{"id":85637,"date":"2020-06-13T00:38:00","date_gmt":"2020-06-12T22:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=85637"},"modified":"2020-06-13T00:38:00","modified_gmt":"2020-06-12T22:38:00","slug":"berliner-briefe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=85637","title":{"rendered":"Berliner Briefe"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt wieder ein Buch einer mir bisher unbekannten Autorin, die sich in den Neunzehnf\u00fcnfzigerjahren das Leben genommen hat, sich vorher aber scharf und pointiert mit dem Holocaust auseinandersetzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 1918 in Berlin geborene Susanne Kerckhoff hat es in Deutschland getan, die 1904 in Wien geborene Friederike Manner, deren &#8220;Lesen- Aber was?&#8221;, ich einmal im Schrank gefunden habe, die sich 1956 das Leben nahm, tat es in den &#8220;Dunklen Jahren&#8221;, 1948 erschienen, 2019 wieder aufgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war bei der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/05\/07\/friederike-manner-romanbericht\/\"> Pr\u00e4sentation in der &#8220;Gesellschaft&#8221;<\/a> und bevor ich zu Susanne Kerckhoff und ihrem eigentlich sehr d\u00fcnnen Buch komme, m\u00f6chte ich vielleicht noch Irene Harand erw\u00e4hnen 1900 in Wien geboren, 1975 in New York gestorben, die sich mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/04\/sein-kampf-antwort-an-hitler\/\">&#8220;Sein Kampf&#8221;<\/a> schon 1935 mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/10\/buchaussendung-und-romane-vom-nationalsozialismus\/\">Adolf  Hitler <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/04\/gesellschaftliches-volksstuck-von-franzobel\/\">auseinandergesetzt<\/a> hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das kleine d\u00fcnne B\u00fcchlein, die &#8220;Berliner Briefe&#8221;, 1948 in Berlin erschienen, jetzt von dem kleinen feinen Verlag &#8220;Das kulturelle Ged\u00e4chtnis&#8221; herausgegeben wurde, von dem ich schon <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/01\/24\/die-wunderkammer-der-deutschen-sprache\/\">&#8220;Die Wunderkammerder deutschen Sprache&#8221;<\/a> gelesen habe, ist insofern ein Novum, da es am vorigen Freitag im &#8220;Literarischen Quartett&#8221; vorgestellt wurde, da lag das Buch schon am Harlander K\u00fcchenschreibtisch, denn der Verlag hat mich angeschrieben,  mich von der Vorstellung informiert und es mir dann noch rechtzeitig zugeschickt, so da\u00df ich das &#8220;Literarische Quartett&#8221; einmal schon sehen konnte, noch bevor mich Wolfgnag Tischer, wie es sonst der Fall ist, in seinem &#8220;Literaturcafe&#8221; darauf aufmerksam machte, denn ich habe ja keinen Fernseher und bin auch nicht in Deutschland zu Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch ist ein Briefroman, besteht also aus fiktiven Briefen von einer Helene an einen Hans, in denen sie sich mit dem Holocaust oder dem was in Deutschland, in dem Helene und auch Susanne Kerckhoff w\u00e4hrend des Krieges geblieben ist, geschah, auseinandersetzt. Es sind dreizehn Briefe und hundert Seiten, mit einem Vorwort der Autorin und einem Nachwort des Herausgebers Peter Graf und das Buch wurde sowohl von Dennis Scheck, als auch im &#8220;Literarischen Quartett&#8221; sehr gelobt.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Graf meint in seinem Nachwort, da\u00df  Susanne Kerckhoff, die Philosophie studierte, einen Buchh\u00e4ndler geheriatet hat, von dem sie sich scheiden lie\u00df und auch sehr viele Unterhaltungsliteratur, sowie Lyrik geschrieben hat, bevor sie politisch wurde, keinesweg so unbekannt ist, sondern seit 1989 langsam wieder entdeckt wurde. In der DDR in der sie die letzten Lebensjahren verbrachte, wurde sie aber totgeschwiegen und das Buch ist wirklich sehr interessant und ich empfehle es zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den dreizehn Briefen, an den Hans, den j\u00fcdischen Jugendfreund, setzt sich Irene mit ihrer Beziehung zu den Nazis und dem was sie oder man gewu\u00dft hat oder nicht auseinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Vorbemerkung ist mit Dezember 1947 datiert, also eine ganz fr\u00fche Phase der Auseinandersetzung, sie erw\u00e4hnt in den ersten Briefen eine Begegnung mit Hans Vater, der ihr aus R\u00fccksicht ausweichen will, sie bleibt stehen und spricht ihn  an, da versteckt er seinen gelben Stern unter seinen Hut und sie berichtet auch von einer Bemerkung ihres Gro\u00dfvaters, als sie ihm als Kind von einer j\u00fcdischen Freundin erz\u00e4hlt. Dann fragt sie sich, was man gewu\u00dft haben k\u00f6nnte und warum man den F\u00fchrer folgte. Sie meinte, da\u00df das wohl aus Armut geschehen sei und man wohl froh war, da\u00df es einem dann besser geht. Nachher stand man da mit seinen Schuldgef\u00fchlen und hat das alles nicht gewu\u00dft und sie meint auch, da\u00df die einfachen und ungebildeten Menschen auch nicht die geistigen M\u00f6glichkeiten hatten, sich mit all dem auseinanderzusetzen. Sie rechnet auch mit der Kirche und ihrer Rolle ab, erkl\u00e4rt was sie von der SPD und der SED h\u00e4lt, in die sie nicht eingetreten ist und bezeichnet sich selbst als eine aktive Mitl\u00e4uferin, die den Krieg  nur \u00fcberleben konnte, da\u00df sie halt der &#8220;Winterhilfe&#8221; ein paar Mark mehr spendete, um so den Verdacht zu entgehen, vielleicht feindsender zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant und schade, da\u00df das Buch so unbekannt geblieben ist, schade auch, da\u00df es in einem eher kleinen Verlag erschienen ist und fein, da\u00df es im &#8220;Literarischen Quartett&#8221;, so prominent, wenn auch sehr sp\u00e4t am Abend und da wahrscheinlich wieder im Verborgenen vorgestellt wurde und ich finde  auch, die hier erw\u00e4hnten Frauen, die sich schon sehr fr\u00fch mit dem Thema Holocaust auseinandersetzten, sehr interessant.<\/p>\n\n\n\n<p>Irene Harand war eine sehr konservative b\u00fcrgerliche Frau, da wurde ihr Buch wohl von den Linken abgelehnt und die DDR hat auch mit der Auseinandersetzung der jungen Susanne Kerckhoff, die sich 1950 das Leben nahm, auch keine gro\u00dfe Freude gehabt. Es sind aber in Zeiten, wie diesen, wo die Patrioten erwachen,  ihren patriotischen Widerstand leisten und von der Auseinandersetzung mit der Geschichte, nichts h\u00f6ren  wollen, vielleicht besonders wichtig auch diese feinen leisen Stimmen zu h\u00f6ren, so danke ich dem Verlag sehr mich auf das Buch aufmerksam gemacht zu haben, das sonst vielleicht an mir vorbeigegangen w\u00e4re, obwohl ich mir die &#8220;Literarischen Quartett-Folgen&#8221; eigentlich sehr regelm\u00e4\u00dfig und interessiert anh\u00f6re. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein Buch einer mir bisher unbekannten Autorin, die sich in den Neunzehnf\u00fcnfzigerjahren das Leben genommen hat, sich vorher aber scharf und pointiert mit dem Holocaust auseinandersetzte. 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