{"id":8460,"date":"2011-08-29T00:14:27","date_gmt":"2011-08-28T22:14:27","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=8460"},"modified":"2011-08-29T00:14:27","modified_gmt":"2011-08-28T22:14:27","slug":"sweet-sixteen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8460","title":{"rendered":"Sweet Sixteen"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Sweet Sexteen&#8221; von Birgit Vanderbeke, 2005 bei S. Fischer erschienen, wird mit seinen hundertachtunddrei\u00dfig Seiten, nicht als Roman bezeichnet, sondern wie am Buchumschlag steht, als  &#8220;hinrei\u00dfende Kom\u00f6die und  Aufruf zu eigenem Leben&#8221;, vor allem ist es aber  eine sehr brillant geschriebene Satire auf unsere Gesellschaft.<br \/>\nPl\u00f6tzlich verschwinden Jugendliche an ihrem sechzehnten Geburtstag, vorher feiern sie mit ihren Eltern beim Fr\u00fchst\u00fcck, bekommen eine Torte mit Gummib\u00e4rchen und eine CD oder ein anderes Geschenk, dann packen sie ihren Laptop in den Rucksack, gehen zur Schule und werden nie mehr gesehen.<br \/>\nDie nicht sehr interessierte Polizei tr\u00f6stet die Eltern &#8220;Die finden wir schon durch ihre Handys&#8221;.<br \/>\nAber die werden fremden Leuten zugeschickt oder landen in den M\u00fclltonnen und nach und nach wird klar, das sind keine Gewaltverbrechen, sondern die Jugendlichen tauchen unter, weil sie sich von den Erwachsenen nicht verstanden f\u00fchlen und nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen.<br \/>\nAls der Sohn einer bekannten Fernsehmoderatorin verschwindet, wirds auch f\u00fcr die Presse interessant,  &#8220;Heuser-Ph\u00e4nomen&#8221; oder &#8220;Meskomanie&#8221;, nach dem ersten verschwundenen Jugendlichen genannt, es tauchen auch noch blaue T-Shirts auf, auf denen &#8220;free your mind&#8221; oder &#8220;sweet sexteen&#8221; steht.<br \/>\nDas Ganze wird aus der Sicht einer nicht n\u00e4her definierten Ich-Erz\u00e4hlerin geschildert, die offenbar  ein Trendforschungsb\u00fcro betreibt und eine Praktikantin namens Saskia hat, die sich Sorgen um ihren f\u00fcnzehnj\u00e4hrigen Bruder  Josha macht, der auch ein solches T- Shirt tr\u00e4gt. Sie googlen nach und kommen auf den Song von  Chuck Berry,  eine religi\u00f6se Sekte und vieles mehr.<br \/>\nDie Jugendliche geben aber selber Manifeste heraus und beginnen irgendwann Stinkbomben in Einkaufszentren zu legen, in dem sie Sardinen in Autoauspuffe stecken, was die Gesellschaft, die auf das Verschwinden bisher eher gelangweilt reagierte, in  Panik treibt.<br \/>\nErst gibt es Fernsehdiskussionen, dann werden die Eltern durch Rundbriefe aufgefordert besser auf ihre Kinder aufzupassen, eine Sicherheitsfirma kommt auf die Idee einer &#8220;Kifi&#8221;, einer elektronischen Kinder\u00fcberwachungsfessel. Rasterfahndung und Wegweisverbote werden angedacht und einer der Jugendlichen wird auch kurzfristig auf einer Computermesse erwischt und seinem Vater zur\u00fcckgegeben, am n\u00e4chsten Tag erscheint aber im Internet der Fu\u00dffesselcode und die Sicherheitsfirma stellt den geplanten B\u00f6rsegang ein. Es wird auch ein Schuldiger gefunden, n\u00e4mlich Kukutsch, ein Protests\u00e4nger aus dem vorigen Jahrhunderts, der in seinen Songs die Kinder zu Widerstand und Protest gegen die \u00e4ltere Generation aufrief, die die antiautort\u00e4ren Eltern auch ihren Kindern vorspielte.<br \/>\nKikutsch wird im Talkshows interviewt, weist aber alle Schuld von sich und tr\u00e4umt von einem Leben am Meer und die Gesellschaft ist dem Verschwinden ihrer Kinder, die ihr Leben selber in die Hand nehmen wollen und mit den Erwachsenen nichts anfangen k\u00f6nnen, hilflos ausgeliefert und kann nichts tun.<br \/>\n&#8220;Wie einen Krimi erz\u00e4hlt Birgit Vanderbeke diese so skurile wie phantastische Geschichte&#8221; steht auf dem Umschlagtext.<br \/>\n&#8220;Ihr Herz schl\u00e4gt auf der Seite der Au\u00dfenseiter, der Spott gilt Medien, Erziehungsberechtigen und der Enge des Gedankens.&#8221;<br \/>\nIch habs ein bi\u00dfchen schwer verst\u00e4ndlich gefunden, da es von Zitaten und Anspielungen nur wimmelt, es ist aber eine Parabel auf unsere Gesellschaft, die irgendwie hilflos macht, denn einiges von dem, was in dem Buch geschildert wird, ist inzwischen Wirklichkeit geworden. So z\u00fcnden in Paris, London, Berlin  Jugendliche H\u00e4user und Gesch\u00e4fte an und auch die Erwachsenen stehen oft hilflos ihren Kindern gegen\u00fcber, kennen sich in ihrer Computerwelt nicht aus und auch die, die es gut meinen, mit den Kindern reden, sich Zeit f\u00fcr ihre Familie nehmen, haben keine Ahnung. Das mit den Fu\u00dffesseln, der Rasterfahndung, des Wegweisrechts gibt es alles, wenn auch vielleicht in anderer Form und w\u00e4hrend die Polizei in Birgit Vanderbekes Buch, Springbrunnen umz\u00e4unt, weil der S\u00e4nger Kikusch in seinen Songs die Jugendlichen  angewiesen hat, Waschpulver in Brunnen zu sch\u00fctten, sehe ich immer wieder verwundert, wie in St. P\u00f6lten vor der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/08\/19\/doris-kloimstein-und-hochsicherheitszone\/\">Frequency<\/a> Denkm\u00e4ler und Steine eingez\u00e4unt werden&#8230;<br \/>\nDie Geschichte ist brillant und scharf erz\u00e4hlt, eine wirkliche L\u00f6sung gibt es aber nicht und ob das  Abtauchen in den Untergrund eine L\u00f6sung ist, wage ich zu bezweifeln.<br \/>\nBirgit Vanderbeke wurde 1956 in Dahme\/Mark geboren, \u00fcbersiedelte 1961 in den Westen Deutschlands, lebt seit 1993 in S\u00fcdfrankreich und hat  1999 mit der Erz\u00e4hlung &#8220;Das Muschelessen&#8221; den Bachmannpreis gewonnen. Seither hat sie viele B\u00fccher geschrieben. &#8220;Alberta empf\u00e4ngt einen Liebhaber&#8221;, ist vielleicht genau so bekannt, wie &#8220;Das Muschelessen&#8221;.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/11\/10\/geld-oder-leben\/\">&#8220;Geld oder Leben&#8221;<\/a> habe ich hier schon besprochen. Zuletzt ist &#8220;Das l\u00e4\u00dft sich \u00e4ndern&#8221;, erschienen. \u00dcber dieses Buch sto\u00dfe ich manchmal auf den Blogs und da Birgit Vanderbeke eine sicher interessante Autorin ist, nehme ich mir wieder  die Lekt\u00fcre des &#8220;Muschelessens&#8221; vor, das ich ja vor ein paar Jahren von meiner Schulfreundin Edith bekommen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Sweet Sexteen&#8221; von Birgit Vanderbeke, 2005 bei S. 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