{"id":85803,"date":"2020-06-18T00:03:00","date_gmt":"2020-06-17T22:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=85803"},"modified":"2020-06-18T00:03:00","modified_gmt":"2020-06-17T22:03:00","slug":"eine-unerlaubte-demonstration","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=85803","title":{"rendered":"Eine unerlaubte Demonstration"},"content":{"rendered":"\n<p>Und jetzt wieder ein St\u00fcck aus meinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/09\/ein-schrecklicher-verdacht\/\">Corona-Text, ein paar davon gibt es ja schon<\/a>, wie man hier, samt den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/02\/der-heimweg\/\">Schreibproze\u00dfartikel<\/a> nachlesen kann. Inzwischen hat sich ja schon einiges ge\u00e4ndert und die Demonstrationen haben eine f\u00fcnfzigtausend Teilnehmer Dimension erreicht und ich bin immer noch am Korrigieren, hoffe wieder bald damit fertig zu werden, damit der Text zur Buchproduktion an den Alfred gehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Coverbild ein Foto von der Anna und der Lia, beide mit selbstgemachten Masken ausger\u00fcstet gibt es schon, das f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/02\/fertig-mit-dem-fraeulein-no\/\">&#8220;Fr\u00e4ulein No&#8221;<\/a> m\u00fc\u00dfen wir noch machen, was aber, da man ja jetzt wieder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/02\/lockerungen-der-corona-massnahmen\/\">hinausgehen<\/a> kann, kein Problem darstellen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Szene zweiundzwanzig, die jetzt folgt, steht ziemlich am Schlu\u00df des Textes, der ja aus f\u00fcnfundzwanzig Szenen besteht, aber wenn man die anderen Texte und die Schreibproze\u00dfartikel liest, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/07\/vorsichtiger-veranstaltungsbeginn\/\">sowie<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/31\/pfingstsonntag-normalitat-mit-der-ruth\/\">das<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/30\/pfingsten-zu-corona-zeiten\/\"> was<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/30\/pfingsten-zu-corona-zeiten\/https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/29\/zwei-meter-abstand-fur-kunst-und-kultur\/\"> ich<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/23\/marktbesuch-in-der-zombie-apokalypse\/\">hier <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/15\/kulturproteste-und-corona-demos\/\">immer<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/06\/online-corona-romane-zur-recherche\/\">wieder<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/01\/kein-maiaufmarsch-mehr\/\"> \u00fcber <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/26\/lesen-in-corona-zeiten\/\">Corona <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/16\/corona-gedichte\/\">geschrieben <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/10\/krisenkarfreitag\/\">habe<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/04\/05\/ostern-in-coronazeiten\/\">wird<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/29\/leben-im-dystopischen-raum\/\">man<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/23\/corona-tagebuch\/\">gut<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/19\/quarantaene-schreiben\/\">folgen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/03\/15\/hassposting-an-corona-oder-veranstaltungsstop-ii\/\"> k\u00f6nnen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Beate Herweg sa\u00df vor ihrem Computer und fluchte ebenfalls vor sich hin. &#8220;Verdammte Schei\u00dfe!&#8221;, schimpfte sie, strich sich \u00fcber ihre, wie sie vermutete, im Moment sehr zerzausten Haare. F\u00fcrchtete, da\u00df sie einen aufgel\u00f6sten Eindruck machte und nicht, wie eine kompetente Psychotherapeutin wirkte. Das brauchte sie auch nicht, denn die Helpsprechstunde war vor\u00fcber, beziehungsweise hatte sie sie unterbrochen, als der Anruf der Mutter kam, da\u00df der Vater ins Meidlinger-Unfallkrankenhaus eingeliefert worden war. So hatte sie der Zentrale ihren Notfall bekanntgegeben und war, obwohl sie sich ein bi\u00dfchen daf\u00fcr genierte, maskiert ins Krankenhaus gefahren, hatte dort die Mutter und eine ebenfalls sehr aufgel\u00f6ste Janina getroffen, die immer wieder beteuerte, da\u00df sie nicht Schuld daran sei, sondern sehr gut auf den Professor aufgepasst hatte, der ihr, als sie auf der Toilette gewesen war, entwischt sein mu\u00dfte. Albert und Valera waren auch gekommen. So waren sie zu f\u00fcnft, was eigentlich noch nicht als Versammlung galt, vor dem Unfallkrankenhaus gestanden und hatten, was sie ebenfalls, als ein bi\u00dfchen seltsam empfand, telefonisch von der Aufnahmestation erfahren, da\u00df der Vater gerade versorgt und verbunden wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Er hat einen Blutergu\u00df am Auge und einen geprellten kleinen Finger, ist aber sonst sehr munter und erz\u00e4hlte, wie mir die Aufnahmeschwester erkl\u00e4rte, aufgeregt ewas von einer feindlichen Invasion, der er auf der Spur sei, weshalb er angefahren und niedergesto\u00dfen wurde und wird wahrscheinlich nach einem abschlie\u00dfenden R\u00f6ntgen  in den n\u00e4chsten Stunden entlassen und mit der Rattung nach Hause gebracht! Wir sollen uns auch dorthin begeben!&#8221;, hatte ihnen die Mutter mitgeteilt und so hatten sie sich wieder auf den Weg in ihre Wohnungen gemacht. Albert und Valera nach Neuwaldegg, die Mutter und Janina in die Albertgasse. Sie war in die Schanzstra\u00dfe gefahren und hatte sich gewundert, Esther nicht angetroffen zu haben. Die Freundin und Lebensmenschin, die vor zwei Wochen illegal bei ihr eingezogen war, damit sie nicht so einsam waren, war nicht anwesend, hatte aber eine Nachricht hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Ich hoffe, deinem Vater geht es gut! Um mich brauchst du dir keine Sorgen machen, Bea, falls ich noch nicht da sein sollte, wenn du nach Hause kommst! Ich bin ein bi\u00dfchen luftschnappen! Denn das soll man tun, um fit zu bleiben und nach dem Rechten mu\u00df man auch sehen!&#8221;, hatte sie in ihrer krakeligen Schrift wieder etwas kryptisch hingekritzelt. Beate hatte &#8220;Typisch, Esther!&#8221;, gedacht und darber nachgegr\u00fcbelt, was sie mit ihren letzten Satz gemeint haben k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Sie ist wirklich eine aufm\u00fcpfige Person! Man braucht sich aber keine Sorgen machen!&#8221;, hatte sie noch festgestelt. Was sie allerdings sofort revidierte, als sie den Computer hochgefahren hatte und die Nachrichten sah.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Vor dem Parlament gibt es eine Demonstration!&#8221;, berichtete da die Sprecherin, eine junge Frau mit langen blonden Haaren und einem tiefausgeschnittenen roten &lt;kleid mit aufgeregter Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Eine illegale Demonstration! Denn Versammlungen sind jetzt verboten! Sie wurde zwar angemeldet, aber untersagt, weil bef\u00fcrchtet wurde, da\u00df mehr, als die erlaubten f\u00fcnf Personen daran teilnehmen k\u00f6nnten und jetzt haben wir erfahren, da\u00df sich \u00fcber hundert Menschen vor das Parlament begeben haben, um, wie sie betonen, f\u00fcr ihre Freiheit zu demonstrieren, die sie in den Ma\u00dfnahmen nicht gewahrt sahen!&#8221;, erkl\u00e4rte die junge Frau emp\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;So ist es!&#8221;, dachte Beate.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wenn man nur mit Mund-Nasenschutz aus dem Haus und da nur einzukaufen und zur Arbeit gehen darf, kann es auch keine Demonstrationen geben!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erstarrte sie, als sie vor einer Schar aufgereihter Polizisten, die den Sicherheitsabstand auch nicht ganz einhielten, eine junge Frau mit einem wei\u00dfen T-Shirt auf dem &#8220;Genug ist genug!&#8221;, aufgesprayt war, entdeckte, was Beate noch einmal &#8220;Shit, das kann doch nicht sein!&#8221;, denken lie\u00df. Kannte sie doch sowohl, die junge Frau, als auch das T-Shirt, denn Esther hatte den gestrigen Nachmittag mit geheimnisvoller Miene an einem solchen gebastelt und dabei mehrmals diesen Satz vor sich hingemurmelt, den sie, sie gab es zu, nicht ganz verstanden und auch nicht so ernst genommen hatte, kannte sie doch Esthers Temperament, die sich jetzt vor den Polizisten aufb\u00e4umte und genau diesen Satz mit aufgeregter Stimme wiederholte.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Genug ist genug, Polizisten, habt ihr kein Herz? Ich bin eine m\u00fcndige B\u00fcrgerin und eine erwachsene Frau, die schon auf sich aufpassen kann und wei\u00df, was sie will! Ich m\u00f6chte nicht entm\u00fcndigt werden und mir auch nicht vorschreiben lassen, was ich tun darf und was nicht! Habt ihr kein Einsehen, Polizisten mit den vielen Leuten, die ihren Job verloren haben und ihren Firmen, die nicht wissen, wie es weitergeht? Mit den Kindern, die nicht in die Schule und auch nicht auf den Spielplatz d\u00fcrfen und deshalb reihenweise aus den Fenstern fallen? Mit den Frauen, die von ihren entnervten und alkoholisierten M\u00e4nnern braun und blau gepr\u00fcgelt werden? Ihr habt doch selber Familien, Polizisten! Findet ihr das nicht auch pervers?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Jawohl!&#8221;, dr\u00f6hnte es im Hintergrund von den anderen Demonstranten, die &#8220;Bravo!&#8221;, schrieen und in die H\u00e4nde klatschten, die, wie die rotgekleidete Nachrichtensprecherin gerade kommentierte, den Sicherheitsabstand nicht einhielten und von ihrem Kollegen, der ihr mit entsprechenden Abstand im Studio gegen\u00fcber sa\u00df, darin verst\u00e4rkt wurde, da\u00df die Zust\u00e4nde auf der Stra\u00dfe skandal\u00f6s w\u00e4ren und sich auf dieser unerlaubten Demonstration, wie er betonte, die sonderbarsten Personen zusammengefunden h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Bei der Dame, die wir gerade gesehen haben, d\u00fcrfte er sich, um eine Menschenrjechtsaktivistin handeltn, w\u00e4hrend wir geh\u00f6rt haben, da\u00df sich auch einige Impfgegner und Verschw\u00f6rungstheoretiker, die sich weigern an den Virus zu glauben, bei der unerlaubten Demo eingefunden haben und damit ihre un die Sicherheit der anderen sehr gef\u00e4hrden!  Das kann teuer werden, wenn es zur Anzeige kommt! Die Polizei nimmt gerade, wie zu sehen ist, die Identit\u00e4t der \u00dcbelt\u00e4ter auf, um sie daf\u00fcr haftbar zu machen!&#8221;, sagte er mit drohender Stimme und die Kamera schwenkte wieder zu Esther hin, die immer noch auf die Polizisten einsprach, wo jetzt ein Sprecher sein Megaphon erhob und die Demonstranten aufforderte, den Platz zu verlassen und nach Hause zu gehen, weil sie sonst einschreiten w\u00fcrden, was sie aber von Esther angefangen, nur zu einem &#8220;Wir sind das Volk und bleiben bis ihr geht!  Denn genug ist genug!&#8221;, zu skandieren veranla\u00dfte. Was die blonde Nachrichtensprecherin und ihren Kollegen wieder zu einem &#8220;Skandal\u00f6s!&#8221;, bewogten und Bea ebenfalls &#8220;Genug ist genug!&#8221;, murmelnd, den Computer ausschaltete und beschlo\u00df, die Mutter anzurufen, um sich zu erkundigen, ob der Papa schon zu Hause angekommen war?&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und jetzt wieder ein St\u00fcck aus meinem Corona-Text, ein paar davon gibt es ja schon, wie man hier, samt den Schreibproze\u00dfartikel nachlesen kann. 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