{"id":7808,"date":"2011-07-13T20:55:42","date_gmt":"2011-07-13T18:55:42","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7808"},"modified":"2011-07-13T20:55:42","modified_gmt":"2011-07-13T18:55:42","slug":"ludwig-mus-sterben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7808","title":{"rendered":"Ludwig mu\u00df sterben"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein seltsames Buch, der erste Roman des 1964 geborenen Thomas Hettche, &#8220;Ludwig mu\u00df sterben&#8221;, den er, da 1989 erschienen, offenbar sehr jung geschrieben hat. Sehr poetisch und schwer verst\u00e4ndlich, bzw. auf vielerlei Weise zu deuten. So steht auch auf der Buchr\u00fcckseite &#8220;In seiner bildkr\u00e4ftigen und suggestiven Prosa erkundet Thomas Hettche die Macht und Ohnmacht der Sprache und lotet die Grenzen des Erz\u00e4hlbaren aus.&#8221;<br \/>\nEs gibt einhundertvierundachtzig Seiten und f\u00fcnfunddrei\u00dfig Kapitel, die jeweils sch\u00f6ne Titel tragen, beginnen tut es im Nullkaptiel mit einem Wiederbelebungsversuch in  Coney Island 1940 und endet &#8220;als flatterte das Buch noch dort, die Seite in der Hand, das Photo mit dem Titel:&#8221;<br \/>\nDazwischen wird ein namensloser Ich-Erz\u00e4hler, von dem man auch sonst nicht viel erf\u00e4hrt, f\u00fcr ein Wochenende, Freitag bis Dienstag aus der Psychiatrie entlassen, um die Zeit bei seinem Bruder Ludwig zu verbringen. Aber der offenbar herzkrank und nach einem Infarkt ist an die ligurische K\u00fcste gefahren. So kommt der Protagonist in die Wohnung und beginnt in B\u00fcchern und einem Anatomieatlas von Gefrierschnitten etc zu lesen. Pl\u00f6tzlich tauchen zwei Besucher, ein junges M\u00e4dchen, das offenbar aus dem Buch mit den Gefierschnitten entsprungen ist und ein alter Mann auf, die Badem\u00e4ntel tragen und sich in der Wohnung einmieten. Der alte Mann erz\u00e4hlt ein M\u00e4rchen vom Gevater Tod, der hatte ja ein Patenkind, das ein ber\u00fchmter Arzt wurde, weil er immer wenn er an das Bett des Kranken trat, sah, ob der Tod am Fu\u00df- oder Kopfteil stand.<br \/>\nDer Protagonist kennt sich mit seinen G\u00e4sten nicht aus, wei\u00df nicht, ob sie wirklich oder Wahnvorstellungen sind, \u00fcberlegt schon seinen Arzt Dr. Minks davon zu verst\u00e4ndigen. Er scheint aber auch in Kontakt zu seinem Bruder zu treten und zu sehen, was der gerade an der ligurischen K\u00fcste macht. Er trifft ein M\u00e4dchen, eine Studentin aus Triest namens Lene und der Protagonist versucht vor seinen G\u00e4sten in ein Kino zu fl\u00fcchten. Das M\u00e4dchen aus dem Buch ist aber ebenfalls dort und liegt auch in der Nacht neben ihm im Bett. Am n\u00e4chsten Morgen ist sie verschwunden und der alte Mann in der K\u00fcche, der schon die H\u00f6rnchen aus der Tiefk\u00fchltruhe holte und Kaffee gekocht hat, stellt sich als Dr. Tichtel aus Wien vor, der inzwischen auf der ganzen Welt praktiziert, sein Diplom aber im f\u00fcnfzehnten Jahrhundert  vom Kaiser oder K\u00f6nig in der Stephanskirche erhalten hat und er erz\u00e4hlt von seinen Erfahrungen, die er mit dem Tod machte, als er ihn auszutricksen versuchte. Es gibt aber Zeitspr\u00fcnge, deshalb ist das M\u00e4dchen auch dem Atlas entsprungen und jetzt mu\u00dfte sie, Dr. Tichtel, nennt sie nur &#8220;unsere franz\u00f6sische Freundin&#8221; pl\u00f6tzlich verreisen. Der Protagonist beginnt zu ahnen, da\u00df sie zu Ludwig will und sendet ihm ein Telegramm, um ihm zu warnen. Dr. Tichtel sch\u00fcttelt nur m\u00fcde den Kopf und verl\u00e4\u00dft im Bademantel die Wohnung. Inzwischen erlebt der Protagonist Ludwigs Herzschmerzen und studiert auch B\u00fccher in denen die chronische Karonarinsuffizienz beschrieben wird. Ludwig reist inzwischen mit Lene nach Triest oder Venedig, der Protagonist erlebt das alles mit und windet sich  in Schmerzen bzw. im Sperma und sieht am Schlu\u00df, w\u00e4hrend Ludwig sterben mu\u00df oder schon gestorben ist, ihn in einem Hotelzimmer, wo er und Lene nur zwei Einzelzimmer bekommen konnten, weil das letzte Doppelzimmer gerade ein anderes Paar bezogen hat, ihn am Gang ein M\u00e4dchen mit wei\u00dfen Bademantel treffen, das ihn auf Deutsch anspricht.<br \/>\nEin \u00e4u\u00dferst seltsames Buch, eines sehr jungen Mannes, der Germanistik und Philosophie studierte, von 1995 bis 1999 Bachmannpreisjuror war und 2010 mit &#8220;Die Liebe der V\u00e4ter&#8221;, auf der Longlist des deutschen Buchpreises stand, in einer sehr poetischen wundersch\u00f6nen Sprache geschrieben, das verschiedene Deutungen zu l\u00e4\u00dft, der Psychotherapeutin fallen da nat\u00fcrlich die Wahnvorstellungen eines Schizoprenen ein,  das mit dem &#8220;Ausloten der Grenzen der Sprache&#8221; habe ich nicht so gesehen oder auch nicht verstanden. Nach dem Intensiven Bachmannpreish\u00f6ren, das ich gerade hinter mir habe, f\u00e4llt mir nat\u00fcrlich das Neue ein, das dort gefordert wurde und das scheint, sowohl 2011, wie auch 1989 in der Sprache zu liegen. Und ein M\u00e4rchen ist es nat\u00fcrlich auch, beziehungsweise ist darin ja eines, wenn ich mich nicht t\u00e4usche, der Br\u00fcder Grimm verborgen, neben den poetischen S\u00e4tzen, einer &#8220;Butter die vergilbt&#8221;, wird aus Fachb\u00fcchern  zitiert und eigentlich ist es eine sehr sch\u00f6n erz\u00e4hlte Geschichte, obwohl einer, der wirklich eine Paranoia hat, sie wahrscheinlich ganz anders erlebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein seltsames Buch, der erste Roman des 1964 geborenen Thomas Hettche, &#8220;Ludwig mu\u00df sterben&#8221;, den er, da 1989 erschienen, offenbar sehr jung geschrieben hat. Sehr poetisch und schwer verst\u00e4ndlich, bzw. auf vielerlei Weise zu deuten. 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