{"id":81564,"date":"2020-03-03T08:00:47","date_gmt":"2020-03-03T07:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=81564"},"modified":"2020-03-03T08:00:47","modified_gmt":"2020-03-03T07:00:47","slug":"middlemarch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=81564","title":{"rendered":"Middlemarch"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/02\/27\/luna-luna\/\">wieder<\/a> ein Buch das f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/02\/19\/preis-der-leipziger-buchmesse\/\">&#8220;Leipziger Buchpreis&#8221;<\/a> nominiert wurde, George Eliots &#8220;Middlemarch&#8221;, die eigentlich Mary Anne Evans hie\u00df und von 1819-1880 in England lebte, also vor kurzem ihren zweihundersten Geburtstag feierte, weshalb es das Buch auch in zwei deutschen Ausgaben, eine von &#8220;dtv&#8221;, eine von &#8220;Rowohlt&#8221; herausgegeben gibt, die von &#8220;Rowohlt&#8221; steht auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/preis-der-leipziger-buchmesse\/\">Nominierungsliste<\/a> und wurde von Melanie Walz \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>In England gilt George Eliot, neben <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/04\/01\/verstand-und-gefuehl\/\">Jane Austen<\/a> wahrscheinlich, als die Klassikerin und das Buch wurde, glaube ich, auch vor kurzem zum &#8220;Buch des Jahres&#8221; oder so gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Ich habe, glaube ich, in der Schule von George Eliot im Englischunterricht geh\u00f6rt, aber bisher noch nichts oder nicht viel von ihr gelesen.<\/p>\n<p>&#8220;Daniel Deronda&#8221; habe ich auf meiner Leseliste und in meinen Regalen und jetzt habe ich mich eineinhalb Wochen durch das \u00fcber tausend Seiten lange Werk gew\u00fchlt. Ich habe die E-Book-Ausgabe gelesen, die fast zweitausenzweihundert Seiten hat, also ein sehr dicker W\u00e4lzer, wo ich mir wieder die Frage stellen kann, wieviele Leser jetzt nach den Neu\u00fcbersetzungen greifen und sich durch das englische Kleinstadtleben von 1830 w\u00fchlen werden? Nicht sehr viele, glaube ich, obwohl es zu empfehlen w\u00e4re, denn diese Mariy Anne Evans war wohl eine sehr emanzipierte Frau, die unverheiratet mit einem verheirateten Mann zusammenlebte oder zumindest mit ihm liiert war, die journalistisch und \u00fcbersetzerisch t\u00e4tig war, von Emily Dickinson und Virginia\u00a0 Woolf sehr gelobt wurde und sich unverhohlen gegen die Unterdr\u00fcckung der Frau einsetzt und das auf eine sehr ironische Art und Weise tut.<\/p>\n<p>&#8220;Middlemarch &#8211; eine Studie \u00fcber das Leben in der Provinz&#8221; hei\u00dft das Buch, das aus acht Teilen besteht und, glaube ich, zuerst als Fortsetzungsroman gedacht war.<\/p>\n<p>Die Hauptprotgonistin ist eine Dorothea, die mit ihrer Schwester Celia bei ihrem Onkel Mister Brooke lebt, der auch ihr Vormund ist. Das Buch beginnt, da\u00df Dorothea den Schmuck der Familie betrachtet, den sie, weil fromm und ernsthaft, nie tragen wird und dann an ihre etwas leichtlebendigere Schwester verteilt. Dann verheiratet sie sich, vielleicht etwas unverst\u00e4ndlich, w\u00fcrde ich sagen, an einen wesentlich \u00e4lteren Gelehrten, einen Pfarrer, der jahrelang an einem Werk arbeitete, das er nie vollenden kann. Er stirbt und hinterl\u00e4\u00dft ein Testament, das beinhaltet, das Dorothea ihr Erbe verliert, wenn sie seinen Cousin Will heiratet, den sie auf der Hochzeitsreise in Rom kennenlernte und sich in ihn verliebte, worauf der kn\u00f6cherne Ehemann eifers\u00fcchtig wurde.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte man es etwas flapsig zusammenfassen. Dorothea schw\u00f6rt sie nie zu verheiraten und tr\u00e4gt, sie ist zu diesemZeitpunkt, glaube ich, einundzwanzig, f\u00fcr eine Zeit die Witwenhaube, wie das damals \u00fcblich war, dann vertauscht sie sich mit einer etwas leichteren und interessiert sich sehr daf\u00fcr, wie sie Gutes tun, ihren Besitz verwalten und sich, wie\u00a0 damals \u00fcblich f\u00fcr die Armen einsetzen kann?<\/p>\n<p>Celia hat inzwischen einen Sir James geheiratet und den kleinen Arthur geboren. Es gibt mehrerer Pfarrer, die wohl damals die Provinz dominierten, den Arzt Dr Lydgate, der aus Paris kommt, vieles ver\u00e4ndern und reformieren will, die Kapitel \u00fcber die Medizin scheinen mir auch sehr modern geschrieben oder \u00fcbersetzt, wird von der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit der Menschen in der Provinz gehindert, hat es schwer eine Praxis aufzubauen und verschuldet sich sehr schnell, weil er die sch\u00f6ne Rosamond, die Tochter des B\u00fcrgermeisters Vincy heheiratet hat, die sehr oberfl\u00e4chig und sehr anspruchsvoll ist, beim Reiten ihr Kind verliert und auch mit Will flirtet oder ihm ihre Liebe gesteht, die er aber, weil in Dorothea verliebt, standhaft vefrweigert.<\/p>\n<p>Ihr Bruder Fred, der eigentlich Pfarrer werden soll, ist auch ein Leichtfu\u00df und verschuldet, wird\u00a0 vom Vater gezwungen fertig zu studieren, aber die Verwalterstochter Mary auch eine der sehr energischen Frauen in dem Buch, in die er verliebt ist, will das nicht, so steigt er in die Fu\u00dfstapfen ihres Vaters und alles wird nach den schon erw\u00e4hnten tausend bis zweitausend Seiten gut, denn Dorothea bricht die Konventionen, heiratet ihren Will, verzichtet auf Besitz und Erbe und noch ein paar andere Personen, wie einen korrupten Banker, der erpresst wird und ein Familiengeheimnis, um Will gibt es auch.<\/p>\n<p>Ein interessantes Buch, das mich manchmal wieder ein bi\u00dfchen an die Courths-Mahler, die ich ja fr\u00fcher viel gelesen habe, erinnert, aber die Stellung der Frau und, die Art wie George Eliot oder ihre \u00dcbersetzerin dar\u00fcber schreibt, ist auch sehr spannend.<\/p>\n<p>&#8220;Ich frage mich, ob irgendein M\u00e4dchen auf der Welt seinen Vater f\u00fcr den besten Mann der Welt halten kann&#8221;, fragt Mary Garth beispielsweise ihren Vater, als er ihr er\u00f6ffnet, da\u00df sie vielleicht doch bald ihren Fred heiraten kann.<\/p>\n<p>&#8220;Unfug deinen Ehemann wirst du f\u00fcr besser halten!&#8221;, antwortet der darauf.<\/p>\n<p>&#8220;Niemals&#8221;, sagte Mary, die in ihren gewohnten Ton zur\u00fcckfiel. &#8220;Ehem\u00e4nner sind eine untergeordnete Klasse von M\u00e4nnern, die man zur Ordnung rufen mu\u00df!&#8221;<\/p>\n<p>Sehr fortschrittlich f\u00fcr das fr\u00fche neunzehnte Jahrhundert, in dem gerade die Eisenbahnen gebaut werden und es daher vorkommt, da\u00df die Bauern, Arbeiter, die gekommen sind das zu tun, zusammenschlagen, weil sie um ihre Zukunft f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Auch sehr aktuell und k\u00f6nnte an die gegenw\u00e4rtigen Zust\u00e4nde und Aufst\u00e4nde erinnern, so da\u00df das Lesen allen, die sich die tausend bis zweitausend Seiten zurtrauen, sehr zu empfeheln ist.<\/p>\n<p>Man brauchte wahrscheinlich einige Zeit dazu, bekommt aber auch einen ausf\u00fchrlichen Anhang, der \u00dcbersetzerin dazu mit, die in das Leben und in die Rezeption einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Motti gibt es zu den siebenundachtzig Kapitel, der acht Teile jeweils auch und Fu\u00dfnoten, die einen auch noch weiter in das fr\u00fche achtzehnte Jahrhundert und in die englische Gesellschaft einf\u00fchren k\u00f6nnen, wenn die bei einem E-Book nur nicht so schwer zu lesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Jetzt kann ich mich an eine andere &lt;neuerscheinung, n\u00e4mlich an <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/08\/lyrik-am-frauentag\/\">Cornelia Travniceks<\/a> &#8220;Feenstaub&#8221; machen und der \u00dcbersetzerin alles Gute f\u00fcr den &#8220;Preis der Leipziger Buchmesse&#8221; w\u00fcnschen und hoffen, da\u00df ich demn\u00e4chst dorthin fahren werde, was ja wegen der Corona-Hysterie die momentan herrscht, nicht so selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt wieder ein Buch das f\u00fcr den &#8220;Leipziger Buchpreis&#8221; nominiert wurde, George Eliots &#8220;Middlemarch&#8221;, die eigentlich Mary Anne Evans hie\u00df und von 1819-1880 in England lebte, also vor kurzem ihren zweihundersten Geburtstag feierte, weshalb es das Buch auch in &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=81564\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[1747,2311,3093,4639],"class_list":["post-81564","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-england-im-neunzehnten-jahrhundert","tag-george-eliot","tag-kategoerie-uebersetzung","tag-preis-der-leipziger-buchmesse"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=81564"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/81564\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=81564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=81564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=81564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}