{"id":8346,"date":"2011-08-19T11:17:19","date_gmt":"2011-08-19T09:17:19","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=8346"},"modified":"2011-08-19T11:17:19","modified_gmt":"2011-08-19T09:17:19","slug":"mulatten-in-gelben-sesseln","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8346","title":{"rendered":"Mulatten in gelben Sesseln"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das letzte Buch, das ich mir bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/07\/07\/bucher-bucher\/\">Thalia 2008 aus der Schn\u00e4ppchenkiste<\/a> gezogen habe und es gibt auch Antwort auf die Frage nach welchen Kriterien ich mir die B\u00fccher aus den Kisten ziehe. Bei mir ist es der bekannte Name, der mich interessiert und von Harald Schmidt hatte ich auch als Nichtdeutsche und Nichtfernseherin offenbar schon etwas geh\u00f6rt, wenn ich dann auch ein bi\u00dfchen \u00fcber den Nonsense-Stil im ersten Teil, den Tageb\u00fcchern 1945 &#8211; 52, stolperte, denn die sind eindeutig eine Mogelpackung, bekommt man doch nicht was drauf steht.  Harald Schmidts Autobiographie kann das nicht sein, was da beschrieben wurde, ist der ja, wie ich Wikepedia entnehme, 1957 in Neu-Ulm geboren und ein deutscher Schauspieler, Kabaretist, Kolumnist, Entertainer und im &#8220;N\u00e4chtlichen Angebot&#8221; steht etwas von Helge Malchow, keine Ahnung wer das ist, der &#8220;nachdenklich an seiner Pfeife sog&#8221; und dem Protagonisten &#8220;Gold, Silber und Bronze&#8221; etc bot &#8220;Das alles soll dir geh\u00f6ren, wenn du nur bis Tagesanbruch deine Autobiographie geschrieben hast!&#8221;<br \/>\nDer Protagnonist lie\u00df sich  nicht lumpen und so f\u00e4ngt es mit &#8220;Ich war eine Sturzgeburt&#8221; an.<br \/>\n&#8220;Das war damals nichts Ungew\u00f6hnliches, denn unsere Familie hatte es eilig. Als ich am 18. August 1937 in St. Peterburg dem Heutigen Putingrad zur Welt kam, war meine Mutter gar nicht dabei&#8230;&#8221;<br \/>\nSo geht es, f\u00fcr eine realistische Schreiberin, etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig weiter, dem Umschlagtext entnahm ich dann, da\u00df es in den Tageb\u00fcchern vor allem &#8220;um das Hollywood der Siebzigerjahre geht.&#8221;<br \/>\nSchmidt st\u00fcrzt aber eifrig weiter, kommt vom Hundersten ins Tausendste, schreibt von einer &#8220;Abreise nach Melbourne&#8221;, erz\u00e4hlt von&#8221; Onkel Erich, der im Hubschrauber landet&#8221; und davon, &#8220;da\u00df die Familie am 1. Juli 1935 in New York an Bord der &#8220;MS Butterfly&#8221; Kurs Antwerpen&#8221; geht.<br \/>\nEs kommen aber auch ber\u00fchmte Schriftsteller, &#8220;wie gesagt, Becket&#8221; vor. &#8220;Wir alle mochten Sam, damals in Paris&#8221; oder &#8220;Andre Gide, der den Protagonisten vom Bahnhof abholt&#8221; u.s.w.u.s.f.<br \/>\nSp\u00e4testens da habe ich nachgegooglet und bin bei Amazon draufgekommen, da\u00df sich &#8220;Schmidt in den sogenannten Tageb\u00fcchern im h\u00f6heren nonsens erprobt.&#8221; Es steht aber auch etwas da von &#8220;wortgewandt, erfrischend, zynisch und wirklich empfehlenswert&#8221;, was f\u00fcr eine, die sich fast vierzig Jahre ernsthaft um das Schreiben bem\u00fcht und immer wieder an Beistrichfehlern, Adjektiven, zu flacher Personenf\u00fchrung oder mangelnden Interesse zu scheitern scheint,  schwer verst\u00e4ndlich ist. Es sind aber auch Fotos des b\u00e4rtigen Autor  mit Unterschriften wie &#8220;Vor dem Haus meiner \u00e4ltesten Tochter in Sidney&#8221;, beigef\u00fcgt und die Auflage soll, wie ich irgendwo h\u00f6rte, hoch gewesen sein.<br \/>\nAber wir wissen schon, das Leben ist ungerecht und es sind auch nicht alle so humorlos, wie ich, au\u00dferdem ist im zweiten Teil des Buchs, ab Seite sechzig &#8220;die traditionelle Auswahl der aktuellesten Focus Kolumnen statt DVD und Reisetoaster&#8221; angef\u00fcgt und da wird es realistischer und politischer, wenn es auch schwer verst\u00e4ndlich bleibt, denn das Buch wurde 2005 aufgelegt. Also gibt es keinen deutschen Kanzler mehr und den Namen &#8220;Condoleezza Rice&#8221; hat man vielleicht auch schon vergessen und au\u00dferdem ist f\u00fcr eine \u00d6sterreicherin auch die aktuelle deutsche Innenpolitik  nicht so ganz pr\u00e4sent. Trotzdem bin ich mit diesen Teil, trotz der gewaltigen Gedankenspr\u00fcnge, die Schmidt macht, in dem er pro Kolumne von Thema zu Thema springt, besser zurechtgekommen. Die Kolummnen sind in mehrere Teile gegliedert und verschiedenen Themenkreisen zugeordnet, Politik, Europa, Geld etc.<br \/>\nBeeindruckend war da schon die allererste Geschichte &#8220;Kindersparbuchm\u00e4rchen&#8221;, wo es um &#8220;Hartz unlimited&#8221; geht,  die von einer Jennifer handelt, die sich eine Zahnspange w\u00fcnscht, die sie leider nicht bekommen kann, weil sie keine Z\u00e4hne hat, weil ihre Eltern sie so liebten, da\u00df sie sie schon mit der Nuckelflasche mit Eistee verw\u00f6hnten. Jetzt ist Jennifer \u00fcbergewichtig und das Hochbett mu\u00dfte zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt werden, als es eines Tages am Fenster kratzt und ein rotmetallicer Rabe mit Fl\u00fcgelheizung und tiefer gelegten Schwanzfedern Einla\u00df begehrt. &#8220;Hartz, Hartz&#8221;, kr\u00e4chzt er und will ihr Sparbuch haben. Jennifer will es ihm auch geben, kommt aber zu sp\u00e4t, so da\u00df der Rabe &#8220;Mich will auch keiner!&#8221; schluchzt und dann &#8220;fuhr der Wagen wie von Geisterhand zum Arbeitsamt&#8221;<br \/>\nSo sind die Geschichten, die bei Focus erschienen, den ich nur selten lese, die sich in der Abteilung &#8220;M\u00e4ngelzwerge&#8221; beispielsweise mit Sprache, Technik und Medien besch\u00e4ftigen, wo sich Schmidt \u00fcber die Deutschen lustig macht,  die sich gegen die Volksz\u00e4hlung  wehren, dann aber mit ihren &#8220;Fotomachhandy&#8221; herumlaufen und das &#8220;freiwillig schaffen, was der b\u00f6se Polizeistaat nicht zusammenbrachte, die freiwillige Selbstversklavung auf garantiert neuestem technischen Standard&#8221;.<br \/>\nDer &#8220;Rechtschreibreform&#8221; ist eine Seite gewidmet &#8220;F\u00fcr Rechtschreibung ist die first lady zust\u00e4ndig, t\u00f6nt es aus dem wei\u00dfen Haus&#8221;, w\u00e4hrend &#8220;aus kremelnahen Kreisen verlautet wurde, da\u00df es Pr\u00e4sident Putin, eher wurscht sein soll, wie geschrieben wird, solange er das &#8220;was&#8221; entscheiden kann.&#8221;<br \/>\nSo geht es weiter auf fast zweinhundert Seiten und es ist sicher interessant, die Focus-Kolumnen so kompakt vor sich zu haben, auch wenn man daran sehen kann, was inzwischen veraltet und was noch immer aktuell ist. so habe ich in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/12\/wieder-zuruck-aus-dem-urlaub\/\">Polen vorige Woche<\/a> im neuen Spiegel dar\u00fcber gelesen, was die Regierung gegen die Kinderfeindlichkeit zu tun plant und mit wieviel Geld und Kinderkrippen, sie die deutsche Frau zu mehr Kindern bewegen m\u00f6chte. Schmidt schreibt schon 2005 davon in seinen Kolumnen &#8220;Teure Eltern&#8221; und &#8220;Keine Kinder&#8221;, dann werden auch die Fernsehserien auf die Schaufel genommen und vieles mehr.<br \/>\nInteressant, auch wenn ich mir mit einem Nonsensentertainer eher schwer tue, das Schmidt viele B\u00fccher bei  ver\u00f6ffentlicht hat, kann ich aber im Anhang finden und ich h\u00f6re bei meinen Frankfurt oder Leipzig Messebesuchen auch immer von ihm. Jetzt wei\u00df ich, wie er schreibt und ob ich mir ein zweites Buch von ihm aus den Ramschkisten ziehen werde, wird man sehen, ausschlie\u00dfen kann ich es nicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das letzte Buch, das ich mir bei Thalia 2008 aus der Schn\u00e4ppchenkiste gezogen habe und es gibt auch Antwort auf die Frage nach welchen Kriterien ich mir die B\u00fccher aus den Kisten ziehe. 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