{"id":804,"date":"2009-02-01T10:30:23","date_gmt":"2009-02-01T09:30:23","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=804"},"modified":"2009-02-01T10:30:23","modified_gmt":"2009-02-01T09:30:23","slug":"nachrichten-vom-land","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=804","title":{"rendered":"Nachrichten vom Land"},"content":{"rendered":"<p>Hurra wir haben jetzt in Harland Internet und Otto Lambauer braucht sich nicht mehr vor Entzugserscheinungen f\u00fcrchten. Jetzt gibts nur mehr Urlaubssperre, denn in ein Internetcafe setze ich mich sicher nicht.<br \/>\nSo sind wir also Freitag Abend nach der Abrechnung auf das Land gefahren und Alfred hat, da seine Eltern in Ungarn sind, bis weit nach Mitternacht den Schnee weggeschaufelt, damit er in die Garage fahren konnte.<br \/>\nGestern hat er es dann installiert,  vorher war er in St. P\u00f6lten einkaufen und  hat berichtet, bei Thalia gibts viele B\u00fccher um einen Euro.<br \/>\nWir sind hingefahren, aber zu sp\u00e4t gekommen, was nichts macht, denn lesen kann ich die B\u00fccherflut ohnehin nicht. Ich hab mir einmal ausgerechnet, wenn ich achtzig werde und ab jetzt nichts mehr mache, als essen, baden, lesen, schlafen und nichts dazu kaufe, schaffe ich es trotzdem nicht und das mache ich nicht, denn schreiben hat ja die oberste Priorit\u00e4t.<br \/>\nUnd so habe ich auch den Rohentwurf fertig geschrieben. Es sind achtundf\u00fcnzig Manuskriptseiten.  &#8220;M M oder die Liebe zur  Germanistik&#8221; und &#8220;Die Zusteigerin&#8221; haben auch nicht viel mehr und das w\u00e4re das knappe Kurze, nach den dreihundert Seiten Roman der &#8220;Radiosonate&#8221;.<br \/>\nJetzt gehe ich in Klausur, lese mir einges durch, das &#8220;Roman in einem Jahr&#8221;- Projekt beispielsweise und die Schneeflocken Methode, die ich bei Jacqueline Nagel gefunden habe,  wo erkl\u00e4rt wird, wie man seine Ideen in einzelne Szenen zerlegen kann.<br \/>\nDas wei\u00df ich inzwischen aber schon, denn ich habe gestern in der Badewanne den vorigen Buchpreisroman Julia Franck &#8220;Die Mittagsfrau&#8221; zu lesen angefangen und da wird es vorgemacht.<br \/>\nEs beginnt mit dem Prolog, wo der Vater der Autorin von seiner Mutter nach Kriegsende auf einem Bahnhof verlassen wird und dann geht es weiter mit der Jugend Helenes, die erkl\u00e4rt, warum das passiert und dann hat es vierhundertdrei\u00dfig Seiten.<br \/>\nDa habe ich bis jetzt die &#8220;falsche&#8221; Form gew\u00e4hlt, n\u00e4mlich nach dem Prolog nicht mit der kleinen Klara angefangen, sondern in der Seniorenresidenz weitergemacht und die alte Frau in ihrer Bilderschachtel w\u00fchlen lassen und enden tut es vor dem Epilog, da\u00df Sarah vom OWS in die Seniorenresidenz kommt, um ihre Mutter abzuholen.<br \/>\nDas das seine Reize hat, habe ich am Freitag festgestellt. Da\u00df ich es auch anders kann, m\u00fc\u00dfte ich beweisen,  ich wei\u00df aber nicht, ob ich wirklich will. Denn jetzt w\u00fcrde ich sagen, das ist mir zu fad und das merke ich auch beim Lesen der &#8220;Mittagsfrau&#8221;, es war  doch gerade so spannend und jetzt gehts zur\u00fcck in die Vergangenheit und ich denke, das interessiert mich nicht.<br \/>\nMal sehen, die, die jetzt den Einwand von den Trauben bringen, haben nat\u00fcrlich recht, denn ich mu\u00df manchmal gesto\u00dfen werden.<br \/>\nSo haben sich meine Cousinen beispielsweise vor ein paar Wochen \u00fcber die verwelkten Bl\u00e4tter bei meinem Pflanzenurwald in der Krongasse mokiert, ich habe &#8220;Na und!&#8221; gesagt und am Montag begonnen alles auszurupfen. Jetzt schaut es besser aus!<br \/>\nUnd es hat auch schon Arthur West vor Jahren zu mir gesagt, es ist schade, da\u00df ich keinen Lektor habe.<br \/>\nNun ja, habe ich nicht, ich wei\u00df aber schon einiges und habe noch eine erfreuliche Mitteilung f\u00fcr meine Kritiker.<br \/>\n&#8220;Das Haus&#8221; handelt nur vom Steinhof und von einer \u00c4rztefamilie und nicht vom Literaturbetrieb und dem erfolglosen Schreiben, womit ich die Leute ja manchmal nerve, was, wie ich denke, f\u00fcr mich aber wichtig ist.<br \/>\nUnd daher wirds gleich wieder literarisch. Denn Alfred hat mir gestern auch &#8220;die Presse&#8221; gebracht und da gibts eine Rezension von Peter Roos &#8220;Geli Geil&#8221; \u00fcber das Buch von Uwe Bolius &#8220;Hitler von innen&#8221; und das ist ein einziger Verriss:<br \/>\n&#8220;Nichts stimmt an diesem Buch, dem bramarbasierenden Bombast dieses durchgeknallten Pamphlets. R\u00fchrei aus F\u00fcllseln, Austriazismen, Namensdropping&#8230; &#8220;Hitler von innen&#8221; ist in Wirklichkeit die adolphobe Autobiografie eines rechthaberischen Autodidakten, taumelnd zwischen literarischer Einbildung und historischer Halbbildung&#8230;&#8221; und so weiter und so fort.<br \/>\nDa wird mir schlecht von der \u00dcberheblichkeit des Rezensenten und ich denke, das mu\u00df doch nicht sein!<br \/>\nErlebe es aber immer wieder, da\u00df Autoren, die, wie Bolius schon sehr fr\u00fch beim Bachmannpreis gelesen haben und dann auch ein Buch bei Suhrkamp hatten, es aber aus irgendeinen Grund nicht weitergeschafft haben, von ihren Kollegen so abgeurteilt werden.<br \/>\nBei Thomas Northoff habe ich das im Ex Libris erlebt und mir, die noch kein Buch bei Suhrkamp hat, ist es mit meinen &#8220;Hierarchien&#8221;, die in der Edition Wortbr\u00fccke erschienen sind, nicht anders gegangen.<br \/>\nDa habe ich das Manuskript an zweiundvierzig Verlage geschickt, darunter an die &#8220;Weilburg Autorenreihe&#8221; und einen sehr lieben Brief von einem Peter Zumpf bekommen, der das Buch zwar auch nicht bringen wollte, ich hatte aber den Eindruck, er w\u00e4re an sich interessiert.<br \/>\nDann hat es Jack Unterweger gemacht und es ist in der Zeitschrift &#8220;Literatur aus \u00d6sterreich&#8221; eine vernichtende Kritik von eben diesem Peter Zumpf erschienen, ungef\u00e4hr so &#8220;Hier liegt wieder ein Buch vor, \u00fcber das man sagen kann, absolut nichts vers\u00e4umt zu haben, falls man es nicht gelesen hat&#8230;&#8221;<br \/>\nDas hat mich damals sehr verwirrt, weil  ich es nicht verstanden habe. Jetzt verstehe ich die Zusammenh\u00e4nge besser und f\u00fcge zu meiner Ehrenrettung hinzu, in demselben Heft sind noch zwei weitere ebenso vernichtende Rezensionen erschienen, so da\u00df sich die Leser im n\u00e4chsten Heft dar\u00fcber aufgeregt haben. Es half aber nichts, denn als ich mich um ein Stipendium beworben habe, hat mir das N\u00d6-Kulturamt genau diese Rezension geschickt. Und ich hatte auch Bessere, eine wurde mir z.B. von Johanna Rachinger \u00fcbermittelt.<br \/>\nNun ja, einer meiner Versuche aus diesem Frust herauszukommen, ist das Literaturgefl\u00fcster, denn da kann ich es anders machen und seit ich es betreibe, geht es mir auch besser mit dem Literaturbetrieb, das habe ich k\u00fcrzlich Alfred Goubran geschrieben und das stimmt auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hurra wir haben jetzt in Harland Internet und Otto Lambauer braucht sich nicht mehr vor Entzugserscheinungen f\u00fcrchten. 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