{"id":8260,"date":"2011-08-14T11:15:03","date_gmt":"2011-08-14T09:15:03","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=8260"},"modified":"2011-08-14T11:15:03","modified_gmt":"2011-08-14T09:15:03","slug":"das-fanal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8260","title":{"rendered":"Das Fanal"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt die Besprechung eines besonderen Gustost\u00fcckerls aus dem B\u00fccherschrank meiner Eltern, n\u00e4mlich Ernst Fischers 1946 erschienenes  &#8220;Fanal&#8221;, in dem der 1899 geborene und 1972 gestorbene \u00f6sterreichische Schriftsteller und Politiker &#8220;den Kampf Dimitroffs gegen die Kriegsbrandstifter&#8221; beschreibt.<br \/>\nEs geht um den Berliner Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933, den die Nazis offenbar, um eine Wahl zu gewinnen provozierten und den Kommunisten in die Schuhe schieben wollten.<br \/>\nEs beginnt mit einem Vorwort &#8220;Die V\u00f6lker haben gesiegt. Ein Krieg von apokalyptischen Dimensionen ist zu Ende gegangen&#8221;, das mit &#8220;Erster J\u00e4nner 1946&#8221; datiert ist. Dann wird in sieben Kapiteln Georgi Dimitrow Michajlows, wie er jetzt geschrieben wird, der sp\u00e4ter Ministerpr\u00e4sident Bulgariens war, Sieg gegen die Nazis erz\u00e4hlt.<br \/>\nIm ersten Kapitel wird der Reichstagsbrand geschildert und beschrieben, wer was wann gesehen hat, was die Polizei tat und was G\u00f6ring dazu sagte. Als Schuldige wurden f\u00fcnf Kommunisten gefa\u00dft, der Niederl\u00e4nder Marinus van der Lubbe, der als einziger hingerichtet wurde, der Vorsitzende der KPD-Reichstagfraktion Ernst Torgler und drei Bulgaren, laut Buch wurde vom Kellner und NSDAP Mitglied Helmer, der ein Plakat gesehen hat, &#8220;das f\u00fcr die Entdeckung van der L\u00fcbbes Spie\u00dfgesellen zwanzigtausend Mark Belohnung versprach, angezeigt, da\u00df &#8220;Bolschewiken regelm\u00e4\u00dfig im bayrischen Hof verkehren&#8221;, so da\u00df am 9. M\u00e4rz &#8220;ein gro\u00dfer breitschultriger Mann mit einem dunklen L\u00f6wenhaupt und zwei andre, j\u00fcnger, schm\u00e4chtiger, unscheinbarer, verhaftet wurden.&#8221;<br \/>\nIm zweiten Kapitel &#8220;Der deutsche Imperialismus&#8221; wird der politische Hintergrund erkl\u00e4rt, die n\u00e4chsten   &#8220;Der Mann in Ketten&#8221; &#8220;Dimitroff z\u00fcchtig die Bestie&#8221; &#8220;Der Teufeskreis&#8221; und &#8220;Der Sieg&#8221; beschreiben, wie der 1882 geborene, proletarische Revolution\u00e4r, der in Bulgarien zum Tod verurteilt war und sich deshalb illegal in Deutschland aufhielt, G\u00f6ring l\u00e4cherlich macht, der in &#8220;hohen Stiefeln, die Beine gegr\u00e4tscht, die Arme in die H\u00fcften gestemmt, das stotzende Fleisch von einer SA-Uniform in stramme Haltung gepresst, so steht der preu\u00dfische Ministerpr\u00e4sident und Reichstagspr\u00e4sident Hermann G\u00f6ring im Gerichtssaal&#8221; und die wahren Hintergr\u00fcnde der Tat aufzeigt, so da\u00df er schlie\u00dflich freigesprochen wird und bewiesen hat, da\u00df die Kommunisten keine Brandstifter sind.&#8221;<br \/>\nG\u00f6ring wollte ihn zwar ermorden und lie\u00df ihn nach Berlin, der Proze\u00df fand in Leipzig statt, in die ber\u00fchmten Katakomben der geheimen Staatspolizei bringen, was der Keller der ehemaligen preu\u00dfischen Akademie der K\u00fcnste war, &#8220;die in einem winzigen H\u00e4uschen Zuflucht nehmen mu\u00dfte, w\u00e4hrend in ihrem Geb\u00e4ude ein gro\u00dfes Gef\u00e4ngnis installiert wurde.&#8221;<br \/>\n&#8220;Es war aber die Sowetunion, die ihn den H\u00e4nden des Todes entri\u00df. Am 15. Februar 1934 verlieh sie dem gro\u00dfen Freiheitsk\u00e4mpfer die sowetische Staatsb\u00fcrgerschaft und forderte seine Befreiung. Die deutschen Machhaber wagten nicht, die Forderung abzulehnen. Am 27. Februar wurde Dimitroff im Flugzeug nach der Sowetunion gebracht.&#8221;<br \/>\nIm letzen Kapitel &#8220;Die unausl\u00f6schliche Flamme&#8221; wird der Sieg des Kommunismus noch einmalgepriesen und beschrieben, da\u00df &#8220;am 22. Dezember 1943, zum zehnten Jahrestage des Sieges Dimitroffs vor dem Leipziger Reichsgericht, f\u00fchrende Intellektuelle wie Arturo Toscanini, Albert Einstein, etc in der &#8220;New York Times&#8221; ein Bekenntnis zu der unsterblichen Flamme ablegten, die vor zehn Jahren in Dimitroff ihren todesverachtenden H\u00fcter fand.&#8221;<br \/>\nWas dazwischen und danach passierte, ist bekannt und konnte ich auf meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/12\/wieder-zuruck-aus-dem-urlaub\/\">Polenreise<\/a> zuf\u00e4lligerweise gerade jetzt ein bi\u00dfchen nachvollziehen. Sind wir doch in Gliwize an dem Sender vorbeigefahren, wo am 31. August 1939 mit einer von der SS fingierten Aktion, der zweite Weltkrieg begann und auf der Wolfsschanze und in Mauerwald dem Hauptquartier des Oberkommando des Heeres waren wir auch. Und um Ernst Fischers Euphorie bez\u00fcglich des Siegs des Kommunismus ein wenig zu d\u00e4mpfen, ist noch zu erw\u00e4hnen, der Bau der Berliner Mauer j\u00e4hrte sich gestern zum f\u00fcnfzigsten Mal.<br \/>\nErnst Fischer war seit 1920 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei \u00d6sterreichs, von 1927 &#8211; 1934 Redakteur der Arbeiterzeitung, nach dem Februaraufstand mu\u00dfte er untertauchen und fuhr mit dem Schutzbundzug nach Moskau, wo er im Hotel Lux lebte, 1945 kam er nach \u00d6sterreich zur\u00fcck, wurde Mitglied der KP\u00d6, war in der provisorischen Staatsregierung Renners soetwas wie Unterrichtsminister, gab das Wiener Tagebuch heraus und wurde 1969, als er sich vom &#8220;Panzerkommunismus&#8221; distanierte, von der KP\u00d6 ausgeschlossen. Er war zweimal verheiratet, seine Tochter Marina Fischer &#8211; Kowalski, die Soziologin ist, kennen wir, weil ihr Sohn Boris auch in der freien Schule Hofm\u00fchlgasse war, sie hat auch in dieser Zeit eine Studie \u00fcber Alternativschulen gemacht.<br \/>\nErnst Fischer hat, wie man Wikipedia entnehmen kann, eine Reihe von Werken geschrieben, au\u00dfer dem antiquarischen Gustost\u00fcckerl, habe ich in der Bibliothek meines Vaters noch das im Europa Verlag, 1964 erschienene &#8220;Zeitgeist und Literatur&#8221; gefunden und vor einigen Jahren gelesen. Im Wien habe ich, glaube ich, noch den von Bernhard Fetz herausgegebenen Materialenband \u00fcber sein Leben, den ich bei einem der B\u00fcchert\u00fcrme, die es eine Zeitlang bei der Literatur im M\u00e4rz gegeben hat, fand.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt die Besprechung eines besonderen Gustost\u00fcckerls aus dem B\u00fccherschrank meiner Eltern, n\u00e4mlich Ernst Fischers 1946 erschienenes &#8220;Fanal&#8221;, in dem der 1899 geborene und 1972 gestorbene \u00f6sterreichische Schriftsteller und Politiker &#8220;den Kampf Dimitroffs gegen die Kriegsbrandstifter&#8221; beschreibt. 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