{"id":83288,"date":"2020-04-11T00:00:31","date_gmt":"2020-04-10T22:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=83288"},"modified":"2020-04-11T00:00:31","modified_gmt":"2020-04-10T22:00:31","slug":"im-glasberg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=83288","title":{"rendered":"Im Glasberg"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit der Lyrik, in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/05\/ostern-in-coronazeiten\/\">Zeiten, wie diesen<\/a> sicher ein guter Tip, sich vermehrt damit zu besch\u00e4ftigen und &#8220;Sch\u00f6ffling &amp; Co&#8221;, der ja offenbar ein gutes H\u00e4ndchen daf\u00fcr hat, hat neben seinem &#8220;Jahrbuch&#8221; auch noch einen Extraband mit Gedichten, der 1981 geborenen und in Berlin lebenden Nadja K\u00fcchenmeister herausgebracht, von der es im gleichen Verlag auch schon zwei andere B\u00e4nde, n\u00e4mlich &#8220;Alle Lichter&#8221;,2014 erschienen und &#8220;Unter dem Wacholder&#8221;, die mir trotz aller <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/04\/24\/lyrikfestival-dichterloh\/\">Lyrikfestivals<\/a> der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/06\/27\/poliversale-mit-literarischer-erleuchtung-und-kanadischen-star\/\"> &#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> und dem Lyrikmonat in der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/05\/zwei-lyrikbaende-in-der-gesellschaft\/\"> &#8220;Gesellschaft&#8221;<\/a> bisher verborgen geblieben ist.<\/p>\n<p>&#8220;Die Gedichte sind zart und schonungslos zugleich. Nadja K\u00fcchenmeister versteht es, Stimmungsbilder zu erzeugen, die uns nicht mehr loslassen&#8221;,steht im Klappentext. Das schmale hundert Seiten B\u00e4ndchen hat einen dunklenblauen Umschalg auf dem eine Mondscheibe gl\u00e4nzt und einige Abteilung.<\/p>\n<p>Das Titelgedicht &#8220;im glasberg&#8221;, gibt es auf den ersten Seiten zu lesen, dann gehts zur &#8220;hellen mitte&#8221;:<\/p>\n<p>&#8220;ich rauke durch die stadt, entlang des strangs, diebahn bleibt in der bahn, ich rauke mich heran ans wuhletat zwanzig winter weit verdammt, und ichb in wieder da&#8221;.<\/p>\n<p>Interessant finde ich das Wort &#8220;rauke&#8221; oder &#8220;rauken&#8221;, das mir bisher unbekannt gewesen ist. Das Gedicht hat f\u00fcnf Teilgedichte, dann gehts zu den &#8220;wurzeln&#8221; und hier zu &#8220;am grund&#8221;:<\/p>\n<p>&#8220;an der w\u00e4scheleine keine w\u00e4scheklammern wo eine Pf\u00fctze war, war keine pf\u00fctze mehr wo keine b\u00e4ume standen, standen b\u00e4ume&#8221;.<\/p>\n<p>Und zu den &#8220;wurzeln&#8221; ist vielleicht noch hinzuzuf\u00fcgen:<\/p>\n<p>&#8220;nach hause gehen: ich z\u00e4hle deine hemden, socken, unterhosen, entwirre die kabel unter dem tisch, schwarze wurzeln, die keinen anfang und kein ende haben.&#8221;<\/p>\n<p>Dann gehts in den &#8220;mittelfellraum&#8221;. Die n\u00e4chste Abteilung hei\u00dft &#8220;wenn ich dir nur einen brief&#8221;, da fehlt was, w\u00fcrde der strenge Sprachkomissar jetzt wohl vermelden, aber Dichtung kommt ja vom verdichten und wir treffen hier auch gleich das uns schon vom &#8220;Jahrbuch&#8221; bekannte Raupengedicht an.<\/p>\n<p>&#8220;lange nicht gesehen, rauperich, ich habe aufger\u00e4umt getr\u00e4umt: ich war so weniglich, du wast so rauperich noch mal deine briefe gelesen, jedes wort vergiss mein nicht&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;die helle seite des mondes&#8221; gibt es nat\u00fcrlich auch, bevor es an &#8220;das tr\u00f6deln am rand kleiner stra\u00dfen&#8221;, geht.<\/p>\n<p>Bei &#8220;resopal&#8221; geht es um die &#8220;schwarze w\u00e4sche&#8221;:<\/p>\n<p>&#8220;und dann die w\u00e4schest\u00fccke, die immer schwarz und immer w\u00e4sche waren, und hecke und ein blick voll hecke&#8221;, bevor es in der &#8220;dunklen mitte&#8221; zum Gedicht, wie ich meine, der Stunde geht, das ich gerne <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">in Zeiten, wie diesen<\/a> unseren Entscheidungstr\u00e4gern ins Stammbuch schreiben oder an die Stirn heften w\u00fcrde:<\/p>\n<p>&#8220;man spricht von tagen, spricht von wochen sprich von monaten, wer spricht von jahren? verbandswechsel, darauf kommt jetzt alles an<\/p>\n<p>lass das licht an, lass den ton an, lass mal bitte einen fachmann ran an dein organ. leben ist keine saubere sache. schlaf gut, ordensmann.&#8221;<\/p>\n<p>Schade, da\u00df ich keine Lyrikerin bin, so h\u00e4tte ich das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/23\/corona-tagebuch\/\">Gebot der Stunde<\/a> auch gern zusammengefa\u00dft und dann gehts schon an das Ende, wo Nadja K\u00fcchenmeister, &#8220;es beginnt, wo es endet&#8221;, schreibt.<\/p>\n<p>&#8220;es beginnt immer hier, im fr\u00fchjahr, in der warmen luft es beginnt mit einem atemzug und so endet es<\/p>\n<p>bleibst du, bis du wieder gehst, und es endet ohne t\u00fcr&#8221;, und ich habe eine sehr interessante Stimme, die in der bei den modernen Lyrikerin wohl \u00fcblichen Kleinschreibung und in feinen zarten Zeilen die Welt erkl\u00e4rt und die mich, was ich gar nicht so erwartet habe, sehr beeindruckt hat, die ich mir sicher merken werden und auch hoffe, sie m\u00f6glichst bald vielleicht in der &#8220;Alten Schmiede&#8221;, der &#8220;Gesellschaft&#8221; oder im Literaturhaus pers\u00f6nlich kennenzulernen, wenn es dort wieder<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/15\/hassposting-an-corona-oder-veranstaltungsstop-ii\/\"> Veranstaltungen<\/a> gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit der Lyrik, in Zeiten, wie diesen sicher ein guter Tip, sich vermehrt damit zu besch\u00e4ftigen und &#8220;Sch\u00f6ffling &amp; Co&#8221;, der ja offenbar ein gutes H\u00e4ndchen daf\u00fcr hat, hat neben seinem &#8220;Jahrbuch&#8221; auch noch einen Extraband mit &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=83288\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[3765,4154,5058],"class_list":["post-83288","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-lyrik","tag-nadja-kuechenmeister","tag-schoeffing-co"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83288\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}