{"id":85337,"date":"2020-06-04T00:57:00","date_gmt":"2020-06-03T22:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=85337"},"modified":"2020-06-04T00:57:00","modified_gmt":"2020-06-03T22:57:00","slug":"lauter-vernaderer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=85337","title":{"rendered":"Lauter Vernaderer"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt gehts<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/02\/der-heimweg\/\"> gleich weiter<\/a> mit dem Corona-Roman &#8220;Kein Fr\u00fchlingserwachen mehr&#8221;, n\u00e4mlich zur Szene 15:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Als Viktor Neumann seine Wohnungst\u00fcr aufsperrte, f\u00fchlte er sich befreit, wie schon lange nicht und war so guter Laune, da\u00df sie nicht einmal seine Nachbarin, eine immer grantige, aber auf s\u00fc\u00dflich tuende Frau, wegwischen konnte, die prompt ihren Kopf aus dem T\u00fcrspalt streckte und scheinbar freundlich &#8220;Sch\u00f6nen, guten Abend, Herr Magister! Haben Sie sich die F\u00fc\u00dfe ein wenig vertreten? Denn von der Arbeit k\u00f6nnen Sie nicht kommen, da Sie sich, wie Sie mir erz\u00e4hlten, in Heimarbeit befinden!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Viktor Neumann atmete durch, dann schaute er die Nachbarin an und sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Doch, Frau G\u00fcnther!&#8221; und konnte das &#8220;Frau Karl!&#8221;, gerade noch unterdr\u00fccken, weil er nicht sicher war, da\u00df die alte Dame, eine sogenannte Hofratswitwe oder gewesene Zahnarztgattin, die Anspielung verstehen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Von der Arbeit nicht vom Spaziergang, aber den, keine Sorge, habe ich auch gemacht! vom Museum bin ich nach Hause gegangen und systemrelevante Artbeit ist, wie Sie wissen, erlaubt und das ist es, wenn man vor Ort etwas vermessen mu\u00df und auch spazierengehen ist wichtig, damit man keine Thrombose bekommt! Und wie ist das bei Ihnen, Frau G\u00fcnther? Auch drau\u00dfen die Seele ausgel\u00fcftet? Das rate ich f\u00fcr die Zeit, wo Sie Ihre Enkel nicht sehen k\u00f6nnen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;So ist es!&#8221;, seufzte die und f\u00fcgte ein wenig freundlicher hinzu, da\u00df sie die Enkelkinder sehr vermisse.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Obwohl sie sehr brav sind und f\u00fcr mich einkaufen, damit ich nicht nach drau\u00dfen mu\u00df!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Sehr sch\u00f6n!&#8221;, antwortete er.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Dann will ich mich wieder in meine Quarant\u00e4nenh\u00f6hle begeben und falls die Enkel einmal nicht kommen und Sie etwas brauchen sollten, melden Sie sich bei mir!&#8221;, bot er an und machte die T\u00fcre hinter sich zu.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;So ist es alter Drachen!&#8221;, dachte er bei sich und setzte hinzu, da\u00df es sehr interessant war, schon im eigenen Wohnhaus das Denunizantentum beobachten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Die Rosi f\u00fchlt sich auch von ihrer Tochter \u00fcberwacht!&#8221;, fiel ihm ein und da waren wieder die Erinnerungen an den sch\u00f6nen Nachmittag von dem er Elfriede G\u00fcnther am besten nichts erz\u00e4hlte, damit sie ihn nicht bei seinem ehemaligen Universit\u00e4tsprofessor vernadern konnte. Der bekam zwar nicht mehr viel mit, wie ihm die Rosi zu erz\u00e4hlen wu\u00dfte. Daf\u00fcr beobachtete ihre Tochter Beate sehr genau. Denn die hatte vorhin ein wenig gest\u00f6rt, obwohl sie im Museum nicht anwesend war. Aber Rosi hatte sie behindert. Das hatte er gesp\u00fcrt, obwohl der Nachmittag sehr sch\u00f6n gewesen war und seine Stimmung, die schon am Boden gelegen war, stark verbessert hatte. Die Decke war ihm auf den Kopf gefallen, dem ein erlaubter Spaziergang, wo die Polizisten angeblich mit Ma\u00dfst\u00f6cken an einem vor\u00fcbergingen und jeden, der f\u00fcnf Zentimeter zu wenig Abstand hielt, einen Strafzettel von f\u00fcnfhundert Euro verpasste, nicht abhelfen hatte k\u00f6nnen. Das brauchte er nicht, mit Elfi G\u00fcnther am Donaukanal spazieren zu gehen. Als er die letzte Bierflasche in den Abfalleimer geworfen hatte und \u00fcberlegte, ob er schon wieder in den &#8220;Spar&#8221; hinuntergehen sollte, um sich ein neuerlicher Sixpack zu holen, das letzte hatte er gestern gekauft, allm\u00e4hlich fiel er damit sicher auf, warihm eingefallen, da\u00df Rosi bei ihrem letzten Meeting davon gesprochen hatte, da\u00df sie ins Museum gehen wolle, um den Ausstellungssaal noch einmal zu vermessen und er hatte aufgeatmet. Das war die L\u00f6sung. Das Museum war die Rettung und beim Vermessen konnte Rosi sicher seine Hilfe brauchen. Und da sie dabei mit dem Ma\u00dfband hantierten, konnte auch der Sicherheitsabstand kein Problem darstellen. So war aus dem Sixpack Bier eine Flasche Prosecco und ein S\u00e4ckchen Erdn\u00fc\u00dfe daraus geworden und er war erwartungsvoll in Richtung Felderstra\u00dfe marschiert. War dort eine halbe Stunde tr\u00fcbselig in seinem B\u00fcro gesessen, hatte schon &#8220;Operation mi\u00dflungen!&#8221;, gedacht, als er es am Eingang rascheln h\u00f6rte und Rosi ihn erschrocken ansah, als w\u00fcrde sie Einbrecher im B\u00fcro vermuten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich bin es Chefin, keine Sorge!&#8221;, hatte er beruhigt und der Nachmittag war sch\u00f6n geworden. Viel sch\u00f6ner, als erwartet, denn er und Roswitha waren sich erstaunlich nah gekommen. Viel n\u00e4her als zwischen Chefin und Assistent erlaubt und der Altersabstand vermuten w\u00fcrde und da h\u00f6rte er schon die Stimme seiner Gro\u00dfmutter, die ihn &#8220;War das wirklich n\u00f6tig Viktor? Sie ist eine alte Frau und au\u00dferdem mit deinem ehemaligen Universit\u00e4tsprofessor verheiratet von dem sie zwei Kinder hat!&#8221;, mahnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erinnert mich ein bi\u00dfchen an dich, Oma!&#8221;, verteidigte er sich gegen die imagin\u00e4re Stimme in seinem Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Sie ist genauso m\u00fctterlich und liebevoll, wie du und, da\u00df wir das Verh\u00e4ltnis zwischen Chefin und Assistenten ein wenig \u00fcberschritten haben, Oma? Die Quarant\u00e4ne, diese bl\u00f6dsinnigen Zwangsbeschr\u00e4nkungen sind schuld, da\u00df mich der Lagerkoller packte und Roswitha hat mir gestanden, da\u00df sie sich ein wenig in mich verliebt hat! Da\u00df ich sie an ihren Sohn Albert erinnere, hat sie nicht gesagt, wie ich selbstverst\u00e4ndlich auch nicht erw\u00e4hnte, da\u00df du das bei ihr tust! Sie hat nur beteuert, da\u00df sie ihren Egon noch nie betrogen hat und ihn sehr lieben w\u00fcrde!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Aber-?&#8221;, hat sie dann mit schuldbewu\u00dften L\u00e4cheln hinzugef\u00fcgt und ihm \u00fcbers Haar gestrichen &#8220;-da er jetzt nicht mehr der Alte ist und ich mich eigentlich sehr jugendlich f\u00fchlte!&#8221;, hatte sie sagen wollen und dann mit einem Blick in sein Gesicht, das nat\u00fcrlich j\u00fcnger war, erschrocken innegehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Bea meint, da\u00df ich das nicht mehr bin, sondern aufpassen soll, weil ich zur Risikogeruppe geh\u00f6re! Sie hat sicher auch etwas gegen meinen Museumsbesuch! Da ich mich aber wirklich jung f\u00fchle-? Was soll es, Vik? Ich freue mich dich getroffen zu haben! Denn ich mag dich sehr und da wir in einer Ausnahmesituation sind, ist-&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Einmal keinmal und erlaubt! Wir werden es auch niemanden verraten!&#8221;, hatte er unbek\u00fcmmert geantwortet und ihren Mund mit einem Ku\u00df verschlo\u00dfen. Das war es gewesen. Ein langes Gespr\u00e4ch, eine Flasche Prosecco lag dazwischen und zum Vermessen der Ausstellungsr\u00e4ume waren sie dann nicht gekommen, wie Roswitha nach einer Weile erschrocken feststellte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich mu\u00df nach Hause, Janina und Egon werden sich schon wundern, wo ich geblieben bin! Ich f\u00fcrchte, das Vermessen m\u00fcssen wir auf ein anderes Mal verschieben!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte strahlend genickt und &#8220;Nat\u00fcrlich, Chefin! Es hat mich sehr gefreut und stehe gerne zur Verf\u00fcgung, wenn du mich wieder brauchst! Es war ein wundersch\u00f6ner Nachmittag!&#8221;, geantwortet. Hatte nachdem sie nach einem hastigen Ku\u00df verschwunden war, die Erdnu\u00dfpackung und die Proseccoflasche entsorgt, damit niemand etwas von ihrer nicht so ganz erlaubten Sitzung merken konnte und war beschwingt nach Hause gegangen. Hatte genauso beschwingt  in Frau G\u00fcnthers grantiges Gesicht geschaut und l\u00e4chelte auf diese Art und Weise jetzt auch Christines Foto an, das immer noch auf seinem Schreibtisch stand.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Was sagst du dazu, Christine?&#8221;, fragte er die entschwundene Freundin.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Meinst du auch, da\u00df das ungeh\u00f6rig ist? Der Altersunterschied zu gro\u00df und es sich nicht geh\u00f6rt, seinen ehemaligen Professor mit seiner Chefin zu betr\u00fcgen? Das geh\u00f6rt sich vielleicht wirklich nicht! Da hast du schon recht, was soll ich aber machen? Ist sie doch eine wunderbare Frau, der man es bestimmt nicht ansieht, da\u00df sie zur Risikogruppe z\u00e4hlt&#8221; &#8211; Wie geht es dir, Christinchen? Bist du immer noch in New York auf deiner University? Von dieser Stadt h\u00f6rt man ja Schlimmes, wenn man die Nachrichten sieht! Wie geht es dir? Pa\u00df auf dich auf, auch wenn du nicht zur Risikogruppe z\u00e4hlst, sondern gesund und viel j\u00fcnger bist! Schick mir doch ein Mail, damit ich wei\u00df, wie es dir geht!&#8221;, h\u00f6rte er sich denken, sch\u00fcttelte dann \u00fcber sich erschrocken den Kopf und dachte wieder an die Gro\u00dfmutter.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Du hast schon recht, Oma!&#8221;, sagte er zu ihrem imagin\u00e4ren Geist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wenn du wissen willst, ob mich die Covid 19 -Krise zum \u00dcberschnappen brachte! Vielleicht ist es so! Es war aber ein wirklich wundersch\u00f6ner Nachmittag mit meiner Chefin, auch wenn sie f\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahre \u00e4lter und mit meinem ehemaligen Doktorvater verheiratet ist, war es das und ein bi\u00dfchen Freude geh\u00f6rt in Zeiten, wie diesen ja dazu und darf vielleicht auch sein!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt gehts gleich weiter mit dem Corona-Roman &#8220;Kein Fr\u00fchlingserwachen mehr&#8221;, n\u00e4mlich zur Szene 15: &#8220;Als Viktor Neumann seine Wohnungst\u00fcr aufsperrte, f\u00fchlte er sich befreit, wie schon lange nicht und war so guter Laune, da\u00df sie nicht einmal seine Nachbarin, eine &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=85337\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[1208,5643,6311],"class_list":["post-85337","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-textbeispiel","tag-corona-roman","tag-szene-aus-kein-fruehlingserwachen-mehr","tag-work-in-progress"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=85337"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85337\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=85337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=85337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=85337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}