{"id":85118,"date":"2020-05-22T00:40:14","date_gmt":"2020-05-21T22:40:14","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=85118"},"modified":"2020-05-22T00:40:14","modified_gmt":"2020-05-21T22:40:14","slug":"die-veraenderung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=85118","title":{"rendered":"Die Ver\u00e4nderung"},"content":{"rendered":"<p>Und jetzt als Schmankerl eine Szene aus dem &#8220;Fr\u00fchlingserwachen&#8221;:<\/p>\n<p>&#8220;Gegl\u00fcckt, gegl\u00fcckt!&#8221;, dachte Egon Herweg fr\u00f6hlich, nachdem er die T\u00fcre des Altbauhauses in dem er mit seiner Familie, wie er sich zu erinnern glaubte, an die drei\u00dfig Jahre lebte, ge\u00f6ffnet hatte und vorsichtig, um sich schielend, hinausgetreten war und sich nun in der Albertgasse befand, die, was ihn ein wenig wunderte, ungew\u00f6hnlich leer war.\u00a0 Oder war das die Folge der neuen Zeit, von der alle sprachen und nicht wollten, da\u00df er auf dieUniversit\u00e4t zu seinen Vorlesungen und seinen Studeten ging. Er war seinen Hexen entkommen, wie er pfiffig vor sich hindachte und dabei zufrieden nickte. Die dunkle Ohrringenhexe, die sich, wenn er sich wieder richtig erinnerte, Janina hie\u00df. Janina Pavlova, um genau zu sein und die, wie sie ihm\u00a0 mit einer kindlich hochgezogenen Stimme, als w\u00fcrde sie zu einem S\u00e4ugling und nicht zu einem Universit\u00e4tsprofessor sprechen und ihm erz\u00e4hlte, da\u00df sie aus Kosice, um sich um ihn zu k\u00fcmmern, hergekommen war. Von wegen k\u00fcmmern. Er brauchte ihre F\u00fcrsorge nicht. Brauchte keine dunkelhaarige Ohrringenhexe, die sich in dem Zimmer eingenistet hatte, in dem fr\u00fcher seine Kinder gehaust hatten und ausgezogen waren, als sie, wie Albert heirateten oder, wie Beate, um Psychotherapeutin zu werden. Die Ohrringenhexe war aber mit einem Einkaufskorb verschwunden, um ihm ein sch\u00f6nes Bierchen mitzubringen, w\u00e4hrend die sogenannte Roswitha-Hexe, in ein Telefonat mit einem Viktor vertieft gewesen war, als er vorsichtig an ihr vor\u00fcber schlich. Die zwei Stockwerke hinabzusteigen war kein Problem. Hatte er doch darauf geachtet, von der Hausmeisterin nicht gesehen zu werden. Da sich diese in seinen Weg stellen w\u00fcrde und\u00a0 &#8220;Wo wollen Sie denn hin, Herr Professor?\u00a0 Bleiben Sie da, Ihre Damen sorgen sich , um Sie!&#8221;, kreischen und ihn zu seinem Hexenquartett zur\u00fcckbringen w\u00fcrde, die ihn mit den gleichen Worten empfangen und in sein Zimmer sperren w\u00fcrden. Das wu\u00dfte er schon. Deshalb war er vorsichtig und es war, wie er sich zu korrigieren wu\u00dfte, auch kein Quartett, sondern ein Duett, das aus der Ohrringenhexe und der Roswitha-Hexe bestand oder nein, da kam noch als dritte im Bunde, Frau Jovanovic dazu und seine Tochter Beate war die Nummer vier mit ihren Ermahnungen, an die Roswitha-Hexe, so da\u00df es wieder stimmte und er sich nicht geirrt hatte. Er war einem Hexenquartett ausgeliefert, das ihn in sein Arbeitszimmer einsperrte, weil es drau\u00dfen angeblich so gef\u00e4hrlich war. Er war ihnen aber entkommen und hatte die Josefst\u00e4dterstra\u00dfe erreicht. Wenn er die in Richtung Ring hinunterging,erreichte er die Universit\u00e4t und kam zu seiner Vorlesung zurecht, um seine Studenten, die sicher schon auf ihn warteten, etwas von Karl dem Gro\u00dfen und dem Mittelater vorzutragen. Denn das war sein Spezialgebiet, w\u00e4hrend die Roswitha-Hexe, wenn er sich wieder richtig erinnerte, sich mit dem &#8220;Roten Wien&#8221; besch\u00e4ftigte und das war zwar interessant, aber nicht sein Fach in dem er sich habilitiert hatte. Seltsam, da\u00df auch die Josefst\u00e4dterstra\u00dfe, die sonst sehr bev\u00f6lkert war, verwaist wirkte. Sehr seltsam war das . Denn es war, wenn er richtig auf seine Uhr gesehen hatte, halb f\u00fcnf am Nachmittag und da schlo\u00dfen die B\u00fcros und die Leute str\u00f6mten auf die Stra\u00dfen um nach Hause zu gehen, einzukaufen oder, wie die Studenten, die ihn inskribiert hatten, auf seine Vorlesung zu warten. Es war wirklich komisch. Wie, wenn das geschehen w\u00e4re, von dem sie jetzt im Radio so viel berichteten, die Ohrringenhexe, die H\u00e4nde \u00fcbern Kopf zusammenschlug und &#8220;Furchtbar, furchtbar, Frau Doktor!&#8221;, zur Roswitha-Hexe sagte und zu ihm &#8220;Sehen Sie, Herr Professor, Sie m\u00fc\u00dfen brav zu Hause bleiben, weil Sie sonst die Polizei erwischt und sue strafe zahlen m\u00fc\u00dfen!&#8221;<\/p>\n<p>Es war wirklich kindisch! Was bildete sich die Person nur ein? Er war kein Kind, das brav sein mu\u00dfte und was sollte die Polizei von ihn wollen? Er war Universit\u00e4tsprofessor und kein Gesetzesbrecher, den man bestrafen konnte, wie bei einem Einbrecher oder Einbruchsdieb. Bankr\u00e4uber, das war die richtige Assoziation, dachte er und nickte ein wenig versunsichert vor sich hin. Kam ihm doch gerade ein etwa gleichaltriger Mann mit einer schwarzen Lederjacke und einem wei\u00dfen Bart entgegen und der hatte ein rotres Sacktuch, um seinen Mund geschlungen. Als er ihm erblickte, zuckte er zusammen und wich in gro\u00dfen Bogen aus, als w\u00fcrde er sich vor ihm f\u00fcrchten. Er blieb stehen, schaute ihm nach und sch\u00fcttelte den Kopf. Wirklich \u00e4u\u00dferst seltsam, da gab es keinen Zweifel. Er sp\u00fcrte es genau und lie\u00df sich nicht t\u00e4uschen, obwohl er, das gab er schon zu, das Ganze nicht verstand. Denn warum hatte der ungef\u00e4hr Sechzigj\u00e4hrige, der gar nicht, wie ein Bankr\u00e4uber wirklte, ein rotes Kopftuch in Wildwestmanier um den Mund gebunden, wenn es\u00a0 zumindest da, wo er entlang ging, gar keine Bank gab?\u00a0 Das war doch seltsam und auch, da\u00df sich au\u00dfer ihm niemand \u00fcber den Cowboy wunderte. Niemanden fiel er auf, keiner mokierte sich dar\u00fcber und das wahrscheinlich nicht nur, weil die Josefst\u00e4dterstra\u00dfe auff\u00e4llig leer war, sondern, weil auch sonst eine merkw\u00fcrdige Stimmung herrschte, denn die Frau die ihm nun entgegekam und die, wie die Ohrringenhexe, einen Einkaufskorb in der hand schwang, war bestimmt keine Bankr\u00e4uberin. Sie hatte aber auch eine Maske, um den Mund gebunden. Eine Wei\u00dfe, wie die, die man in den Spit\u00e4lern benutze und er sich an seinen Zahnarzt erinnern konnte, der in seiner Praxis auch mit so einem Fetzen herumlief. Die Frau mit dem Einkaufskorb war\u00a0 keine Zahn\u00e4rztin und hatte trotzdem einen solchen Mundschutz umgebunden. War er in einen schlechten Film geraten oder war sie aus der Ordination entwichen und vergessen, die Mundfessel abzunehmen&lt;?<\/p>\n<p>&#8220;Setsam, seltsam!&#8221;, dachte er noch einmal und dr\u00fcckte die schwarze Aktentasche, die er f\u00fcr seine Vorlesung brauchte, fest an sich. Denn so war es immer gewesen. Die Vorlesungsunterlagen befanden sich darin. Als er noch Asistent gewesen war, als Manuskript, sp\u00e4ter im Laptop und jetzt sollte es, wie er geh\u00f6rtt hatte, ein E-learning geben. Die Professoren hielten ihre Vorlesungen per Videokonferenzen in ihren Arbeitszimmern ab. So hatte es ihm jedenfalls die Roswitha-Hexe erkl\u00e4rt, wohl um ihm vom Verlassen der Wohnung abzuhalten. Er wu\u00dfte selber nicht genau, warum die Weiber alle so scharf darauf waren, da\u00df er zu Hause blieb und das sogar im Radio und Fernsehen durchsagen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>&#8220;Bleiben Sie zu Hause, halten Sie Abstand, besch\u00fctzen Sie sich und die anderen!&#8221;, hatte der Spruch gelautet, den sie st\u00e4ndig dreschten und der, er glaubte seinen Augen nicht zu trauen, war auch auf der Lichtfa\u00dfs\u00e4ule vor dem Theater auf dem sonst immer die Programmank\u00fcndigungen standen, platziert.<\/p>\n<p>&#8220;Aus gegebenen Anla\u00df haben wir vor\u00fcbergehend geschlossen!&#8221;, stand da zu lesen. Er glaubte seinen Augen nicht trauen und sch\u00fcttelte den Kopf. War jetzt er, beziehungsweise, die anderen verr\u00fcckt geworden oder befand er sich in einen schlechten Film? In einem, wo der Weltuntergang ausgebrochen war, die Stra\u00dfen von den Menschen gelehrt worden waren und die wenig \u00dcbergebliebenen mit Stoffst\u00fccken vor Mund und Nase herumliefen.<\/p>\n<p>&#8220;Seltsam, seltsam und wirklich sehr verr\u00fcckt!&#8221;, dachte er, sch\u00fcttelte noch einmal den Kopf und atmete auf, als er zwei junge M\u00e4nner auf sich zukommen sah, die dicht nebeneinander gingen und, wie er befriedigt feststellte, keine Masken umgebunden hatten. Es war also doch alles normal. Er hatte sich nur wegen seiner Hexen in einen Alptraum hineingesteigert, den er aber, als reifer Mann, der sich nicht t\u00e4uschen lie\u00df, von sich absch\u00fctteln w\u00fcrde, nahm er sich vor und machte zwei Sekunden sp\u00e4ter einen Sprung nach vorn und wechselte die Stra\u00dfenseite. Was war das? Offenbar befand er sich wirklich in einem Alptraum, denn das, wovor seine Hexen immer warnten, schien wirklich eingetroffen. Kamen doch jetzt zwei Polizisten, zwei junge Leute in den neuen Uniformen, auf die beiden M\u00e4nner zu und schienen sie, statt dem Bankr\u00e4uber von vorhin zu verhaften. Ihn lie\u00dfen sie in Ruhe, obwohl ihm seine Hexen immer predigten, da\u00df er nicht hinausdurfte, weil ihm sonst die Polizei einfangen w\u00fcrde. Die war aber auf die beiden M\u00e4nner zugegangen. Da konnte er, er traute seinen Ohren nicht, wirklich h\u00f6ren, da\u00df sie, weil sie den Sicherheitsabstand mi\u00dfachtet hatten, Strafe zahlen mu\u00dften. Verr\u00fcckt, verr\u00fcckt! Aber ihn ging das nichts an und er mu\u00dfte sich nur beeilen, um nicht zu sp\u00e4t in seine Vorlesung zu kommen und so war es wahrscheinlich besser, da\u00df er nicht stehenblieb und die Polizisten, von denen einer, wie er sehen konnte, eine Polizistin war, die ihre blonden Haare zu einem Ro\u00dfschwanz zusammengebunden hatte, nicht auf sich aufmerksam machte. Also die beiden M\u00e4nner, die jetzt den Ordnungsh\u00fctern erkl\u00e4rten, da\u00df sie zusammenwohnten, hinter sich lassen und in Richtung zur Universit\u00e4t marschieren. Wenn er sich beeilte, kam er zurecht und er war auch sehr gespannt, ob sich die Studenten normal benahmen oder auch ein rotes Tuch, beziehungsweise eine Tauchermmaske, um den Mund gebunden hatten, dachte er und blickte sich suchend um.<\/p>\n<p>&#8220;Keine Sorge, ich bin richtig!&#8221;, beruhigte er sich. Hinter ihm lag das Theater, vor ihm der Supermarkt in dem, wenn er sich nicht irrte, seine Ohrringenhexe immer einzukaufen pflegte und die auch dorthin unterwegs war, um ihm ein jsch\u00f6nes Bierchen mitzubringen. Vielleicht sollte er noch einmal vorsichtig sein und die Stra\u00dfenseite wechseln, um ihr nicht in die Arme zu laufen, dachte er listig, um kurz darauf zusammenzuzucken und ein &#8220;Verdammt!&#8221;, vor sich hinzufluchen. Sah er doch vor sich schon ihre orangen Ohrringe baumeln und h\u00f6rte ihre aufgeregte Stimme mit dem tschechischen oder russischen Akzent krreischen &#8220;Da sind Sie, Herr Professor! Ich habe Ihnen doch eingepr\u00e4gt, da\u00df Sie zu Hause bleiben sollen! Gut, da\u00df ich Sie getroffen habe und Sie zur\u00fcckbringen kann! Die Frau Doktor wird sich sicher Sorgen um Sie machen und mit mir schimpfen, weil ich nicht aufgepasst habe!&#8221;&#8221;<\/p>\n<p>So das war die Szene acht des Rohentwurfs, derzeit hat das Ganze siebenundf\u00fcnfzig Seiten, 27 301 Wlrte und f\u00fcnfundzwanzig Szenen. Ich bin auch noch nicht fertig, sondern derzeit beim Szene f\u00fcr Szene Durchkorrigieren und kann dann entscheiden, ob und was ich noch anf\u00fcgen werde.<\/p>\n<p>Zur weiteren Information verlinke ich die Artikel, die sich mit den Schreibfortschritten besch\u00e4ftigen und kann ank\u00fcndigen, da\u00df es m\u00f6glicherweise hier noch das eine oder andere Schmankerl aus meiner Schreibwerkstatt geben kann, bevor ich dann wahrscheinlich im n\u00e4chstes\u00a0 Jahr h\u00f6chstwahrscheinlich mein\u00a0\u00a0 neundundf\u00fcnfzigstes Indie-Book hier proundly pr\u00e4sentieren kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/01\/19\/korrigieren-fraeulein-no-und-kein-fruehlingserwachen\/\">1<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/14\/szenenplanung\/\">2<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/19\/wie-gehts-mit-der-heldenreise\/\"> 3<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/25\/handlungsaufbau-handlungsluecken\/\">4<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/11\/mit-dem-rohtext-fertig\/\">5<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und jetzt als Schmankerl eine Szene aus dem &#8220;Fr\u00fchlingserwachen&#8221;: &#8220;Gegl\u00fcckt, gegl\u00fcckt!&#8221;, dachte Egon Herweg fr\u00f6hlich, nachdem er die T\u00fcre des Altbauhauses in dem er mit seiner Familie, wie er sich zu erinnern glaubte, an die drei\u00dfig Jahre lebte, ge\u00f6ffnet hatte &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=85118\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[1208,3134,4929],"class_list":["post-85118","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-textbeispiel","tag-corona-roman","tag-kein-fruehlingserwachen-mehr","tag-romanszene"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=85118"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85118\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=85118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=85118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=85118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}