{"id":82594,"date":"2020-03-28T00:55:24","date_gmt":"2020-03-27T23:55:24","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=82594"},"modified":"2020-03-28T00:55:24","modified_gmt":"2020-03-27T23:55:24","slug":"die-probe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=82594","title":{"rendered":"Die Probe"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt ein Schmankerl aus der Schreibwerkstatt. N\u00e4mlich die urspr\u00fcngliche Szene neunzehn aus dem &#8220;Fr\u00e4ulein No&#8221;,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/01\/von-der-online-autorenmesse-zum-siebenten-nanowrimo\/\"> meinem siebenten &#8220;Nanowrimo&#8221;<\/a>, an dem ich derzeit korrigiere, die im urspr\u00fcnglichen Text nicht mehr drinnen sein wird, weil sie, da ich ja w\u00e4hrend des Wettschreibens zwischen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/07\/buch-wien-2\/\">&#8220;Buch Wien&#8221;<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/10\/von-der-buch-wien-zur-buch-basel\/\">&#8220;Buch Basel&#8221;<\/a> nicht so chronologische geschrieben habe und immer wieder Szenen eingef\u00fcgte, um zu dem geforderten Seitensoll zu kommen, zeitlich und handlungstechnisch nicht mehr hineinpasste und ich sie daher weggelassen habe:<\/p>\n<p>&#8220;Nolantha hatte sich mit Fabian, der, wie, sich eingestehen mu\u00dfte, mit seinen blonden Locken und den meist strahlend blauen Augen einen verf\u00fchrerischen Eindruck auf sie machte, in Johannas Buchhandlung getroffen, um den Dialog zu proben, den die taffe Hanni, die vielleicht auch Schriftstellerin werden wollte, jedenfalls war sie schon mehrmals bei Poetry Slams im Literaturhaus und sogar schon in Innsbruck aufgetreten, verfasst hatte.<\/p>\n<p>&#8220;Gern!&#8221;, hatte Fabian Neumayr, der Sohn eines sehr bekannten Burgschauspielers, der seinen Vater aber nicht leiden konnte, sondern ihn als arroganten Arsch bezeichnete, von der elterlichen Wohnung nach der Matura ausgezogen war und seither mit zwei Freunden in einer WG hauste, zu ihr gesagt, als sie ihn z\u00f6gernd gefragt hatte, ob er mit ihr einen solchen Dialog auff\u00fchren wolle?<\/p>\n<p>&#8220;Sehr gern, denn hier ist es, wie du ebenfalls festgestellt hast, \u00e4u\u00dferst langweilig! Fechten kann ich schon, das hat mir mein Vaterarsch, als Kind immer beibringen wollen und au\u00dferdem will ich kein Burschenschaftler werden, wie dieser FP\u00d6ler, der bei der Diskussion auftrat! Spannend, da\u00df du diese Sandlerin in deinem Cafe kennengelernt hast! Sehr interessant, obwohl mein lieber Vater, jetzt sicher seine Brauen hochziehen, mich mahnend mustern und &#8220;Siehst du, Sohn!&#8221;, in einer Stimme, die er sich von dem einmal so ber\u00fchmten Werner Krau\u00df, seinem gro\u00dfen Vorbild abgeschaut hat &#8220;Das Leben ist es, was wir suchen m\u00fc\u00dfen in der Kunst!&#8221;, deklamieren w\u00fcrde, der von diesem aber, das kann ich dir versichern, keinen Deut versteht!\u00a0 &#8211; Aber das ist wirklich interessant, wenn auch zweideutig, liebste No! Denn wem soll man da zustimmen oder widersprechen? Dieser Sandlerin, die wahrscheinlich eine arme Haut ist und der man, wie ich h\u00f6rte, \u00fcbel mitgespielt hat oder der pakistanischen Studentin, die nat\u00fcrlich recht hat, wenn sie von keiner Sandlerin bespuckt werden will? &#8211;\u00a0 Auch eine taffe Frau und vielleicht sollten wir sie anmailen und ihr von unseren Vorhaben berichten? Vielleicht hat sie Lust mitzumachen? &#8211;\u00a0 Aber nein, erst m\u00fc\u00dfen wir den Dialog erarbeiten, liebste No!&#8221;, hatte er jetzt fast mit einer Krau\u00dfschen Stimme deklamiert und sie dabei verschmitzt angesehen. Denn die beherrschte er ebenfalls sehr gut. War er doch ein perfekter Stimmenimitator, was auch, wie er es sich w\u00fcnschte, der Grund gewesen war, da\u00df er in den hehren Reinhardt-Hallen aufgenommen wurde und dann bedauernd, die Achseln zuckte und wieder h\u00f6chst dramatisch &#8220;Aber ich f\u00fcrchte,\u00a0 liebste No, das dem nicht so war! &#8211; Es war wahrscheinlich schon der ber\u00fchmte Namen meines ebenso ber\u00fchmten Vaterarschs, der mich in das Dilemma brachte, ob ich nicht vielleicht ablehnen soll, weil ich dem alten Herrn keine Protektion verdanken m\u00f6chte! Aber da siehst du gleich, Nolantha, deren Vater sich keine Namen merken konnte, das Leben ist auch ein Arsch und ich bin es vielleicht gleichfalls und inkonsequent, denn ich sitze, statt selbst das Leben zu erfahren, sch\u00f6n brav neben dir im Seminar und mache jeden Unsinn mit!&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Oder du stehst in meines Vaters Buchhandlung, der \u00fcbrigens ein patenter Mann und kein Arsch ist, wie ich betone m\u00f6chte und uns sein B\u00fcro f\u00fcr unsere Proben zur Verf\u00fcgung gestellt hat!&#8221;, warf Johanna ein und zog ihren Dialog heraus.<\/p>\n<p>&#8220;Voila, da sind die kopierten Seiten! Ich habe mir f\u00fcr euch keine M\u00fchen gespart! Ich hoffe, es gef\u00e4llt!&#8221;, setzte sie ein wenig kokett hinzu und sah die Freunde erwartungsvoll an.<\/p>\n<p>&#8220;Selbstverst\u00e4ndlich, gn\u00e4diges Fr\u00e4ulein, das wird es wohl! Ich bin entz\u00fcckt und bedanke mich vielmals!&#8221;, antwortete Fabian im Stil eines Arthur Schnittzler-Helden, verbeugte sich dramatisch und schickte sich an, Johanna einen Handku\u00df zu geben, die lachend &#8220;Du bist ein Spinner und wir sind nicht im Burgtheater!&#8221;, zu ihm sagte.<\/p>\n<p>&#8220;Gehen wir es an und in meinem Dialog mu\u00dft du moderner werden!&#8221;, f\u00fcgte sie hinzu und Nolantha dachte, w\u00e4hrend sie einen Blick auf den blondgelockten Fabi warf, da\u00df er das in seinen knappen Jeans und dem schwarzen Poloshirt, ohnehin war, obwohl er sicherlich auch einen ausgezeichneten &#8220;Anatol&#8221; geben w\u00fcrde, wenn sie erst auf den Burgtheaterbrettern standen, wohin sie h\u00f6chstwahrscheinlich nie kommen w\u00fcrde und Fabian wahrscheinlich auch nur wegen seines Vaters.<\/p>\n<p>&#8220;Gehen wir es an!&#8221;, wiederholte sie, blickte auf die kopierten Seiten, die Johanna vor sie hingelegt hatte und erg\u00e4nzte, da\u00df es eine gute Idee w\u00e4re, mit Fatma Sayjan Kontakt aufzunehmen.<\/p>\n<p>&#8220;Worum geht es eigentlich? Ich f\u00fcrchte, ich habe das Ganze doch nicht so verfolgt, wie ich eigentlich sollte!&#8221;, stand Fabian jetzt schuldbewu\u00dft ein und war in die Gegenwart zur\u00fcckgekommen.<\/p>\n<p>&#8220;Zumindest habe ich die Diskussionen nicht gesehen! Zwei hat es davon schon gegeben und in der zweiten ist dieser Arzt aufgetreten, der auch eine Psychose hat, deshalb seine Praxis verlor und nun in dein Nachtcafe kommt, nicht wahr, Fr\u00e4ulein No?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p>&#8220;So ist es, Harry Krempinsky, mein Chef, der ein guter Freund meiner Gro\u00dfmutter ist, hat ihn gefragt, ob er das machen w\u00fcrde? Und dieser FP\u00d6-Mann hat ihn dann in der Sendung angegriffen und ihn als Psycho geoutet!&#8221;<\/p>\n<p>Er hat sich aber gut gehalten!&#8221;, warf Johanna ein.<\/p>\n<p>&#8220;Und das gesagt, auf das ich auch im Dialog hinweise! Man mu\u00df beide Seiten beachten und zusammenbringen! Die Schimpferin, aus der ich Fabians wegen einen Mann gemacht habe und die der bespuckten Knopftuchfrau, die deine Rolle ist, Nolantha!&#8221;, sagte sie und zeigte mit dem Finger auf die Seiten.<\/p>\n<p>&#8220;Seht ihn euch durch! Ich hoffe, er gef\u00e4llt! Ich habe versucht, wie es auch die Jelinek macht, die Tradition der Klageweiber wieder zu beleben und das Ganze trotzdem\u00a0 in aktuellen Kontext zu stellen! Diese Gerti Schuster, habe ich herausbekommen, soll fr\u00fcher eine bekannte Germanistin gewesen sein und wurde von einem Peter Gruber, der noch vor kurzem Professor an dem Institut war, wo ich studiere, auf mieseste Art hinausgedr\u00e4ngt! Da habe ich Insiderinformationen, die ich auch in den Text eingearbeitet habe! Vielleicht n\u00fctzen sie dieser Gerti etwas, die ich leider nie kennenlernen konnte! Die aber, wie ich geh\u00f6rt habe, eine ausgezeichnete Germanistin gewesen ist, bevor sie auf miese Machoart hinausgedr\u00e4ngt wurde! Dieser Peter Gruber soll auch ein Arsch gewesen sein, wie mir die \u00e4lteren Kollegen zufl\u00fcsterten! Das habe ich auch zum Ausdruck zu bringen versucht und aus der Gerti einen m\u00e4nnlichen Looser mit Asperger-Syndrom gemacht!&#8221;, sagte sie und sah sowohl Nolantha, als auch Fabian erwartungsvoll an, der wieder den Kopf hob und sowohl galant, als auch nonchalant &#8220;Selbstverst\u00e4ndlich, Gn\u00e4 Frau, ihr Wunsch ist mir Befehl! &#8211; Gemmas an, Medames! Und ich kann euch versichern, ich werde ein ausgezeichneter &#8220;Asperger&#8221; mit oder ohne &#8220;Germanistik-Erfahrung&#8221; sein, denn ich war ja in der Schule meines Vaters und der, kann ich euch verraten, ist auch nicht mit den lautersten Mitteln auf die hehre Burgtheaterb\u00fchne gekommen, sondern hat so manche unbedarftere Kollegen sehr sch\u00f6n hinausgedr\u00e4ngt! Von denen ich leider keine Ahnung habe, ob sie deshalb ein Tourette-Syndrom entwickelt haben oder ganz normal, wie das in Wien so \u00fcblich ist, still und leise zu saufen angefangen haben!&#8221;, deklamierte. Dann atmete er aus und griff nach den kopierten Seiten.&#8221;<\/p>\n<p>Neugierig geworden? Dann verweise ich auf das Manuskript an dem ich derzeit korrigiere und das so wie es ausschaut, vielleicht schon bald fertig ist beziehungsweise zum Alfred zur Endkorrigur gehen kann.<\/p>\n<p>Derzeit stehe ich bei neununddrei\u00dfig Szenen, hundertzwei Seiten und 49527 Worten. Die hinausgeschmissene Szene hat mich also unter die f\u00fcnfzigtausend Wortmarke gebracht. Herausgefallen sind auch die vier Anhangszenen, die ich im<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/14\/fertig-mit-dem-nanowrimo-2\/\"> November angef\u00fcgt habe<\/a>, um an die geforderte Wortzahl zu kommen.<\/p>\n<p>Zwei davon habe ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/02\/29\/fatma\/\">Ende Februar<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/01\/sibylle\/\">Anfang M\u00e4rz<\/a> hier schon ver\u00f6ffentlicht, die zwei weiteren die der Dorothea und die des Harry werden wahrscheinlich noch folgen.<\/p>\n<p>Und um einen kleinen Einblick in den Text zu bekommen, hier die Schreibberichte: <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/02\/der-erste-nanowrimotag\/\">1<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/03\/der-dritte-nanowrimotag\/\"> 2<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/04\/oesterreichische-buchpreisverleihung\/\">3<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/05\/zehnter-leo-perutz-preis\/\">4<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/11\/elfter-nanowrimotag\/\">5<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/15\/ausflug-nach-krems-und-fuenfzehnter-nanowrimotag\/\">6<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/17\/marktbesuch-und-geburtstagseinkauf\/\">7<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/18\/50-jahre-wespennest-und-achtzehnter-nanotag\/\"> 8<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/19\/wien-reihe-und-neunzehnter-nanotag\/\">9<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/21\/kafka-wege-in-berlin-und-einundzwanzigster-nanotag\/\">10 <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/24\/anstueckelungsversuche-und-schreibprozessanhang\/\">11<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/27\/centropeworkshop-und-nanoabschlussbericht\/\">12<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/01\/19\/korrigieren-fraeulein-no-und-kein-fruehlingserwachen\/\">13<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/01\/29\/korrigierbericht-und-letztes-semestergegenwartsliteraturworkshop\/\">14<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt ein Schmankerl aus der Schreibwerkstatt. 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