Marseille Koch war, nennt ihr die Namen fremder St\u00e4dte: Sevilla, Algeciras, Granada, Madrid. Irgendwann soll Lalla auch zu einer b\u00f6sen Frau in einer Teppichkn\u00fcpferei arbeiten, sie verl\u00e4\u00dft sie aber, weil sie die anderen Kindern schl\u00e4gt, ja Lalla ist sehr selbstbewu\u00dft und es kommt auch ein Mann in einem grau-gr\u00fcnen Anzug zu der Tante und bringt Geschenke, ein Radio und Konserven und will Lalla daf\u00fcr heiraten, was sie nicht will, so da\u00df sie, nachdem der alte Fischer Naman stirbt, ein St\u00fcck Brot in ihre Tasche steckt und die Cite verl\u00e4\u00dft. Sie eilt mit dem Hirten Hartani durch die W\u00fcste und verbindet sich dabei mit ihm. Dann kommt wieder ein Einschub in die Vergangenheit und in das Leben der Karawane, bevor in dem Kapitel &#8220;Das Leben der Sklaven&#8221; Lalla in Marseille gelandet ist. Sie ist mit einem Schiff des roten Kreuz dorthin gekommen und seltsamerweise trifft sie ihre Tante dort, die in einem Krankenhaus arbeitet. Lalla, die von Hartani schwanger ist, h\u00fcllt sich in einen dunklen Mantel, streift durch die Stra\u00dfen, lernt den Zigeunerjungen Radicz kennen, setzt sich ans Meer und beginnt in einem Hotel zu arbeiten, wo die \u00c4rmsten der Armen,  wohnen. Irgendwann l\u00e4\u00dft sich Lalla vom Hotelbesitzer auszahlen, nimmt das Geld und geht mit Radicz damit in ein Kaufhaus, wo sie sich einen Nagellack und einen Lippenstift, aber auch eine Jeans und ein T-Shirt kauft, damit mit Radicz in ein feines Restaurant essen geht und dort von einem Fotografen entdeckt wird, der eine Ber\u00fchmtheit aus der W\u00fcstensch\u00f6nheit macht.<br \/>\n&#8220;Aber sie erkennt&#8221;, steht in dem Buchbeschreibungstext, &#8220;da\u00df sie ein Kind der W\u00fcste ist&#8221;, das hei\u00dft sie f\u00e4hrt dorthin zur\u00fcck, um ihr Kind zur Welt zu bringen.<br \/>\nEin sehr beeindruckendes, sehr poetisches Buch, das vielleicht nicht ganz realistisch ist, aber dennoch in sehr eindrucksvollen Worten vom Leben in der Natur Afrikas, in den Slums und dem starken Selbstbewu\u00dftsein einer W\u00fcstentochter erz\u00e4hlt.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;W\u00fcste&#8221; ist ein Roman von J.M.G.Le Clezio, dem Nobelpreistr\u00e4ger von 2008, den ich damals im Oktober nicht gekannt habe, inzwischen habe ich das zweite Buch von ihm gelesen. 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