{"id":85241,"date":"2020-05-26T00:27:00","date_gmt":"2020-05-25T22:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=85241"},"modified":"2020-05-26T00:27:00","modified_gmt":"2020-05-25T22:27:00","slug":"ein-uberraschender-besuch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=85241","title":{"rendered":"Ein \u00fcberraschender Besuch"},"content":{"rendered":"\n<p>Gleich wieder ein Szenenschmankerl aus meinem &#8220;Work on Progress&#8221; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/11\/mit-dem-rohtext-fertig\/\">&#8220;Kein Fr\u00fchlingserwachen&#8221;<\/a> mehr, das derzeit aus f\u00fcnfundzwanzig Szenen, siebenundf\u00fcnfzig Seiten und  27 084 Worten besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Szenen, die von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/22\/die-veraenderung\/\">Egon Herweg,<\/a> den als Alzheimer leidenden Gatten, der Heldin Roswitha, der den Lockdown auf seine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">eigene Art und Weise erleb<\/a>t, habe ich hier schon vorgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt gehts ein wenig weiter nach vor im Text, n\u00e4mlich zu Szene f\u00fcnf, wo Roswitha und Egons Tochter Beate, die gerade ihren Abschlu\u00df auf der Sigmund Freud Uni gemacht hat, Besuch von ihrer Freundin Esther Jablonksy bekommt. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/21\/indiebookday-in-zeiten-der-ausgangssperre\/\">Aber in Zeiten der Ausgangssperre<\/a> war das ja verboten oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/02\/lockerungen-der-corona-massnahmen\/\">eigentlich auch nicht<\/a>,  <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/15\/kulturproteste-und-corona-demos\/\">wie wir inzwischen wissen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Sch\u00f6n, da\u00df du gekommen bist, Esther!&#8221;, rief Beate Herweg begeistert und dr\u00fcckte der Freundin, die mit einer schwarzen Reisetasche und einem Blumenstrau\u00df vor der T\u00fcr ihrer Dachwohnung stand, einen Ku\u00df auf den Mund. Spontan und aus alter Gewohnheit hatte sie ihre Lebensmenschin, die Rechtsanw\u00e4ltin und Menschenrechtsaktivistin Esther Jablonsky, mit der sie seit zwei Jahren mehr oder weniger heimlich zusammen war, an sich gedr\u00fcckt. Wich, als sie das bemerkte, erschrocken zur\u00fcck und fuhr sich mit der Hand \u00fcber den Mund.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Entschuldigung, Esther! Wie konnte ich das vergessen! Das darf man jetzt nicht mehr! Haben wir jetzt das Socialdistanciering und das Ber\u00fchrungsverbot! Ich habe dich hoffentlich nicht angesteckt! Ich bin aber, kann ich dir versichern, seit die Bundesregierung diese Verordnung herausgegeben hat, brav zu Hause geblieben und auch mehr oder weniger symptomfrei!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Keine Angst!&#8221;, antwortete die Freundin, stellte ihre  Tasche ab, dr\u00fcckte Beate den Blumenstrau\u00df in die Hand und erwiderte den Ku\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Keine Angst, Bealein und herzlichen Gl\u00fcckwunsch, da\u00df deine Abschlu\u00dfarbeit angenommen wurde, du nun eine richtige Therapeutin bist und voll ins Berufsleben einsteigen k\u00f6nntest, wenn man das in Zeiten, wie diesen, d\u00fcrfte! Aber keine Angst, Beate! Ich bin nicht so hysterisch, wie es rund herum den Anschein macht und stehe dem Ganzen eher skeptisch gegen\u00fcber! Nichtsdestotrotz f\u00fchle ich mich in meiner Wohngemeinschaft ein wenig einsam und da du mich, als die gewisenhafte Frau, die du bist, nicht besuchen wirst, habe ich entschlo\u00dfen meine sieben Sachen zusammengepackt und beschlo\u00dfen, bevor die totale Ausgangssperre kommt und man, wie in Frankreich oder Spanien, sich nur hundert Meter um seine Wohnung bewegen darf, vor\u00fcbergehend zu dir zu ziehen und mit dir, wenn du einverstanden bist, eine Zweckgemeinschaft zu gr\u00fcnden! Dann k\u00f6nnten wir, wie es auch der Bundeskanzler vorschl\u00e4gt, uns beim Einkaufen abl\u00f6sen! So das Risiko reduzieren und das Homeworking, das mir meine Organisation vorschreibt, kann ich, wenn du nichts dagegen hast, vielleicht auch in deinem Wohnzimmer machen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nicht die Spur!&#8221;, antwortete Beate Herweg ein wenig \u00fcberrascht und erwiderte Esthers Umarmung etwas z\u00f6gernd, weil sie nicht so sicher war, sich  nicht vielleicht anzustecken oder einen eventuellen Virus zu \u00fcbertragen. Andererseits geh\u00f6rten sie beide nicht zur Risikogruppe und wenn sie die n\u00e4chsten Tage, wie verlangt zu Hause blieben, war die Verbreitungsgefahr gering.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Gar nicht, ich freue mich im Gegenteil dar\u00fcber! Denn wei\u00dft du, dir kann ich es gestehen, mir ist die Decke in den letzten Tagen sehr auf den Kopf gefallen! Den ganzen Tag allein zu sein, bin ich, f\u00fcrchte ich, nicht gewohnt! Noch dazu, wo ich meine Abschlu\u00dfparty absagen mu\u00dfte und die Sponsionsfeier entfallen ist! ich h\u00e4tte zwar nicht gewagt, dir das vorzuschlagen, m\u00f6chte ich dich auch nicht gef\u00e4hrden und es ist, wie ich f\u00fcrchte, auch nicht ganz legal, weil wir nicht zusammenwohnen!&#8221;, sagte sie und brach wieder ab, um Esther Jablonsky fragend anzusehen, die energisch den Kopf sch\u00fcttelte und ihr noch einen feuchten Schmatz auf den Mund dr\u00fcckte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Nicht so \u00e4ngstlich, Bealein! Eine klitzekleine Gesetzes\u00fcbertretung ist erlaubt! Wenn du m\u00f6chtest, nehme ich sie auf meine Kappe, zahle die Strafe und gehe, wenn sich die Vorsichtsma\u00dfnahmen vielleicht doch als \u00fcbereilt herausstellen sollten, bis in die letzte Instanz vor Gericht und hole die Strafzahlung wieder herein!&#8221;, k\u00fcndigte sie lachend an.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Man mu\u00df, Bealein, das ist, wenn du es wissen willst, meine Meinung nicht so \u00fcbergehorsam sein und kann dem b\u00f6sen Onkel Innenminister, der eine kontrollieren will, vielleicht ganz gesetzeskonform eines auswischen, denn wir stehen uns, auch wenn das noch nicht so offiziell bekannt sein sollte, schon l\u00e4nger nahe und, da\u00df ich nicht bei dir gemeldet bin-? Wer soll das kontrollieren? Wer will das \u00fcberwachen und uns vernadern? Man mu\u00df da nicht so \u00e4ngstlich sein und die anderen durch seine Fragen nicht erst auf Ideen bringen, die sie vorher gar nicht hatten! Ich bin also da! Deine Freundin ist vor\u00fcbergehend, um eine Zweckgemeinschaft zu gr\u00fcnden, bei dir eingezogen und nun la\u00df uns deinen Abschlu\u00df feiern! Machen wir eine kleine Corona-Party und sind dabei so leise, da\u00df es die b\u00f6sen Nachbarn, nicht merken und nicht die Polizei holen k\u00f6nnen! Wenn die aber trotzdem kommt, kann ich dir versichern, da\u00df ich meine ganzen juristischen Kenntnisse einsetzen werde, um dich und mich zu  verteidigen und da das alles ein Schnellschu\u00df, sehr widerspr\u00fcchig und, wie ich h\u00f6re, auch noch nicht so hundertprozentig ausjustiziert ist, habe ich da keine Sorge! Denn ich bin, wie du siehst, nicht so \u00e4ngstlich und war schon in der Schule, zum Leidwesen meiner Mutter, ein ungehorsames M\u00e4dchen!&#8221;, behauptete sie noch einmal lachend, bevor sie sich nach ihrer Reisetasche b\u00fcckte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Stell die Blumen ins Wasser und schau in der Speisekammer nach, ob du eine Flasche Wein zu Hause hast? Ein bi\u00dfchen Wei\u00dfbrot, Schinken und Oliven? Ansonsten bin ich bereit, das alles schnell zu besorgen, damit es eine sch\u00f6ne Feier  wird und dein Schlafzimmer kenne ich bereits!&#8221;, behauptete sie und lachte anz\u00fcglich auf, was Beate, wie sie f\u00fcrchtete, rot werden lie\u00df. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Habe ich es doch schon mit dir ben\u00fctzt! Bin dir also, wenn du es so willst, schon so nahe gekommen, da\u00df ein eventueller Virus keine Chancen hat!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;So ist es!&#8221;, antwortete Beate gehorsam, bevor sie sich in die kleine K\u00fcche begab, um die Blumen zu versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Rotwein und Bier habe ich zu Hause! Baguette und ein bi\u00dfchen K\u00e4se ist auch vorhanden, so da\u00df du dich nicht bem\u00fchen mu\u00dft und vielen Dank f\u00fcr alles! Du wei\u00dft, ich freue  mich sehr!&#8221;, sagte sie, w\u00e4hrend sie die Blumen auf den K\u00fcchentisch stellte und der Freundin in das Schlafzimmer folgte, die ihre Tasche auszupacken begann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Und jetzt erz\u00e4hl mir, wie du deine Quarant\u00e4netage verbracht hast?&#8221;, wollte sie dann wissen. Beate Herweg zuckte mit den Achseln.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Vor dem Fernseher gr\u00f6\u00dftenteils! Ich f\u00fcrchte, da\u00df ich, wie paralisiert davor gesessen bin und mich nicht einmal das Abschlu\u00dfzeugnis aufheitern konnte! Dann habe ich meine Eltern, die zur Risikogruppe z\u00e4hlen, angerufen und ihnen angeboten, ihre Eink\u00e4ufe f\u00fcr sie zu besorgen! Sie haben aber ohnehin eine Betreuerin. Eine junge Slowakin aus Kosice, da der Papa seit drei Jahren Alzheimer hat!&#8221;, sagte sie mit ged\u00e4mpfter Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Die Mama hat mir erz\u00e4hlt, da\u00df sie jetzt eine Ausstellung \u00fcber das &#8220;Rote Wien&#8221;, die im Juni er\u00f6ffnet werden soll, im Homeoffice mit ihrem Assistenten vorbereitet!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Mit ihrem Assistenten, cool!&#8221;, wiederholte Esther, nahm einen schwarzen Hosenanzug aus der Tasche, um ihn forsch und ungeniert in den Kleiderschrank zu h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich hoffe, er ist ein sch\u00f6ner junger Mann und wenn du Pech hast,  bahnt sich zwischen den Beiden etwas an!&#8221;, sagte Esther und brach ab, als sie Beates entsetzten Gesichtsausdruck bemerkte, die &#8220;Glaubst du wirklich?&#8221;, hervor stie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Vergi\u00df es! Du wei\u00dft, ich bin eine vorlaute Person mit einer unerlaubten Vorstellungskraft, die mir schon so manche Schwierigkeiten eingebracht hat! Ich nehme alles zur\u00fcck und entschuldige mich, wenn du willst, auch f\u00f6rmlich, obwohl die Vorstellung schon etwas Faszinierendes hat und Phantasie ist in diesen Zeiten, wie ich h\u00f6rte, erlaubt! Aber schau nicht so entsetzt, Bea-M\u00e4del und glaub nicht alles! Das M\u00fctterlein wird in der Quarant\u00e4ne mit ihrem Assistenten nicht zusammen sein, sondern mit ihm h\u00f6chstens \u00fcber Skype oder Zoom kommunizieren und wird, wie du mir erz\u00e4hltest, ohnehin von ihrer Hausbetreuerin bewacht, wenn die nicht vielleicht die Gunst der Stunde n\u00fctzt und mit ihrem Sch\u00fctzling zu Techtelmechteln beginnt! Aber ich bin schon still, Beate und stoppe meine b\u00f6se Zunge! Dein Vater war Universit\u00e4tsprofessor nicht wahr, bevor ihm das Schicksal diese Krankheit brachte?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;So ist es!&#8221;, antwortete Bea und setzte energisch &#8220;Du hast wirklich eine b\u00f6se Zunge und wir sollten das Thema wechseln! Komm in die K\u00fcche! Ich hole den Wein aus dem Regal und schaue nach, ob es noch ein Glas Oliven oder Artischoken gibt?  Und du kannst dich entscheiden, ob du in der K\u00fcche oder auf der Dachterrasse feiern willst?&#8221;, hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Auf der Terrasse Bea, wenn du dich das traust und dich vor den b\u00f6sen Nachbarn mit den Feldstechern, die uns der Polizei melden k\u00f6nnten, nicht f\u00fcrchtest!&#8221;, antwortete Esther Jablonsky gem\u00fctlich, schob ihre Reisetasche in eine Ecke und kam noch einmal auf Beate zu, um ihr einen Ku\u00df auf die Wange zu dr\u00fccken.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich wieder ein Szenenschmankerl aus meinem &#8220;Work on Progress&#8221; &#8220;Kein Fr\u00fchlingserwachen&#8221; mehr, das derzeit aus f\u00fcnfundzwanzig Szenen, siebenundf\u00fcnfzig Seiten und 27 084 Worten besteht. 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