{"id":8739,"date":"2011-09-15T00:27:31","date_gmt":"2011-09-14T22:27:31","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=8739"},"modified":"2011-09-15T00:27:31","modified_gmt":"2011-09-14T22:27:31","slug":"die-leichten-schritte-des-wahnsinns","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8739","title":{"rendered":"Die leichten Schritte des Wahnsinns"},"content":{"rendered":"<p>Trotz <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/13\/leo-perutz-preis\/\">Leo-Perutz-Preis<\/a> die Besprechung eines russischen Krimis, n\u00e4mlich Polina Daschkowas &#8220;Die leichten Schritte des Wahnsinns&#8221;, das ist auch der interessant, vor allem wenn die Heldin Lena Polanskaja heii\u00dft und in Moskau im M\u00e4rz 1996 mit dem Kinderwagen und der zweij\u00e4hrigen Tochter Lisa nach Hause geht und dabei von einem dunkelblauen Volvo verfolgt wird.<br \/>\nLena ist sechsunddrei\u00dfig Hahre alt, mit einem Polizei-Oberst verheiratet und Redakteurin einer Literaturzeitschrift, vor f\u00fcnfzehn Jahren war sie mit ihrer Freundin Olga und deren Bruder Mitja auf einer Delegation in Sibirien, wo sie ihre Literaturzeitschrift in einem Gef\u00e4ngnis vorstellte und dabei die Gedichte des rangtiefsten H\u00e4ftlings ver\u00f6ffentlichte.<br \/>\nInzwischen ist viel Zeit vergangen, der Kommunismus verschwunden, die freie Marktwirtschaft mit ihren mafia\u00e4hnlichen Strukturen hat Einzug genommen, so werden auch \u00fcberall die Menschen ermordet und so berichtet Olga auch gleich ihrer Freundin, da\u00df ihr Bruder, ein Liedermacher, angeblich Selbstmord im Drogenrausch begangen haben soll, obwohl nur seine Frau Katja rauschgifts\u00fcchtig war. Die geht zu einer ber\u00fchmten Therapeutin und wird irgendwann auch ermordet und noch ein anderer S\u00e4nger und es kommt auch der Leiter des gr\u00f6\u00dften Musikkonzerns dazu, der seine Leichen im Keller hat, hatte er n\u00e4mlich einen ber\u00fchmten revolution\u00e4ren Gro\u00dfvater, an den ihn seine Mutter immer mahnte, ansonsten hatte sie nur wenig Liebe zu ihm, so da\u00df er nicht umhin konnte, die Frauen, zu denen er sexuellen Kontakt hatte, gleich zu ermorden. 1981 ist er Kulturamtsleiter in Tobol und hat die Aufgabe die drei Studenten durch die Gef\u00e4ngnisse zu f\u00fchren, dabei verliebt er sich in Lisa und Mitja sieht einmal Blut an seinem Pullover, kurz nachdem ein junges M\u00e4dchen ermordet wurde. Daf\u00fcr h\u00e4lt nat\u00fcrlich ein anderer den Kopf hin und der Polizist der Verdacht sch\u00f6pft, wird ebenfalls ermordet,  wie das in Russland so sein scheint und  Wenjamin Wolkows Frau Regina ist auch ein Kind aus Tobol und hatte das Pech sehr h\u00e4\u00dflich zu sein, ihre Mutter eine Bibiliothekarin tr\u00f6stete sie zwar mit den inneren Werten und der sch\u00f6nen Literatur, Regina studierte aber Medizin, besch\u00e4ftigte sich mit Hypnose und Gerichtsmedizin und verf\u00fchrte Wenjamin, den sie st\u00e4ndig hypnotisierte, so da\u00df sie nicht ermordet wurde, sondern seine Frau und mit ihm den gr\u00f6\u00dften Musikkonzern aufbaute.<br \/>\n1996 erinnert sich Mitja nun an das Blut am Pullover und Olga erz\u00e4hlt Lena, da\u00df sie nicht an den Selbstmord glaubt. Dann verliebt sich noch der Musikproduzent ein zweites Mal unsterblich in Lena, Regina versucht  sie zu ermorden und schmuggelt Sprengstoff in den Kinderwagen, nur leider parkt sie auf dem Parkplatz des hiesigen Mafiabosses, der l\u00e4\u00dft sich das nicht gefallen, so da\u00df die Bombe zu fr\u00fch losgeht.<br \/>\nLena sch\u00f6pft Verdacht und soll au\u00dferdem, w\u00e4hrend ihr Mann auf einen Kongre\u00df in London ist, noch ganz zuf\u00e4llig einen amerikanischen Historiker durch Sibirien begleiten. Da wird es dann richtig gef\u00e4hrlich, denn Regina hat sich an die gr\u00f6\u00dften Mafiabosse gewandt und denen M\u00e4rchen vom CIA erz\u00e4hlt, so da\u00df der Professor  nicht nur Schwierigkeiten hat, sich in Sibirien vegetarisch zu ern\u00e4hren, das Gep\u00e4ck wird auch durchw\u00fchlt, eine Puderdose verschwindet und zuletzt wird Lena noch entf\u00fchrt. Das Wunder kommt in dem dichtenden H\u00e4ftling, der sich inzwischen zum gr\u00f6\u00dften Profikiller entwickelt hat, der ist Lena n\u00e4mlich dankbar, so da\u00df er sie nicht ermordet, sondern durch die Taiga schleppt, bis sie ihr Mann mit dem Polizeihubschrauber findet. Regina hat inzwischen ihren Mann ermordet, nat\u00fcrlich so, da\u00df niemand etwas beweisen kann, so da\u00df sie in den Talkshows dar\u00fcber Auskunft gibt, da\u00df sie leider leider den Konzern nun alleine weiterf\u00fchren mu\u00df. Sie ist auch nicht mehr h\u00e4\u00dflich, sondern hat sich l\u00e4ngst den Schweizer Sch\u00f6nheitschirurgen unters Messer gelegt, einen jungen Liebhaber hat sie auch.<br \/>\nSchade nur, da\u00df sich der beste Profikiller &#8220;anschickt seine \u00fcbliche Arbeit zu tun, aber nicht auf Bestellung und nicht f\u00fcr Geld. Nur f\u00fcr sich allein.&#8221;<br \/>\nDas wars und wir haben einen Einblick in das Leben Russlands von 1996 bekommen. Da\u00df es dort sehr gewaltt\u00e4tig zugeht, h\u00f6ren wir in den Medien, die 1960 in Moskau geborenen Polina Daschkowa, die inzwischen eine der erfolgreichsten Krimiautorinnen Ru\u00dflands ist und am Gorki-Literaturinstitut in Moskau studierte, schildert es sehr eindrucksvoll und plastisch, wenn auch ein wenig langatmig. K\u00f6stlich die Stelle, wo der lokale Mafiaboss, der in dem Wohnblock eine Geliebte hat, auf ihren Moskwitsch auff\u00e4hrt, der Kinderwagen sich vorzeitig entz\u00fcndet und die eiskalte \u00c4rztin, die sich trotz ihrer Millionen \u00e4rmlich angezogen hat,  aussteigen und in einen Bus fl\u00fcchten mu\u00df. Dort wird sie beim Schwarzfahren erwischt, sie hat nat\u00fcrlich kein Geld dabei, denkt sie doch nicht an sowas, nur noch Teile des Sprengsatzs in der Handtasche, als die Kontrollore, die Polizei rufen wollen, erbarmt sich eine junge Mutter, zahlt f\u00fcr sie das Bu\u00dfgeld und ist verbl\u00fcfft, da\u00df Regina dann ein Auto anh\u00e4lt, wie das in Moskau offenbar so \u00fcblich ist und nach Hause in ihre schwerbewachte Millionenvilla braust  und als  fast ist und Lena mit Lisa, ihrem Mann und noch einen anderen Polizisten die Talkshow mit Regina sehen und der Polizist, so erbost dar\u00fcber ist, da\u00df man Regina nichts anhaben kann und droht, sie selbst umzubringen, schaut ihm das Kind streng an und fragt &#8220;Warum schreist du so? Man darf niemanden umbringen! Hast du verstanden? Und \u00fcberhaupt, mach endlich das Sandm\u00e4nnchen an!&#8221;<br \/>\nSehr k\u00f6stlich und interessant, dieser B\u00fccherkastenfund, ich habe von Polina Daschkowa in einer Thalia Abverkaufskiste \u00fcbrigens schon ein anderes Buch gefunden &#8220;Nummer f\u00fcnf hat keine Chance&#8221;, wo es um eine Lehrerin geht, die mit einer Pr\u00e4mie die sie bekommen hat, aus der Provinz nach Moskau f\u00e4hrt, um irgendein dringend notwendiges St\u00fcck zu kaufen, nur ger\u00e4t sie leider vorher in die F\u00e4nge eines Wettsalons.<br \/>\nWenn man \u00fcber das Leben im neuen Russland etwas erfahren will, ist Polina Daschkowa wahrscheinlich sehr zu empfehlen, auch wenn ich bezweifle, da\u00df man mit Hypnose wirklich so arbeiten kann, wie es Regina Valentinowna tut. In der Hauptb\u00fccherei war Polina Daschkowa vor ein paar Jahren auch zu erleben. Ich wei\u00df allerdings nicht mehr aus welchen Buch sie gelesen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz Leo-Perutz-Preis die Besprechung eines russischen Krimis, n\u00e4mlich Polina Daschkowas &#8220;Die leichten Schritte des Wahnsinns&#8221;, das ist auch der interessant, vor allem wenn die Heldin Lena Polanskaja heii\u00dft und in Moskau im M\u00e4rz 1996 mit dem Kinderwagen und der zweij\u00e4hrigen &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=8739\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-8739","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8739"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8739\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}