{"id":86866,"date":"2020-07-19T00:23:41","date_gmt":"2020-07-18T22:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=86866"},"modified":"2020-07-19T00:23:41","modified_gmt":"2020-07-18T22:23:41","slug":"klee-wyck-die-die-lacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=86866","title":{"rendered":"Klee Wyck &#8211; die, die lacht"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt noch eine Neuerscheinung und noch ein Buch des wunderbaren &#8220;Verlags das kulturellen Ged\u00e4chtnissen&#8221; k\u00f6nnte ich fast pathetisch schreiben, denn, der offensichtliche kleine Verlag, bringt wunderbare Neuentdeckungen. So hat es f\u00fcr mich mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/01\/24\/die-wunderkammer-der-deutschen-sprache\/\">der &#8220;Wunderkammer der deutschen Sprache&#8221;<\/a> angefangen. Dann ging es zu den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/06\/13\/berliner-briefe\/\">&#8220;Berliner Briefen&#8221;<\/a> der mir bisher unbekannten Susanne Kerckhoff, jetzt geht es nach Kanada und zu der 1945 verstorbenen Malerin Emily Carr, die seit ihrer Jugend mit ihrem Zeichensack, die Indianerreservate besuchte. Dort zeichnete,  sich  mit den Indiandern anfreundete und sich ihre Kultur einverleibte. Dann wurde sie krank, durfte nicht mehr malen. So holte sie ihr Skizzenheft und ihre Freundinnen rieten ihr zur Ver\u00f6ffentlichung.<\/p>\n\n\n\n<p> Das gelang auch  1941 wurde ein gro\u00dfer Erfolg. Dann starb die \u00fcber siebzigj\u00e4hrige alte Dame und das Buch wurde als Schulbuch herausgegeben. Da man bei Kindern aber offenbar zensurieren mu\u00df, wurde viel verst\u00fcmmelt, eine der einundzwanzig Skizzen sogar weggelassen und die allzu gro\u00dfe Missionarkritik der Autorin revidiert.<\/p>\n\n\n\n<p> Das alles steht im Vorwort von Kathryn Bridge, die bis 2017 stellvertretende Leiterin des Royal Brith  Columbia Museum war. Die Originalausgabe gibt es wieder seit 2003. Jetzt ist sie auf Deutsch erschienen und es ist ein sehr  interessantes Buch, mit sehr sch\u00f6nen Illustrationen, das in eine vielleicht unbekannte Welt einf\u00fchrt und schon das oben Beschriebene mag zeigen, wie schwer, das in Zeiten, wie diesen ist, wo man, glaube ich, nicht mehr Indianer, sondern wahrscheinlich Ureinwohner schreiben darf und ich auch schon h\u00f6rte, da\u00df ein Bahnhof umbenannt werden soll, weil er nach &#8220;Onkel Tom&#8221; benannt wurde, obwohl sich Harriet Beecher Stowe ja gegen die Sklavenhaltung einsetze und durch ihr Buch auch viel in Gang ver\u00e4nderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Bildung hilft vielleicht gegen Vorurteile aufzutreten und da ist die Vergangenheit wichtig. Denn die mu\u00df man kennen, um in eine bessere Zukunft zu starten. Kehrt man sie  unter den Teppich und dann brechen die Vorurteile erst recht schwallartig hervor, wie die Psychologin meint. Im Vorwort wird aber das Pidgin-Englisch in dem Emily Carr, die Ureinwohner sprechen l\u00e4\u00dft, entschuldigt. Ich denke, dadurch wird es dicht und das war ja ein Anliegen der Malerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings hatte ich auch ein wenig Schwierigkeiten mit den Vorurteilen, die da beispielsweise einer Missionarsdtochter, die &#8220;Missionarfr\u00e4ulein&#8221; und dumm&#8221; genannt wird, entgegengebracht wird, was vielleicht ein Argument f\u00fcr die Zensurfreudigkeit war.<\/p>\n\n\n\n<p> Aber nun hinein in die Geschichten, die ich sehr empfehlen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben  indianische oder chinookische Worte, wie die Landessprache wohl hei\u00dft, zum Titel und in der ersten wird beschrieben, wie das &#8220;F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Schulm\u00e4del&#8221; mit ihrem Zeichensack in so eine Missionarsstation kommt. Da gibt es zweiMissionarinnen, eine \u00e4ltere und eine j\u00fcngere und eine Schule, die am Sonntag zum Kirchenraum uimfunktioniert wird. Die Kinder starren das wei\u00dfe M\u00e4dchen an, das sie in ihrer Sprache, &#8220;Die, die lacht&#8221;, nennen und am Sonntag d\u00fcrfen die M\u00e4nner nur mit Hosen in die Kirche. Das wollen sie offensichtlich nicht. Deshalb bleiben sie fern. Aber einmal kommt einer mit nackten Beinen und r\u00fchrend die Erz\u00e4hlung, wie eine Indianerfrau, dann ihren Schal nach vorne reicht, obwohl Frauen ohne den solchen noch viel anst\u00f6\u00dfiger als M\u00e4nner ohne Hosen gelten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es mit der schon erw\u00e4hnten Missionarstochter mit einem Boot in drei verlassene D\u00f6rfer, die drei eigene Skizzen sind, &#8220;Reportagen&#8221; steht, als Buchbezeichnung, ich denke nach meinen Romanerfahrungen, wo da ja <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/12\/im-stein\/\">Kurzgeschichtensammlungen als solche zusammengefa\u00dft sind<\/a>, da\u00df es durchaus auch als solcher durchgehen k\u00f6nnten, sind sie ja alle in der Ich- Perspektive geschrieben oder richtiger wahrscheinlich, als Memoir oder Personal Essay, die ich ich ja im<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/09\/23\/fuenfzehn-jahre-writersstudio\/\"> Writersstudio<\/a> kennenlernte und den Unterschied zwischen den Beiden nie ganz auseinanderhalten kann. <\/p>\n\n\n\n<p>In &#8220;Sophie&#8221;, doch kein Indianernamen, den die Missionare haben den Kindern offenbar alle christliche Namen verpasst, schreibt Emily Carr von ihrer Freundin, die einmal mit ihren K\u00f6rben in Vancouver, wo sie lebte, aufkreuzte und sie sie dann  in ihrem Dorf besuchte, um ihr Kleider zu bringen. Die hatte einundzwanzig Kinder. Jedes Jahr oder alle zehn Monate eines wahrscheinlich. Aber nur drei waren gleichzeitig am Leben und so werden die Kinders\u00e4rge beschrieben in die die Kleinen dann gelelgt und bestattet wurden, was eigentlich auch zu denken geben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;D` Sonoqua&#8221; ist die Bezeichnung f\u00fcr eine Holzfigur, die Emily Carr in den D\u00f6rfern immer wieder begegnet.<\/p>\n\n\n\n<p> &#8220;Die wilde Frau der W\u00e4lder&#8221;, die laut Auskunft eines Ureinwohners &#8220;Kinder stiehlt&#8221; und &#8220;manchmal b\u00f6se und manchmal gut&#8221; ist. Emily Carr beschreibt dann ihre Eindr\u00fccke, die die Statuen auf sie ausl\u00f6sten und wie sie ihren Frieden mit ihnen fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt die Geschichte der sterbenden Frau, die eine Bluse von Emily will und dann das Dorf &#8220;Greenville&#8221;, das ein moderneres mit L\u00e4den, einer Fischfabrik, etcetera ist. Die Indianer sind aus ihren alten dorthin gezogen oder wurden \u00fcbersiedelt. Die Totempf\u00e4hle haben sie zur\u00fcckgelassen und nun verfallen sie oder werden von den Wei\u00dfen abtransportiert und in ihre Museen gestellt, wie Emily Carr etwas zynisch schreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie reist  mit ihren Zeichensack durch die D\u00f6rfer, beziehungsweise l\u00e4\u00dft sie sich von Booten dorthin bringen, dabei hat sie seltsme Begegnungen, so wie beispielsweise mit der Frau, die sie mit zwei Kindern, einem Baby und einem gr\u00f6\u00dferen, die gar nicht ihre sind, dorthin bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>die Inidianer wollen oftmals nicht mit ihr auf der Insel schlafen, sondern kehren auf ihr Boot zur\u00fcck und eine davon ist Louisa in deren Haus sie sp\u00e4ter \u00fcbersiedelt und die einige Kinder hat, von denen die Missionare wollen, da\u00df sie  in ein Internat schickt, da\u00df die Kinder dann entfremdet, so da\u00df Emily davon abr\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte, die in der Schulfassung weggelassen wurde, ist die von der Frau, die ein wei\u00dfes Kind aufzieht, das ihr dann, um die Schule zu besuchen weggenommen wird, so da\u00df sie sich in den Tod hineinweint.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Mary, die Waschfrau, die die kleine Emily zum Essen rufen mu\u00df, eine abenteuerliche Schiffahrt und eine Reise in ein Dorf das die sch\u00f6nsten Totempf\u00e4hle hat. Emily will unbedingt dort hin, alle raten ihr ab, die Hinfahrt ist beschwerlich, am Ende nimmt sie die H\u00e4uptlingsfrau aber bei sich auf und alles wird gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Buchr\u00fccken gibt es noch eine kurze Beschreibung, die auf  Emily Carrs eindrucksvolle und poetische Sprache hinweist, &#8220;die den geschulten Blick der Malerin verr\u00e4t.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt noch eine Neuerscheinung und noch ein Buch des wunderbaren &#8220;Verlags das kulturellen Ged\u00e4chtnissen&#8221; k\u00f6nnte ich fast pathetisch schreiben, denn, der offensichtliche kleine Verlag, bringt wunderbare Neuentdeckungen. 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