{"id":874,"date":"2009-02-19T23:42:43","date_gmt":"2009-02-19T22:42:43","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=874"},"modified":"2009-02-19T23:42:43","modified_gmt":"2009-02-19T22:42:43","slug":"von-der-zuverlasigkeit-des-schonen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=874","title":{"rendered":"Von der Zuverl\u00e4ssigkeit des Sch\u00f6nen"},"content":{"rendered":"<p>Das ist der Titel einer GAV-Veranstaltung, die Christl Greller heute im Literaturhaus mit Anna Kim, Serafettin Yildiz und einer Einleitung von Hubert Christian Ehalt veranstaltet hat.<br \/>\nWow, die Gl\u00fcckliche, wir freuen uns, da\u00df diese GAV-Veranstaltung bei uns stattfinden kann, hat Robert Huez zur Einleitung gesagt.<br \/>\nNun ja, da k\u00f6nnte man ja neidisch werden, ich h\u00f6re aber gleich zu jammern auf und bin auch eher zuf\u00e4llig hingekommen.<br \/>\nWeil ich das Gef\u00fchl hatte, ein Veranstaltungsdefizit zu haben und  nichts vers\u00e4umen wollte und dann war es auch interessant.<br \/>\nWeil  ein spannendes Thema &#8211; das Sch\u00f6ne in der Literatur.<br \/>\nDarf man das denn, nach Auschwitz noch Gedichte schreiben oder von der Liebe reden ohne kitschig zu sein?<br \/>\nRobert Menasse hat es mit seinem &#8220;Don Juan&#8221; im Vorvorjahr schon getan und mich begleitet das Thema  ohnehin, weil ich da irgendwie gespalten bin.<br \/>\nAls Verhaltenstherapeutin ist es mein Beruf, den Klienten das positive Denken beizubringen und in der Literatur wird mir das Negative und die \u00d6sterreich-Beschimpfung in der melodisch sch\u00f6nsten Sprache vorexerziert.<br \/>\nNun gut, der 12. Februar ist vorbei und \u00fcber Thomas Bernhard habe ich schon geschrieben.<br \/>\nAber die Frage, wieso man nicht \u00fcber das Sch\u00f6ne schreiben darf, ist sicher interessant.<br \/>\nSilvia Bartl sa\u00df in der ersten Reihe und hat sich intensiv mit Anna Kim unterhalten und Christl Greller hat nach Hubert Ch. Ehalts philosophisch theoretischem Einleitungsreferat genau diesen Punkt angesprochen.<br \/>\nWie geht es einem in einer Welt, die so entsetzlich grausam ist, da\u00df man das Kriegsgeschehen per Lifeschaltung ins Haus geliefert bekommt?<br \/>\nDanach vom &#8220;Bluthimmel&#8221; und &#8220;Kreuzungsarten&#8221; gelesen und von einem hochmusikalischen Einschleichdieb, der von einem Polizisten verfolgt wird, aber angesichts von Bachs wundersch\u00f6nen T\u00f6nen den vorbereiteten Schmuck liegen l\u00e4\u00dft. Haarscharf am Kitsch vorbei und dann sprach Serafettin Yildiz \u00fcber die Liebe, die nicht kitschig sein kann, also genau Menasses Thema, der daf\u00fcr eine Sprache finden wollte, die nicht zotig klingt und  schlie\u00dflich sich selbst nach 1968 beschrieben hat.<br \/>\nDie sch\u00f6nste Sprache hatte aber ohne jeden Zweifel Anna Kim und las aus der &#8220;Bilderspur&#8221; und der &#8220;Gefrorenen Zeit&#8221; und stellte sich auch sehr interessant vor.<br \/>\nSie sagte n\u00e4mlich w\u00f6rtlich &#8220;Schreiben ist Manipulation der Leser!&#8221; und f\u00fchrte an, da\u00df man das durch bestimme W\u00f6rter, Melodik und Rhythmik der Sprache erreichen kann.<br \/>\nUnd da sind wir wieder bei Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek, die das Negative ja mit der h\u00f6chsten Melodik erschreiben und Anna Kim hat mit den klingensten Worten zweimal  \u00fcber den Schmerz und das Sterben geschrieben und  dazu gesagt, da\u00df das Schwierige bei ihrem zweiten Buch war, da\u00df angesichts des Themas die Sprache verstummt.<br \/>\nDanach kam die Diskussion und die war ebenfalls interessant.<br \/>\nN\u00e4mlich die sehr jungen Leute im Publikum, die ihr Recht auf Horrorfilme verteidigten und meinten, da\u00df sie schon absch\u00e4tzen k\u00f6nnten, was sie vertragen.<br \/>\nWas ihnen auch zugestanden sei, ihr pers\u00f6nlicher Horrorfilm, wie vielleicht auch das Recht auf den ersten Rausch.<br \/>\nInsgesamt sieht es die Psychologin aber kritischer, weil es ja nicht die Realit\u00e4t ist, da\u00df die Eltern kontrollieren, was gesehen wird, sondern meist keine Ahnung haben, was in den Videospielen ihrer Kinder vor sich geht und die Videoaufnahmen im Internet, wo Gewalt an Schw\u00e4cheren just for fun ver\u00f6ffentlicht wird, ist nicht das Meine und auch die Sozialverlierer sind es nicht, die am Wochenende auf der Stra\u00dfe stehen und mit einem Schlagring ihre St\u00e4rke zeigen, weil sie sonst nichts haben.<br \/>\nInsgesamt denke ich,  ist alles da , das Gute und das B\u00f6se und man kann das Negative melodisch, das Sch\u00f6ne kitschig beschreiben und leben m\u00fcssen wir in der Realit\u00e4t, da\u00df es beides gibt, aber wie schon Wendelin Schmidt-Dengler sagte, das Negative eben immer etwas st\u00e4rker ist.<br \/>\nDanach bin ich mit Rotwein und Knabberkeksen eine Weile isoliert herumgestanden, dann habe ich Anna Kim auf ihre Buchpreispr\u00e4mie angesprochen und Robert Huez und Silvia Bartl zu den &#8220;Mittleren&#8221; ins Amerlinghaus eigeladen, Silvia Bartl auch am 12. 3 zu den Textvorstellungen in die alte Schmiede, aber da ist sie schon in Leipzig.<br \/>\nWir fahren ja erst nachher hin und jetzt werde ich noch ein bisschen in die Badewanne steigen und die Briefe, die der alte Gottfried Benn an die junge Ursula Ziebart 1954-1956 geschrieben hat, weiterlesen.<br \/>\nAuch das ist interessant, die junge Liebe des alten Mannes und gro\u00dfen Dichters und die genaue Dokumentation des Briefwechsels der inzwischen Achtzigj\u00e4hrigen und Angelika Reitzers Tagebuchmonat November, den sie diese Woche auf ihren Blog gestellt hat, ist das auch.<br \/>\nDie Erlebnis\u00fcberschneidungen n\u00e4mlich, die es gegeben hat. Auf der Buchmesse war sie  auch und ihr kleines Fest des Lesens habe ich vers\u00e4umt, weil ich Mails an Franz-Joseph Huainigg geschrieben habe und sie hat Thomas Bernhards Preisgeschimpfe schon im November im FAZ-Vorabdruck gelesen und die Idee geboren, da\u00df es vielleicht kein echter Bernhard ist, sondern von einem Lektor in seinem Stil geschrieben wurde, um etwas zum Todestag zu haben.<br \/>\nInteressant, auf diese Idee w\u00e4re ich gar nicht gekommen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist der Titel einer GAV-Veranstaltung, die Christl Greller heute im Literaturhaus mit Anna Kim, Serafettin Yildiz und einer Einleitung von Hubert Christian Ehalt veranstaltet hat. 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