{"id":7861,"date":"2011-07-16T10:07:39","date_gmt":"2011-07-16T08:07:39","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7861"},"modified":"2011-07-16T10:07:39","modified_gmt":"2011-07-16T08:07:39","slug":"ein-stuck-trockenes-brot","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7861","title":{"rendered":"Ein St\u00fcck trockenes Brot"},"content":{"rendered":"<p>Auf meinem Harlander B\u00fccherstapel liegt seit  mehr als zwei Jahren ein kleines d\u00fcnnes B\u00fcchlein &#8220;Ein St\u00fcck trockenes Brot&#8221;, ausgew\u00e4hlte Erz\u00e4hlungen von Josef Burg, das ich im Mai 2009 von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/16\/theodor-kramer-preis\/\">Theodor Kramer Preis<\/a>, der damals an den noch in Czernowitz lebenden, Jiddisch schreibenden Dichter vergeben wurde, mitbrachte. Alfred hat mir damals zwei der d\u00fcnnen im Hans Boldt Verlag erschienenen B\u00e4ndchen, in denen das Werk auf Deutsch erschienen ist, geschenkt. Da meine Leser wissen, da\u00df ich nicht so gerne d\u00fcnne Erz\u00e4hlungen lese, sondern lieber zu dicken Romanen greife, werden sie sich nicht wundern, wieso das Buch bis jetzt liegen geblieben ist. Aber jetzt habe ich meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/16\/hundert-bucher\/\">Hundert-B\u00fccher-Liste<\/a> und lese alles auf und das zweite B\u00e4ndchen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/12\/depression\/\">&#8220;Begegnungen &#8211;<\/a> Eine Karpatenreise&#8221;, habe ich auch im August 2009 gelesen, nachdem Josef Burg am 2. 8. 2009 gestorben ist. Dem Namen und dem Dichter bin ich aber im \u00f6sterreichischen Rundfunk und durch die Theodor Kramer Gesellschaft immer wieder begegnet und auch die Titelgeschichte habe ich schon zweimal geh\u00f6rt und habe auch noch ein drittes B\u00e4ndchen aus dem Hans Boldt Verlag, n\u00e4mlich &#8220;\u00dcber jiddische Dichter&#8221;, das mir einmal, der Verlag oder die Theodor Kramer Gesellschaft mit der Bitte vor Weihnachten zusandte, ich solle etwas spenden, damit Josef Burg in der Ukraine seine Krankenpflegerin zahlen kann. Es gab  auch im Oktober 2008 eine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/21\/von-frankfurt-nach-czernowitz\/\">Benefizveranstaltung im alten Rathaus<\/a>, wo man auf das Wohl von Josef Burg ein Achterl trinken konnte und Felix Mitterer &#8220;Ein St\u00fcck trockenes Brot&#8221; las. Bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/05\/16\/theodor-kramer-preis\/\">Kramer Preis Verleihung in Krems Stein<\/a> vor zwei Jahren hat er sie auch gelesen und jetzt war der Erz\u00e4hlband an der Reihe, was auch gut passt, naht sich bald der zweite Todestag, so da\u00df ich an einen der oder dem letzten in jiddischer Sprache geschrieben habenden Dichter erinnern kann. Das hat er auch selber immer wieder getan, so handelt auch das B\u00e4ndchen \u00fcber &#8220;Jiddische Dichter&#8221;, das ich ebenfalls gelesen habe, davon und Josef Burg zu lesen ist auch h\u00f6chst beeindruckend, zieht er doch gekonnt einen Bogen durch sein literarisches Schaffen und wechselt von der Erz\u00e4hlung zu seinen nat\u00fcrlich sehr reichhaltigen und h\u00f6chst historischen Lebenserinnerungen.<br \/>\nSo beginnen die ausgew\u00e4hlten Erz\u00e4hlungen mit der Geschichte &#8220;Einsamkeit&#8221;. Da sitzt eine vierzigj\u00e4hrige, aber trotzdem schon gealterte W\u00e4scherin mit roten H\u00e4nden am Abend einsam in ihrem leeren Haus und denkt \u00fcber ihr Leben nach. Vor zwanzig Jahren war sie jung und das Haus hell erleuchtet, sie trug ein geborgtes Hochzeitskleid und der Tisch bog sich vor Hochzeitsspeisen von geborgten Geld, gab es doch ihre Hochzeit mit Sunje, dem Holzf\u00e4ller zu feiern, der am Morgen in den Wald mu\u00dfte und dort von einem Baum erschlagen wurde. Geblieben ist die Not und der Ring am Finger, da l\u00e4utet jemand an der T\u00fcr des dunklen Hauses an und bittet f\u00fcr eine milde Gabe, weil er f\u00fcr eine Waise eine Hochzeit ausrichten mu\u00df. Sie schaut auf ihre Hand, nimmt den Ring herunter und beichtet das schuldbewu\u00dft am n\u00e4chsten Tag, das am Grab dem Ehemann, der sie daf\u00fcr segnet.<br \/>\nDann geht es weiter in die Geschichte eines langen Lebens. Von dem j\u00fcdischen Forscher und Kritiker Schatz-Anin wird da erz\u00e4hlt, den Josef Burg, der ja, glaube ich, in Wien studierte, 1937 im  Cafe Central kennenlernte und dessen Tochter er viel sp\u00e4ter in Riga trifft.<br \/>\n&#8220;Am Zugfenster&#8221; erz\u00e4hlt von einer Fahrt auf die wei\u00dfrussische Grenze hin, ein Mann sitzt im Zug und zeigt wo &#8220;1941 schwere, erbitterte K\u00e4mpfe stattgefunden haben. Die Deutschen r\u00fcckten auf Moskau vor.&#8221; und dann auf die Felder &#8220;wo der Horizont ist, dort liegen meine Eltern zusammen mit   Hunderten anderen ermordeten Juden..&#8221;<br \/>\nIm Zug sitzt noch eine junge Krankenschwester, die ein jiddisches Buch liest, au\u00dferdem gibt es einen &#8220;kr\u00e4ftigen etwa sechzigj\u00e4hrigen Mann, sehr blond und hager&#8221;, von dem sich herausstellt, nachdem der den Erz\u00e4hler auf Deutsch anspricht, da\u00df er aus Memel ist und &#8220;offenbar zu den sogenannten &#8220;Volksdeutschen&#8221; geh\u00f6rte, die 1940, verf\u00fchrt von der Nazi-Propaganda, ihre angestammte baltische Heimat verlassen hatten.&#8221;<br \/>\nGanz am Schlu\u00df gibt es dann die Titelgeschichte &#8220;Ein St\u00fcck  trockenes Brot&#8221;, die ebenfalls sehr beeindruckend ist.<br \/>\nDa geht es um das &#8220;Gedenken an Babi Jar, das sich zum f\u00fcnfzigsten Mal j\u00e4hrte&#8221;. Ein alter Mann, der etwas, das in ein schmutziges Tuch eingewickelt ist, in H\u00e4nden h\u00e4lt, steht neben dem M\u00e4dchen Miriam und erz\u00e4hlt ihr seine Geschichte. Vor f\u00fcnfzig Jahre war er zwanzig, wie sie heute und &#8220;war in jenem schrecklichen September 1941 auch dabei, als die Nazis unser Volk erbarmungslos vernichteten.&#8221; Er sollte auch erscho\u00dfen werden und war schon in der Grube mit den Toten, konnte sich aber retten und fl\u00fcchten, dabei hat er einen Bettler getroffen, der ihm ein B\u00fcndel mit einem St\u00fcck trockenen Brot gegeben hat, ihm aber sagte, da\u00df er es nicht essen, sondern aufheben solle. So ist er damit durch die W\u00e4lder geirrt, bis er endlich zu den Partisanen kam, als er dann das B\u00fcndel \u00f6ffnete, bemerkte er, es war ein St\u00fcck Holz darin.<br \/>\nUnd weil es zum heutigen Tag passt, an dem Otto Habsburg in der Kapuzinergruft begraben wird, zitiere ich auch das Nachwort in dem steht, da\u00df &#8220;Am 17. Juni 2007 der ungef\u00e4hr gleichaltrige Otto von Habsburg mit Begleitung den &#8220;\u00d6sterreicher Josef Burg&#8221; in Czernowitz besucht und ihm damit gezeigt hat, da\u00df er nicht vergessen ist.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf meinem Harlander B\u00fccherstapel liegt seit mehr als zwei Jahren ein kleines d\u00fcnnes B\u00fcchlein &#8220;Ein St\u00fcck trockenes Brot&#8221;, ausgew\u00e4hlte Erz\u00e4hlungen von Josef Burg, das ich im Mai 2009 von Theodor Kramer Preis, der damals an den noch in Czernowitz lebenden, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7861\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-7861","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7861","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7861"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7861\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7861"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7861"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}