{"id":82732,"date":"2020-04-01T00:39:30","date_gmt":"2020-03-31T22:39:30","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=82732"},"modified":"2020-04-01T00:39:30","modified_gmt":"2020-03-31T22:39:30","slug":"dorothea","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=82732","title":{"rendered":"Dorothea"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Dorothea Hartinger hatte heute &#8220;Elterndienst&#8221;, wie Bruno, das zu nennen pflegte. Das hei\u00dft, sie war an der Reihe zum Elternsprechtag in der Schule zu erscheinen, wo die Zwillinge in die erste Klasse gingen. Es war eine ganz gew\u00f6hnliche Volksschule, die n\u00e4chst gelegene im Wohnsprengel, die Antonia und Jakob besuchten. Darauf hatte sie Wert gelegt, obwohl Bruno sie in der letzten Zeit \u00f6fter darauf ansprach und &#8220;Glaubst du wirklich, da\u00df das eine gute Idee ist? Vielleicht sollten wir dar\u00fcber sprechen, denn wenn man das glaubt, was man so in den Zeitungen liest, k\u00f6nnen einen schon Bedenken kommen, ob sie da nicht unterfordert sind und vielleicht sogar Verhaltensauff\u00e4lligkeiten bekommen!&#8221;, zu ihr mit besorgter Stimme sagte.<\/p>\n<p>Dorothea hatte ihn da immer emp\u00f6rt angeblinzelt und &#8220;Ich dachte, Bruno, du bist ein aufgeschlossener\u00a0 Mensch, der sich, um diese ausl\u00e4nderfeindlichen Debatten nicht k\u00fcmmert und seine Kinder nicht in die elit\u00e4ren Privatschulen schicken will oder habe ich mich get\u00e4uscht?&#8221;, eingeworfen.<\/p>\n<p>Da hatte er den Kopf gesch\u00fcttelt und &#8220;Nat\u00fcrlich nicht, Doro!&#8221;, geantwortet. &#8220;Sonst w\u00e4re ich nicht Anwalt geworden und h\u00e4tte nicht so viele Asylwerber unter meinen Klienten! Aber ich m\u00f6chte, da\u00df die Kinder lesen und schreiben lernen, sowie sp\u00e4ter studieren k\u00f6nnen und die Toni hat mir gestern emp\u00f6rt von einem Jungen erz\u00e4hlt, der ihr das Essen einer Schinkensemmel verbieten wollte, beziehungsweise sie &#8220;Bl\u00f6des Schwein!&#8221;, genannt hat, weil das nicht halal w\u00e4re &#8220;Und das will ich nicht, da\u00df meine Kinder gemobbt werden und die Toni vielleicht aufgefordert wird, ein Kopftuch aufzusetzen, weil sich das f\u00fcr eine anst\u00e4ndige Frau so geh\u00f6rt!&#8221;&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Dabei hast du Fatma Sajyan vertreten, das hei\u00dft, nein, die war nicht deine Klientin! Du warst der Anwalt, der angeblichen Bespuckerin, aber die ist auch eine sozial schwache Frau und geh\u00f6rt eigentlich in mein Revier!&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Nat\u00fcrlich, Doro!&#8221;, hatte Bruno vers\u00f6hnlich geantwortet und sie an sich gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>&#8220;So ist es und schau nicht so b\u00f6s! Ich meine nur! Nat\u00fcrlich will ich noch immer nicht meine Kinder in elit\u00e4re Privatschulen schicken und werden weiterhin Fl\u00fcchtlinge und Au\u00dfenseiter vertreten! Aber den Kindern m\u00f6chte ich auch nicht schaden! Das verstehst du sicher und bist auf meiner Seite! Also schau dich um, wenn du in die Schule gehst! Mach die Augen auf und du kannst mir danach davon berichten!&#8221;<\/p>\n<p>Das tat sie auch, als sie jetzt zwischen zwanzig anderen M\u00fcttern und nur einem einzigen Vater, die Emazipation schien sogar in dem angeblich noblen neunten Bezirk, in dem sie mit Bruno und den Kindern in einer Altbauwohnung in\u00a0 der W\u00e4hringerstra\u00dfe lebte, Halt gemacht zu haben und sie gestand sich auch ein, da\u00df es die\u00a0 Gegend war, die sie veranla\u00dft hatte, die Kinder in der Seegasse einzuschreiben. Wenn sie in Margareten oder Ottakring wohnen w\u00fcrden, w\u00e4re es vielleicht anders gewesen. Aber in AKH-N\u00e4he, hatte sie gedacht, k\u00f6nnte sie die Kinder in eine \u00f6ffentliche Volksschule schicken, um sie nicht von der Wirklichkeit auszuschlie\u00dfen. Sah\u00a0 sich jetzt in einer Reihe von Kopftuch tragenden Frauen sitzen, sch\u00fcttelte aber, ob dieser Gedanken gleich den Kopf und dachte &#8220;Es ist trotzdem fortschrittlich, da\u00df die Frauen in die Schule kommen! Habe ich doch geh\u00f6rt, da\u00df es bei den Muslimen, die M\u00e4nner sind, die das tun, weil sie die Frauen nicht aus dem Haus gehen lassen oder die sich das nicht zutrauen und dann wieder \u00c4rger erregen, weil sie der Lehrerin nicht die Hand geben oder die nicht als solche anerkennen!&#8221; und bemerkte nun, da\u00df der einzige Mann in der Runde tats\u00e4chlich Syrier oder T\u00fcrke zu sein schien. Ob er der Lehrerin, einer Frau Silvia Reiter, die Hand gegeben oder sie verweigert hatte, konnte sie nicht sagen. Das hatte sie nicht gesehen und die Lehrerin, die sie sehr freundlich begr\u00fc\u00dft hatte und &#8220;Willkommen, Frau Doktor Hartinger! Setzen Sie sich nur! Ich hoffe, die Kinderst\u00fchlchen sind f\u00fcr sie nicht zu unbequem!&#8221;, machte auch nicht den Eindruck, als w\u00fcrde sie sich unterdr\u00fccken lassen, sondern wirkte mit ihren kurzen Pagenschnitt, den hennarotgef\u00e4rbten Haaren und ihrer Baumwollbluse, ebenfalls sehr fortschrittlich, die sich dar\u00fcber zu freuen schien, da\u00df sie\u00a0 die Kinder in ihre Klasse gegeben hatte, was den Klassendurchschnitt und das Image sicherlich erh\u00f6hte, wenn sie sagen konnte &#8220;Ich habe eine \u00c4rztin und einen Anwalt unter meinen Klasseneltern!&#8221;<\/p>\n<p>Die anwesenden M\u00fctter schienen diese Berufe nicht auszu\u00fcben, wie sie sch\u00e4tzen w\u00fcrde, obwohl sich au\u00dfer einigen asiatisch aussehenden Frauen und einigen Serbinnen, wie sie sch\u00e4tzen w\u00fcrde, auch \u00f6sterreichische\u00a0 Frauen befanden und die hoben gleich die Hand und erkundigten sich, ob es wahr w\u00e4re, da\u00df heuer die Nikolofeier ausfallen w\u00fcrde, weil man den muslimischen Kindern den heiligen Mann nicht zumuten k\u00f6nne und sie sich vor dem Krampus f\u00fcrchten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&#8220;Und das will ich nicht!&#8221;, sagte jetzt eine hagere Frau in einem schwarzen Rock und einer schwarzen Bluse energisch, an deren Aussprache Dorothea,\u00a0 den polnischen Dialekt erkannte.<\/p>\n<p>&#8220;Meine Katinka soll christlich erzogen werden und ich will auch ein Weihnachts- und kein Winterfest!&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Aber den Christlindlmarkt zu besuchen, ist vielleicht gef\u00e4hrlich? H\u00f6rt man doch so viel von den terroristischen Anschl\u00e4gen, die da passieren!&#8221;, warf eine andere Frau ein und ehe Dorothea\u00a0 &#8220;Bl\u00f6dinn!&#8221;, sagen und einwerfen konnte, da\u00df sie\u00a0 auch den Nikolo w\u00fcnsche nicht nicht wollte, da\u00df Antoia wegen einer Schinkesemmel angep\u00f6belt\u00a0 wurde, es ihr aber egal war, ob es Weihnachts-oder Winterfest hei\u00dfe, da sie ohnehin nicht katholisch und die Zwillinge nicht getauft waren, mischte sich Silvia Reiter ein und sagte in\u00a0 breiten Wiener Dialekt &#8220;Keine Sorge, liebe M\u00fctter, lieber Vater! Zu uns kommt der Nikolo und ein Christkindlmarktbesuch ist geplant, weil sich die Kinder darauf freuen! Aber keine Angst, das Rathaus hat uns versichert, da\u00df er gut gesichert ist, so da\u00df man unbesorgt einen Schulausgang dorthin machen kann! Und die Antonia und der Jakob halten sich sehr gut! Sie sind unsere Mustersch\u00fcler und wir freuen uns sehr, da\u00df wir sie in der &lt;klasse haben!&#8221;, erkl\u00e4rte sie an sie gewandt und f\u00fcgte, als w\u00fcrde sie den Einwand des muslimischen Vaters bef\u00fcrchten, hinzu &#8220;Was f\u00fcr den Mo, wie wir den Mohamed nennen, auch gilt, Herr Pashmir! Er bekommt auch kein Schweinefleisch! Da achtet die K\u00fcche sehr darauf, da\u00df das nicht passiert, obwohl wir f\u00fcr die Ganztagskinder drei Menus zur Auswahl haben, so da\u00df sich jeder aussuche kann, was er mag und wenn Sie rechtzeitig, die Men\u00fcs bestellen, brauchen Sie nicht in Sorge sein!&#8221;<\/p>\n<p>Dorothea fiel wieder Brunos Frage ein und \u00fcberlegte, ob sie es Silvia Reiter antun k\u00f6nne, die Kinder abumelden, die sich in der schule trotz der &#8220;Schwein-Beschimpfung&#8221;, die Antonia widerfahren war, wohlzuf\u00fchlen schienen und ihre Freunde hatten und, als sie sp\u00e4ter im Einzelgespr\u00e4ch, nachdem sich die Runde aufgel\u00f6st hatte und die meisten Eltern nach Hause gegangen waren, die Lehrerin danach fragte, beziehunsweise ihr die Geschichte mit der Schinkelsemmel erz\u00e4hlte, sch\u00fcttelte die den Kopf und wiederholte wieder &#8220;Keine Sorge, Frau Doktor Hartinger! Es stimmt schon, da hat der Ali, die Toni ein wenig angerempelt! Das hat er wohl zu Hause so geh\u00f6rt, aber keine Angst! Die Toni ist ein starkes M\u00e4dchen und hat sich gewehrt! Ich d\u00fcrfte Ihnen das vielleicht gar nicht sagen! Aber sie hat ihn w\u00fctend angefunkelt und &#8220;Spinnst du?&#8221;, gefragt. &#8220;Ich lasse mir von dir nicht vorschreiben, was ich esse und ein Kopftuch werde ich mir auch nicht aufsetzen, da ich keine Muslimin bin!&#8221;, und dann hat sie zugeschlagen.\u00a0 Aber bevor ich mich einmischen und sie ermahnen konnte, hat sie sie dem Ali ihre Schikensemmel hingesteckt und\u00a0 &#8220;Tut mir leid, entschuldige!&#8221;, gesagt. &#8220;Willst du nicht einmal probieren?\u00a0 Sie schmeckt sehr gut und ich wei\u00df gar nicht, was du gegen Schinken hast? Ich esse ihn jedenfalls sehr gern!&#8221; Und wissen Sie, Frau Doktor Hartinger, da habe ich gesehen, wie es in seinem Augen aufgeblitzt hat und er gerne zugebissen h\u00e4tte, wen er sich nicht vor dem Mo und dem Hassan, die daneben standen und ihn anstarrten, geniert h\u00e4tten!&#8221;, sagte Silvia Reiter und nickte ihr schelmisch zu, bevor sie sich Frau Wysocki zuwandte, auch eine Frage an sie hatte.&#8221;<\/p>\n<p>So das war jetzt die vierte hinausgeschmissene Anhangszene, die ich im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/27\/centropeworkshop-und-nanoabschlussbericht\/\">November<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/01\/von-der-online-autorenmesse-zum-siebenten-nanowrimo\/\">meinen siebenten &#8220;Nanworimo&#8221;<\/a> angef\u00fcgt habe, um die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/11\/14\/fertig-mit-dem-nanowrimo-2\/\">geforderte Wortanzahl zu kommen.<\/a><\/p>\n<p>Die Szenen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/02\/29\/fatma\/\">&#8220;Fatma&#8221;<\/a>, &#8220;Harry&#8221; , <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/01\/sibylle\/\">&#8220;Sibylle&#8221;<\/a> sind hier zu finden, sowie die fr\u00fchere <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/28\/die-probe\/\">Szene neunzehn<\/a>, die in den Text, der derzeit hundertzwei Seiten, neununddrei\u00dfig Seiten und derzeit 49527 Worte hat, nicht mehr enthalten ist, so da\u00df man sich jetzt schon einen kleinen Einblick machen oder zumindestens die handelnden Personen kennenlernen kann.<\/p>\n<p>Ich bin ja derzeit sehr am Korrigieren, hoffe bald fertig zu werden, so da\u00df mein <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/buecher.html\">achtundvierzigsten<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/20\/indie-bucher\/\">Selbstbemachtes<\/a> bald erscheinen kann. Vorher soll ja das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/06\/10\/das-zweite-literaturgefluesterbuch\/\">zweite &#8220;Literaturgefl\u00fcsterbuch&#8221;<\/a>&#8211; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/01\/06\/mein-schreiben-meine-buecher\/\">&#8220;Mein Schreiben-meine B\u00fccher&#8221;<\/a> fertig werden und ich hoffe nur, da\u00df es dann den &#8220;Digitaldruck&#8221; noch gibt, so da\u00df die B\u00fccher erscheinen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bis dahin fordere ich auf in die Blogartikel hineinzuschm\u00f6ckern, das erste <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/09\/literaturgefluster-texte-buch\/\">&#8220;Literaturgefl\u00fcsterbuch&#8221;<\/a> ist auch im Blog zu finden und die Kurzgeschichtenerz\u00e4hlung <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/07\/11\/das-challenge-fortsetzungsgeschichtenprojekt\/\">&#8220;Besser sp\u00e4t als nie&#8221;<\/a> sowie auch einige Artikel aus der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/12\/30\/leben-ist-mehr-impulse-fuer-jeden-tag\/\">&#8220;Nika, Weihnachtsfrau&#8221;<\/a>, aber das passt derzeit nicht zum sch\u00f6nen Wetter und nicht zur Jahreszeit.<\/p>\n<p>Wer\u00a0 mehr von meinem Schreiben wissen will, kann sich auch auf meiner <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">Website<\/a> umsehen und eventuell bei mir bestellen oder sich\u00a0 die Videos anh\u00f6ren, die es von meinen Lesungen gibt.<\/p>\n<p>Da habe ich ja einmal im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/05\/lesung-mit-rudolf-lasselsberger\/\">El Speta<\/a> aus meiner <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oG9EGa10BdY\">&#8220;Frau auf der Bank&#8221;<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=24GsuDmokD4\">&#8220;Wiedergebornen&#8221;<\/a> gelesen und einmal vor dem offenen B\u00fccherschrank aus der <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/44327229\">&#8220;Mimi&#8221;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Dorothea Hartinger hatte heute &#8220;Elterndienst&#8221;, wie Bruno, das zu nennen pflegte. 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