{"id":80770,"date":"2020-02-08T00:51:00","date_gmt":"2020-02-07T23:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=80770"},"modified":"2020-02-08T00:51:00","modified_gmt":"2020-02-07T23:51:00","slug":"heute-ist-mittwoch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=80770","title":{"rendered":"Heute ist Mittwoch"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt der neue und wie im Klappentext steht, bisher politischste Roman des 1948 im heutigen Kosovo geborenen und in Kanada lebenden oder gelebt habenden David Albahari, den ich einmal bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/08\/jugoslavija-revisited-iii\/\">&#8220;Literatur im Herbst&#8221;<\/a> kennenlernte und von dem ich &#8220;Die Ohrfeige&#8221; und &#8220;Mutterland&#8221; in meinen Regalen, aber noch nicht gelesen habe.<\/p>\n<p>Im Klappentext steht weiter etwas von &#8220;Schwarzen Humor und erz\u00e4hlerischer Raffinesse mit der vermeintliche Wahrheiten \u00fcber\u00a0 Opfer und T\u00e4ter in Frage gestellt werden&#8221; und es ist wahrhaft ein in sich habender Roman oder Kammerst\u00fcck, f\u00fcr das man etwas Geduld ben\u00f6tigt um sich in es hineinzulassen und nicht in den vermeintlichten Widerspr\u00fcchlichkeiten stecken zu bleiben.<\/p>\n<p>&#8220;Es ist Mittwoch&#8221;, hei\u00dft das Buch, steht auch im Klappentext, weil am Mittwoch ein Mann, der namenlos gebliebene Ich-Erz\u00e4hler, seinen an Parkinson erkrankten Vater in eine Belgrader Klinik zu einem Dr. Stankovic zur Untersuchung bringt und man denkt, aha, das Buch spielt an einem Tag, aber weit gefehlt, denn der Sohn geht auch am Donnerstag mit seinem Vater in die Klinik und sonst an die Donauufer spazieren und versucht da aus ihm seine T\u00e4terschaft im kommunistischen Gewaltregime herauszulocken, beziehungsweise erz\u00e4hlt der Vater sie ihm, weil sie laut Klappentext bei ihren Spaziereng\u00e4ngen einem Mann begegnen, der ihm an seine Vergangenheit erinnern.<\/p>\n<p>Der Sohn ist Ende f\u00fcnfzig, seine Schwester drei Jahre \u00e4lter, geschieden und deren T\u00f6chter, die Zwillinge, Mila und Anka, die deshalb und das geh\u00f6rt wohl zu dem beschriebenen Humor, so hei\u00dfen, weil man leichter zum Abendessen &#8220;Mlilanka, essen fertig!&#8221;, rufen konnte, so da\u00df diese nur in der Wir-Form redeten, was den Gro\u00dfvater reizte.<\/p>\n<p>Jetzt sind die Zwillinge l\u00e4ngst erwachsen, der Sohn ist nach dem Tod, der an Krebs verstorbenen Mutter zum Vater gezogen, um ihm beim Anziehen zu helfen, beziehungsweise zu den besagten Untersuchungen zu bringen und die Mutter hat der Vater, der offenbar, um einiges \u00e4lter als sie war, obwohl das im Buch, glaube ich, nicht explizit erw\u00e4hnt wird, kennengelernt, als er ein junger oder \u00e4lterer Kommandeur war und sie noch Z\u00f6pfe hatte, die sie laut ihm abschneiden oder ihre Unterhose ausziehen sollte.<\/p>\n<p>&#8220;Die Z\u00f6pfe gebe ich nicht her und die Unterhose h\u00e4ngt noch auf der W\u00e4scheleine, weil man sie feucht nicht anhziehen und mit einer schmutzigen auf keine Kommatur gehen soll!&#8221;, sagte die Mutter und hat den Vater, der sie sp\u00e4ter qu\u00e4lt, geheiratet.<\/p>\n<p>Diese Stelle wird, was vielleicht ein wenig ungew\u00f6hnlich ist, dreimal im Buch wiederholt, sp\u00e4ter erfahren wir, der Monolog des Buches gibt das Geschehen nicht chronolisch wieder, da\u00df sie den Vater, der nicht nur bei der Enteignung, die Bauern erscho\u00df und folterte, sondern selber in einem Lager, auf der ber\u00fcchtigten &#8220;nackten Insel&#8221; war, an das ihn jener Unbekannte auf der Promenade erinnerte, verraten hat, in dem sie angab, da\u00df er &#8220;Stalin in den Arsch kroch oder so&#8221;<\/p>\n<p>Jetzt ist aber die Mutter gestorben, der Vater anParinkson erkrankt, die Schwester, deren Gatte ebenfalls ein Ekel war, geschieden und bekocht Vater und Sohn t\u00e4glich, w\u00e4hrend sie sich weigert ihn in seiner Wohnung zu besuchen. Auch so ein Widerspruch.<\/p>\n<p>Es geht um die Frage der Schuld und, wie man es aush\u00e4lt, einen solchen Vater zu haben, das wurde schon erw\u00e4hnt und darum, ob der Parkinson, die Strafe Gottes oder von wem auch immer, f\u00fcr das kommunistische Foltern ist und der schwarze Humor \u00e4u\u00dfert sich auch gleich am Anfang, als der Sohn den Art nach Viagra fragt, weil der Vater dieses nehmen will.<\/p>\n<p>&#8220;Warum nicht?&#8221;, antwortet dieser.<\/p>\n<p>&#8220;Parkonson spricht nicht dagegen, nur der hohe Blutdruck t\u00e4te dieses!&#8221;<\/p>\n<p>So stapfen sie in die Apotheke, die Apothekerin hat nur eine 100 mg Packung. Sie kaufen noch ein paar solche und die Schwester schimpft dann mit dem Sohn, als die Packung in der Manteltasche leer ist, der Sohn geht wieder zu Dr. Stankovic, denn der Vater hat etwas von der Krankenschwester Nadica erzhlt, mit der er gern-<\/p>\n<p>Die lacht dem sohn aus und sagt, sie habe ihn das Wasser f\u00fcr die Tablette gegeben, ihn ins Wartezimmer gesetzt und sp\u00e4ter laut vor den Patienten gefragt, ob er eine Erektion h\u00e4tte?, worauf er err\u00f6tet verschwunden w\u00e4re. Das tut der Vater, dement geworden, um vor seiner Vergangenheit zu fl\u00fcchten, wie der Sohn vermutet oder mit dem Arzt deshalb dar\u00fcber streitet, sp\u00e4ter noch einmal. Denn jetzt will der Sohn ihn in ein Heim \u00fcberstellen, wird aber ein paar Tage sp\u00e4ter aus der Klinik angerufen, da\u00df der Vater w\u00e4hrend der Untersuchungen verschwunden ist.<\/p>\n<p>Ein interessantes Buch in dem man viel \u00fcber die Geschichte Jugolsawien erfahren kann, in einem interessanten Stil geschrieben, den ich sehr empfehlen kann und mir daher wieder vornehme, auch meine anderen Albahari-B\u00fccher, eines habe ich\u00a0 bei unserer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/20\/mit-dem-rad-von-ulm-nach-regensburg\/\">Donauradreise<\/a> vor ein paar Jahren in Ulm bei dem Thalia-Abverkauf, den es dort gab, um einen Euro gekauft, m\u00f6glichst bald zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt der neue und wie im Klappentext steht, bisher politischste Roman des 1948 im heutigen Kosovo geborenen und in Kanada lebenden oder gelebt habenden David Albahari, den ich einmal bei der &#8220;Literatur im Herbst&#8221; kennenlernte und von dem ich &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=80770\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1304,1372,2350,2997,4437,5185],"class_list":["post-80770","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-david-albahari","tag-demenz","tag-geschichtsaufarbeitung","tag-jugoslawien","tag-parkinson","tag-schuld-und-suehne"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80770","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=80770"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/80770\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=80770"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=80770"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=80770"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}