{"id":82643,"date":"2020-03-30T00:36:43","date_gmt":"2020-03-29T22:36:43","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=82643"},"modified":"2020-03-30T00:36:43","modified_gmt":"2020-03-29T22:36:43","slug":"harry","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=82643","title":{"rendered":"Harry"},"content":{"rendered":"<p>In Zeiten der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/23\/corona-tagebuch\/\"> Corona-Krise<\/a> und des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/15\/hassposting-an-corona-oder-veranstaltungsstop-ii\/\">Veranstaltungsstops<\/a>, wieder ein &#8220;Fr\u00e4ulein No-Schmankerl&#8221;, denn ich habe ja noch zwei der vier <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/27\/centropeworkshop-und-nanoabschlussbericht\/\">hinausgeschmissenen Anhangszenen<\/a>, die ich hier vorstellen kann, denn ich war ja am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/14\/fertig-mit-dem-nanowrimo-2\/\">vierzehnten November<\/a> schon mit meiner Gliederung fertig, wu\u00dfte, es werden keine f\u00fcnfzigtausend Worte und bin auf die Idee gekommen, einigen Personen, die im Text keinen eigenen Handlungsstrang hatten, eine eigene Szene zu schenken, eine ist davon der Harry, dem Cafehausbesitzer, der das Ganze \u00fcberspannt, beziehungsweise in seinem Cafehaus alle zusammenbringt und dem habe ich am Schlu\u00df noch eine Krebserkrankung verpasst.<\/p>\n<p>Als ich mit dem Rohtext fertig war, habe ich von den vier Anhangszenen, die keinen direkten Bezug zu der Handlung hatte, die von der Dorothea, die zum Elternsprechtag geht und der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/02\/29\/fatma\/\">Fatma<\/a>, die zum Begr\u00e4bnis der Gro\u00dfmutter nach Teheran fliegt, die ja damals noch eine Iranerin war, hinausgeschmissen und die des Harrys und der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/01\/sibylle\/\">Sibylle<\/a> vorerst drinnen gelassen, dann aber\u00a0 auch weggelassen, weil sie ja keinen direkten Handlungsbezug hatten, beziehungsweise, die Krebserkrankung des Harrys der Handlung eine andere Interpretation gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&#8220;Es ist alles in Ordnung, Henrike&#8221; hatte er am Sonntag zu der alten Freundin gesagt, als er mit ihr an dem mit einer altmodischen wei\u00dfen H\u00e4keldecke, die wohl noch von ihrer Gro\u00dfmutter angefertigt worden war, gedeckten Tisch gesessen war und auf die schon etwas verblasste Tapete im Speisezimmer der alten Grinzinger Villa gesehen hatte, die dringend renoviert geh\u00f6rte, wozu aber das n\u00f6tige Kleingeld fehlte. Die H\u00e4keldecke war aber frischgest\u00e4rkt und in der Mitte stand in einer genauso altmodischen Glasvase, die auch von der Gro\u00dfmutter stammte, seine mitgebrachte Rose. Eine Schachtel &#8220;Lindt-Bonbons&#8221;, die wohl der Schauspielsch\u00fcler mitgebracht hatte und das Gansl mit dem Rotkraut und dem Kartoffelkn\u00f6del, das er Gabel f\u00fcr Gabel in sich hineingeschaufelt hatte, hatte ausgezeichnet geschmeckt.<\/p>\n<p>&#8220;Alles in Ordnung!&#8221;, hatte er gesagt und dachte, w\u00e4hrend er in einer der Abulanzen des Allgemeinen Krankenhauses sa\u00df und auf seinen Onkologen wartete, &#8220;Wie man es nimmt!&#8221;<\/p>\n<p>Die Grinzinger Villa verfiel allm\u00e4hlich und wurde von Henrike nur mit seiner Unterst\u00fctzung halbwegs in Schwung gehalten. So hatte er ihr versprochen, sich im Fr\u00fchjahr, um das Dach\u00a0 zu k\u00fcmmern und auch die Zimmer im Erdgescho\u00df und im ersten Stock auszumalen und sie hatte ihn\u00a0 dankbar angesehen.<\/p>\n<p>&#8220;Gilt das auch f\u00fcr die Psychotante, die \u00fcbrigens eine patente Person zu sein scheint. Ich habe mich vor der Vorstellung, um in die richtige Stimmung hineinzukommen, ein wenig mit ihr unterhalten!&#8221;, hatte der Schauspielersohn gefragt und dabei angestrengt an seiner G\u00e4nsekeule genagt.<\/p>\n<p>&#8220;Wirklich ausgezeichnet ist dir der Braten gelungen, Henrike!&#8221;, hatte er gelobt, bevor er die an ihm gestellte Frage beantwortet hatte.<\/p>\n<p>&#8220;Ist sie, junger Mann, wenn\u00a0 vielleicht auch ein wenig schwierig! Hat das Leben sie doch ein bi\u00dfchen mehr, als die meisten anderen gebeutelt! Sie ist aber, wie ich mich \u00fcberzeugen konnte, ein Stehaufm\u00e4nnchen oder besser Frauchen, um politisch korrekt zu gendern, das sich nicht unterkriegen l\u00e4\u00dft, sondern es immer wieder neu probiert, so oft sie auch auf den Boden geworfen wird!&#8221;, hatte er an seinem G\u00e4nsebein kauend gesagt und sich die Frage gestellt, wie das wohl bei ihm w\u00e4re? Dann &#8220;Wirklich ausgezeichnet!&#8221;, wiederholt und No versichert, da\u00df seines Wissens nach alles in Ordnung sei!<\/p>\n<p>&#8220;Wenn ihr nach der Vorstellung nicht so schnell gefl\u00fcchtet w\u00e4rt, h\u00e4ttet ihr euch davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnen! Die Anzeige ist zur\u00fcckgezogen, Fatma Sayjan hat sich entschuldigt und eine Nichte ist aufgetaucht, die sich, um die Tante k\u00fcmmern will!&#8221;, hatte er verk\u00fcndet und war sich sicher, da\u00df absolut nichts in Ordnung war, er aber nicht wu\u00dfte, wie er das der alten Freundin beibringen sollte, die ihm zwar zu durchschauen schien, merkte er doch, da\u00df sie immer wieder nachdenklich zu ihm hin\u00fcbersah, beibringen konnte, da\u00df er laut Auskunft seines Arztes, der ein hochspezialisierter Onkologe war und kein Allgemeinmediziner, wie Ulrich Blumenbach, nur mehr ein paar Monate zu leben hatte, weil der Krebs seinen K\u00f6rper und seine Prostata schon sehr angeknabbert hatte, wie er das vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren, bei ihrem Walter getan hatte, den sie immer noch\u00a0 mit ihrem Setter jeden Tag an seinem Grab besuchte. Er hatte es ihr nicht sagen k\u00f6nnen, die sich freute,\u00a0 da\u00df das Dach im Fr\u00fchling, endlich ausgebessert wurde. So da\u00df es nicht mehr hineinregnen konnte, wie es jetzt gelegentlich geschah. Ihr nicht sagen, da\u00df er nicht versichern konnte, da\u00df er dann noch am Leben und so fit war, auf der Leiter herumzuklettern und die Arbeiten, die er von ihr versprochen hatte, auszuf\u00fchren. Zwei Wochen bevor ihm der Onkologe mit besorgten Gesicht mitgeteilt hatte, da\u00df es sehr ernst und mit dem Befund nicht zu spa\u00dfen war, hatte er ihr das versprochen und sie hatte sich, wie ein Kind gefreut und ihr Gesicht hatte gestrahlt, als sie &#8220;Dann wird doch noch etwas aus der Villa und ich brauche nicht zu f\u00fcrchten, da\u00df sie \u00fcber uns zusammenkracht und uns begr\u00e4bt!&#8221;, zu ihm sagte.<\/p>\n<p>&#8220;Ich danke dir vielmals lieber Harry und werde mir auch \u00fcberlegben, den Kr\u00fcmel doch in einen Theodor oder einen Heinrich umzunennen, um dich nicht zu \u00e4rgern!&#8221;, hatte sie versprochen und ihn, wie sie sich zu erinnern glaubte, am Sonntag fragend angesehen, als ob sie etwas von seiner Spannung und seinen Sorgen, die ihn seither plagten, ahnte. Er konnte es ihr aber nicht sagen, f\u00fcrchtete er doch, da\u00df sie die Nachricht nicht aushalten,sondern dar\u00fcber zusammenbrechen w\u00fcrde, wie sie es beim Tod ihres Walters und dem ihrer Tochter fast getan hatte. Damals hatten sie zuerst Martha und sp\u00e4ter die kleine Enkeltochter davon abgehalten. Jetzt\u00a0 war aber Nolantha erwachsen und w\u00fcrde sie mit ihrem Schauspielerfreund wahrscheinlich verlassen, wie er es auch bald tun w\u00fcrde, so da\u00df sie in der bauf\u00e4lligen Villa mit ihrem Hund ind ihren Toten alleine blieb. Er hatte es nicht geschafft, sondern getan, als w\u00e4re alles in Ordnung, wie er ihr an diesem Sonntag, wie eine Marionette immer wieder versichert hatte, obwohl sie es ihm nicht zu glauben schien. Deshalb hatte er auch Ulrich Blumenbach gefragt, ob er sich nicht um die Junkies und die Nutten, die regelm\u00e4\u00e4\u00dfig im Cafe auftauchten, k\u00fcmmern konnte, was aber ein Vorwand\u00a0 war, denn wenn er ehrlich war, hatte er es deshalb getan, um einen Arzt im Haus zu haben, wenn es ihm schlecht ging und er vielleicht zusammenbrach, hatte er bei Henrike gedacht und nach dem Glas gegriffen, um einen Schluck von dem mitgebrachten Wein zu trinken und sich von den d\u00fcsteren Gedanken abzulenken, die in seinem Kopf routierten und nicht zu vertreiben waren.<\/p>\n<p>&#8220;Alles in Ordnung, Oma!&#8221;, hatte auch No best\u00e4tigt und nach einer der Bonbons gegriffen, nachdem sie ihre G\u00fcnsekeule und den Pudding, den es zum Dessert gab, gegessen hatte.<\/p>\n<p>&#8220;Gerti Schuster wird vielleicht zu ihrer Tante ziehen\u00a0 Harry hat uns einen Hausarzt engagiert, der jetzt Abend f\u00fcr Abend zu uns kommt und ich und der Fabi werden das St\u00fcck demn\u00e4chst in Graz\u00a0 auff\u00fchren und dir Oma, geht es auch sehr gut, nicht wahr?, hatte sie noch wissen wollen, bevor sie in die K\u00fcche verschwunden war, um dort Kaffee zu kochen und er hatte keine Antwort gegeben. Hatte das nicht \u00fcber sich gebracht, obwohl er es wahrscheinlich mu\u00dfte, weil er die alte Freundin, die ihm, als es ihm schlecht gegangen war, wieder aufgerichtet hatte, nicht unvorbereitet verlassen sollte, dachte er und seufzte auf, w\u00e4hrend sein Blick durch die Amublanzr\u00e4ume und \u00fcber die anderen Patienten glitt, die wohl ebenfalls auf ihre Diagnose wartend, auf den orangen Plastiksesseln Platz genommen hatten. Vielleicht sollte er mit Ulrich Blumenbach dar\u00fcber sprechen, wie er es Henrike beibringen k\u00f6nnte, dachte er und war erleichtert, da\u00df ihm dieser Einfall gefallen war. Denn der war ein guter Arzt, dem es, weil sein Lebensmensch zu ihm zur\u00fcckgekommen war, auch wieder besser zu gehen schien. Professor Wagner, der ihm demn\u00e4chst etwas von Chemo- und Strahlentheraphie vorschwatzen w\u00fcrde, der er sich unterziehen sollte, k\u00f6nnte er nat\u00fcrlich gleichfalls fragen, dachte er und stand auf, weil sein Name auf der Anschlagtafel aufleuchtete und er ins Besprechungszimmer gerufen wurde.&#8221;<\/p>\n<p>Die hinausgestrichene Szene neunzehn mit den Schreibberichten gibt es <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/28\/die-probe\/\">hier zu lesen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten der Corona-Krise und des Veranstaltungsstops, wieder ein &#8220;Fr\u00e4ulein No-Schmankerl&#8221;, denn ich habe ja noch zwei der vier hinausgeschmissenen Anhangszenen, die ich hier vorstellen kann, denn ich war ja am vierzehnten November schon mit meiner Gliederung fertig, wu\u00dfte, es &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=82643\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[2152,2636,4167],"class_list":["post-82643","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-textbeispiel","tag-fraeulein-no","tag-hinausgeschmissene-szene","tag-nanowrimo-2019"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82643","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=82643"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/82643\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=82643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=82643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=82643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}