{"id":7892,"date":"2011-07-18T09:33:13","date_gmt":"2011-07-18T07:33:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7892"},"modified":"2011-07-18T09:33:13","modified_gmt":"2011-07-18T07:33:13","slug":"wieder-einmal-schreibgedanken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7892","title":{"rendered":"Wieder einmal Schreibgedanken"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich gestern etwas \u00fcber meine Verwunderung, da\u00df es mir nicht und nicht gelingt literarisch aufzufallen oder einen Verlag zu finden, was bei einer, die wahrscheinlich mehr und l\u00e4nger schreibt, als die meisten, die beim Bachmannpreislesen, schon ein wenig seltsam ist, schreiben, denn es sollte neben meinen Schreibberichten auch Bem\u00fchungen gebn, wie sich das ver\u00e4ndern l\u00e4\u00dft.<br \/>\nAm Anfang meines Schreibens in den Siebzigerjahren war ich  sehr unsicher und habe au\u00dfer dem Arbeitskreis schreibender Frauen nicht viel literarisches Feedback gehabt. Da waren zwar Autorinnen, wie Marie Therese Kerschbaumer, Elfriede Haslehner, Christa Stippinger und Erika Danneberg dabei. Arthur West habe ich auch dort  kennengelernt, in den Literaturbetrieb bin ich dadurch aber nicht gekommen. Zaghaft sind dann die ersten Informationen, welche Stipendien und Verlage es gibt, zu mir gedrungen, so da\u00df ich ziemlich wahllos und sehr unsicher meine Texte an die mir vorhandenen Adressen schickte. Das war mir alles sehr unangenehm und ich wu\u00dfte auch nicht recht, was und wie ich das hinschicken soll. Heute gibt es Seminare, wo man das Exposeschreiben beispielsweise lernen kann. Mir hat Elfriede Haslehner einmal gesagt, es w\u00e4re noch zu fr\u00fch, mich f\u00fcr ein Stipendium zu bewerben, da war ich beleidigt, habe es trotzdem getan, keines bekommen und irgendwann aufgeh\u00f6rt mich daf\u00fcr zu bewerben. Ich kann mich noch erinnern, da\u00df ich damals dachte, macht ja nichts, es braucht mich nur jemand f\u00fcr einen Preis vorschlagen, dann geht es weiter. Inzwischen beginne ich zu ahnen, da\u00df das genau mein Problem ist, da\u00df mich niemand vorschl\u00e4gt und in den vierzig Jahren, die ich schreibe, dieses offenbar niemand aufgefallen ist.<br \/>\nDas verstehe ich ganz ehrlich eigentlich nicht und wenn ich mir meine f\u00fcnfundzwanzig B\u00fccher, die trotzdem entstanden sind, so anschaue, wird mir das auch nicht klarer. Zwar stimmt es sicher, ich habe in den Achtziger- und Neunzigerjahren zu schnell auch Unfertiges, Unkorrigiertes an den damaligen Residenzverlag und Droschl geschickt oder auch wahllos an den Gem\u00fcsegarten der Verlagslandschaft, deren Adressen, ich im Handbuch der IG Autoren gefunden habe, weil ich nicht wu\u00dfte, wie das anders geht und ich auch niemanden hatte, der mich mit konstruktiver Kritik weiterbrachte, da ich die, die es im Arbeitskreis gab, als nicht als konstruktiv empfunden habe, sondern so empfand, als solle ich eigentlich zu schreiben aufh\u00f6ren und dagegen habe ich wahrscheinlich auch ein wenig stur angek\u00e4mpft. Das Schwierigste war, glaube ich, meine Hemmung. Am Anfang hatte ich ziemliche Schreibblockaden, aber einen starken Willen und den Gedanken, ich mu\u00df schreiben, denn wenn ich es nicht tue, dann gibt es nichts von mir. Das ist besser geworden und das sehe ich als Lernproze\u00df. Wie ich auch glaube, da\u00df man weiterkommt, wenn man nicht aufgibt, sondern es immer wieder versucht.<br \/>\nDie Schreibblockaden sind verschwunden und auch die qu\u00e4lenden Gedanken, mit denen ich mich zum Schreibtisch zwingen mu\u00dfte. Jetzt wei\u00df ich meistens \u00fcber was ich schreibe und kann mit der Kritik, die kommt, auch etwas anfangen. Das hei\u00dft, ich glaube zu wissen, wo sie sie stimmt und wo nicht.<br \/>\nDa war ich am Anfang ziemlich \u00fcberfordert und habe meistens &#8220;Wow!&#8221;, gedacht und nichts verstanden, obwohl ich sagen mu\u00df, da\u00df mir der Herr Ammann, als ich 1989 die &#8220;Hierarchien&#8221; an seinen Verlag schickte, einen sehr lieben Brief geschrieben hat und auch Karl-Markus Gau\u00df hat das beim &#8220;Lieben Gott&#8221; ein bi\u00dfchen sp\u00e4ter getan und gemeint, ich sollte nicht so eins zu eins, sondern etwas erh\u00f6ht und abgehoben schreiben, das w\u00fcrde ich mir jetzt so interpretieren und verstehe nun auch, wie er das meinte. Durch Erfahrung und \u00dcbung lernt man. Durch das Literaturgefl\u00fcster habe ich mir meine Hemmungen weggeschrieben und das regelm\u00e4\u00dfige Reflektieren, was ich hier praktiziere, ist auch sehr f\u00f6rderlich. Den ersten Erfolg habe ich noch in meinen Arbeitskreiszeiten gesehen, da sa\u00dfen wir einmal im Wohnzimmer der Valerie in Grinzing bei Kaffee und Kuchen und sie sagte, &#8220;Mir f\u00e4llt eigentlich immer was ein!&#8221;<br \/>\n&#8220;Wow!&#8221;, habe ich neiderf\u00fcllt gedacht&#8221;Mir nicht!&#8221;<br \/>\nSeit mehr als zehn Jahren tut es das bei mir aber auch. Ich w\u00fcrde sagen, als ich die &#8220;Hierarchien&#8221; fertig hatte, die dann in der Edition Wortbr\u00fccke bei Jack Unterweger erschienen sind, war bei mir einmal Pause, weil ich ja bis 1995 ziemlich intensiv meinen Vater betreut habe, danach hat es angefangen zu flie\u00dfen, m\u00f6glicherweise mit &#8220;Thea Leitners verr\u00fcckten Traum&#8221; oder auch mit &#8220;Lore und Lena&#8221;, die schon etwas fr\u00fcher entstanden sind. Ich habe weiter herumgeschickt und war vor allem bei &#8220;Lore und Lena&#8221; sehr erstaunt, da\u00df das niemand wollte, denn da hatte ich beim Schreiben einen ziemlichen Rausch und bin mit den Franks, dem Alfred und der Anna auch um den Neusiedlersee gefahren und habe die anderen dabei mehrmals verloren, weil ich st\u00e4ndig an &#8220;Lore und Lena&#8221; dachte. Es war auch die Zeit, wo mein &#8220;Verhaltenstherapie bei erwachsenen Stottern&#8221;, bei ORAC erschienen ist und da ging es auch.<br \/>\nAber gut, im Literaturbereich ist es anders, ich habe also herumgeschickt, eine Zeitlang aufgeh\u00f6rt mich um Stipendien zu bewerben, weil ich durch meine Praxis ja etwas verdiente und mir Waltraud Haas einmal sagte, da\u00df man das dann nicht mehr machen soll, wieder angefangen und endg\u00fcltig aufgeh\u00f6rt.<br \/>\n2000 hielt ich mein erstes Digitaldruckbuch in H\u00e4nden, dachte wieder &#8220;Wow, wie sch\u00f6n!&#8221; und begriff erst sp\u00e4ter in welch f\u00fcrchterliches Fettn\u00e4pfchen ich mich damit gesetzt habe, denn damit war es offenbar total aus &#8220;Eigenverlag, das geht doch nicht!&#8221;, obwohl ich es ja gar nicht nenne und auch kein Verlag bin, aber andere kenne, die das offenbar ein bi\u00dfchen geschickter sehr wohl so machen. Aber geschickt bin ich wohl nicht sehr, sondern gradlinig und offen. Also irgendwann auch mit der Verlagssuche aufgeh\u00f6rt, aber weitergeschrieben, immer mehr und immer besser auf der einen Seite, auf der anderen  habe ich die leeren Kilometer und Themenwiederholung sicher drin, w\u00fcrde da vielleicht schon einen Lektor brauchen, der mich auf das aufmerksam macht, das merke ich dann beim Lesen in der Badewanne.<br \/>\nDie M\u00f6glichkeit des Literaturgefl\u00fcsters war wieder ein Schritt nach vorn oder auch einer nach hinten, wie man es nimmt, denn, da\u00df die Kritiker, die Literatur in Blogs vielleicht nicht so ernst nehmen und sich nicht die Zeit, in sie hineinzuschauen, kann ich mir schon denken und auch, da\u00df vieles da im Argen liegt. So sto\u00dfe ich immer wieder auf Drohungen, ich kann es nicht anders nennen, da\u00df, wenn man einmal etwas bei BoD oder sonstwo selbst verlegt, man niemals mehr eine Chance auf einen Publikumsverlag hat, denn kein solcher w\u00fcrde dann noch etwas nehmen. Nele Neuhaus hat, glaube ich bewiesen, da\u00df das nicht stimmt, ist aber wahrscheinlich ein Einzelfall.<br \/>\nDas irritert dann sehr, wie es auch die Leute tun, die meine B\u00fccher mit spitzen Fingern anfassen und  gedehnt &#8220;Sehr sch\u00f6n!&#8221;, sagen. Wenn sie sie nicht lesen, k\u00f6nnen sie das nicht wissen. Seit 2004 schicke ich  nichts mehr herum, denke aber immer, da\u00df ich mich damit vielleicht selbst ins Abseits setze, was ich nicht will, so habe ich die <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_radiosonate.html\">&#8220;Radiosonate&#8221;<\/a> 2008 auf der Buch Wien dem Kitab Verlag angeboten und hingeschickt, aber leider keine Antwort bekommen. Ist kein so schlechter Roman, war sogar in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/24\/marathonschreiben\/\">\u00d61<\/a>, da\u00df es aber gruppendynamische Effekte gibt, wei\u00df ich nat\u00fcrlich und, da\u00df der Literaturbetrieb sehr sehr hierarchisiert ist, auch, obwohl es bei <a href=\"http:\/\/www.literaturcafe.de\/interview-mit-literaturkritikerin-daniela-strigl\/\">literaturcafe.de<\/a> ein Interview mit Daniela Strigl gibt, wo sie bedauert, da\u00df man sowenig von den Produkten der Kleinverlage wei\u00df und das sehe ich auch so, da\u00df die meistens gar nicht wahrgenommen werden, wie auch das Beispiel von Judith Gruber-Rizys Buch Drift, das 2009 bei Edition Art Science erschienen ist zeigt, weil offenbar der Verleger von Michel Bozikovic gar nicht schaute, ob es nicht schon ein Buch dieses Namens gibt, obwohl ich bei dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/15\/buch-wien-wochenende-mit-zwei-seminaren\/\">Eigenverlagsseminar<\/a>, das ich bei der Buch Wien machte, h\u00f6rte, da\u00df man, bevor man seinem Roman einen Titel gibt, das machen soll.<br \/>\nEs gibt offenbar eine oder zwei Handvoll Autoren, die von den Kritiker als anerkannt wahrgenommen werden, die sie ausw\u00e4hlen und zitieren, das sind dann auch die, die st\u00e4ndig Preise bekommen und die \u00fcberall lesen und die anderen interessieren offenbar nicht und das finde ich, wie Daniela Strigl schade, weil ich ebenfalls glaube, da\u00df man dabei viel \u00fcbersieht und f\u00fchle mich mit Recht oder Unrecht \u00fcbersehen. Irgendwie werde ich da wohl in der Mitte liegen, bin froh, da\u00df es das Literaturgefl\u00fcster gibt, wo ich mich pr\u00e4sentieren kann, habe dadurch, das hab ich schon geschrieben, viel gelernt und finde es auch schade, wenn es nur als Nachricht \u00fcber den Literaturbetrieb, wo man Sachen findet, die es sonst nicht gibt, wahrgenommen wird, kann es aber nicht \u00e4ndern, sondern nur selber besser machen, indem ich mich f\u00fcr die Literatur der anderen interessiere und es ist kein Schaden, denke ich, zu wissen, was in der Literatur au\u00dfer bei Clemens J. Setz, Andrea Winkler etc noch passiert, denn die \u00f6sterreichische Literatur ist sehr vielf\u00e4ltig und es gibt ein paar tausend und nicht nur zehn Autoren und mindestens ein paar Hundert davon schreiben auch wirklich gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich gestern etwas \u00fcber meine Verwunderung, da\u00df es mir nicht und nicht gelingt literarisch aufzufallen oder einen Verlag zu finden, was bei einer, die wahrscheinlich mehr und l\u00e4nger schreibt, als die meisten, die beim Bachmannpreislesen, schon ein wenig &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7892\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-7892","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7892\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}