{"id":88214,"date":"2020-08-28T00:07:28","date_gmt":"2020-08-27T22:07:28","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=88214"},"modified":"2020-08-28T00:07:28","modified_gmt":"2020-08-27T22:07:28","slug":"ein-mann-liest-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=88214","title":{"rendered":"Ein Mann liest Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt kommt ein historisches Zeitdokument, ein Roman, der wahrscheinlich wieder als Zeitbericht zu bezeichnen w\u00e4re, des  von 1886-1970 lebenden Journalisten Justin Steinfeld, der in Hamburg geboren, nachdem er in Schutzhaft 1933 zuerst nach Prag und danach nach England emigirierte, wo er verstarb.<\/p>\n\n\n\n<p> Der Roman der 1984 erstmals von seinem Neffen im &#8220;Malik-Verlag&#8221; herausgegeben wurde, beschreibt sehr viel Autobiografisches. Anmerkungen, die sich auf den Autor beziehen, gibt es auch und er beschreibt eigentlich nichts anderes, als, da\u00df ein aus Deutschland geflohener Gesch\u00e4ftsmann, den er Leonhard Glanz nennt, in einem Prager Kaffeehaus sitzt, dort einen Kaffee und eine Semmel bestellt und dabei Zeitung liest.<\/p>\n\n\n\n<p>Das passiert mit Anmerkungen und Nachwort des jetzigen Herausgebers versehen, auf fast f\u00fcnfhundert Seiten und Glanz oder Steinfeld kommen dabei vom Hundersten ins Tausendsten, so da\u00df dem Leser der Bart sogar bis in die Marmorplatte des Kaffeehaustisches hineinw\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der j\u00fcdische Gesch\u00e4ftsmann wurde von dem Prokurist, den der Vater protegiert und eingestellt hat, enteignet und in Schutzhaft gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt sitzt er da und studiert die Annoucen, darf als Emigrant aber nicht arbeiten. Er studiert auch die Announcen die Wiener Freudenm\u00e4dchen damals in Zeitungen aufgaben &#8220;Junge Dame sucht..&#8221;, weil prostitution ja verboten war, die die Nazis dann wieder einf\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p> Er schreibt von seiner Schwester, die Klavierspielen lernten, sich verheiratete und sich dann als Kulturf\u00f6rderin mit eigenem Salon bet\u00e4tigte, seine Mutter kommt vor, die als Urne neben dem Vater liegen wollte, aber nicht konnte, weil dieses nicht auffindbar war, die Mutter schw\u00e4rmte von Schiller und Goethe, der Sklavenhandel kommt vor und viele politische gesellschaftliche und andere Anspielungen, die damals wohl in den Zeitungen standen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stil wechselt vom expressionisch experimentellen in Gedichtform ab, es kommt zu einem Dialog mit dem Ich, was das Lesen trotz des umfangreichen Anhanges wohl ein wenig schwierig macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist aber trotzdem, als sehr Interessantes, weil als sehr authentisches Zeitdokument zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p> Im Nachwort wird das Leben des Autors erkl\u00e4rt. Er kam aus einer Handelsfamilie, sollte eigentlich auch Gesch\u00e4ftsmann werden, wurde dann  Redakteur und schlo\u00df sich einer Theatergruppe an.<\/p>\n\n\n\n<p>Fotos von ihm, den Zeitschriften, die er herausgegeben hat und seinen Schwestern, gibt es im Mittelteil auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder werden kulturelle Anspielungen und kritische Bemerkungen \u00fcber das Kulturgeschehen gemacht. Hans Henny Jahnn, mit dem er wohl befreundet war, wird erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anschlu\u00df \u00d6sterreichs an Deutschland, der Kardinal Innitzer und seine Einstellung zu den Nazis wird erw\u00e4hnt und der Einmarsch der deutschen Truppen in Prag. Da ist Steinfeld nach England geflohen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Protagonist, der auch, um einen Teppich betrogen wurde, hat es da viel schwerer, wei\u00df nicht, ob er das tuen soll, kommt auch wohl zusp\u00e4t, weil die Nazis schon die Br\u00fccken besetzt haben, als er es doch tun will.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch schlie\u00dft mit der Bemerkung &#8220;Ende des ersten Teils&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Zweiten hat es wohl nicht gegeben. Jetzt ist das Buch bei &#8220;Sch\u00f6ffling &amp; Co&#8221; von Wilfried Weinke herausgegeben worden, der auch das Nachwort geschrieben hat. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein historisches Zeitdokument, ein Roman, der wahrscheinlich wieder als Zeitbericht zu bezeichnen w\u00e4re, des von 1886-1970 lebenden Journalisten Justin Steinfeld, der in Hamburg geboren, nachdem er in Schutzhaft 1933 zuerst nach Prag und danach nach England emigirierte, wo &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=88214\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2662,3037,4251,4633,5060],"class_list":["post-88214","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-holocaust","tag-justin-steinfeld","tag-neuherausgabe","tag-prag","tag-schoeffling-co"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=88214"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/88214\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=88214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=88214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=88214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}