{"id":83904,"date":"2020-04-27T00:39:33","date_gmt":"2020-04-26T22:39:33","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=83904"},"modified":"2020-04-27T00:39:33","modified_gmt":"2020-04-26T22:39:33","slug":"serpentinen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=83904","title":{"rendered":"Serpentinen"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt geht es weiter mit einem Buch das\u00a0 auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">n\u00e4chsten deutschen Buchpreisliste<\/a> stehen k\u00f6nnte, n\u00e4mlich Bov Bjergs &#8220;Serpentinen&#8221;.<\/p>\n<p>Mit einem\u00a0 Ausschnitt daraus hat der 1965 in Heiningen geborene\u00a0 Rolf B\u00f6ttcher, der sein Pseudonym nach der d\u00e4nischen Stadt Bovbjerg w\u00e4hlte, 2018 beim <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/08\/zweiundvierzigstes-bachmannlesen\/\">&#8220;Bachmannpreis&#8221;<\/a> gelesen und ich glaube ich gewonnen und bekannt ist der Autor wohl mit seinem Bestseller &#8220;Auershaus&#8221;, 2015, geworden, das ich mir, glaube ich, einmal aus den &#8220;Thalia-Abverkaufsst\u00f6\u00dfen&#8221; in der St. P\u00f6ltner Kremsergasse zog, aber wie auch den Geschichtenband &#8220;Die Modernisierung meiner Mutter&#8221; gelesen habe.<\/p>\n<p>&#8220;Serpentinen&#8221; hat bei &#8220;Amazon&#8221;nicht so gute Bewertungen und man kann wahrscheinlich sagen, sehr viel Neues ist bei dem Buch nicht dabei, wenn es auch wieder auf sehr ungew\u00f6hnliche und nicht chronologische Art und Weise erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Da geht ein Soziologe mit seinem, ich glaube, siebenj\u00e4hrigen Sohn auf der Schw\u00e4bischen Alp wandern. Das ist die Gegend, wo er seine Kindheit verbrachte und die erlebt er jetzt mit dem Siebenj\u00e4hrigen, der \u00f6fter &#8220;Um was geht es?&#8221;, fragt und zur Antwort &#8220;Serpentinen&#8221; bekommt.<\/p>\n<p>Serpentinen sind in diesem Fall wohl Endlosschleifen, Echokammern des Ged\u00e4chtnissen oder auch Traumatisierungen, die zu Flaschbacks f\u00fchren.<\/p>\n<p>Der\u00a0 Vater und der Gro\u00dfvater vielleicht auch der Urgro\u00dfvater des Ich- Erz\u00e4hlers haben sich umgebracht. So sucht er mit dem Buben die Kirche auf, wo seine Eltern geheiratet haben, den Friedhof, wo der Freund Frieder begraben liegt, l\u00e4\u00df sich vom Sohn,\u00a0 st\u00e4ndig Bier reichen und fragt ihm\u00a0 das Einmaleins ab. Er hegt auch Arggressionen gegen den Buben, will ihm einmal sogar mit einem Kopfpolster ersticken und hat auch Schuldgef\u00fchle, da\u00df er seinem Vater, der sich erh\u00e4ngt hat, etwas angetan hat.<\/p>\n<p>Die Kindheit war, wie\u00a0 damals wohl \u00fcblich und von den Kriegsheimkehrern als normal betrachtet wurde, gewaltt\u00e4tig. Heute gibt es Gesetze, da\u00df ein Kind das Recht auf eine gewaltfreie Jugend hat, daf\u00fcr wird heute wahrscheinlich \u00f6fter, als damals \u00fcber den sexuellen Mi\u00dfbrauch diskutiert, den es damals wohl auch gegeben hat.<\/p>\n<p>Das Kind ging zum Pfarrer beichten, z\u00e4hlte dort s\u00e4mtliche Gebote auf und hakte die ab, die er \u00fcbertreten hat. Dabei findet ein Freund ein Pornoheft, wird vom Vater blau und gr\u00fcn geschlagen, hegt Mordphantasien und f\u00fchrt sie dann nat\u00fcrlich nicht aus.<\/p>\n<p>Der\u00a0 Erz\u00e4hler kommt aus einer Arbeiterfamlie, hat seine Herkunft also verlassen und ist bei den Akademikern dann doch nicht angekommen.<\/p>\n<p>Da gibt es eine sch\u00f6ne Stelle, die das thematisiert. M., die Mutter des Jungen ist Juristin und die Mutter des Erz\u00e4hlers h\u00e4tte auch gerne studiert, mu\u00dfte aber von der Schule abgeben und Zimmerm\u00e4dchen werden. Um das zu kompensieren lie\u00df sie wohl den Sohn studieren. Vorher hat sie aber w\u00e4hrend des Abstaubends oder so gelesen und gelesen, dabei zum Beispiel die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/30\/herzzeit\/\">&#8220;Todesfuge&#8221;<\/a> auswendig gelernt, was den Sohn, der sie mit dem Jungen im Altersheim besucht, sp\u00e4ter wundert.<\/p>\n<p>Der Krieg und die Nazivergangenheit kommen, wie wohl nicht, nat\u00fcrlich vor und der Vater macht mit dem Sohn auch seltsame Sachen. Beeindruckend die Stelle, wo der Sohn ein Cola trinken will. So gehen sie in der Nacht in den Gastraum der Pension wo sie logieren, finden den Flaschen\u00f6ffner nicht. Ein Kofferradio l\u00e4uft und der Vater wird an eine Szene, die er in seiner Kindheit erlebte\u00a0 erinnert. Er findet einen Werkzeugkoffer mit Filzstiften geht mit dem Sohn ins Badezimmer, malt mit ihm oder zuerst er die Fiesen an. Dann machen sie eine Nachtwanderung.<\/p>\n<p>Der Sohn hat f\u00fcr den Vater schon vorsorglich die Bierflaschen eingepackt. Dann steigt er mit einem Seil auf einen Baum, f\u00e4llt herunter und bleibt reglos liegen. Sp\u00e4ter findet sich der Vater auf der Polizeieistation und im Untersuchungsgef\u00e4ngnis wieder. Der Junge hat sich aber nur den Arm gebrochen. Die Mutter ruft schimpfend an, aber die Urlaub kann weitergehen.<\/p>\n<p>Beide fahren dann nach Berlin zur\u00fcck und der Vater hat wohl, wie im Klappentext steht, einiges gelernt und die Kurve gekratzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt geht es weiter mit einem Buch das\u00a0 auf der n\u00e4chsten deutschen Buchpreisliste stehen k\u00f6nnte, n\u00e4mlich Bov Bjergs &#8220;Serpentinen&#8221;. 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