{"id":87434,"date":"2020-08-09T00:00:42","date_gmt":"2020-08-08T22:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=87434"},"modified":"2020-08-09T00:00:42","modified_gmt":"2020-08-08T22:00:42","slug":"kino-alter-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=87434","title":{"rendered":"Kino alter Zeiten"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt ein Erz\u00e4hlband, den ich eigentlich ins <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/05\/20\/wieder-doml-statt-demo-dilemma\/\">Doml<\/a> mitnehmen und Stephan Teichgr\u00e4ber zeigen m\u00fc\u00dfte, wenn es seine Workshops noch gibt, n\u00e4mlich ein schon ziemlich abgen\u00fctzt wirkendes DDR-B\u00e4ndchen aus dem &#8220;Volk und Welt-Verlag&#8221; von 1975 mit, wie in der Beschreibung steht, zwei Erz\u00e4hlzyklen des 1918 geborenen Ungar Ivan Mandy.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habs im Schrank gefunden und auf meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/leseliste\/\">heurige Leseliste<\/a> gesetzt, dann habe ich, als ich  Anfang des Jahres die B\u00fccher heraussuchte, nicht <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/02\/14\/buecherraeumgeschichten\/\">gefunden, l\u00e4nger gesucht<\/a> und jetzt das Lesen<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/08\/03\/neue-buchpreisspekulationen\/\"> noch geschafft.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Den Autor habe ich nicht gekannt und konnte auch im Netz au\u00dfer seinen Lebensdaten 1918 in Budapest geboren, 1995 dort gestorben und 1993 f\u00fcr den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, nicht sehr viel  finden.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem schmalen B\u00fcchlein gibt es die schon erw\u00e4hnten zwei Erz\u00e4hlzyklen, das Titel gebende &#8220;Kino&#8221; und dann noch &#8220;Was gibts Alter?&#8221; und das Genre Erz\u00e4hlzyklus, wo sich die Handlung in einzelnen Geschichten fortschwingt war mir auch eher unbekannt, finde ich aber interessant.<\/p>\n\n\n\n<p>Geschichten \u00fcbers Kino also und da steht in dem eher knapen Beschreibungstext, da\u00df sich Mandy &#8220;Den Graut\u00f6nen&#8221; des Lebens widmet und &#8220;Das Dassein jener Unsichereren und Empfindsamen, die an den Rand der Gesellschaft geraten sind und vom Erfolg, vom Anderssein \u00fcberhaupt nur zu tr\u00e4umen wagen. In der Flimmerwelt des Kinos zum Beispiel&#8221;, beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt mit einem &#8220;Motto&#8221;, da wird nach Filmen gefragt und f\u00fchrt dann zu der Erz\u00e4hlung &#8220;Die graue M\u00fctze&#8221; hin, wo ein Jungen einem die M\u00fctze eines ber\u00fchmten Regisseurs zeigt, die er von seinem Onkel, einem Filmvorf\u00fchrer bekommen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Junge, Karoly Bonaja ist sein Name, will dann gleich nach der Schule mit dem Vater ins Kino gehen und sich die &#8220;Wikinger&#8221; ansehen. Der kommt aber nicht und hat auch kein Geld. So bleibt ihm nichts anderes \u00fcber, als sich in die Welt des &#8220;Kino-Lebens&#8221;, das sind Kinozeitschriften, die im Kasten liegen, zu versenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter geht er mit dem Vater dann doch hin, nicht ins &#8220;Roxy&#8221; oder ein anderes gro\u00dfes Kino, sondern in ein altes, in dem es nach K\u00e4se riecht. Mitten in der Vorstellung schweben die Beiden dann hinaus und der Vater will dem Sohn einen Wikingerhelm kaufen, den er am Markt nat\u00fcrlich nicht bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Karoly schreibt &#8220;Kinoheft&#8221; auf sein Schulheft und schreibt dort alle Partner der ber\u00fchmten Greta Garbo auf, er tr\u00e4umt von der &#8220;sch\u00f6nen Telefonistin&#8221; &#8220;Colleen Moore, lebt mit dem Vater, der Redakteur ist, aber kein Geld hat und so manchmal nur ein Pfund Roggenbrot und etwas Butter nach Hause bringt, so da\u00df sie nicht ins Kino k\u00f6nnen, in einem Hotel beim Bahnhof und in der letzten Episode l\u00e4\u00dft der Junge oder Ivan Mandy, der dieser vielleicht einmal war, die Schauspielerin Norma Shearer, die wir schon von fr\u00fcheren Episoden kennen, nach dem Jungen fragen und wirft am &#8220;Schlu\u00df einen Ball in den dunklen Zuschauerraum des Roxy hinein&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr eindrucksvoll dieser Gang durch die Kinogeschichte der Neunzehnzwanziger- und Drei\u00dfigerjahre, wo es noch Stummfilme und Klavierspieler gab und sehr eindrucksvoll auch, da\u00df damit die DDR-B\u00fcrger in den Neunzehnsiebzigerjahren ermuntert wurden, sich in diese Kinowelt eines armen Jungen der Sehnsucht nach der gro\u00dfen Starwelt hat, hineinzubegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr eindrucksvoll und interessant und ein Roman \u00fcber das Kino steht \u00fcbrigens demn\u00e4chst auch noch auf meinem Leseprogramm.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil &#8220;Was gibt`s, Alter?&#8221;, geht es wieder um einen Sohn der mit seinem Vater eine Zeitlang in einem Hotel wohnte. Der ist aber Schriftsteller, hei\u00dft Janos Zsamboky und der Zyklus beginnt, wie der erste mit einem &#8220;Motto&#8221;, diesmal mit einem &#8220;Traum&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p> Dann besucht er den Vater offenbar in einer Psychiatrie, denn der hat Zwangsvorstellungen, beziehungsweise einen Selbstmordversuch hinter sich und bei der n\u00e4chsten Geschiche, Kapitel  &#8220;Besuch bei Mutter&#8221; ist die offenbar schon gestorben. Denn er unterschreibt eine Verzichtserkl\u00e4rung, da\u00df die Kleider im &lt;krankenhaus verbleiben. Dann gibt er dem Ankleider das blaue Kleid mit dem wei\u00dfen Kragen, der ihm r\u00e4t so schnell, wie m\u00f6glich die Bestattung zu informieren, um die Mutter wieder loszuwerden. Ein bi\u00dfchen surreal und geheimnisvoll der Geschichenton, der sich wieder, was ich ja spannend finde und<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/12\/quasikristalle\/\"> auch<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2020\/07\/12\/im-stein\/\">schon<\/a><a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_dreizehn.html\"> lang verfolge<\/a>, zu einem Roman formt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann w\u00fchlt Janos in den Notizen seiner Mutter, wo sie Kochrezepte aufgeschrieben hat, aber auch, da\u00df sie von einer O. geschlagen und von einem G. gew\u00fcrgt wurde, als sie dem Jungen Schokolade brachte und er erinnert sich durch die Wohnung gehend, der Vater hat die Mutter Ilonka bald zu zu einer Tante Vali abgeschoben und sich die Juwelierstochter Olga, die der Junge Tini nennen mu\u00dfte, als zweite Frau genommen. Der Vater war \u00fcberhaupt ein recht ambivalenter Typ, Geige spielend und Gedichte schreiben, Journalist, wie der Vater des Jungen aus dem vorigen Text. Er spekulierte auch und zog mit der Familie durch verschiedene Wohnungen, bevor er in dem sch\u00e4bigen Hotel neben dem Bahnhof landete. Die zweite Frau hat er auch hinausgeschmissen, nachdem er sie um ihr Geld brachte und der Junge hat sich irgendwann geweigert, die Schule zu besuchen. Da hat ihn wohl, wie den Notizen zu entnehmen ist, der Vater oder war es die Tante in eine Besserungsanstalt bringen wollen und der Sohn beugt sich \u00fcber den Tisch &#8220;betrachtet den Haufen&#8221; und murmelt &#8220;Du hast das erfunden Vater! Das alles hast du erfunden!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es in vier k\u00fcrzeren Geschichten ins Espresso Barbara, wo er die Servierm\u00e4dchen kennt und ein Interview \u00fcber einen seiner Filme geben soll. Eine Fotografin kommt zu Besuch und die letzte Geschichte widmet sich dem &#8220;Lich des Erfolgs&#8221;, des Schriftstellers.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vater und die Mutter, die in den sp\u00e4teren Geschichten auch mehr zusammen wohnen, kommen immer wieder vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6ne surreale Geschichten k\u00f6nnte man sagen und wahrscheinlich auch den psychoanalytischen Bezug reflektieren. Damit hat es die Verhaltenstheapeutin nicht so sehr, mich interessiert, sondern, wie schon geschrieben, mehr die Frage, wie aus Geschichten ein Roman entsteht und was die diesbez\u00fcglichen Kriterien und Vorgangsweien sind und habe  wieder einmal viel gelernt und vor allem und nicht zu vergessen, durch den offenen B\u00fccherschrank, einen Schriftsteller kennengelernt, der sonst an mir vorbeigegangen w\u00e4re, weil er heute wahrscheinlich sehr vergessen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Erz\u00e4hlband, den ich eigentlich ins Doml mitnehmen und Stephan Teichgr\u00e4ber zeigen m\u00fc\u00dfte, wenn es seine Workshops noch gibt, n\u00e4mlich ein schon ziemlich abgen\u00fctzt wirkendes DDR-B\u00e4ndchen aus dem &#8220;Volk und Welt-Verlag&#8221; von 1975 mit, wie in der Beschreibung &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=87434\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[550,1838,2844,5924],"class_list":["post-87434","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher-lesen","tag-erzaehlzyklus","tag-ivan-mandy","tag-ungarn"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/87434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=87434"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/87434\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=87434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=87434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=87434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}