{"id":7938,"date":"2011-07-21T00:48:53","date_gmt":"2011-07-20T22:48:53","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=7938"},"modified":"2011-07-21T00:48:53","modified_gmt":"2011-07-20T22:48:53","slug":"wunschloses-ungluck-und-andere-prosatexte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7938","title":{"rendered":"Wunschloses Ungl\u00fcck und andere Prosatexte"},"content":{"rendered":"<p>Vorige Ostern habe ich mir in der Buchabverkaufskiste in Wilhelmsburg Peter Handkes &#8220;Wunschloses Ungl\u00fcck&#8221; um einen Euro gekauft, die 1972 erschienene ber\u00fchmte Erz\u00e4hlung, in der er sich mit dem Selbstmord seiner Mutter auseinandersetzt.<br \/>\n1975 oder 1976 besuchte ich in Hamburg Rudolf Blazejewski, der mir das Buch als Reiselekt\u00fcre mitgegeben wollte. Da mir Peter Handke damals zu experimentell erschien, ich hatte mir, glaube ich, schon vorher &#8220;Den Hausierer&#8221; gekauft und damit nicht viel anfangen k\u00f6nnen, habe ich es abgelehnt und die Erz\u00e4hlung jetzt erst gelesen. Allerdings bin ich nicht ganz sicher, ob in der Donauland Linzenausgabe, die ich erwischte, der ganze Text abgedruckt ist, endet sie doch auf Seite zweiundneunzig und dann kommen noch eine ganze Reihe Prosatexte, in dem zweihundertvierzig Seiten Buch &#8220;Die Begr\u00fc\u00dfung des Aufsichtsrats&#8221;, der &#8220;Hausierer&#8221; und die &#8220;Hornissen&#8221; auf je neun Seiten, der Proze\u00df (f\u00fcr Franz K.) u. u. u.<br \/>\nAlso h\u00f6chstwahrscheinlich Ausschnitte von bekannten fr\u00fchen Texten, ohne n\u00e4here Angabe, was mich beim Lesen zunehmend verwirrte.<br \/>\n&#8220;Wunschloses Ungl\u00fcck&#8221;, hat mich aber sehr erstaunt, bin ich da doch mit meiner experimentellen Einsch\u00e4tzung sehr weitab gelegen. Peter Handke hat aber, entnehme ich Wikipedia, diese autobiographische Erz\u00e4hlung gesondert von seinen \u00fcbrigen Werken betrachtet. Ist sie ja auch erstaunlich realistisch und beginnt mit &#8220;Unter der Rubrik &#8220;Vermischtes&#8221; stand in der Sonntagsausgabe der K\u00e4rtner Volkszeitung folgendes&#8230;&#8221;, dann folgen einige Seiten in denen Peter Handke seine Gef\u00fchle beschreibt, bevor es mit der Biografie der Mutter, die Selbstmord mit Schlaftabletten begangen hat, beginnt.<br \/>\nDie Mutter Maria ist solwenischer Abstammung und der Gro\u00dfvater war ein sehr sparsamer Mann, der immer wieder sein ganzes Geld an den Inflationen verloren hat und immer wieder von vorne zu sparen begann. Man sparte auch f\u00fcr die Mitgift der T\u00f6chter, aber nicht f\u00fcr ihre Ausbildung, so mu\u00dfte sich die Mutter, nachdem sie dem Gro\u00dfvater vergeblich anbettelte sie einen Beruf erlernen zu lassen, selber emanzipieren, in dem sie von zu Hause ausri\u00df und im Hotel am See das Kochen erlernte, da lie\u00df der Gro\u00dfvater sie gew\u00e4hren, umsomehr da &#8220;am Kochen wenig zu erlernen war&#8221;.<br \/>\nDer Krieg kam dazwischen und Hitler in &#8220;thriumphaler Fahrt nach Klagenfurt&#8221;, die Mutter ging nach Deutschland zur Arbeit und als Vater f\u00fcr den kleinen Peter suchte sie sich einen schon verheirateten &#8220;deutschen Parteigenossen, der im Zivilberuf Sparkassenangestellter war&#8221; aus. Heiratete aber kurz vor der Entbindung einen &#8220;Unteroffizier der Deutschen Wehrmacht, der sie schon lange verehrte&#8221;. Mit dem lebte sie eine Zeitlang in Berlin und kehrte mit ihm und zwei Kindern sp\u00e4ter nach Griffen zur\u00fcck, um weitere Kinder zu bekommen, bzw. diese abzutreiben. Der Mann trank, die Mutter lachte ihn aus, versuchte immer wieder ein eigenst\u00e4ndiges Leben und scheitere immer wieder daran. Wurde depressiv und von einem Nervenarzt behandelt, um sich schlie\u00dflich &#8220;hundert kleine Schlafabletten verschreiben zu lassen&#8221; und diese nach einem  Abschiedsbrief einzunehmen.<br \/>\n&#8220;In dem Brief, der sonst nur Bestimmungen f\u00fcr ihre Bestattung enthielt, schrieb sie mir am Schlu\u00df, sie sei ganz ruhig und gl\u00fccklich, endlich in Frieden einzuschlafen. Aber ich bin sicher, da\u00df das nicht stimmt.&#8221;<br \/>\nZwischendurch gibt es immer wieder erstaunliche Reflexionen \u00fcber das Schreiben, die in die Autobiografie eingebettet sind.<br \/>\n&#8220;(Ab jetzt mu\u00df ich aufpassen, da\u00df die Geschichte nicht zu sehr sich selbst erz\u00e4hlt.)<br \/>\n&#8220;Manchmal bin ich freilich w\u00e4hrend der Arbeit an der Geschichte all der Offenheit und Ehrlichkeit \u00fcberdr\u00fcssig gewesen und habe mich danach gesehnt, bald wieder etwas zu schreiben, wobei ich auch ein bi\u00dfchen l\u00fcgen und mich verstellen k\u00f6nnte, zum Beispiel ein Theaterst\u00fcck.&#8221;<br \/>\nDann folgen in dem mir vorliegenden Text zwei Seiten Seiten &#8220;Anekdoten&#8221;,  wie &#8220;Sie war menschenfreundlich&#8221; oder &#8220;Sie nahm ihr Geheimnis mit ins Grab&#8221; und am Schlu\u00df der Satz &#8220;Sp\u00e4ter werde ich \u00fcber all das Genaueres schreiben&#8221; &#8220;geschrieben J\u00e4nner\/Februar 1972&#8221; zu einer Zeit also, da Peter Handke schon ber\u00fchmt war, entnehme ich doch Wikepedia, da\u00df der &#8220;vierundzwanzigj\u00e4hrige Peter Handke innerhalb weniger Monate zu einer Art Popstar der deutschen Literatur geworden ist&#8221;.<br \/>\nIch bin, wie ich schon in einem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/15\/bernhard-und-handke-in-der-osterreichischen-literatur\/\">anderen Artikel<\/a> erw\u00e4hnte, kein unbedingter Handke-Fan, obwohl ich einiges, auch die sp\u00e4teren, sehr poetischen Werke, von ihm gelesen habe. Mit diesem Text kann ich aber sehr viel anfangen und es tut mir wirklich leid, da\u00df ich das Buch in Hamburg nicht genommen habe. Aber h\u00f6chstwahrscheinlich h\u00e4tte ich es damals nicht verstanden, auch wenn ich da schon viel gelesen habe.<br \/>\nMit den anderen Prosatexten, zumal es sich da um Ausschnitte handeln d\u00fcrfte, habe ich mir schwerer getan,  sie  pflichtbewu\u00dft gelesen, werde mich aber, auch damit es nicht zulang wird, nicht sehr mit dem Besprechen besch\u00e4ftigen.<br \/>\nEs sind Ausschnitte wichtiger Fr\u00fchwerke, in Handkes Fr\u00fchwerk entnehme ich Wikipedia, nimmt die Sprache und das Reflektieren der Innen und der Au\u00dfenwelt eine wichtige Rolle ein. Das war den Ausschnitten zu entnehmen, ansonsten bin ich ihnen, weil ich mich  nicht sehr einlassen wollte, eher ratlos gegen\u00fcbergestanden und habe mich nur gefragt, ob er damit den Bachmannpreis gewonnen h\u00e4tte?<br \/>\nAber Handke hat sich dann ja anderen Themen zugewandt, ist poetischer und sprachlich stilisierter geworden, mit dem Bleistift durch das Land gewandert, hat die Nation mit seiner Jugoslawien-Verteidigung  gespalten und sich unbeliebt gemacht. Allerdings war,  glaube ich, auch die &#8220;Puplikumsbeschimpfung&#8221; eines der Werke, die in den Sechzigerjahren zu seinem Popstarstatus f\u00fchrten. Dann hat sich die Kritik ein wenig von ihm abgewandt. Peter Handke wird es aushalten und hat  auch einige Preise abgelehnt und auf seine Nominierung zum deutschen Buchpreis f\u00fcr die &#8220;Morawische Nacht&#8221; zugunsten J\u00fcngerer verzichtet. Hat eine gro\u00dfe Publikationsliste, vor kurzem ein neues Buch herausgebracht und auch einen gro\u00dfen Fankreis, so hat mich, als ich vor zwei Jahren in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/15\/bernhard-und-handke-in-der-osterreichischen-literatur\/\">Wiener Vorlesung \u00fcber Handke und Bernhard<\/a> war, ein solcher gefunden, der mir die links zu seiner Sammlung schickte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorige Ostern habe ich mir in der Buchabverkaufskiste in Wilhelmsburg Peter Handkes &#8220;Wunschloses Ungl\u00fcck&#8221; um einen Euro gekauft, die 1972 erschienene ber\u00fchmte Erz\u00e4hlung, in der er sich mit dem Selbstmord seiner Mutter auseinandersetzt. 1975 oder 1976 besuchte ich in Hamburg &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=7938\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-7938","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7938","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7938"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7938\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}