{"id":8595,"date":"2011-09-06T23:00:25","date_gmt":"2011-09-06T21:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=8595"},"modified":"2011-09-06T23:00:25","modified_gmt":"2011-09-06T21:00:25","slug":"das-wittgensteinprogramm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8595","title":{"rendered":"Das Wittgensteinprogramm"},"content":{"rendered":"<p>Philip Kerr hat 1995 f\u00fcr den Roman &#8220;Das Wittgensteinprogramm&#8221; den deutschen Krimi Preis bekommen. &#8220;Moderner, ausgesprochen spannender Krimi (sei nicht zu streng mit dem Realit\u00e4tsbezug), lesen, wenn du aus der Welt fl\u00fcchten willst?&#8221; hat jemand in das im B\u00fccherschrank gefundene Exemplar hineingeschrieben.<br \/>\nWas ich interessant finde, denn spannend habe ich den in der nahen Zukunft von 1913 spielenden Roman eigentlich nicht sehr empfunden, sondern eher anstrengend sich in das Zukunftsszenario hineinzufinden.<br \/>\nEs beginnt mit einem Frauenmord und die drei Kriminalisten streiten sich, wer f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung zust\u00e4ndig ist, bzw. in welches Schema Mord und M\u00f6rder passen.<br \/>\nDenn der Roman spielt in einer Welt, in der Massenmorde allgegenw\u00e4rtig sind und es gibt auch Ermittler f\u00fcr M\u00e4nner und solche f\u00fcr Frauenmorde. F\u00fcr Frauenmorde ist Chefinspektorin Jake Jakowicz zust\u00e4ndig. Das Ganze spielt in London, aber Jake fliegt kurz nach Frankfurt, um auf einen Kongre\u00df \u00fcber die Hollywoodmorde zu berichten und lebt in einer Zeit, in der es Pictophone gibt und Satelitentelefone verboten sind, das ist auch recht schwer zu verstehen, was und wie das zuzuordnen ist. Rauchen ist jedenfalls oft verboten, bzw. gibt es nikotinfreie Zigaretten und cholesterinfreien Schinken gibt es auch und dann noch das Lombrosoprogramm. Da werden Menschen mit Aggressionspotentialen herausgefildert, bekommen Decknamen und einen psychologischen Berater, der sie vor weiteren Gewalttaten sch\u00fctzen soll und ein solcher Kanditat mit dem Decknamen &#8220;Wittgenstein&#8221; beginnt nun die anderen aggressive Kanditaten mit den Namen Sokrates, Descartes etc zu ermorden und Jake bekommt von der Staatssekret\u00e4rin den Auftrag sich um diesen Fall zu k\u00fcmmern.<br \/>\nDie wird von ihren Mitarbeiter &#8220;Gn\u00e4dige Frau&#8221; genannt, ha\u00dft M\u00e4nner, geht zu einer Therapeutin, wo man sich nackt auf die Couch legen mu\u00df und erz\u00e4hlt ihr von ihren schlimmen Vatererfahrungen und wenn sie jemand anmachen will, schl\u00e4gt sie ihm k.o.<br \/>\nSo weit das Szenario, in das langsam und umst\u00e4ndlich hineingef\u00fchrt wird. Der Roman hat \u00fcber vierhundert Seiten und wird auf zwei Ebenen erz\u00e4hlt, von Jake und von Wittgenstein, der zuerst seine Morde schildert, dann endlose Abhandlungen \u00fcber die Philosophie des perfekten T\u00f6tens h\u00e4lt und sich schlie\u00dflich Jake ann\u00e4hert, bzw. sie sich ihm.<br \/>\nRichtig, das Strafkoma habe ich noch vergessen, in das werden die Deliquenten versetzt, weil es keine Todesstrafe mehr gibt, Koma aber billiger als Gef\u00e4ngnis ist. Es wird auch viel Literatur zitiert und nat\u00fcrlich philosophiert, w\u00e4hrend Jake versucht Wittgensteins Identit\u00e4t zu l\u00fcften, das tut sie, in dem sie seinen chinesischen Berater in Hypnose versetzen l\u00e4\u00dft, bzw. ein anderer Chinese Computerprogramme entschl\u00fc\u00dfelt, sie f\u00e4hrt auch nach Cambridge, schaut sich dort des echten Wittgensteins ehemaliges Zimmer an und spricht mit einen Philosophieprofessor, der auch Krimis geschrieben hat. Hier trifft sie dann auf Wittgenstein, er erkennt sie, sie ihn nat\u00fcrlich nicht, was ihn so zu verwirren scheint, da\u00df er sein n\u00e4chstes Opfer namens Shakespeare verfehlt. Wittgenstein scheint auch mit dem Computer zu v\u00f6geln und schickt Jakes Bilder in denen er sie in obsz\u00f6nen Posen dargestellt hat, dann ruft er sie \u00fcber das Satelitentelefon an, mit dem er nicht entdeckt werden kann, mordet wieder, Jake hat inzwischen herausgefunden, da\u00df er ein Deutscher ist und Shakespeare bringt seinen verlorenen Stadtplan zur Polizei, die dann in Shakespeare den Lippenstiftm\u00f6rder erkennt und herausbekommt, da\u00df Wittgenstein eigentlich Esterhazy hei\u00dft und Apothekengehilfe ist. Damit ist sie ihm auch schon auf der Spur und rettet ihn, als er Selbstmord begehen will, so da\u00df ihm nichts als das Strafkoma \u00fcberbleibt und bevor er in dieses versetzt wird, besucht sie ihn noch mit einer Hyazinthe.<br \/>\nSehr viel habe ich mit dem Buch nicht anfangen k\u00f6nnen, da mich die Vermischung mit dem Zukunftszenario und der Philosophie Wittgenstein ein wenig verwirrte, die Namen konnte ich mir schwer merken und auch das Zukunftsszenario war leicht unverst\u00e4ndlich. Der Sinn des Mordens ist mir auch nicht ganz klar geworden und die Idee einen Krimi mit der Philosophie zu verbinden ist vielleicht ganz interessant, die Krimihandlung war aber eher einfach gestrickt und Wittgensteins &#8220;Tractate&#8221; habe ich auch nicht so spannend gefunden.<br \/>\nDas Ganze ist aber sicher sehr ungew\u00f6hnlich und das Zukunftsszenario eine Woche vor dem 11. 9. ist auch ganz interessant. 1995 mu\u00df das Buch  ganz anders gewirkt haben, als in einer Welt in der vieles schon verwirklicht ist und es \u00dcberwachungsprogramme, Rauchverbote und cholesterinfreien Schinken gibt. Eine Psychotherapie zu der man sich nackt ausziehen mu\u00df, gibt es, glaube ich nicht, die europ\u00e4ische Union aber schon und wahrscheinlich spannendere Krimis als das &#8220;Wittgensteinprogramm&#8221;, obwohl das, wie das obige Zitat beweist, von den Lesern nicht so empfunden wird und es auch zum besten internationalen Kriminalroman gew\u00e4hlt wurde.<br \/>\nPhilip Kerr wurde 1956 in Edinburgh geboren, lebt in London und &#8220;wovon wir nicht sprechen k\u00f6nnen,dar\u00fcber m\u00fc\u00dfen wir schweigen&#8230;&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philip Kerr hat 1995 f\u00fcr den Roman &#8220;Das Wittgensteinprogramm&#8221; den deutschen Krimi Preis bekommen. &#8220;Moderner, ausgesprochen spannender Krimi (sei nicht zu streng mit dem Realit\u00e4tsbezug), lesen, wenn du aus der Welt fl\u00fcchten willst?&#8221; hat jemand in das im B\u00fccherschrank gefundene &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8595\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-8595","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8595"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8595\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}