{"id":83501,"date":"2020-04-17T00:30:05","date_gmt":"2020-04-16T22:30:05","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=83501"},"modified":"2020-04-17T00:30:05","modified_gmt":"2020-04-16T22:30:05","slug":"dear-oxbrigde","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=83501","title":{"rendered":"Dear Oxbrigde"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt eigentlich eine Mogelpackung, n\u00e4mlich ein Buch \u00fcber die Studienbedingungen der elit\u00e4ren englischen Unis wie Oxford und Cambrigde, wo die die dort waren, dann die sp\u00e4teren Premiermister oder andere Einflu\u00dftr\u00e4ger werden und, wie man dort als Otto Normalverbraucher oder Verbraucerin\u00a0 hineinkommt und kein Buch \u00fcber den Brexit, al la <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/01\/20\/die-kakerlake\/\">&#8220;Kakerlake&#8221;<\/a> etcetera, wie ich eigentlich glaubte und sehr gespannt auf das Buch der 1988 in Berlin geborenen Nele Pollatschek, von der ich 2016 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/04\/das-unglueck-anderer-leute\/\">&#8220;Das Ungl\u00fcck anderer Leute&#8221;<\/a> gelesen habe, das mir zuerst gut gefallen habe, ich sp\u00e4ter aber f\u00fcr sehr \u00fcbertrieben fand.<\/p>\n<p>Der Verlag hat mir das Buch, glaube ich, schon im Dezember, als man st\u00e4ndig \u00fcber den Brextit h\u00f6rte und ich mir dachte, da\u00df der nie zustande k\u00e4me, angeboten.<\/p>\n<p>&#8220;Wir schicken es Anfang J\u00e4nner aus, damit Sie es p\u00fcnktlich rezensieren k\u00f6nnen!&#8221;, haben sie geschrieben. Es ist dann nicht gekommen. Ich habe nachgefragt, ich glaube, im Februar, wir schicken ein Zweites hat es gehei\u00dfen, ich bin beruhigt in die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/02\/22\/winterurlaub-literarisch-betrachtet\/\">Winterfrische<\/a> mit der Ruth nach Salzburg gefahren, als ich zur\u00fcckgekommen bin, war das Buch noch immer nicht da,\u00a0 daf\u00fcr aber das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/23\/corona-tagebuch\/\">Coronavirus<\/a> was alles durcheinanderbrache und offenbar keine B\u00fccher mehr \u00fcber die deutsche Grenze l\u00e4\u00dft, als mir &#8220;Rowohlt&#8221; geschrieben hat, das sie B\u00fccher zur\u00fcckbekommen und mir den neuen Camillieri als PDF schickten, habe ich nochmals angefragt und,\u00a0 um ein PDF gebeten, das habe ich dann auch beim<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/02\/19\/preis-der-leipziger-buchmesse\/\"> Lutz Sailer<\/a> so gemacht und jetzt den &#8220;Abschiedsbrief&#8221; der Nele Pollatschek gelesen, was eigentlich Brexit m\u00e4\u00dfig ohnehin schon anachronistisch w\u00e4re durch Boris Johnson Corona-Erkrankung aber h\u00f6chst aktuell, aber wieder schmecks, es beginnt mit etwas ganz anderes, n\u00e4mlich, wie man als Deutsche nach Oxford oder Cambrigde kommt und warum man glaubt zu m\u00fc\u00dfen, weil man sonst im Leben\u00a0 nicht weiterkommt. Das sagt sehr viel \u00fcber den Stre\u00df und die Anspannung der heutigen Zwanzigj\u00e4hrigen aus. Dar\u00fcber habe ich schon viel gelesen und\u00a0 kann mich auch an ein eigenes Beispiel erinnern, n\u00e4mlich erstens, da\u00df ich 1973 oder 1974 als ich meine Workcamps im Westpark- Hospital machte, um endlich in die Psychiatrieluft hineinzuschnuppern, haben wir da einen Ausflug nach Campbrige oder Oxford gemacht. Das wei\u00df ich auch nicht mehr so genau, wahrscheinlich dorthin, wo es n\u00e4her war. Es war an einem Sonntag und da kann ich mich an die Aufkleber eines Schuhgesch\u00e4ftes &#8220;Come in and look around&#8221; oder so erinnerin, die ich mir mitgenommen habe und die dann lange in meinem M\u00e4dchenzimmer am Almweg hingen, in dem Haus an der H\u00f6henstra\u00dfe, das es wahrscheinlich nicht mehr gibt.<\/p>\n<p>Dann hat mir einmal eine Psychologenkollege, eine sehr feine Dame, die eine Villa in W\u00e4hring hat, erz\u00e4hlt, da\u00df ihre Tochter dort aufgenommen wurde, aber \u00fcber die Anforderungen und den Stre\u00df dort sehr ungl\u00fccklich war, so da\u00df sie sie gebeten hat, wieder zur\u00fcckkommen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Bei Nele Pollatschek war das nicht so, denn sie schreibt \u00fcber das gute Essen, das man dort umsonst bekommt und auch \u00fcber die Party und die Einladungen, die man dort von seinen Tutoren, bekommt, etwas was Nina H. offensichtlich nicht ausgehalten hat.<\/p>\n<p>Nele Pollatschek schreibt und das finde ich sehr gut \u00fcber ihre Hochschulerfahrungen und beginnt damit, da\u00df sie an dem Tag,\u00a0 an dem der Austritt bekanntgegeben wurde,\u00a0 reich geworden ist. Das\u00a0 entspricht eher Nele Pollatscheks Stil, denn sie hatte Schulden an der Uni bez\u00fcglich der Studiengeb\u00fchren und da weil das Pfund gefallen ist..<\/p>\n<p>Dann erz\u00e4hlt sie von den Zimmern in denen die Studenten untergebracht sind. Die sind entweder alt und sehr klein oder neu und gro\u00df. Die Klos funktionieren aber in Beiden nicht und es ist in den Zimmern auch sehr kalt, weil die Dichtungen nicht funktionieren.<\/p>\n<p>Wie ist Nele Pollatschek nach Oxbridge gekommen? Sie wollte englische Literatur studieren, dachte, das kann ich im Originalsprachland besser und hat sich f\u00fcr Oxford oder Camprige entschieden, obwohl sie in keiner englischen Privatschule war, die jahrelang nichts anderes macht, als ihre Sch\u00fcler darauf vorzubereiten.<\/p>\n<p>Jetzt mu\u00dfte sie eine gute Durchschnittsnote haben, um \u00fcberhaupt zur m\u00fcndlichen Bewerbung eingeladen zu werden. Die hatte sie, dann brauchte sie ein Bewerbungsschreiben. Sie bat ihre Lehrerin, die das aber noch nie gemacht hat, hat sich ein Jahr lang mit dem &#8220;Hamlet&#8221; besch\u00e4ftig, wurde dann eingeladen und wurde nach dem m\u00fcndlichen Gespr\u00e4ch abgelehnt, weil es ihr nicht gelungen ist, als &#8220;Rohdiamant, der erst geschliffen werden mu\u00df&#8221;, aufzufallen, so da\u00df sie beschlossen hat, es auf anderen Weg zu versuchen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, nicht gleich, zuerst wurde sie depressiv und hat zugenommen. Die Eltern haben sie dann angestachelt, es noch einmal zu versuchen. So hat sie es in Heidelberg probiert, weil man da ein Studienjahr in Oxford machen konnte. Das hei\u00dft, es gab einen Platz f\u00fcr die, die englische Literatur studierten. Also die Klinken bei der Bewerbungsstelle putzen. Lernen, lernen, lernen und die anderen \u00fcberfl\u00fcgeln. Dann hatte sie das Auslandsjahr, war aber immer noch nicht richtige Oxford-Studentin, machte also ihren Bachelor und bewarb sich f\u00fcr den Master dort.<\/p>\n<p>Was klappte, aber auch wieder nicht passte, denn die richtigen Studenten, aus denen sp\u00e4ter etwas wird, machen nur den Bachelor. Bei den Masterstudenten kann etwas nicht stimmten und so weiter und so fort. Dann wird der Unterricht in den Elitecolleges beschrieben. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man alles genau zitieren mu\u00df, mu\u00df man hier statt in Vorlesungen gehen, mit den Dozenten oder Tutoren viel diskutieren, beziehungsweise Essays \u00fcber bestimmte Themen schreiben, wof\u00fcr man lesen bis zu Ersch\u00f6pfung mu\u00df.<\/p>\n<p>Dann kommt Nele Pollatschek zu den typischen Eigenschaften, der Engl\u00e4nder beispielsweise, da\u00df sie sich nie direkt \u00fcber etwas beschweren, beispielsweise da\u00df Z\u00fcge un\u00fcpnktlich sind und\u00a0 man sich, um das Flugzeug doch noch zu erreichen, ein teueres Taxi leisten mu\u00df.<\/p>\n<p>Sie f\u00fchrt auch die Geschichte eine Allergikers an, der dreimal nachfragt, ob in seinem Essen N\u00fc\u00dfe sind?<\/p>\n<p>&#8220;Nein!&#8221;, wird ihm versichert. Sie waren es doch. Er mu\u00df ins Krankenhaus, den zur\u00fcckgebliebenen wird dann aber die rechung samt dem Nu\u00dfpesto serviert und die legen das Geld ohne aufzumucken hin.<\/p>\n<p>Interessant ist das Kapitel, wie man in Oxbridge oder \u00fcberhaupt in England mit Medikamenten umgeht, hat Nele Pollatschek doch, als sie sich beim Sport das Knie verletzt hat, Antidepressiva verschrieben bekommen und\u00a0 festgestellt, da\u00df fast alle ihrer Mitstudenten solche nehmen, w\u00e4hrend Gespr\u00e4chstherapie, wie in Deutschland betrieben, eher unbekannt ist und das hat nat\u00fcrlich den Grund, da\u00df die kleinen feinen Pillen billiger sind, wie das mit den verletzen Knien zu erkl\u00e4ren ist, bleibt dagegen noch ein bi\u00dfchen unklar.<\/p>\n<p>Spannend auch das Kapitel \u00fcbers Gendern und da ist mir schon vorher aufgefallen, da\u00df Nele Pollatschek konsequent das Wort &#8220;Student&#8221; verwendete.<\/p>\n<p>&#8220;Ich bin Student&#8221; und dann erkl\u00e4rt, da\u00df ihr ihr Deutsch lerndender Professor, sie einmal fragte, ob das stimmt, da\u00df die Deutschen Angela Merkel, als BundeskanzlerIN bezeichnen und der Meinung war, da\u00df das sexistisch ist, weil es ja auch rassistisch w\u00e4re, einen Menschen als schwarz zu bezeichnen. Interessant die l\u00e4nderspezifischen Sprachunterschiede, was ja durch die Transpersonen, und die M\u00f6glichkeit sich als divers zu bezeichnen, noch ein bi\u00dfchen komplizierter wird.<\/p>\n<p>Dann gibts ein Kapitel \u00fcber Margret Thatcher, die eiserne Lady, die auch Absolventin des Colleges war, in dem Nele Pollatschek studierte, die sich aus unterer Schicht nach oben k\u00e4mpfte und dann gegen die Schwachen war und gegen das B\u00f6se k\u00e4mpfte und ganz am Schlu\u00df kommt Nele Pollatschek \u00fcber das Wort &#8220;kindness&#8221; doch zum Brexit, erw\u00e4hnt, da\u00df\u00a0 nur 52% der Briten f\u00fcr den Brexit stimmten und schlie\u00dft mit dem Satz; &#8221; Viele der Lexit-W\u00e4hler bereuren ihre Wahl heute bitterlich. Manche glauben nach wie vor, da\u00df nach dem Verlassen der EU alle Tr\u00e4ume vom gerechten Sozialstaat wahr werden. Ich w\u00fcnsche ihnen, da\u00df sie recht haben&#8221; und ich habe, wie erw\u00e4hnt, ein interessantes Buch gelesen, da\u00df einen tief in das Studiensystem von Oxford und Campbridge und wahrscheinlich auch in Nele Pollatscheks Denken, dem ich nicht immer zustimme, eindringen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt eigentlich eine Mogelpackung, n\u00e4mlich ein Buch \u00fcber die Studienbedingungen der elit\u00e4ren englischen Unis wie Oxford und Cambrigde, wo die die dort waren, dann die sp\u00e4teren Premiermister oder andere Einflu\u00dftr\u00e4ger werden und, wie man dort als Otto Normalverbraucher oder &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=83501\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[27,914,1032,4197,5591],"class_list":["post-83501","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-oxford","tag-brexit","tag-campridge","tag-nele-pollatschek","tag-studium-an-englischen-elitecolleges"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83501"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83501\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}